Archiv für den Monat: Januar 2005

Kugel-UFO


In Mittelelbien zwischen Lipsigorod und Hinterwald…
… gibt es Hinweise, dass vor einigen Jahrzehnten ein UFO niedergegangen ist. Ältere Mitbürger sprechen von einer silbernen Kugel, die “die Kommunisten” panisch “mit Wasser gefüllt” haben, wahrscheinlich um die Lebensformen abzutöten. Anschließend steckte man die Trophäe auf einen langen Eisenstiel. Vor Jahren mal angenähert, bis das Objekt am Horizont zu sehen war, plötzlich Film bzw. Benzin alle. Wenn das kein Omen war! Flucht ergriffen. Nur ein (1) Foto ist was geworden (Ostqualität).

Die große runde Scheibe im Bild ist nicht das UFO selbst, sondern die Vergrößerung des Abbildes vom UFO. (Dies für alle, die sich erst jetzt zugeschaltet haben.)

Moped-Kauftip


Echte Internetz-Programmierer fahren Jawa
(Nachtrag: Kommt doch tatsächlich aus dem Altgebiet die Anfrage, “wie jetzt, was jetzt, Jawa?” Ach so. Das Moped hier ist eine formschnelle Jawa, hergestellt in Bohemien, wohl in den 60er bis 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. In unserem Dorfe war die Jawa nicht so gut angesehen, weil die zwei Zylinder angeblich zu nah beieinander standen und deshalb thermische Probleme gern zum Ausfall führten. Aber vielleicht lags auch nur an der Fahrweise und der Pflege der Maschinen mit ungeeigneten Produkten aus der IFA-Halle. Das Design aber muss man lieben, heutzutage, und den Namen auch, als Internetz-Programmierer.)

Konventionelles U-Boot

konventionell statt negativ


Das Ding auf dem Bug ist der Turm der Ortungsstation

U-Boote sind eine der wichtigsten Schiffsklassen der sächsischen Binnenkriegsflotte. Der größte Vorteil der U-Boote besteht darin, daß sie gedeckt (in Unterwasserlage) handeln und überraschende Schläge führen können. Beispielsweise gegen Ausflugsdampfer, auf denen sich dicke Personen im Tanz drehen. Auch das ist Kampf gegen den Terror. Entsprechend ihrer Zweckbestimmung sind die -noch geheimen- sächsischen U-Boote mit komplizierten fummeligen Dingern ausgerüstet, die so schwierig zu bedienen und unmöglich zu verstehen sind, daß nur ehemalige U-Boot-Offiziere der baltischen Rotbannerflotte in der Lage sind, mit diesen Unterwasserfahrzeugen neuester Bauart überhaupt den geheimen Unterwasserhafen am Cospudener See zu verlassen.

Clever einkaufen: Milch!

Folgendes ist gestern passiert in Lipsigorod, bei offenem Fenster, zu nachtschlafener Zeit.


Wenn die Milch mal nicht reicht: Hausfrauensoße!

Ein Kleinwagen hält vor dem Nachbarhaus, in dem sich eine Tankstelle befindet. Die Tankstelle ist ein Laden, der als Tankstelle öffnen darf, wie er will. Man kann Fahrmaschinen an eine Steckdose anschließen, das macht aber keiner. Der Kleinwagen heult auf, eine Tür klappt, man liegt im Bett und überlegt, das Fenster zu schließen. Hupen. Nochmaliges Hupen, mehrfach und aufgeregt, nachts. Man schlurft zum Fenster, sieht, wie das Huhn im Kleinwagen die Scheibe runterleiert und schreit: “Milch! Miiilch!!!” Ja doch.
Als man mit der Tüte Milch aus der Küche kommt, ist der Kleinwagen leider schon weg. Aus dem dritten Stock hätte das ein schönes Geräusch gegeben.

Wenn ich mal groß bin

Mein Berufswunsch ist Radio-DJ in Lipsigorod.


Immer Blues Explosion!

