Archiv für den Monat: Mai 2021

Neu bei Nitzsche

Hiermit zur Information für alle Kunden und Lieferanten: Der Getränkehändler A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern), wurde heute durch die revolutionären Zellen des Unternehmens abgesetzt. Er wird sich zeitnah wegen der fortgesetzten Ausbeutung der MitarbeiterInnen zu verantworten haben. Expropriiert die Expropriatoren! Getränkeverkauf und Imbissangebot bleiben bestehen, solange die Kundschaft nicht frech wird. Ihr habt es selber in der Hand. Pfand wird aus Gründen nicht mehr ausbezahlt. Kraftbier Krasni Oktjabr 20 Flaschen im Geschenkkarton 16,99 Euro zzgl. Pfand 20,00 Euro. Ende der Durchsage. Problembär (Vorsitzender des Rates der Revolutionäre e. V.).

Das Sonett vom Wildkraut

Ich möchte wie Wildkraut sein,
klug lauernd und zäh
unter dem Frühlingsschnee,
kaum sichtbar im Sonnenschein.

Ich mach mich beim Jäten klein.
Kein Gift tut mir weh,
wackel nur mit dem Zeh
und pass einen Kieselstein.

Ich kriech der Gärtnerin,
wenn sie im Grase liegt
zart an das Bein.

Leis seufzend sinkt sie hin.
Wie sie sich an mich schmiegt,
ihr Wildkräutlein.

Die Flucht vor der Verantwortung

Hoch hinaus will heute Klaus,
ist beim Chef geladen.
Zehn Etagen hat das Haus.
Klaus hat dicke Waden.

Klaus hüpft hurtig wie ein Reh,
muss kein bisschen pusten.
Chef raucht auf dem Kanapee,
krümmt sich bleich beim Husten.

„Klaus, mir geht es nicht so gut,
kommt vielleicht vom Qualmen.
Ich nehm heute meinen Hut,
fliege unter Palmen.

Du bist, Klaus, der Hellste hier
und ab heute Chefchen.“
„Nee“, sagt Klaus, „du Trotteltier,
ich bin doch kein Äffchen.

Bleib mal schön auf deinem Thron,
ich flieg in die Sonne.
Draußen wartet nämlich schon
deine Frau Yvonne

(auf den Klaus in seinem Glück),
und sie lässt schön grüßen.
Niemals kommen wir zurück.
Nun, Chef, musst du büßen.

Ausgebeutet hast du mich,
ich füllt dir die Kassen.
Deine Frau verachtet dich.“
Chef nimmt es gelassen.

‚Fliege‘, denkt der ohne Wut,
‚ich halt mit Yvette‘,
und entzündet an der Glut
eine Zigarette,

zieht, und krächzt schon fast im Lauf:
„Holt mir schnell den Gunter“,
setzt dem seine Krone auf,
fliegt nach Rio runter.

Geht es so im Mittelstand?
Keiner will mehr führen,
nur mehr für den Palmenstrand
seine Schuhe schnüren?

Ja. Es gibt kein Happy End.
Gunter als Verkäufer
macht den Sale für x Prozent,
denn er ist ein Säufer.

Tyranno Thesaurus Rex

In den Trümmern der Kommunikation (Beispielfoto)

Neuerdings entwickelt sich der Thesaurus meines Telefons zum, Verzeihung, kompletten Vollidioten. Nicht nur, dass die rudimentären Kenntnisse von Grundworten, Grammatik und Sinnzusammenhängen tief in den Schaltkreisen versickert zu sein scheinen. Mit penetranter Rechthaberei besteht er auf unsinnigsten Wortbildungen, die ich niemals gebraucht hatte und auch nie gebrauchen würde, zum Beispiel „Ostwestfalen“. Damit ihm das auch gelingt, bläst er den Wortmüll nach allerlei elektrischen Purzelbäumen, Rollerutsch und Tritratrallala genau dann in den Text, wenn mein armer Kopf schon längst mit dem nächsten wichtigen Gedanken beschäftigt ist. Als Ergebnis erhalte ich regelmäßig das besinnungslose Gestammel eines Irren. Meine umständlichen Korrekturen, wenn ich den Quatsch nicht schon aus Versehen an ratlose Empfänger abgesendet habe, werden begleitet von dem nicht zu bezähmenden Trieb, zur Wodkaflasche zu greifen (und diese aus dem geschlossenen Fenster zu werfen).

P. S.: Möglicherweise wird es Zeit, dem Beispiel des unsterblichen Kunstmalers Gofthe zu folgen, jegliche Kommunikation nur noch per Handkrikelkrakel zu absolvieren und die Elektronik für sich allein blöde sein zu lassen.

