Kategorie-Archiv: Welt der Technik

Welt der Technik

Fluch der Technik

kraehen

Wie aufgereiht auf einer Schnur flogen meine schwarzen Gedanken davon; aber sie kehrten dann doch später zurück durch die Telefonleitungen, die die Nachbarn bei den Verantwortlichen bestellt hatten, um sich die Welt ins Haus zu holen.

Erster-Mai-Lied in memoriam E. H.

innenaussen

Schlote rauchen, Menschen lachen!
Tun muss schlauchen, Kohle machen!
Froh marschieren in die Werke!
Wild zeig ich der Arme Stärke!
Recke Fäuste, blas die Backen!
Feilen, Schmieden, Schmelzen, Racken!
Öfen setzen, Eisen lecken!
Häuser mauern, Dächer decken!

Oder hol ich mir nen Fahrschein?
Würd gern abends an der Saar sein.

Kleiner Ratgeber Musik

musik

Im wohltuenden Gegensatz zur sogenannten “bildenden” Kunst ist die Musik etwas Reales, Handgreifliches, durchaus auch Übergriffiges, wenn auch der Versuch, an dieser Stelle ein Wortspiel mit dem Be”griff” (hohoho!) “Griffbrett” einzubauen, soeben grandios gescheitert ist.

Es geht bei Musik primär um die Erzeugung nicht abzustreitender Schallobjekte (Wellen), die in dem ihrer Einnahme dienenden Organ beim Menschen bzw. Hörer bzw. Musikfreund bzw. Sachverständigen physikalisch nachvollziehbare Effekte bewirken können, durchaus auch bis zu dessen Zerstörung. Das Organ nimmt die Musik so auf, wie sie abgesondert wurde, Missverständnisse sind ausgeschlossen, es geht nicht ums Begreifen, sondern ums Aushalten.

Man kann auf allen möglichen Objekten Musik hervorbringen, sie können kaputt oder sonstwie unbrauchbar sein, Voraussetzung ist lediglich eine geeignete physikalische Verstärkung, damit die Schallobjekte in deutlicher, schmerzhafter Weise mindestens bis zum Empfangsorgan vordringen können. Kabel, Röhren, Spulen und anderer Kram leisten dabei gute Dienste, sofern sie korrekt zusammengebaut sind. Man sollte die Einzelheiten in einem gutsortierten Baumarkt erfragen, da gibt es in der Regel auch gleich preiswerte Guitarren, Schlagwerke und Trennschniefer mit Kammerton, Tiernahrung allerdings ist Vertrauenssache und genießt keine Rabattierung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Wertschätzung der Musik auch schon einmal höher war, wenn sich die Musikfreundin beim Konzert fragen muss, was sie eigentlich mehr nervt: dass alle anderen auf ihr Schmachtphone starren oder sich über ihre (im Selbstverständnis der sich unterhaltenden natürlich nicht) beschissene Arbeit unterhalten — oder beides. Manchmal ist die Musik laut genug, dass die Schmachtphones und die Wichtigtuer einfach zerspringen, und das ist gut.

Neues von den Telefonen

warten

Karl Gong saß in der Schnellbahn, kuckte aus dem Fenster, aber da gab es nur dahinhuschende Sinnlosigkeiten und Passanten zu sehen, die auf Telefone glotzten. Er wandte den Blick zurück ins Innere, ließ ihn unauffällig durch den Waggon streifen, auch hier nur Mitreisende, die ihre Telefone hypnotisierten, oder anders herum. Aus Opposition gegen das allgemein Übliche beschloss er, sein Telefon in der Tasche zu lassen und nur trübsinnig auf den Fußboden zu starren. Gedanken an das Ende von allem und jedem fluteten ihn, und er verpasste den Bahnhof, an dem er eigentlich aussteigen wollte. Irgendwo in der Pampa stolperte er aus dem Zug, Ruinen empfingen ihn.

Das Telefon zeigte ihm den Weg ins Bureau.

Feiner Foto?

fotofeiner

Führende Fotoamateure ermahnten mich, dass die Fotos auf dieser Seite ein bisschen feiner gearbeitet sein könnten, sowohl was die Motive als auch die technische Ausführung angeht. Diesem Ansinnen jedoch, beschloss ich, werde ich mich standhaft verweigern.

Alles bleibt so räudig, wie es ist.

Basta.

