Kategorie-Archiv: Welt der Technik

Welt der Technik

Auf der Seebrücke

Auf der Seebrücke

Karl Gong, der bekannte Philosoph und Frauenversteher, weilte (man sollte nur sehr selten “weilte” schreiben, also höchstens einmal im Jahr, aber wenn das alle machen, oder schon die Hälfte von allen, ist das auch zuviel) an der See, um die Nüstern in den Wind zu hängen. (Auch “Nüstern” sollte man sich eigentlich sparen, “Nasenlöcher” reicht aus. Gottlob kennen das Wort “Nüstern” nicht so viele Leser, obwohl sie selber welche haben.) (Nüstern sind Nasenlöcher.)

In die See hinein war einst eine Seebrücke getrieben worden, um das Ankern von Schiffen zu ermöglichen. Da jedoch direkt neben der Seebrücke schon immer ein Hafen befindlich war, bestand sowohl bei der christlichen als auch bei sonstigen religiösen oder atheistischen bzw. agnostischen Schifffahrten keinerlei Interesse, die Seebrücke zu benutzen, woraufhin diese langsam gammelte und zu riechen begann. Ein Verbotsschild wurde aufgehängt, das sich nur Angler trauten zu missachten. Kormorane und Möwen freilich kamen vom anderen Ende heran geflogen und hatten keine Kenntnis vom Verbot; es steht allerdings zu befürchten, das sie es ebenfalls bewusst ignoriert hätten; sie gaben den Planken letztlich mit Guano den Rest.

Gong, der am Landende der Seebrücke eine Frau angesprochen hatte, um sie letztlich zu verstehen, was jene als nicht unangenehm empfand, lockte sie unter falschen Versprechungen (Schiffe, Ausblick, technische Besonderheiten) auf die Seebrücke. Man sprang über morsche bzw. fehlende Planken (Anmerkung des Korrektors: Kann man über fehlende Planken springen?), landete schließlich am Kopfende der Seebrücke, und leider war dort alles noch viel schlimmer als eh schon befürchtet. Schaudernd sprangen die beiden ans rettende Ufer zurück; was sonst noch passierte (im Grunde nichts), lohnt nicht den Bericht.

Die Seebrücke dauert fort.

Hofarbeiterschicksal

terrasse

Im Getränkemarkt haben die Kunden wieder dermaßen rumgesaut, dass eine Generalreinigung nötig erscheint. Murrend, aber pflichtbewusst widmet sich der Hofarbeiter der Ausführung, seine Integrität dabei durchaus gefährdend.

Energiewende mit Kabeln

leitungen

Wie aus immer besorgten Kreisen zu vernehmen war, ist die Energiewende in Gefahr bzw. selbst eine Gefahr, denn es gibt nicht genug Leitungen. Das ist ja wohl mal Fakt, aber die sogenannten Qualitätsmedien vertuschen und verschweigen diese Tatsache. So geht die wahre Rede, die an die Redaktion herangetragen wurde.

Der Lipsigrader Chefredakteur begab sich daraufhin in die Lausitz, wo demnächst die Kohlegruben zu Windrädern umgestülpt werden sollen (Beispielfoto: Windräder!). Wie das Beweisfoto zeigt, gibt es zwar mindestens drei Kabel, um den Strom aus der Lausitz hinauszubefördern, aber ob diese für Kohle- und Windstrom zusammen ausreichen, steht in den Sternen. Beides geht nu ma ni!

Deshalb sollten nach Meinung der Redaktion die Kohlegruben sofort stillgelegt werden, um Gefahren für Leib und Leben auszuschließen (Überlastung usw.). In den Kohlegruben kann die Bevölkerung sich schließlich bei Bedarf späterhin mal mit Brennmaterial versorgen. Was hingegen soll sie mit albernen Windrädern anfangen?

Vom Umfliegen des Rathausturmes

rathausturm

Den Turm des Rathauses umkreisend, überlegte ich, wann ich das schon einmal geträumt hatte, eben erst, oder vielleicht doch schon vor Monaten, oder sogar ständig, in jeder schweißgebadeten Nacht, denn ich litt ja (amtlich) unter Flugangst? Immerhin, die Zahlen auf der Uhr stimmten, es waren zwölf, in richtigem Abstand und korrekter Reihenfolge angeordnet, und alle vier Zifferblätter zeigten tatsächlich dieselbe Zeit an, wenn man davon absieht, dass es sich natürlich nur um eine höchstens ähnliche Zeit handeln konnte, denn das Umfliegen des Rathausturmes dauert ja doch, in meinem Falle, beinahe eine Minute, der Ungeschicklichkeit wegen.

