Hilfreiche Belehrungen

gaense

Gänse auf dem Stoppelacker:
Kann ich durch sie schreiten wacker,
oder sollte ich stattdessen
Abstand halten, nicht vergessen,
was mich einst die Kindheit lehrte,
als ein Schnabel harsch verheerte
meine Wade? — Das tat weh!
Ich bin feige und ich geh
um die Vögel einen Bogen.
Schließlich bin ich gut erzogen.

Falls du also Gänse triffst
abends auf dem Boulevard:
Achte, dass du sie umschiffst,
denn gefährlich ist die Schar.

Vom Nachtschlaf

Karl Gong, der das Wetter der letzten Tage ziemlich persönlich nahm und fluchend im nassgeschwitzten Unterhemd auf dem nassgeschwitzten Laken vergeblich die Ankunft des Nachtschlafes erwartete, beschloss nach wenigen Stunden harter Überlegungen, die nur durch das Konsumieren der in Reichweite plazierten Singlemaltflasche gelindert wurden, sich auf die Dachterrasse zu legen, wo ein kleiner Wind wehen und die Temperatur jene der Wettervorhersage nicht überschreiten sollte, eigentlich.

Gedacht, gewälzt, getan; Gong zieht sich beim Bereiten der Bettstatt einen Plankensplitter ein, legt sich schnaubend auf die Luftmatratze und schließt die Augen. Wind. Erträgliche Temperaturen. Die nächtlichen Geräusche des Ortes. Ein Nachbar, der mehrere Tonnen Grillkohle durch ein Sieb zu schaufeln versucht (so klingt es). Igel, die Futternäpfe über fußballfeldgroße Fliesen schieben. Straßenbahnen, die auf der Suche nach ihren Depots stundenlang gellend durch die Straßen irren. Der übliche Honk mit dem Motorrad. Die Südschleife der kommerziellen Paketfliegerei. Die leise giggelnden Sterne, besonders die im Kleinen Wagen.

“Wenn ich jetzt bitte sterben dürfte?” fragt Karl Gong fatalistisch von seiner viel zu dünnen Luftmatratze aus, zu dünn sogar, um herunterzufallen.

“Dann musst du mehr saufen, Alter!” ertönt von oben eine Stimme.

Oktoberfest-Vorbereitung

“Dieses Oktoberfest”, sprach Karl Gong in Anbetracht der verfrüht von den Bäumen abfallenden Blätter zu seiner Gattin, und er setzte das Wort ‘Oktoberfest’ mit hochgezogenen Augenbrauen sozusagen in Gänsefüßchen, “dieses Oktoberfest ist doch immer im September.”

“Jawohl”, erwiderte die Gattin gepflegt. “Deshalb heißt es ja auch Oktoberfest.”

“Wollen wir daran teilhaben, Gattin?”

“Niemals.”

“Na, auch gut”, sprach Karl Gong.

Amnesie

botschaft

Seit ich mir nichts mehr merken konnte, fotografierte ich alles, was ich mir merken wollte.

Zum Beispiel Botschaften, die mittels Leuchtreklame an mich herangetragen wurden. Ich nahm die Botschaften auf, vergaß sie sofort und hatte gute Tage.

Aber als ich mir dann die Bilder ansah, stellte ich fest, dass sich auch der Fotoapparat nichts mehr merken konnte. Oder wollte.

Egal.

Mehr Johannisbeer-Wächtertiere!

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“Würde es, um den Faden wieder aufzunehmen”,  sprach der Biologe zu Karl Gong, “in diesem Land mehr Johannisbeer-Wächtertiere geben, wäre allen geholfen.”

“Welcher Faden?” fragte Karl Gong, der in seinem großen Gehirn gerade gänzlich andere Probleme bearbeitete.

“Johannisbeer-Wächtertiere sind sehr hübsch”, führte der Biologe weiter aus, “und sie bewachen die Johannisbeeren.”

“Was denn für Johannisbeeren?” fragte Karl Gong, sich mit äußerster Kraftanstrengung auf dieses abwegige Thema konzentrierend. “Zur Zeit sind überhaupt keine Johannisbeeren existent, außer in Konserven, Marmeladen oder Tiefkühlkombinationen.”

“Genau das ist das Problem in diesem Land!” sprach der Biologe blöd auftrumpfend, wie alle, die gern blöd auftrumpfen.

Karl Gong stöhnte geräuschvoll, überlegte eine Replik, unterließ es aber, diese zu äußern, und begab sich wieder in seine Problemwelten, die ihn mehr interessierten als irgendwelche übriggebliebenen Urzeitpferdchen, die wie aufgezogen im Kreis auf Eimerrändern herumrannten.

Vielleicht ein Fehler.

Dialog auf der Brücke

schiffswettlauf

Hör doch, die Ratte, wie sie pfeift.

Den haben wir.

Der hat keine Chance.

Versager.

Mach mal schneller.

Jaja.

Schneller.

Ja.

Sohn einer läufigen Hündin.

Bitte?

Der da, in seinem Turm.

Ach so.

Schneller.

Jaja.

(dumpfer Schlag)

Das war der Diesel.

Na klar. Der Diesel.