Archiv für den Monat: September 2017

Wider das dramatische Gelaber

himmel2

Ach, Dramatik, wie du nervst,
Und mein Unbehagen schärfst.
Lass den Wolkenflusenzauber!
Zeig dich um das Haupt rum sauber,
Klar und ohne Gammelschleier.
Immer dieses Rumgeeier!
Das Gezeter, Blöken, Quaken!
Schieß die, die nur immer fraken
Und nicht selber denken wollen
Mit dem schlimmsten Donnergrollen
Dessen du dich fähig zeigst
Ins Nirvana. Göttchen feixt.

Im türkisfarbenen Wasser

tuerkisfarbenesmeer

Wie üblich verbrachte Karl Gong seinen Urlaub am Meer. Und wie üblich schwamm er im türkisfarbenen Wasser umher. Er ruderte also mit den Gliedmaßen, spuckte ein wenig, wand sich auch mal in Krämpfen und dachte bei sich, es wäre toll, würde er sich dabei fotografieren können, im türkisfarbenen Wasser usw., von oben. Aber er war ja unten im Wasser, nicht oben auf dem Felsen, und er hatte kein Gerät zur Erzeugung von Überlichtgeschwindigkeit dabei. Wie er es von den Naturwissenschaftlern gelernt hatte, versuchte er deshalb, die eigentlich geringe Zeitspanne, die er zur Überwindung des Höhenunterschiedes benötigte, in eine möglichst beeindruckende Relation zu irgend etwas sehr lange dauerndem zu setzen (Alter der Erde, des Universums, Gottes), um diese Zeitspanne des Aufsteigens also ganz knapp an Null heranzuführen, aber er hätte wohl doch Physik studieren müssen, damit das klappt.

Enttäuscht stieg er aus dem Wasser und widmete sich dem Verzehr einer Currywurst.

Vom Duschen

heisskalt

Karl Gong, der bekannte Geisteswissenschaftler, wurde während seines Urlaubs (fremde Dusche) mit Verbrühungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Aua, sagte Karl Gong, aua-aua! Schuld ist der Wasserhahn!

Das ist natürlich Quatsch, denn schuld ist immer Karl Gong. Geisteswissenschaftler (Gong) suchen natürlich immer die Schuld bei jemand anderem (Wasserhahn).

Der Wasserhahn aber zeigt ganz klar an: Wenn du mich nach links (bzw. nach rechts) drehst, wird es heiß, und wenn du mich nach rechts (bzw. nach links) drehst, wird es kalt.

Karl Gong ist einfach nur zu doof zum Duschen.

Heute wählen!

knopfladen

Glanz des Goldes, Vielfalt und Reichtum!

Ach, es fällt schwer. Und immer wird man enttäuscht, weil die Knöpfe dann doch nicht halten (was sie versprechen). Egal, erstmal einen aussuchen, und garantiert nicht den hässlichsten (häßlichsten).

Der Problembär empfiehlt: Parteien Knöpfe mit drei Buchstaben sind zu vermeiden.

Abenteuer des Standstreifens

Vor ein paar Tagen waren wir auf der Autobahn unterwegs, mit uns wie üblich einige tausend mehr oder weniger angenehme Mitmenschen. Einigen stieg die Plakette zu Kopf, die auf den Motorendeckel des Wagens geklebt ist, andere lebten ihre sonstigen Neurosen aus, die Mehrzahl aber verhielt sich unauffällig. Also nichts besonderes, abgesehen von dem Mopedfahrer, der den ganzen Pulk in der Nähe von Leuna mit knapp 200 Stundenkilometer auf dem Standstreifen überholte. (Irgendwie blieb der Typ im Sattel oder flog weit genug davon, wir hatten Glück und mussten keinen Körperteilen ausweichen.)

Zwischen Soest Ost und Soest West allerdings passierten wir ein Phänomen, den Aufsässigen Bürger des Tages: Ebenfalls auf dem Standstreifen unterwegs, benutzte er zum Fortkommen eines jener Hilfsfahrzeuge, denen auf die hintere Klappe eine 25 aufgeklebt ist, und viel schneller war er auch nicht unterwegs von Soest Ost nach Soest West, starren Blickes nach vorn kroch er der Ausfahrt entgegen, oder war sein Ziel etwa Dortmund? In ein paar Stunden sollte dort “Fußball” stattfinden, er könnte es gerade so geschafft haben.

