Archiv für den Monat: November 2005

Metro in Lipsigorod 1


Mitten durch Lipsigorod wird gerade eine Metro gegraben,
mit Hilfe derer man das Stadtzentrum unterqueren kann, ohne eine der Tausende „in der City“ angebotenen gefälschten Bratwürste essen zu müssen. Für die Zentralstation der Metro wird ein riesiger Palast errichtet, an dem in jeder Himmelsrichtung ein U befestigt ist. U heißt wahrscheinlich U-Bahn oder Lomonossow U-niversität. Die Computersimulation ist von Herrn Willy.

Notwendige Korrektur: Die Bratwürste sind doch nicht gefälscht.

Erstaunliche Produkte 4

Straßenschilder on demand

Die Blasegast-Verwaltung hat eine neue Einnahmequelle entdeckt, auf die auch die Steckwursthausreisenden zurückgreifen mussten, um den Weg zum Gofthe-Museum nicht zu verfehlen: In jedes Straßenschild wurde in den letzten Monaten ein Klappmechanismus eingebaut, der ständig den Straßennamen verdeckt, ihn gegen Bezahlung aber für einige Sekunden freigibt. Die Bezahlung kann durch Münzeinwurf erfolgen oder, Blasegast ist schließlich ein Zentrum der Geheimwissenschaften, durch Bezahlen per Funktelefon: Man muss nur das Straßenschild anrufen, schon werden zweieinhalb Euren von der Telefonrechnung abgebucht und man bekommt zu sehen, wo man sich befindet. Lange Straßennamen kosten natürlich etwas mehr.
(aus: “Blasegast gestern – heute – morgen”, www.blasegast.de)

Frohe Kunde für alle Bürger

Frohe Kunde für alle Bürger, die sich “verarscht” vorkommen: Es ist tatsächlich so! Sie irren nicht, Bürger! Sie werden verarscht, nicht nur nach Strich und Faden, auch nach Linie und Seil, Tau und Schweif, Kette und Kondensstreifen. Es ist so, sorry. You`re right! Und Glückwunsch. Widmen Sie sich nun dem wesentlichen.
(aus: “Blasegast gestern – heute – morgen”, www.blasegast.de)

Aus dem Blätterwald

Pünktlich mit der östlichen Kanzlerin werden liebgewordene einheimische Traditionen wiederbelebt, auf der Titelseite der Lipsigrader Zeitung sah man die Chefin gestern sogar dreifach (ohne Ansatz gesprungen). Heute nun in Frangreisch mit Jaques (kenne ich vom Weindepot), morgen vielleicht in der Uckermark, Frau nach vorn! Oder ist dieser Trick von der Publikation entlehnt, die einen Steinwurf entfernt größere Buchstaben bäckt?

Der jac im Sozialismus


So stellt man sich die DDR vor.
Die 80er in der DDR. So wars. Die Kisten im Hintergrund und die original Zinkblech-Mülltonne sind zu beachten. Der jac im damals schwer angesagten Mantel und der Agenten-Sonnenbrille aus Ungarn (jac: “Die Sonnenbrille war sogar aus der BRD. Die hat der Peter Thomsen gestellt”) guckt besonders cool, um damit seinen inneren Abstand zum System zu dokumentieren.

Heute bestreitet er dies und gibt zu Protokoll: “Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, daß der Sozialismus wie der helle Sonnenschein für mich war.”

NVA-Urlaubsschein


Laut Vorschrift ist der bei Urlaubsende beim UvD abzugeben!
Ein Glück, daß das erst jetzt rauskommt: 15 Jahre nach dem Untergang wird hoffentlich niemand mehr kommen, um mich zu fragen, was ich mir dabei gedacht habe. Den Urlaubsschein nach dem Urlaub noch zu haben ist zwar nicht ganz so der Supergau, wie beispielweise dem Spieß zu sagen, man habe bedauerlicherweise die Kalaschnikow samt Munition im Wald verloren und vergessen wo.

