Kategorie-Archiv: Vom Reisen

Vom Reisen

Das kleine unbeherrscht-lustige Hassgedicht

platt

Leere Flaschen, hohle Rüben.
Pulle fliegt von da nach drüben.
Reifen platt und neu zu kaufen.
Danke für das Straßensaufen!

Wegbiertrottel, Zutschenzottel,
Autosäufer, Flaschenläufer,
Fall nur einmal, wenn du kannst,
In die Scherben mit dem Wanst

Oder gleich mit deiner Fresse.

 

Sorry, dass ich mich vergesse.

Ohne Foto

In rasender Fahrt durchs Karpfenland , dem Führenden hinterher hechelnd auf dem Weg zum nächsten regionalen Hellbier, wurden aus den Augenwinkeln zwei Lustigkeiten wahrgenommen, die leider (wegen rasend und hechelnd) nicht lichtbildlich festgehalten werden konnten: Auf der rechten Straßenseite ein Schild “Ankleben verboten!” (hohohoho!), und gleich gegenüber die Firma Loesch (Branche entfallen) direkt neben dem Spritzenhaus (hohohohoho!)

Lustig ists im Karpfenland!

Zum Feiertag

kirchenschiff

Ein Schiff, unsinkbar augenscheinlich,
Mit hohem Bug und Brückenhaus.
Der Kapitän, so glaubt man, kleinlich.
Der Smutje peitscht den Moses aus,
Schon ehe der was hat verbrochen:
Die Disziplin muss eisern stehn!
Sie fährt mit Liebe in die Knochen.
Der Kapitän hat’s nicht gesehn.

Nahe der Mulde

Gravelroad

Das Vorderrad lässt Luft. Wie das Jahr. Oktober. Das beste an der Landschaft: die Gravel Road, auf der man sie durcheilen kann. Ein, zwei übrig gebliebene Vögel quietschen, wer hätte die hier erwartet? Kein Hipster mit Vollbart, Hornbrille und Fellkragen stürzt stöpseltaub in den Fahrweg. Es ist ein Stück weit für den Moment alles gut, bis auf das Vorderrad.

Im türkisfarbenen Wasser

tuerkisfarbenesmeer

Wie üblich verbrachte Karl Gong seinen Urlaub am Meer. Und wie üblich schwamm er im türkisfarbenen Wasser umher. Er ruderte also mit den Gliedmaßen, spuckte ein wenig, wand sich auch mal in Krämpfen und dachte bei sich, es wäre toll, würde er sich dabei fotografieren können, im türkisfarbenen Wasser usw., von oben. Aber er war ja unten im Wasser, nicht oben auf dem Felsen, und er hatte kein Gerät zur Erzeugung von Überlichtgeschwindigkeit dabei. Wie er es von den Naturwissenschaftlern gelernt hatte, versuchte er deshalb, die eigentlich geringe Zeitspanne, die er zur Überwindung des Höhenunterschiedes benötigte, in eine möglichst beeindruckende Relation zu irgend etwas sehr lange dauerndem zu setzen (Alter der Erde, des Universums, Gottes), um diese Zeitspanne des Aufsteigens also ganz knapp an Null heranzuführen, aber er hätte wohl doch Physik studieren müssen, damit das klappt.

Enttäuscht stieg er aus dem Wasser und widmete sich dem Verzehr einer Currywurst.

Abenteuer des Standstreifens

Vor ein paar Tagen waren wir auf der Autobahn unterwegs, mit uns wie üblich einige tausend mehr oder weniger angenehme Mitmenschen. Einigen stieg die Plakette zu Kopf, die auf den Motorendeckel des Wagens geklebt ist, andere lebten ihre sonstigen Neurosen aus, die Mehrzahl aber verhielt sich unauffällig. Also nichts besonderes, abgesehen von dem Mopedfahrer, der den ganzen Pulk in der Nähe von Leuna mit knapp 200 Stundenkilometer auf dem Standstreifen überholte. (Irgendwie blieb der Typ im Sattel oder flog weit genug davon, wir hatten Glück und mussten keinen Körperteilen ausweichen.)