Es war ein bemerkenswerter Anblick, dieser sich der Raserei der Gegenwart entziehende Soester in seinem viel zu kleinen, viel zu langsamen Gehäuse. Stur und widerständig, unbeirrt und aus der Zeit gefallen, ein Reichsautobahnbürger vielleicht.

Nun, das bisher vorgebrachte ist eigentlich zu gehaltlos, um es hier zu veröffentlichen, aber es gibt Gelegenheit, mit der folgenden wirklich hübschen, wenn nicht gar revolutionären Sentenz abzuschließen, die der geneigte Leser, die geneigte Leserin sich langsam auf der Zunge zergehen lassen möge:

So ist der Soester.

Dramatik pur!

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Wenn selbst namhafte Wahlverweigerer dazu aufrufen, nun mal doch eben den beschwerlichen Weg zur Urne anzutreten, damit nicht alles noch schlimmer wird, als es bisher schon ist, dann sollte man diesem auch Folge leisten. Ausreden wie “Biergarten”, “Oktoberfest”, “Demo” oder “Sex” zählen nicht, denn das Abendland ist ECHT in Gefahr.

Das Beispielfoto zeigt zum Beweis: GOtt (Auge, dreieckig), weinend.

Na also.

An dieser Wiese

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Spürt man an dieser Wiese
Die allgemeine Krise?
Naja. Sie ist nicht wirklich grün.
Man sieht auch keine Blumen blühn
Vom Baumarkt gelb und rot.
Die Kabel: Eher Altertum.
Die Wolken: Drehn sich um und um.
Die Rollen: Durcheinander.
Ich wende mich und wander.

Die damalige Freundin

Um seine nächtlichen Ausflüge zum Kühlschrank, die vornehmlich der dringenden Beschaffung geistiger Getränke dienten, dokumentieren, bestrafen und letztlich unterbinden zu können, hatte Karl Gongs damalige Freundin auf allen Zugangswegen zum Kühlschrank Grützwurstfallen aufgestellt. Geriet er in eine dieser Fallen, was regelmäßig geschah, musste er am folgenden Morgen unter lärmendem Gezeter daraus befreit werden. Dies tat der Beziehung nicht besonders gut und führte schließlich zum Abbruch derselben.

In der Bibliothek

Ich betrat die Bibliothek und sah mich kurz darauf in eine unwürdige, beinahe physisch geführte Auseinandersetzung verwickelt. Den Packen ausgeliehener Bücher hatte man mir kommentarlos mit mürrisch hängenden Backen entrissen, verlangte aber eine erhebliche Summe “Mahngebühren” wegen “verspäteter Rückgabe.” Meine Einwände, dass die Bibliothek sowohl wochenlang unerwartet geschlossen als auch sonst überhaupt nicht erreichbar gewesen wäre, niemand hier je das Telefon, Telefax oder Emailliergerät zu benutzen schien und sich ansonsten in diesem Hause nur das Desinteresse an allem und jedem außer dem Einzug von Mahngebühren zu manifestieren schien, verpufften an den wie stets zur Schau getragenen abweisenden Mienen der Kohorte, die eilig herbeigerufen worden war, um mich notfalls mit Gewalt zur Strecke zu bringen. In höchstem Maße emotional angespannt, verlangte ich trotzdem nach dem Schuldigen, denn als solchen sah ich mich als allerletzten, und die Wortführerin brüllte tatsächlich über die Schulter nach hinten, zwei Subalterne polterten daraufhin finstere Treppen hinab, bis sich der Hall ihrer Schritte in Stille auflöste.

Nach Minuten angespannten Wartens, in denen die Kohorte mich anglotzte und auf eine falsche Bewegung lauerte, tauchte zwischen den beiden Zurückgekehrten ein kleines, hilfloses, blasses, verschrumpeltes Männlein auf, verängstigt, zitternd, mit hängenden Lidern und von Staub und Spinnweben bedeckt. Das war der Schuldige.

Erschüttert zahlte ich meine Mahngebühren und trollte mich, Hohngelächter der Kohorte im Rücken, dazwischen ein dünnes Schluchzen.