Archiv für den Monat: Mai 2018

Dat is ja wohl dann mal so, nech?

golddesmeeres

Heut wird kräftig angestoßen mit dem Gold des Meeres.
Wenn dich etwas stören tut, Liebste, dann verheer es.
Wenn dir etwas gut gefällt, solltest du es feiern.
Vorwärts geht es oft genug, heute woll’n wir eiern,
schlingern wie ein Nebelkrah auf der Straßenmitte,
eingehakt, ausladend frei im Matrosenschritte.
Ziehen auch die Wolken auf über gelben Landen,
uns scheint nur die Sonne heut über den Girlanden.

Schwanensee

schwanenseee

Karl Gong, Freund der elegischen Fotografie, bereiste den schönen Ort und bemerkte zu spät, dass er nur die kleine Digischnappe eingepackt hatte, nicht das fette Spiegelreflexschwein, das ihm längst zu schwer auf die vom vielen Bierglasanheben lädierte Schulter drückte. Ein Motiv! Nach Jahren der Durststrecke elegischer Nichtansichten endlich mal wieder ein Motiv!  Und keine richtige Kamera dabei!

Trotzdem drückte er ab. Mit der Digischnappe.

Und durfte sich danach einen geschlagenen Monat von seinen Fotoclubfreunden im Vereinsheim und im Internet beschimpfen lassen.

Vom Umziehen

Als Karl Gong wieder einmal umziehen musste, weil er die neuesten Mietangebote einfach nicht ausschlagen konnte, und er bei diversen Speditionen anfragte, ob sie sich in der Lage sähen, sein Gelumpe zu transportieren und treppab, treppauf zu hucken, drängte sich ihm ein Vertreter der Firma Ernst Klapp Möbel mit unverschämt günstigen Preisen regelrecht auf.

Als Karl Gong, um keinen guten Wortwitz verlegen, am Telefon wiehernd vermutete, sie seien bei Klapps wohl so preiswert, weil sie nur raumsparende Klappmöbel spedierten, und er verfüge leider nicht über solche, entgegnete der Vertreter ebenfalls wiehernd: Danach schon.

So schieden sie in bestem Einvernehmen, nachdem sie Termin und Treffpunkt vereinbart hatten, und natürlich wurde es nach dem Umzug für Gong noch schlimmer als vorher, wie eigentlich immer.

Aber das lag nicht an Ernst Klapp Möbel.

An die Dampfzüge

schachtelhalm

Aus dem Schornstein tritt der Qualm.
Ich tret auf den Schachtelhalm.
Wild vorüber fliegt die Lok,
wenn ich nah am Bahndamm hock.
Sitz ich weiter weg im Moos,
ist der Spaß nur halb so groß.
Bin ich nirgends mehr zu sehn,
musst ich in der Schlange stehn,
denn der Kiosk ist beliebt.
(“Kuck mal, ob es Helles gibt!”)
Wenn ich dir das Glas hin streck,
ist der Zug schon lange weg.
Fröhlich sagst du: “Einerlei.”
Denn der nächste kommt halb drei.

Die wehrhafte Gadse

moderne-gadse

Schwarz und rot und strenger Blick.
Was sagst du? Klar bin ich chic.
Niedlich? Nur bevor ich kratze
über deine blanke Glatze.

Wehrhaft hüte ich das Haus.
Wieder Gäste? Was ein Graus.
Können die nicht auswärts grillen?
Ich muss auf dem Sofa chillen.

Dieses ist mein Biotop.
Drum hinfort nun mit dem Mob!
Kenne keine Anverwandten
hier auf meinem Heimquadranten.

Tristesse d’échappement

auspuff

Paarweise ziehen die Menschen durch die Gassen. Angstvoll fassen sie sich an den Händen. Die Sonne scheint, aber tut sie das wirklich? Vielleicht ist ja alles, alles nur ein Fake, das Wetter sowieso, wie die Häuser ringsum, die Türme und Gürchen? Man mag es kaum glauben, aber wahrscheinlich ist es ganz sicher so!

“Habsch dir dor gesacht, Else!”

 

Der Montag naht.

Vergeblich buhlt der Einfachauspuff um Aufmerksamkeit.