Trotzdem: Dokumente dieser Art heimlich zu besitzen ist schon fast Spionage. Mindestens wird seitens der zuständigen Organe die innere Bereitschaft vorausgesetzt, dem Klassenfeind – zum Beispiel Herrn Bond – bei seiner konterrevolutionären Tätigkeit Beihilfe zu leisten. Was ich nie tun würde!

Tja. Aber den Urlaubsschein wieder abzugeben habe ich trotzdem “vergessen”.

Auf dem Festival

Filme in Lipsigorod


Lipsigorod ist auch die Stadt der Extravaganzen

Wir verließen den großen Film des großen Herrn Koepp, der von Arbeiterinnen in einem neuen Textilwerk der damals einigermaßen erschreckenden Stadt Wittstock handelte. Alles echt, weil kein ausgedachter Spielfilm, sondern schlichter Alltag in einem sonderbaren und deprimierenden Staat. Hinter uns beim Hinausgehen eine Dame, die davon sprach, wie fürchterlich das gewesen sein muss, damals… (aha, man zeigt Mitgefühl) …fürchterlich für die Filmemacher, in dieser Einöde unter diesen Leuten zu drehen. Und ob der Begleiter denn Lust hätte, jetzt den Asiaten an der Ecke auszuprobieren. Dann schob sie die Designerbrille zurecht und verschwand stark riechend und angeregt plappernd in der übersichtlichen Kohorte der Geistmenschen.

Blutrache auf Korsika

Gespräche zwischen den Mahlzeiten.


Bluträcher könnte man am Aussehen erkennen.

Es kam die Rede darauf, dass in Korsika die Busse zum Teil ohne oder mit zerschossenen Spiegeln herumfahren, weil da so viel geballert wird. Die erste Vermutung war, der Schusswaffengebrauch erfolgt um der Unabhängigkeit willen, die diese Insel seit Jahrhunderten anstrebt. Näher an der Wahrheit, so der weitere Gesprächsverlauf, ist wohl die Unterstellung, dass die Spiegel wegen der Blutrache demoliert werden. Hat zum Beispiel der Busfahrer eine Kuh überfahren, wird man versuchen, ihn zu erledigen. Aber warum dann die Spiegel? Nun, der Fahrer weiß, was ihm blüht, fährt wie ein Kaputter, und die Schützen sehen ihn nur von hinten, im Spiegel. Ein gezielter Schuss in die gespiegelte Stirn, und die Sache ist vergessen. Allerdings dauert es bei dieser flüchtigen Fahrweise nicht lange, bis die nächste Kuh überfahren ist.

Schöne Orte 7


Loft-Objekt Heizertraum
Wenn es hier nicht so stinken und der Schnellzug so nah vorbeifahren würde, wäre das ein hübsches Loft-Objekt im Bauhaus-Stil. Mit dem Kran im Hintergrund ließe sich der Wagen leicht hochziehen, damit er nicht von frustrierten Nachbarn abgefackelt wird. Und dem albernen Weihnachtsmann würde man mit dem ordentlich hohen Schornstein einen lustigen Streich spielen.

Mobilfunk und schlechte Luft

Mobilfunk ist eine der unverzichtbaren Segnungen der Neuzeit.


Die Kabel sind gegen Blauhörnchenbefall mit Gummi ummantelt.

In Gegenden, wo aufgrund der Landwirtschaft die Luft zu schlecht ist, kann allerdings der Mobilfunk auch mal aussetzen. Damit die Menschen dort nicht plötzlich tot umfallen, weil sie „offline“ sind, stehen überall Kabelaggregate herum, an die man sein Telefon anschließen kann, wenn man gerade in der schlechten Luft herumwandert, aber trotzdem „erreichbar sein möchte“. Man zieht dann eben ein Kabel hinter sich her, das ist allemal besser als gar nichts.
Am schönsten ist übrigens das Geräusch, wenn ein Rollschuhläufer hinfällt und sein Telefon dabei in hohem Bogen auf den Asphalt knallt. Aber eigentlich sind das ja zwei Geräusche oder mehr (Knie).