Eine gewisse Genugtuung überkam mich, dass mein Unterbewusstes so akkurat funktionierte, vielleicht lag es an dem vor Jahrzehnten einigermaßen erfolgreich absolvierten Ingenieurstudium (Dipl.-Ing.!), vielleicht an der Zurichtung durch die täglichen Herausforderungen des Alltags. Kein anarchischer Uhrenquatsch, ich hatte die Mechanik der geträumten Rathausturmuhr unter Kontrolle, ich konnte ein Zifferblatt mit römischen Zeichen im Traum realisieren (wobei die Vier, wahrscheinlich um mich zu ärgern, von der Traumzentrale in der mir eigentlich unangenehmen IIII-Schreibweise statt IV gemalt war), und nun war es jedenfalls Zeit, den Traum zu beenden, ein Glas Wasser zu trinken, das Klo zu benutzen und draußen nachzusehen, ob es inzwischen geregnet hatte.

Allein, ich erwachte nicht. Schreiend flog ich weiter um den Rathausturm und verfluchte die Uhrzeiger, die sich zuverlässig drehten und drehten und drehten, eine Minute für eine Umrundung.

Verwandtschaft

trimaran

Mit gewaltigem Grummeln, jedoch dezenter Geschwindigkeit, schob sich der Trimaran, von dem ich den Namen vergessen habe, ins Hafenbecken, die Molenmeile an Steuerbord entlang (rechts, für Landratten, auf dem Bild links), und obwohl er immerhin irgendwie verwandt war mit dem Gaststättenschiff Manfred, das vertäut am Kai lag, denn beide benutzen ja das leicht salzige Seewasser als Lebensgrundlage, konnten sie doch verschiedener nicht sein.

Und sie wussten das.

Das Handwerk als Inspiration der Geisteswissenschaften

abgabestation

Karl Gong, der bekannte Intellektuelle, hatte sich einen Vertreter des qualifizierten Installateurwesens ins Haus geholt, denn “es gab da so einiges zu tun”, aber was, konnte er auch auf strenge Nachfrage des Fachmanns hin nicht näher spezifizieren. Hilflos wedelte er mit den Händen mal hier- und mal dorthin, legte eine Obergrenze dafür fest, was “der ganze Salat” kosten dürfe und verzog sich angstvoll in seine Studierstube, um sich dem trüben Nachdenken über die Welt hinzugeben.

Woher sollte er, Gong, denn wissen, woran es mangelte im wasserdurchspülten Haushalt? Er hatte nur das starke Gefühl, es war mal wieder an der Zeit für Installationen. Musste er sich dann derart impertinente Nachforschungen gefallen lassen? Sie könnten doch einfach mal machen, anfangen, die Handwerksleute, es wird sich schon genug zu tun finden in der “Schweinebude” (O-Ton Gisella Quarterbeck, 23, Muse)!

Als der Installateur nach Stunden größter Anspannung an Gongs Stubentür klopfte und behauptete, es wäre jetzt alles getan, was zu tun gewesen sei, schob Karl Gong die verlangte Summe, die nur knapp unter der angegebenen Höchstgrenze blieb, in bar unter der Tür durch und wedelte mit der Hand, als könne der Installateur sehen, dass er verscheucht werden sollte, husch-husch.

Nach weiteren zwei Stunden bangen Hockens in der Kammer, schnaufend und zitternd, wagte sich Gong schließlich in den Korridor, als er keine Geräusche mehr vernahm als das beruhigende Gluckern, das der Installateur in der Wohnung hinterlassen hatte.

Freude durchfuhr Gong: Das neu angebrachte Schild in kraftvoller Sprache strahlte Souveränität und Sinn aus, das verlegte Rohr schien robust, und das Ventilrad lud zum beherzten Drehen geradezu ein.

Die nicht unerhebliche Ausgabe hatte sich gelohnt! Beschwingt machte sich Karl Gong an die Neufassung seiner achtzehnbändigen Schnoritzke-Monographie. Würde er diese noch zu Lebzeiten beenden, könnte er noch einmal den begnadeten Installateur kommen lassen.

