Immobilien 2

schillergarten

Zu den milde entsetzlichen Dingen im April zählte es, zwangsweise, in der Zapfhahnschlange, neben einem Tisch verweilen zu müssen, an dem sich Immobilienmakler betranken. Der sowieso erschütterte Glaube an die Menschheit hätte erheblichen Schaden nehmen können, wäre nicht die Besatzung der Bar flink und freundlich gewesen.

Erster-Mai-Lied in memoriam E. H.

innenaussen

Schlote rauchen, Menschen lachen!
Tun muss schlauchen, Kohle machen!
Froh marschieren in die Werke!
Wild zeig ich der Arme Stärke!
Recke Fäuste, blas die Backen!
Feilen, Schmieden, Schmelzen, Racken!
Öfen setzen, Eisen lecken!
Häuser mauern, Dächer decken!

Oder hol ich mir nen Fahrschein?
Würd gern abends an der Saar sein.

Vormai

springbrunnen

Sieh, mit allergrößter Kraft
sprudelnd ward es Lenz.
Und sind dreißig Grad geschafft,
hebt sich’s Dach vom Benz.

Brünnlein spuckt mit feinem Strahl,
zierlich eingehaust.
Ich hau dir auf den Karpal,
wenn du mein Bier maust.

Wellblechhütte als Büro,
stockend rinnt die Zeit.
Erstmal setz ich mich aufs Klo,
bis es endlich mait.

Der Mond der blauen Stunde im Konsumrausch

mondstellagen

Ganz behutsam grüßt der Mond
in der Blauen Stunde.
Hab mich eben nicht geschont:
Drehte meine Runde
durch die Hallen, die Regale,
kaufte Wein und Chinaschale,
kaufte Käse, Pudding, Möhren.
Ach wie mich die Menschen stören!
Wie sie mich zutiefst genieren,
wenn sie öd mit schierem Gieren
lüstern in die Truhen stieren,
gänzlich sich dabei verlieren.
Schnell hier raus, und ins Gehäuse!
Doch da warten schon die Mäuse!
Drum gleich alles in den Schlund!
Still von oben grüßt der Mund.
Äh, Mond.

Kunst am Bau

giraffe

Manchmal braucht es einen langen Atem bzw. Hals, um zu sagen, was zu sagen ist. Für Leser ohne Lesebrille:

“Gott uns dieses Haus behüte
Vor Bomben und der Steuertüte.”

Wobei aus einem bekannten, immer noch aktuellen Schlager zu ergänzen wäre:

Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun.
(Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun.)

2000

bestenliste

Der Spruch ist gut,
ich zieh den Hut
und Wehmut kühlt das Glas,
weil dahingeht,
was grad noch steht. —
Ob Schinderei, ob Spaß,
wenn, was man tat,
solch Abschluss hat:
das ist ja auch schon was.

Klar und wahr

vodka

Wenn es einen Anlass gibt:
Hoch die Tassen! Tassen hoch!
Wenn es keinen Anlass gibt:
Höher geht es immer noch!
Denn die Wahrheit, Freunde, Prawda,
ist: Das Lehm ist kurz.
Darauf noch ein neues Glas, klar,
und auch einen frohen
Schniefer, dass bis jetzt eigentlich alles so ziemlich gutgegangen ist,
hätt ma jar nich jedacht, wa.

Kleiner Ratgeber Musik

musik

Im wohltuenden Gegensatz zur sogenannten “bildenden” Kunst ist die Musik etwas Reales, Handgreifliches, durchaus auch Übergriffiges, wenn auch der Versuch, an dieser Stelle ein Wortspiel mit dem Be”griff” (hohoho!) “Griffbrett” einzubauen, soeben grandios gescheitert ist.

Es geht bei Musik primär um die Erzeugung nicht abzustreitender Schallobjekte (Wellen), die in dem ihrer Einnahme dienenden Organ beim Menschen bzw. Hörer bzw. Musikfreund bzw. Sachverständigen physikalisch nachvollziehbare Effekte bewirken können, durchaus auch bis zu dessen Zerstörung. Das Organ nimmt die Musik so auf, wie sie abgesondert wurde, Missverständnisse sind ausgeschlossen, es geht nicht ums Begreifen, sondern ums Aushalten.

Man kann auf allen möglichen Objekten Musik hervorbringen, sie können kaputt oder sonstwie unbrauchbar sein, Voraussetzung ist lediglich eine geeignete physikalische Verstärkung, damit die Schallobjekte in deutlicher, schmerzhafter Weise mindestens bis zum Empfangsorgan vordringen können. Kabel, Röhren, Spulen und anderer Kram leisten dabei gute Dienste, sofern sie korrekt zusammengebaut sind. Man sollte die Einzelheiten in einem gutsortierten Baumarkt erfragen, da gibt es in der Regel auch gleich preiswerte Guitarren, Schlagwerke und Trennschniefer mit Kammerton, Tiernahrung allerdings ist Vertrauenssache und genießt keine Rabattierung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Wertschätzung der Musik auch schon einmal höher war, wenn sich die Musikfreundin beim Konzert fragen muss, was sie eigentlich mehr nervt: dass alle anderen auf ihr Schmachtphone starren oder sich über ihre (im Selbstverständnis der sich unterhaltenden natürlich nicht) beschissene Arbeit unterhalten — oder beides. Manchmal ist die Musik laut genug, dass die Schmachtphones und die Wichtigtuer einfach zerspringen, und das ist gut.

Über die Kunstbetrachtung

kunst

Neulich gab es wieder Kunst.
Leider war sie sehr verhunzt.
Einem Bild war aus der Mitten
einfach was herausgeschnitten.
Auf dem andern hatten Knaben,
die etwas DAGEGEN haben
(oder waren es gar Damen,
die gerad des Weges kamen),
Einen Kübel Teer entleert.
Das schien mir durchaus verkehrt.
Denn die Kunst, soll ich sie schauen,
Soll mich — bitte sehr — erbauen.
Schön und glatt und ohne Makel,
Kein Gekriekel und Gekrakel,
Weiß und zart als wie ein Arsch
oder ein Fillet vom Barsch.