Unverständige Betrachtungen über das verdienstvolle Wirken der Sonne

dunkel

“Feierabend”, spricht die Sonne.
Ihre Stimme bebt vor Glück.
Denn nach ein paar faulen Stunden
Darf sie schon ins Bett zurück.

“Ach, November, welche Wonne!
Stark verkürzte Arbeitszeit.
Endlich kann auch ich gesunden.
Junistress erfreulich weit.

Leider waren die Erfolche
Als ich sommers haltlos lachte
Hierzulande überschaubar.
Echt kein Job, der Freude machte.

Schau nur all die üblen Strolche,
Missgelaunt, von Hass getrieben,
So, dass es beinah egal war,
Ob ich wär im Bett geblieben.”

Also sprach sie, dunkel raunend.
Ich vernahm es, milde staunend.
Gut, dass sie nicht anders kann!
Die Physik zwingt sie auf Bahn,

Die sich zwar bedenklich neigt,
Bald jedoch erquicklich steigt.
“So ein Quatsch, die Sonne steht!”
Sagt Karl Gong. “Und Erde dreht.”

Na, dann schmeiß ich das Gedicht
Eben weg.

Vielleicht auch nicht.

Schöjnheid!

gefluegel

Ei, orr gugg, die schöjne Stadt!
Orr nee, eeh, die is so schöjn!
So ne schöjne Suborstadt
Had die Weld nor ni gesehn!
Voller Schöjnheid, Gunsd, Guldur!
Schöjnsde Stadt, nu, gloob mir nur!
Schöjn am Fluss, geschmiechd an Hügel.
Uff den Dächorn sidsd Geflügel.

Von der internationalen Solidarität

palast

Während der Westen den Indianern das wertvolle Land im Tausch gegen bunte Glasperlen entrissen hatte, wurde das Buntglas in der DDR zur kurzzeitigen Freude der Werktätigen als Schmuckelement in öffentlichen Gebäuden verbaut. Das funktionierte eine Weile, dann aber ging natürlich das Gemecker wieder los und die Werktätigen fragten, warum man denn nicht über Kolonien verfüge, aus denen man billig Kaffee, Kakao, Bananen, Rosinen und Arbeitssklaven ins triste Ländchen transferieren könne.

Von der Sicherheit beim Schlagen der Glocken

glockenfang

Hört die Glocken schlagen: Peng!
Dingeling und Deng-Deng-Deng!
Putten halten Krönchen fest,
Dass es nicht den Turm verlässt.
Links der Herr dagegen böse:
Sinnlos, dieses Rumgetöse!
Wird nur einer unten wach
Von dem ursten Höllenkrach?
Nö. Man latscht bedämmert hin:
Glockenklang ganz ohne Sinn.
Wenn doch nur der Klöppel träfe
Einen Ochsen an der Schläfe!
Doch dagegen: Maschendraht.
Achtsam ist die Mutti Staat.

Erste Gadsenphotographie der Welt aufgetaucht!

gadsengeometrie

Ist diese Photographie 100 Millionen Euro wert?

Beim aufgeregten Kramen in den Schuhkartons auf dem Dachboden seiner Ex-Geliebten, wo er eigentlich abgelegte und ihm selbst gewidmete handschriftliche Liebesnotizen derselben zu finden hoffte, um seinen novemberlichen Gemütszustand aufzuhellen und sein Selbstwertgefühl zu erhöhen, fiel dem Geisteswissenschaftler Karl Gong (Name nicht geändert) die oben abgebildete vergilbte Photographie in die Hand. Dabei handelt es sich zufolge einer hastig angestellten Internetrecherche um die älteste bislang aufgefundene Photographie einer Gadse, was natürlich auch die diversen Mängel am Objekt erklärt.

Es steht zu befürchten, dass die Geschichte der Gadsenphotographie (vgl. 20% des zugänglichen Internetvolumens) nun völlig neu geschrieben werden muss.

Polizeibericht

Gabelstapler umgekippt – Fahrer entwichen

ueberfuehrung 

Schöne Bahnüberführung (Polizei-Beispielfoto)

Gestern gegen elf Uhr morgens befuhr ein Angestellter des Getränkehandels A. Nitzsche mit höchstmöglicher Geschwindigkeit, die sich allerdings wegen diverser technischer Unzulänglichkeiten noch immer im gesetzlich erlaubten Rahmen befand, auf einem Gabelstapler die Schnellstraße in Richtung auswärtiges Umland. In Höhe der Abbiegung vor der Bahnüberführung fiel ihm auf, dass die Gabeln des Staplers, auf denen sich mehrere Bockbiergebinde unbekannter Herkunft befanden, maximal ausgefahren waren, was ein gefahrloses Passieren der Überführung voraussichtlich unmöglich machen würde. Nach eigenen Angaben “geistesgegenwärtig” riss der Fahrer zum Zwecke des Abbiegens in die nicht überführte Nebenstraße das Steuer herum, was zum sofortigen Umkippen des Gabelstaplers führte. Der Gabelstapler erlitt einen Totalschaden, welcher allerdings schon vor Fahrtantritt bestand. Der Fahrer blieb unverletzt, “war nicht schuld” und verlangte von den Beamten, “dem Chef nichts zu petzen”. Anschließend trank er die beim Umsturz unversehrt gebliebenen Flaschen in höchstmöglicher Geschwindigkeit aus und versuchte nach dem Aufrichten des Gabelstaplers, mit jenem die Flucht anzutreten, was aufgrund der Scherben, die die Reifen sämtlicher zur Verfolgung eingesetzten Streifenwagen perforierten, gelang. An sachdienlichen Hinweisen zeigen sich die Polizei-Dienststellen nicht interessiert, da alle Angestellten des besagten Getränkehandels bereits polizeibekannt sind.

Zum Feiertag

kirchenschiff

Ein Schiff, unsinkbar augenscheinlich,
Mit hohem Bug und Brückenhaus.
Der Kapitän, so glaubt man, kleinlich.
Der Smutje peitscht den Moses aus,
Schon ehe der was hat verbrochen:
Die Disziplin muss eisern stehn!
Sie fährt mit Liebe in die Knochen.
Der Kapitän hat’s nicht gesehn.

Oktober, deine Pracht

tor

Oktober, deine Pracht,
Vergeht nun endlich auch!
Karl Gong sitzt da und lacht,
Hält sich den dicken Bauch.
Schnell abwärts soll es gehen
Mit Wärme, Farbe, Licht,
Dann werdet ihr schon sehen!
Nee, sag ich, glaub ich nicht.

Ich sehe ziemlich schlecht,
Und eigentlich nur halb.
Steht vor mir mal ein Specht,
Denk ich, es ist ein Kalb.
Ich denke des Oktober:
Hab ihn ja kaum erkannt
In seiner Pracht! Herr Ober!
Reich er mir einen Brannt!

Der eine spielt verrückt,
Wenn sich das Jahr grau neigt.
Karl Gong erscheint beglückt,
Weil sich das Ende zeigt.
Wir stoßen auf den wehen
November klirrend an.
Soll kommen und soll gehen
Auch wieder irgendwann.