Neu bei Nitzsche

Aufgrund der bevorstehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen mit missgünstigen Nachbarn, aufsässigen Kunden und gierigen Lieferanten sieht sich A. Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muss nur machern), gezwungen, Teilen der Belegschaft eine Weiterbildungsoffensive angedeihen zu lassen, notfalls auch gegen deren Willen. Immerhin scheint sich der Problembär (Hofarbeiter) bei seinem Jurastudium sehr wohlzufühlen. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Notwendige Erinnerung

Rasier dich ohne Qual
mit Eisen von Punktal.
Rotiere ohne Schrecken
in Markenrheumadecken.

Iss nur vom besten Brei:
Verzweiflung geht vorbei.
Trink Kaffee ohne Leiden
durch Filter ganz aus Seiden.

Es helfen bis zum Tod
Produkte dir aus Not,
Bedrängnis und Verheeren.
Drum solltest du sie ehren.

Von der Leberwurst

Die Leberwurst ist fabelhaft,
gibt Klugheit dir und Manneskraft.
Auf frisches Brot musst du sie schmieren,
dann wirst du nie ein Spiel verlieren,

ob Handball, Tennis oder Schach.
Iss sie ganz auf an einem Tach,
sonst tut sie dir vlei noch verderben!
Du kannst sie auch vegan erwerben.

Kapitulation

Der allgegenwärtige Hype um die Segnungen der Künstlichen Intelligenz bewog mich, die Teeküche entsprechend aufzurüsten. Von den Ergebnissen wird sie wohl selbst zu berichten wissen.

Einladung

Lass uns unter Wolkensuppe
in die Wasser springen, Puppe.
Dann sind unter Wolkenbrei
beieinander ganz wir zwei.

Lass uns unter Wolkenhaufen
miteinander prustend raufen.
Hinterher muss Sonne sein.
Geh zur Seite, Wolkenschwein!

Neu bei Nitzsche

Hiermit wird von Uns, A. Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muss nur machern), ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die „Erstürmung“ der Verteidigungsanlagen des verfeindeten „Premium-Getränkehändlers“ M. nicht durch Unsere heldenhaften Beschäftigten vorgenommen wurde, es wurden fürderhin keine seiner „Premium-Produkte“ „am hellerlichten Tag“ (während der bekannt ausgedehnten Mittagspause des M. im „Goldenen Korken“) von Uns entwendet. Es ist Uns nicht bekannt, dass Unser Problembär (Hofarbeiter) in seiner Jugend in Bukarest eine Lehre als Eisenbieger absolviert hätte. Entsprechende „Beweisfotos“ illegal angebrachter Überwachungskameras während des „Vorfalls“ sind offensichtlich durch die Werbetorte des M. am Bildcomputer manipuliert worden wie heute üblich. Die „Premium-Produkte“ des M. wurden qualifiziert verkostet und als ungeeignet für Unser Handelshaus erachtet (Eigenverbrauch). Unsere Belegschaft hält zusammen und lässt sich nicht auseinanderdividieren bzw. subtrahieren, je nachdem. Alle für einen. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Von den Erweiterungen

Karl Gong, dem der Erwerb der neuen „Erweiterungsflächen für den Pferdefutteranbau“ durch die Unangetraute beinahe etwas zu weit ging, nicht nur aufgrund der „schändlichen“ (Gong) Verschuldung beim Kreditinstitut der Kreisstadt, sondern auch, weil nun wieder alles an ihm hängenbleiben würde (Säen, Mähen, Anwerben und Ausbringen von Gülle, Ärger wegen der Nitratwerte mit dem Minister), betrat an einem güldenen Tage zur Zeit des Beginns des Vorabendprogramms, das er seit Jahren aus Überlastungsgründen nicht hatte konsumieren können, den erworbenen Acker, auf dem sich tatsächlich trotz der häufigen Dürren eine Art Bewuchs vom Vorbesitzer erhalten hatte, nahm den letzten Schluck aus der Hinbierflasche, betrachtete die nicht sehr helle (dunkle) Katze, die sich ihm angeschlossen hatte und ratlos in die angeschaffte Unendlichkeit starrte, und fühlte nun doch so etwas wie den Stolz des Besitzenden, einem König gleich, mit fast unbegrenzten Ländereien, erst an den Gestaden des fernen Meeres zu Ende, bei den hohen Klippen, traumhaften Sandstränden, hüpfenden Delphinen und angeschwemmten Containern, gefüllt mit indischen Motorrädern, japanischem Whisky und australischem Uran.

Nach dem Leeren der dritten Verweilflasche drehte er sich vorsichtig auf dem Hacken um und begab sich wieder in Rufweite der Holden, die ihm Neuigkeiten aus der industriellen Schweinemastanlage, die Gülle betreffend, zu überbringen hatte.