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Vom Umziehen

Als Karl Gong wieder einmal umziehen musste, weil er die neuesten Mietangebote einfach nicht ausschlagen konnte, und er bei diversen Speditionen anfragte, ob sie sich in der Lage sähen, sein Gelumpe zu transportieren und treppab, treppauf zu hucken, drängte sich ihm ein Vertreter der Firma Ernst Klapp Möbel mit unverschämt günstigen Preisen regelrecht auf.

Als Karl Gong, um keinen guten Wortwitz verlegen, am Telefon wiehernd vermutete, sie seien bei Klapps wohl so preiswert, weil sie nur raumsparende Klappmöbel spedierten, und er verfüge leider nicht über solche, entgegnete der Vertreter ebenfalls wiehernd: Danach schon.

So schieden sie in bestem Einvernehmen, nachdem sie Termin und Treffpunkt vereinbart hatten, und natürlich wurde es nach dem Umzug für Gong noch schlimmer als vorher, wie eigentlich immer.

Aber das lag nicht an Ernst Klapp Möbel.

An die Dampfzüge

schachtelhalm

Aus dem Schornstein tritt der Qualm.
Ich tret auf den Schachtelhalm.
Wild vorüber fliegt die Lok,
wenn ich nah am Bahndamm hock.
Sitz ich weiter weg im Moos,
ist der Spaß nur halb so groß.
Bin ich nirgends mehr zu sehn,
musst ich in der Schlange stehn,
denn der Kiosk ist beliebt.
(“Kuck mal, ob es Helles gibt!”)
Wenn ich dir das Glas hin streck,
ist der Zug schon lange weg.
Fröhlich sagst du: “Einerlei.”
Denn der nächste kommt halb drei.

Die wehrhafte Gadse

moderne-gadse

Schwarz und rot und strenger Blick.
Was sagst du? Klar bin ich chic.
Niedlich? Nur bevor ich kratze
über deine blanke Glatze.

Wehrhaft hüte ich das Haus.
Wieder Gäste? Was ein Graus.
Können die nicht auswärts grillen?
Ich muss auf dem Sofa chillen.

Dieses ist mein Biotop.
Drum hinfort nun mit dem Mob!
Kenne keine Anverwandten
hier auf meinem Heimquadranten.

Tristesse d’échappement

auspuff

Paarweise ziehen die Menschen durch die Gassen. Angstvoll fassen sie sich an den Händen. Die Sonne scheint, aber tut sie das wirklich? Vielleicht ist ja alles, alles nur ein Fake, das Wetter sowieso, wie die Häuser ringsum, die Türme und Gürchen? Man mag es kaum glauben, aber wahrscheinlich ist es ganz sicher so!

“Habsch dir dor gesacht, Else!”

 

Der Montag naht.

Vergeblich buhlt der Einfachauspuff um Aufmerksamkeit.

Fluch der Technik

kraehen

Wie aufgereiht auf einer Schnur flogen meine schwarzen Gedanken davon; aber sie kehrten dann doch später zurück durch die Telefonleitungen, die die Nachbarn bei den Verantwortlichen bestellt hatten, um sich die Welt ins Haus zu holen.

Guter Rad von Muddi

rad-an-stein

Setz dich nicht zu Himmelfad
auf dein schnelles Sauserad!
Schon der kleinste Kieselstein*
wirft dich nieder hundsgemein.
Lässt dich schrein.
Das muss ni sein.

Nimm die sechsenzwanzscher Möhre.
Was ich sage, Junge, höre!
Quietsche auf der alten Schüttel
mit Gebläke und Gerüttel.
Tempo: kein.
So ist es fein.

*) Beispielfoto oben

Von Träumen und Vorhaben

rippchen

Karl Gong kam morgens nicht so ganz flüssig aus dem Bett, er hatte einen seltsamen Traum genossen, dessen Bilder ihn noch verfolgten, als er das Handtuch über den Heizkörper im Keller legte (der einzige, der noch warm wurde), und er beschloss, abends mal wieder zum Akkordeonklub zu marschieren. Aber vorher würde er einen Teller Rippchen essen und sich dabei sein neues Saurierbuch ansehen.

Ernüchternd

kuehe

Selbst an jenem Tag mit diesem ungewöhnlich hellblauen Lichtstrahl, der plötzlich alles verzauberte und eine kleine Ahnung von Aufbruch und Freiheit erwirkte, standen sie einfach nur dumm rum und wühlten mit ihren Nasen im Dreck.

Immobilien 4

haesslichkeit

Es ist immer wieder faszinierend, was der Mensch tagsüber an Hässlichkeit zu ertragen bereit ist, solange nur abends im Fernsehen Fußball läuft und das Bier kalt gestellt ist.