Archiv für den Monat: Juni 2022

Ode an eine Influenzarin

Dieses Bild wurde hingeschmiert von Maler Gofthe.

1
dein Gesicht wirkt sehr
aufgeräumt
fast schon leer
goldhaargesäumt
gestraffte Rippen
und dicke Lippen
unter blauen Augen
die sich ansaugen
unverwandt
an Tand

2
du hast Einfluss
auf Millionen
das ist kein Stuss
denn sagst du Bohnen
müsst ihr essen
sind gesund
ist das der Grund
dass Millionen Follower
Bohnen fressen
ohne Gegenwehr

3
lange Nägel rot
Sponsorsegelboot
Bündel Scheine
lange Beine
langer Hals
falls
du mich suchst
kann ja sein und fluchst
wo ich bin
Influenzarin
ich entziehe mich
deinem Einfluss
deinem Scheinstuss

4
du machst mich alle
Superschnalle
mit deinem bling bling
und deinem String-
Tanga
Gesicht wie ein Manga-
Püppchen
ich spucke dir ins Süppchen
leg deinen Schrott
aufs Schafott
Klinge fällt
heile, Welt!

Neu bei Nitzsche

Um freundliche Beachtung der neu geschaffenen Beachvolleyball-Arena vor allem durch Mein junges und hippes Publikum (Kraftbier) bitte Ich Getränkemogul A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) ab sofort innerhalb der Öffnungszeiten auf eigene Gefahr. Springen Sie herum lassen Sie sich fallen klatschen Sie an den Ball Sie werden schon sehen was Sie davon haben. Der Hofarbeiter scheute weder (externe) Kraft noch Mühe die devastierte Halle 29 in einen feingemahlenen Sand zu verwandeln der Ihren Ansprüchen genügt sonst knallts. Die Vögel werden noch entfernt sie suchen nur nach Fisch und stellen keine Gefahr da. Getränke werden im Laden gekauft nicht mitgebracht. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Von der Gastfreundschaft

Karl Gong, der auf einer seiner Inspektionsreisen über die von der Unangetrauten neuerdings „billig, das glaubst du nicht“ erworbenen Liegenschaften eine feldherrenhügelartige Anhöhe bestieg und bei Fotografenwetter und -bewölkung plötzlich eine Art Binnenmeer unter sich liegen sah, schauderte leicht, suchte sich eine Astgabel für besseren Ausblick, entschärfte das alte Jagdfernglas und erspähte zu allem Überfluss eine Art Seebrücke, ein wenig malade, aber nach schreinermäßiger Überarbeitung, zu der ihn die Holde mit zuckersüßen Worten gewiss bald drängen würde, sicher geeignet, das eine oder andere Kreuzfahrtschiff, vielleicht auch einen Fischkutter oder Panzerkreuzer oder Hubschrauberträger in Not zum Landgang zu animieren, er sah sich schon mit diversen Urlaubsreisenanbieterkonzernen kommunizieren und eine gemütliche Speisung der Tausende anbieten, mit der Holden als strahlender Gastgeberin, Bier vom Fass und Fettbemmen mit saurer Gurke, den örtlichen Traditionen der Gastfreundschaft entsprechend, aber zunächst einmal würde er sich auf einer Karte vergewissern müssen, zu welcher Region sein frisch erworbener Besitz zu zählen sei, um mit den angepriesenen Traditionen keinen Fauxpas zu begehen (Labskaus? Palatschinken? Tiramisu? Köfte?).

Auf dem Sonnendeck

Ich habe hier
ein volles Bier
und noch ein Süßgetränk:
Das ist heut mein Geschenk.

Was du nicht willst,
was du nicht killst,
das schlürf ich gnädig leer.
Fällt mir weiß Gott nicht schwer.

Doch sollte dir
nicht sein nach Bier
und nicht nach Zuckersaft,
wird beides auch geschafft

allein durch mich.
Das glaubstu nich?
Na siehste. Küsschen. Probst.
Und nimm dir gern das Obst.

Richtigstellung des Verteidigungsministeriums

Der „Premium-Kühlergrill“ wurde hingeschmiert von Maler Gofthe.

Das Verteidigungsministerium ist Meldungen entgegengetreten, wonach die Hälfte der Jahresproduktion an deutschen Premium-SUV als Schwere Waffen in die Ukraine verbracht werden soll. Dies sei nicht richtig. Es handele sich vielmehr um die gesamte Jahresproduktion. Schließlich sei es offensichtlich und allgemein akzeptiert, dass in der aktuellen Situation auch populäre Maßnahmen getroffen werden müssten. 

Das schlampige Sonett vom vorderen Salon

Von dieser Reise das Bonbon
ist klar der vordere Salon.
Den will mit seinen fuffzig Plätzen
ich ganz allein mit dir besetzen.

Denn zählst du im Kalender mit,
so hab ich Grund zu diesem Schritt:
Wir werden hier die Gläser heben
auf alle Tage Überleben

in schwerer, dunkelgrauer See
auf rosarotem Kanapee.
Dann schippern langsam wir ins Koma.

Und sinken wir vor Juliusruh,
spielt die Kapelle schräg dazu
vom Kreuzfahrtdampfer „La Paloma“.

Der Kormoran

Ich sitz an meinem leeren Tisch.
Der Kormoran fraß meinen Fisch.
Ich wollte meinen lieben Aal.
Der K. frisst Aale ohne Zahl.

Wenn ich den K. nicht bald erwische,
verzichte ich auf alle Fische
und fresse nur noch Gurke.
Der Schurke!

Korrekturwunsch

Gerade Christo-Epigonen
sollten sich nicht zu sehr schonen.
Die Idee kann nur verfangen,
wenn die großen Tücher hangen

nicht nur an den Simsen, Traufen —
Linnen weiß an Gummischlaufen —
sondern auch vor Fensterscheiben.
So, Kollegen, kanns ni bleiben!