Endlich ein Durchbruch!

toterwinkel

Gute Nachrichten aus dem Verkehrsministerium: Lastkraftwagen müssen ab sofort nur noch mit wenigen, völlig ungenügenden Spiegeln ausgestattet werden. Damit wird endlich einer Überforderung des Fahrers entgegengewirkt, da dieser in der Regel vollends durch die Bedienung seines Smartphones ausgelastet ist. Mit der Herstellung anderer technischer Systeme, die die Wahrnehmungskraft des betrunkenen dahindämmernden grundsätzlich aufmerksamen LKW-Fahrers für seine unmittelbare Umgebung befördern würden, ist auf weite Sicht nicht zu rechnen, da die Entwicklungsabteilungen der Fahrzeugindustrie sich nicht mit solchem Quatsch abgeben mit dem Pimpen hochwertiger Premiumfahrzeuge komplett ausgelastet sind. Radfahrer und ähnliche den Verkehrsfluss störende Elemente werden durchgestrichen, vulgo: überfahren. Das ist einfach und spart Geld.

This site can’t be reached.

So stand es geschrieben auf dem Monitor, weil mal wieder jemand was abgeklemmt oder kaputtgemacht oder sabotiert hatte oder weil ich zu doof war, die zwanzig bunt durcheinander gewürfelten Zeichen in der richtigen Reihenfolge einzutippen. Was ich im ersten Augenzwinkern allerdings las, war jenes:

This site can’t be rich.

Und das ist nichts anderes als sehr wahr und sollte hiermit als gelungenes Jahres-Resumee einfach mal stehen bleiben. Prost Neujahr!

Die Vorfreude auf den Abstieg

schwebebahn

Karl Gong, mit Höhenangst geschlagen, wurde von den Mitwanderern in die Kabine einer Seilbahn gezwungen, denn deren Kräfte reichten nicht zum Aufstieg auf den Berg mit dem Ausflugsrestaurant, das man leerzutrinken gedachte. So stand er also in der Mitte der Kabine, nachdem er den Boden nach eventuellen Falltüren abgesucht hatte, hielt den Kopf gesenkt, die Augen geschlossen und versuchte, die Schlingerbewegungen auszugleichen, die entstanden, wenn die bestens gelaunten Mitreisenden auf eine Seite der Kabine drängten, um zum Beispiel eine Dame im Kleingarten zu betrachten. Bei einer dieser Ausgleichsbewegungen stieß er allerdings mit dem Kopf ans Fenster der Kabine, öffnete die Augen und fiel umgehend in Ohnmacht, als er tief unter sich einen weiteren Lift erblickte, der ihm für sich allein genommen schon tödlich genug projektiert schien.

Später, im Ausflugsrestaurant, führte Karl Gong, der Geisteswissenschaftler, wieder das große Wort, als wäre nichts gewesen, trank zwei Liter Helles und freute sich auf den Abstieg.

Too much information

eisen

“Immer diese Langgedichte!”
Spricht die Tante zu der Nichte.
“Reicht es nicht, drauf zu verweisen:
Dieses Fahrzeug ist aus Eisen?
Dann finis?”
Nein! Das reicht nie!
Was man hier zu schreiben hätte
Schon allein zur Steuerket

Wieder neues Erdbeben im Getränkemarkt! Reagiert die Politik endlich?

altehalle

Getränkehandel A. Nitzsche: Leerguthalle

Aufgrund zahlreicher verängstigter Nachfragen von Nachbarn des Getränkehandels A. Nitzsche in Machern (man muß nur machern), ein vermutetes Erdbeben betreffend, verlautbarte das seismographische Institut (auf einem Hügel in der Nähe beheimatet), dass es sich bei den Erschütterungen mitnichten um ein Erdbeben der Richter-Familie gehandelt habe. Genaue Lokalisierungen mit Hilfe der privaten Telefone der Seismographen hätten vielmehr ergeben, dass das Vorkommnis auf das Innere der Leerguthalle des Getränkehandels einzugrenzen sei. Der Inhaber Herr A. Nitzsche wiederum erklärte dem Vernehmen nach in den sozialen Medien (Bäcker Fleischer, Klempnerfachbedarf Patzschke), dass sein Hofarbeiter einige Versäumnisse mit dem Gabelstapler aufzuarbeiten gehabt habe (Gebindetürme) und dabei wohl “etwas unwirsch” vorgegangen sei, was ihn, Herrn Nitzsche, aber nicht weiter beunruhige, denn “man muss dem Personal auch einmal die Grenzen zeigen”. Sowohl der mittlerweile entsorgte Gabelstapler als auch die ruinierte Leerguthalle seien “laut Büchern längst abgeschrieben”, und die Leute sollten sich “gefälligst um ihre eigene verkommene Sippschaft kümmern”.