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Vom Reisen

Aus dem Reisetagebuch

fernseh

Abends in der Pension stellten wir uns auf den Tisch und sahen uns den koreanischen Spätfilm an (mit Untertiteln). Obwohl wir von dem fremdländischen Geschnatter natürlich kein Wort verstanden, ließen wir den Ton laut mitlaufen (wegen der Atmosphäre), bis die Monteure aus dem Nachbarzimmer vor der Tür standen und uns Prügel androhten.

Fata Montana

kamele

Wenn beim Radeln durchs Gebirge solche Tiere wie im Bild sichtbar werden, sollte man es etwas ruhiger angehen lassen, etwas weniger fest in die Pedale treten und langsam der Dehydrierung vorbeugen. Korrekte Sichtungen: Nussknacker, Raachermanneln, Schwibbbögen, schlackebeladene Loren.

Nach Süden

suedbahnhof

Bahnhof Süd. Verheißung.
Fürchtend die Entgleisung
stehe ich vorm Schalter.
“Und, was willste, Alter?”
“Nächster Zug nach Süd,
wo der Flieder blüht.
Aber sicher muss er sein.”
“Isser. Also nu Roßwein?
Oder Döbeln, Leisnig, Mutzschen?
Wohin, Alter, willste kutschen?”
Dreckig ist sein Kittel.
Fehlen hier die Mittel,
auf den schmalen Gleisen
mein geplantes Reisen
freudvoll zu gestalten?
Welche Kräfte walten
in dem Dampf und Walle,
wissen wir ja alle.
Ach, dann eben Risiko!
Und ich rufe fröhlich: “So!
Lass mich durch die Landschaft prügeln
auf dem Stahlroß hin nach Mügeln.”
“Aye Sire, da die Karte. Hier
für zwei Stunden Wartebier.”
“Prost!”
“Prost!”

Die Ingo-Gottheit

uhu

Karl Gong, der bekannte Weltreisende, hatte in frühen Jahren an diversen Ausplünderungen fremder Kontinente teilgenommen, derer er sich mittlerweile innerlich schämte; äußerlich jedoch trug er die Nase oben und behauptete, heute wäre ja alles noch viel schlimmer, und man hätte damals immerhin das Gute gewollt und leider mit dem Hintern den einen oder anderen Tempel umgerissen, aus Unkenntnis zumeist, doch mittlerweile sei man, also er, Gong, moralisch gereift, quasi um die Ecke der Erkenntnis gebogen, geläutert, rein juristisch wäre sowieso nichts zu machen, also überhaupt kein Grund, sich mit Asche aus dem längst dahingegangenen Kachelofen zu pudern.

Im schmuddligen Hof seines engen Anwesens jedoch, schräg über dem gemauerten Grillplatz, der auch schon fröhlichere Fleischzubereitungen gesehen hatte als gerade eben, da die Steckwursten von nebenan ihre eingelegten Kammscheiben auf den Grill schplatzte, von denen ihm so schlecht werden wird, er weiß das, schon beim Verzehren wird ihm schlecht werden von den Knorpeln und Sehnen und Fetträndern, thront auf einem Absatz stramm und feist und passiv-aggressiv die kleine aztekische Gottheit. (Oder ist es eine Ingo-Gottheit? Schuhmannschen? Wer soll das jetzt noch auseinanderhalten?)

Und dann, wenn die Steckwursten nach dem achten Schokobecher Eierlikör lallend fragt, was das für ein Vogel ist, der da auf dem Brett steht, wird der sonst so geschmeidig-kühle Gong, Karl, das Flattern kriegen, scheu nach schräg oben zu der kleinen Gottheit linsen, ob sie jetzt endlich ihren Strahl der Verdammnis auf ihn abschießen würde, dann hätte das alles hier endlich ein Ende mit der Steckwursten, den zähen Kammscheiben und dem elenden Eierlikör.

Allein, kein finaler Rettungsblitz erstrahlt, Gong zieht sich enttäuscht würgend auf das Sommer-WC zurück und beschließt, vorerst nicht zurückzukehren.

Wenn die Wende klappen tut

paddel

Mich erfasst ein Zorn,
denn Werner paddelt vorn.
Mal zu langsam, mal zu schnelle,
Angst hat er vor jeder Welle.

Was sucht er im Boot?
Er will zum Abendrot.
Immer nur der Sonne folgen.
Doch die deckt sich hinter Wolken.

Werner nimmt das krumm.
“Kehr’n wir wieder um?”
Ich, erleichtert: “Ja. Na gut.
Wenn die Wende klappen tut.”

Von der christlichen Seefahrt

schub

“Das Geschubse immerzu”,
spricht der Alte auf der Brücken.
“Niemals hat man seine Ruh,
Reiben, Drängeln, Zerren, Drücken

in den Häfen dieser Welt!
Ach, könnt ich nur Fahrtensegeln
ohne diese Jagd nach Geld,
ohne Zwang und ohne Regeln,

auf dem weiten stillen Meer!”
“Alter willst du hier mal nippen?”
Fragt der Koch von unten her.
“Ja!” Schon wieder froh beim Kippen

lacht der Alte: “Der Absinth!”
und bekreuzigt sich geschwind.

Dialog auf der Brücke

schiffswettlauf

Hör doch, die Ratte, wie sie pfeift.

Den haben wir.

Der hat keine Chance.

Versager.

Mach mal schneller.

Jaja.

Schneller.

Ja.

Sohn einer läufigen Hündin.

Bitte?

Der da, in seinem Turm.

Ach so.

Schneller.

Jaja.

(dumpfer Schlag)

Das war der Diesel.

Na klar. Der Diesel.

Zum Beispiel G.

nicht-fallen

Einer fiel hier runter.
Deshalb gibts das Schild.
Vlei war das der Gunther.
Still vom Meer gekillt.

Hinge, wo die Leichen
lagen einst im Blut,
immer auch ein Zeichen,
wärn wir auf der Hut.

Nichts würd mehr passieren,
sicher wär die Welt.
Gunther wär am Leben.
Bis er wieder fällt.