Zwischen Soest Ost und Soest West allerdings passierten wir ein Phänomen, den Aufsässigen Bürger des Tages: Ebenfalls auf dem Standstreifen unterwegs, benutzte er zum Fortkommen eines jener Hilfsfahrzeuge, denen auf die hintere Klappe eine 25 aufgeklebt ist, und viel schneller war er auch nicht unterwegs von Soest Ost nach Soest West, starren Blickes nach vorn kroch er der Ausfahrt entgegen, oder war sein Ziel etwa Dortmund? In ein paar Stunden sollte dort “Fußball” stattfinden, er könnte es gerade so geschafft haben.

Es war ein bemerkenswerter Anblick, dieser sich der Raserei der Gegenwart entziehende Soester in seinem viel zu kleinen, viel zu langsamen Gehäuse. Stur und widerständig, unbeirrt und aus der Zeit gefallen, ein Reichsautobahnbürger vielleicht.

Nun, das bisher vorgebrachte ist eigentlich zu gehaltlos, um es hier zu veröffentlichen, aber es gibt Gelegenheit, mit der folgenden wirklich hübschen, wenn nicht gar revolutionären Sentenz abzuschließen, die der geneigte Leser, die geneigte Leserin sich langsam auf der Zunge zergehen lassen möge:

So ist der Soester.

Das vollkommene Objekt

objekt

Ein vollkommenes Objekt ist nur so lange vollkommen, wie es nicht verändert wird, um einem profanen Zwecke zu dienen, der über die Bewunderung seiner Vollkommenheit hinausgeht.

Sobald einem vollkommenen Objekt Dinge hinzugefügt werden, die es für einen profanen Zweck tauglich machen sollen, ist es verloren, nicht mehr existent, ins Gegenteil seiner selbst verkehrt.

Der gefährliche Honigbär (wieder)

honigbaergefahr

Wieder war der Problembär (rechts) auf Reisen, und wieder erforderte die gewählte Strecke das Passieren des gefährlichen Honigbären (links)!

Ungehalten bemerkte der Problembär, dass es ja wohl nicht angehen könne, dass jede der gewählten Strecken, die der Führer des Fahrzeuges zu bereisen trachtete, notwendigerweise am gefährlichen Honigbären vorbeiführen müsse, aber der Führer des Fahrzeuges lachte nur frech, verschluckte sich dabei und hätte um ein Haar mit schlingerndem, japsendem, schaukelndem Fahrzeug den gefährlichen Honigbären gerammt.

Wie das letztlich ausgegangen wäre, mag man sich gar nicht ausmalen.

Vom Urlauben

baerhafen

Während im Fischkombinat (hinten) die Sardellen liebevoll gekämmt und in die Fischbüchsen sortiert werden, steht der Problembär (vorn) am Kai und versucht durch heftiges Rudern mit den Ärmchen darauf hinzuweisen, dass auf den Beköstigungskuttern (nicht im Bild) soeben die letzte Runde eingeläutet wurde. Schnehell!

Verkehrsschilder, einfach erklärt

eigenegefahr

Interpretation 1: Wer diese Treppe hinunter schreitet, geht eigentlich genau in die falsche Richtung, denn die Ostsee ist rechts, die Treppe aber führt nach links.

Interpretation 2: Das Konsumieren dieser Information durch den Betrachter erfolgt auf eigene Gefahr, denn vielleicht will man ja gar nicht zur Ostsee, sondern nur in eine Spelunke, die irgend etwas witziges mit “Mee(h)r” im Namen führt.

Interpretation 3: Die Ostsee als fließendes Gewässer bewegt sich typischerweise nach rechts. Und es ist fraglich, ob ihr das gut bekommt.

Interpretation 4: Immer schön aufrecht gehen, das ist gut für den Rücken.

Lob des traditionellen Chorgesangs

choir

In fremden Ländern ist gut singen.
Nur uns will oft kein Lied gelingen.
Nein, Peinlichkeiten gelten nicht:
Die Junggesellenabschiedsschicht,
Das Schlagerhupen, Stadiongrölen,
Beleidigt Jammern, Greinen, Nölen —
Das güldet nicht, das ist Beschmuh
Und zieht uns höchstens aus den Schuh.
Lass uns die Lieder wieder üben
Ganz tief vergessen in den Rüben,
Als wir noch Chorgesang vollführten
Und die Verwandtschaft damit rührten.
Lass singen uns die alte Leier
So wie ein Choir, gesprochen: Queier,
So wie ein Mann, mit einer Stimme,
Fein zielend über Korn und Kimme
Grad in die Mitte jeden Tons.
Und ist er auch nur von den Stones.