Fluch der Technik

kraehen

Wie aufgereiht auf einer Schnur flogen meine schwarzen Gedanken davon; aber sie kehrten dann doch später zurück durch die Telefonleitungen, die die Nachbarn bei den Verantwortlichen bestellt hatten, um sich die Welt ins Haus zu holen.

Erster-Mai-Lied in memoriam E. H.

innenaussen

Schlote rauchen, Menschen lachen!
Tun muss schlauchen, Kohle machen!
Froh marschieren in die Werke!
Wild zeig ich der Arme Stärke!
Recke Fäuste, blas die Backen!
Feilen, Schmieden, Schmelzen, Racken!
Öfen setzen, Eisen lecken!
Häuser mauern, Dächer decken!

Oder hol ich mir nen Fahrschein?
Würd gern abends an der Saar sein.

Kleiner Ratgeber Musik

musik

Im wohltuenden Gegensatz zur sogenannten “bildenden” Kunst ist die Musik etwas Reales, Handgreifliches, durchaus auch Übergriffiges, wenn auch der Versuch, an dieser Stelle ein Wortspiel mit dem Be”griff” (hohoho!) “Griffbrett” einzubauen, soeben grandios gescheitert ist.

Es geht bei Musik primär um die Erzeugung nicht abzustreitender Schallobjekte (Wellen), die in dem ihrer Einnahme dienenden Organ beim Menschen bzw. Hörer bzw. Musikfreund bzw. Sachverständigen physikalisch nachvollziehbare Effekte bewirken können, durchaus auch bis zu dessen Zerstörung. Das Organ nimmt die Musik so auf, wie sie abgesondert wurde, Missverständnisse sind ausgeschlossen, es geht nicht ums Begreifen, sondern ums Aushalten.

Man kann auf allen möglichen Objekten Musik hervorbringen, sie können kaputt oder sonstwie unbrauchbar sein, Voraussetzung ist lediglich eine geeignete physikalische Verstärkung, damit die Schallobjekte in deutlicher, schmerzhafter Weise mindestens bis zum Empfangsorgan vordringen können. Kabel, Röhren, Spulen und anderer Kram leisten dabei gute Dienste, sofern sie korrekt zusammengebaut sind. Man sollte die Einzelheiten in einem gutsortierten Baumarkt erfragen, da gibt es in der Regel auch gleich preiswerte Guitarren, Schlagwerke und Trennschniefer mit Kammerton, Tiernahrung allerdings ist Vertrauenssache und genießt keine Rabattierung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Wertschätzung der Musik auch schon einmal höher war, wenn sich die Musikfreundin beim Konzert fragen muss, was sie eigentlich mehr nervt: dass alle anderen auf ihr Schmachtphone starren oder sich über ihre (im Selbstverständnis der sich unterhaltenden natürlich nicht) beschissene Arbeit unterhalten — oder beides. Manchmal ist die Musik laut genug, dass die Schmachtphones und die Wichtigtuer einfach zerspringen, und das ist gut.

Neues von den Telefonen

warten

Karl Gong saß in der Schnellbahn, kuckte aus dem Fenster, aber da gab es nur dahinhuschende Sinnlosigkeiten und Passanten zu sehen, die auf Telefone glotzten. Er wandte den Blick zurück ins Innere, ließ ihn unauffällig durch den Waggon streifen, auch hier nur Mitreisende, die ihre Telefone hypnotisierten, oder anders herum. Aus Opposition gegen das allgemein Übliche beschloss er, sein Telefon in der Tasche zu lassen und nur trübsinnig auf den Fußboden zu starren. Gedanken an das Ende von allem und jedem fluteten ihn, und er verpasste den Bahnhof, an dem er eigentlich aussteigen wollte. Irgendwo in der Pampa stolperte er aus dem Zug, Ruinen empfingen ihn.

Das Telefon zeigte ihm den Weg ins Bureau.

Feiner Foto?

fotofeiner

Führende Fotoamateure ermahnten mich, dass die Fotos auf dieser Seite ein bisschen feiner gearbeitet sein könnten, sowohl was die Motive als auch die technische Ausführung angeht. Diesem Ansinnen jedoch, beschloss ich, werde ich mich standhaft verweigern.

Alles bleibt so räudig, wie es ist.

Basta.