Das ist das beste, was man überhaupt machen kann. Von den guten Schallplatten, die ich kenne, lege ich dann jeden Tag ein paar im Radio auf. Im Studio lerne ich außerdem täglich neue gute Musik kennen. Die wird auch gesendet. Ich werde rasend schnell mit den neuesten Nachrichten versorgt und erzähle die einfach weiter. Zwischendurch mache ich gern einen Spaß, einen, über den der Hörer mal kurz nachdenken kann. Sonst wird er doch blöde. Außerdem kann ich aus meinen paar guten Büchern immer mal einen guten Satz vorlesen. Ist sowieso nicht schlecht, dem Publikum ab und zu etwas zu erzählen, das langweilt sich ja sonst. Deshalb spiele ich auch Musik, die es noch nicht kennt, und damit das Publikum im Plattenladen die Musik gut findet, wenn es die Musik gut fand, sage ich die Kapelle und die Platte an. Das ist das mindeste. Nebenbei kann ich den netten Plattenladen am Leuschnerplatz empfehlen, der so gut sortiert ist, dass es die Musik da auch gibt. Wieso sollte der dafür bezahlen, er ist ja auch nicht teuer. Mehr als einmal die Woche Blues Explosion. Und ein Gernhardt-Gedicht. Tonschnipsel aus Vorzeiten. Eugen Egner. Mardi Gras.bb und Eels. Jeden Tag jemanden, der was interessantes zu erzählen hat. Die besten Konzerte rauszusuchen ist auch einfach. Dafür muss mich niemand extra bezahlen. Das Lipsigorod-Theater darf anrufen und sich empfehlen, davon versteh ich ja nichts. Und weil der Hörer nicht ewig lebt, muss er sich keine Jingles anhören. Ich nehme ihn ernst, und seine Lebenszeit auch. So stelle ich mir das vor, wenn ich groß und Radio-DJ bin.

Aber vielleicht bin ich da der einzige.

Schöne Orte 3


Nein, das ist nicht Lipsigorod.
Das ist wohl in Böhmen. Altes Bild, und man benutzte farblosen Film. Wer weiß, ob die Schornsteine noch stehen, in Lipsigorod jedenfalls sind sie großteils weg. Hatte schon eine gewisse Faszination, die frühkapitalistische Schornsteineuphorie.

Das Reich der Zwerge 4


Sitz des Königs. Sicherung gegen Barbaren aus Ost und Nord.

Schutz für oder vor den Zwergen? Heute kann man es nicht mehr sagen. Alles was der offizielle Tenor der Geschichtsschreibung in Unterrichtsform als Fakten präsentiert ist größtenteils heute ausgedacht worden. Es gibt einfach keine Erklärung dafür, wozu inmitten endlos scheinender Wälder in jahrelanger Arbeit eine riesige Burg errichtet werden sollte. Das Rumgeheule seitens der Obrigkeit, man hätte leere Kassen und wisse nicht mehr weiter, ist das Volk auch im 12. Jahrhundert schon gewohnt gewesen. Was war Bedrohnung genug, diese Feste auf den steilen Berg zu zimmern? Orks hinter den Bergen im Nordosten? Dämonen wie im Märchen vom Zaren Saltan?

Das Reich der Zwerge 2


Es kann nicht schaden, reichlich Lampen am Mann zu haben

Warscheinlich werde ich auch gelegentlich zurückkehren ins Reich der Zwerge. Natürlich liegt es weit weg, hinter Bergen. Keine Autobahn trägt Reisende dorthin. Die Abwesenheit von Sicherheitskräften wird durch völlige Rechtlosigkeit auswärtiger Eindringlinge ersetzt. Achte also auf Geräusche! Eher selten öffnen sich die unterirdischen Gänge in den Felsen zu größeren Hallen. Schmal und gerade hoch genug führen sie mal hierhin, mal dorthin. Plötzlich findet man sich wieder an einem Ausgang in einem anderen Seitental. Stets münden die Gänge in wasserführende Täler, die normalerweise völlig unbewohnt sind. Hin und wieder hat sich an lichteren Auen ein altes hölzernes Häuschen aufgepflanzt- und eine Meile weiter flußabwärts haben junge Zwerge eine Art Szenekneipe in einer steinernen Halle unter einem riesigen Felsen eingerichtet. Dort kommt eine Mischung aus Rock’n Roll und böhmischer Countrymusik aus den Schallwellensendern, und mancher Humpen dunklen Bieres wird beim Fackelschein geleert. Freilich könnte man hier (vielleicht wirds auch in den noch viel größeren Hallen hinter der Kneipe gemacht…) auch ganz unbeschwert UFOs bauen. Ausreichend Bauteile aus der Hochzeit der UFO-Konstruktion dürften in zubetonierten Stollen in Wachspapier gewickelt ihrer Verwendung harren. Flüchtig und ohne Plan herumirrende Wanderer finden diese Verstecke jedoch nie. Oder werden ihrer Funde nicht froh, denn so schnell wie man in die Katakomben unter den Wäldern hineineilt, kommt man nicht heraus.