Schlagwort-Archiv: Schrudel

Schrudel

Schönheit vom Internet

Seebrücke
Internet: Jetzt noch schöner!

Eines Tages stellte der blinde Herr Schrudel fest, dass sich das Internet dermaßen mit Schönheit angefüllt hatte, dass es schon gar nicht mehr zum Sagen war. Schönheit, wohin das Auge blickte. Er aber hatte noch gar keinen Beitrag dazu geleistet, und so beschloss er, dies nachzuholen. Frischauf, er schnappte seine Bildschnappe, suchte sich ein schönes Motiv aus (“Seebrücke”, immer gern genommen), hielt drauf und drückte ab, schnapp. Dann ging er wieder nach Hause und machte das Bild ins Internet rein (verkürzt gesagt).

Das war aber einfach, dachte der blinde Herr Schrudel.

Schrudels neues Aquarium

Goldwasserfische

Die sehr befriedigende wirtschaftliche Lage seines maritimen Firmenkonsortiums (“Dienstleistungen und mee(h)r”) veranlasste Herrn Schrudel dazu, ein neues Aquarium anzuschaffen, das er dann tatsächlich mit goldenem Wasser (Goldwasser) füllte.

Muss man sich mal vorstellen!

Die Wände natürlich aus Panzerglas.

Schlechtes Romanende XVII

[blablabla]

Schrudel war emotional angespannt, sinnierend sah er in die Ferne, und ein Darmwind entfuhr ihm lautstark.

“Entschuldigen Sie bitte, aber ich interessiere mich nicht für Blähungen”, sagte Fräulein Schnüse. “Deshalb möchte ich Ihr Gesprächsangebot nicht wahrnehmen.”

Schrudel lüftete den Hut, winkte den 89er Bus heran und fuhr in den grauenden Morgen. Alles würde gut werden, wenn er nur schnell ein WC finden könnte.

Begeisterte Begeisterung


Das Ereignis war in eine Phase eingetreten,
die Herrn Schrudel das Betreten des öffentlichen Raumes verleidete. Aber auch seine Stammschänke war von gröhlenden Begeisterten okkupiert, die das schöne Tschechenbier wegsoffen und vor Aufregung in ihre Funktionsunterwäsche furzten, wenn ein deutscher Spieler im Strafraum umhertappte. Schrudel beschloss, das „Ausscheiden der Mannschaft“ auf dem Balkon abzuwarten, denn es war Sommer. Große Mengen von Begeisterten indes fuhren lauthals hupend durch die Straßen, und die Vögel auf den Bäumen fühlten sich wie im Winterquartier im Süden.

[Das Bild ist von Willy.]

Von Auswurf bis Zigarre

Die meisten Ingenieure haben, bevor sie Ingenieure wurden, mal richtig gearbeitet. Mit ihren Händen als Werkzeug! In dieser Zeit sind sie meist fürs Leben geprägt worden.


Englische Ingenieurskunst

Entweder, weil sie erst da auf die Idee kamen, dass das Leben des Ingenieurs viel schöner ist als das des Transportarbeiters (stimmt nur bedingt), oder weil sie in den dunklen Tiefen der Fabrikhallen auf Menschen stießen, die durch ihre immense Ausstrahlung das Geschick, den Arbeitseifer, die Weltanschauung und vielleicht sogar die Libido der späteren Ingenieure prägten (könnte sein, muss aber nicht). Jedenfalls treffen beide Vermutungen immerhin auf die Kollegen Schrudel und Pachnicke zu.

Schrudel (er studierte übrigens erst Füge- und dann Wickeltechnik, was ihm bei der Familiengründung sehr entgegenkam) bekam auf seiner ersten Arbeitsstelle einen Meister vorgesetzt, der zwar nicht mehr als Meister tätig, aber dafür sehr entspannt war. Stets saß er mit einer dicken Zigarre zwischen den Lippen in der Ecke und reparierte den Ausschuss der KollegInnen. Dafür beschwerten die sich nicht über den Gestank. Abends saß er in der Schenke und trank Schankbier, wie es sich gehört. Zigarre und Schankbier als Obessionen gingen nahtlos auf Schrudel über und überlagerten mit der Zeit alles, was er sich im Studium mühsam eingepaukt hatte (außer Fügetechnik). Sei’s drum.

Pachnicke dagegen hatte einen fanatischen Werkzeugmacher als Lehrmeister, der meinte, es sich nicht leisten zu können, seinen Arbeitsplatz (Kampfplatz für den Frieden) zu verlassen. Leider verfügte dieser Lehrmeister (kurz vor dem Rentenalter stehend), über eine veritable Produktion nicht nur von Werkzeugen, sondern auch von Auswurf, was ihn allerdings nicht hinderte, seine achtdreiviertel Stunden eisern im Betrieb auszuharren. Aus Gründen des Arbeitsschutzes (Ausrutschen) benutzte er ein großes Einmachglas, dessen Anblick besonders die weiblichen MitarbeiterInnen wenig schätzten. Pachnicke studierte natürlich ebenfalls Werkzeugbau (Bohren, Senken, Schleifen), was seiner Familiengründung zupass kam. Und natürlich wirkte sich die harte Lehrzeit auf seine Soft Skills (Dummsprech für „wie man so ist“) aus: Nie wurde er krank, und wenn doch, blieb er eisern am Schreibtisch sitzen, immer einen großen Becher griffbereit in der Schublade, allerdings, dem Fortschritt sei’s gedankt, aus Milchglas.