Schlagwort-Archiv: Methode

Kleine Bildbeschreibung

Das Arefjewa-Schaubild verlangt dem Betrachter einiges an schöpferischer Intelligenz ab. Im Mittelpunkt steht der Ausschuß, was durch die pointierte Farbgebung unterstrichen wird. Ein Werktätiger, der einen Karren schiebt, welcher nicht von allein stehen kann, ist irritiert, weil der Ausschuß ihn offensichtlich verhöhnt (Zunge, Hand ohne Arm, Kopf ohne Frisur). Soll er ihn in den Karren laden? Mit dem Dreizack aufspießen (wobei der Karren umfallen würde)? Oder besteht die Arefjewa-Methode darin, den Kollegen („Reserve“) im Hintergrund zu rufen, dessen mit offensichtlich großer Zufriedenheit bewegtes Flurfördermittel wesentlich geeigneter wäre, den Ausschuss aus den Augen des soz. Leiters zu räumen? Die Lösung dieser Fragen bleibt unserer Phantasie überlassen, wofür wir dem Zeichner Hut81HOF dankbar sind.

Kleine Bildbeschreibung

Bei diesem schönen Bild fällt zuerst die aufwendig schraffierte Latzhose ins Auge. Getragen wird sie vom Arbeiter (alle Arbeiter haben stets einen überdimensionalen Maulschlüssel in der Hand, das kennt man ja, schließlich gibt es immer etwas fest- oder loszudrehen). Die Einheit von Arbeiterklasse und Intelligenz wird durch Frisur, Koteletten und Wangenbeulen versinnbildlicht. Der Eierkopf (Intelligenz) ist auch körperlich eiförmig angelegt, um seine, wenn es hart auf hart kommt, Unterlegenheit darzustellen.

Der Zeichner des schönen Bildes weiß nicht, wie ein Rohrpostsystem aussieht, es interessiert ihn auch nicht, deshalb hat er es sich am Abort abgeguckt, was aufs selbe rauskommt. Bisher ist ja auch noch nichts konstruiert worden, wahrscheinlich unterhalten sich die beiden über die Oberligaergebnisse. So, wie der Konstrukteur den Stift hält, wird das sowieso nichts, außerdem könnte er ja die EILROHRPOST mit dem Pflichtenheft öffnen, aber er hat seinen eigenen Eierkopf und macht einfach, was er will.

Insofern bildet das Werk die Realität passgenau ab und regt nur bedingt zum Nachdenken an. Aber die Knöpfe sind sehr liebevoll ausgearbeitet.

Kleine Bildbeschreibung

Das Saratower-System (mit Bindestrich) quillt in dicken schwarzen Rußwolken aus den Schloten, sonst wäre es nicht sichtbar. Die Fabrik erscheint aufgeräumt, es liegen weder Schrott noch Zulieferteile auf dem Hof, was ungewöhnlich ist. Vielleicht arbeitet ja auch niemand, stehen doch die Werktätigen alle unproduktiv im Kreis herum und halten Maulaffen feil.

Sie scheinen erzürnt zu sein, manche ratlos, man ballt die Fäuste. Was ist der Grund? Ein bemitleidenswerter Kobold, dem jemand „Dauerfehler“ auf den Bauch gemalt hat. Aber was ist ein Dauerfehler? Dauert es lange, ihn zu machen? Macht man ihn permanent? Oder ist es wie beim Dauerkeks, dass er sich einfach nur lange hält, man ihn in der Schublade vergisst, bis er in einer Schichtpause zum Vorschein kommt und mit Genuss verzehrt wird?

Vielleicht ist er aber auch, was das Bild durchaus nahelegt, aus dem mysteriösen Buch „Saratow“ geschlüpft und einfach Teil des Saratower-Systems, ein Systemfehler also?

Mir jedenfalls tut der niedliche Dauerfehler leid, und ich wünsche ihm alles Gute. Vielleicht gelingt es ihm ja, als Dauerläufer (Wortspiel!), den bösen Werktätigen zu entkommen und sich im Ruß zu verbergen. Insofern hat mich das Bild zum Nachdenken angeregt. Das ist schön.

Kleine Bildbeschreibung

In diesem Werk gelingt es dem Zeichner Hut81HOF, inspiriert vom Titel „MAMMAI-Methode“, seine erotischen Phantasien konsequent auszuleben. Es kommen nur weibliche Personen zur Anwendung, die Dekolletés sind, im Gegensatz zur wie immer schludrigen Ausführung der Arme, liebevoll gearbeitet.

Das Mienenspiel der Protagonistinnen in Anbetracht der ausgereichten roten „Vorgaben“ reicht von Fassungslosigkeit über Besorgnis bis hin zu dümmlicher Akzeptanz. Damen ohne „Vorgaben“ machen sich über die anderen lustig, können aber sowieso nicht arbeiten, da sie über weniger Arme verfügen.

Die Werktätige ILI knüpft bereits ihren Kittel auf, vielleicht, um beim Meister eine Lockerung der „Vorgaben“ zu erwirken. Damit wird, wahrscheinlich ungewollt, ein Verweis auf patriarchale Strukturen gesetzt, die es zu Zeiten der MAMMAI-Methode allerdings nicht gegeben haben sollte.

Verstörend wie immer hat der Zeichner die Frisuren gearbeitet — ein Markenzeichen? Das Bild ist schön und regt mich zum Nachdenken an.

Kleine Bildbeschreibung

Ein dicker Arbeiter steht ratlos an einer Drehmaschine. Ein anderer macht sich darüber beim Technologen lustig (Mobbing). Alle drei tragen Dauerwellen, die es beim Betriebsfrisör billig gibt.

Die Bassow-Methode besteht darin, dass der Arbeiter NUR NOCH ohne Gipsbein seine Werkstücke drehen darf. Er muss es also vorher ablegen, vielleicht reicht es aber auch, das kreuzweise Pflaster zu entfernen.

Der Zeichner zeichnet gern Hände, mit den Armen hat er Schwierigkeiten. Auch das Werkstück ist nicht zu sehen, es gab wohl Lieferschwierigkeiten. Dafür hat der Technologe ein Smartphone in der Kitteltasche, wahrscheinlich aus dem Westen.

Das Bild ist schön, und es regt mich zum Nachdenken an.

Kleine Bildbeschreibung

Im VEB ÖKO erwarten drei fröhliche Beschäftigte, der Pförtner (allerdings ohne Pforte), ein einladender Arbeiter mit Koteletten und eine winkende Arbeiterin mit unvorteilhafter Frisur, den Einzug von Büchern auf Beinen. Jedes Buch hat ein sehr kleines Gesicht, das erste sogar ein rotes. Die beiden ersten Bücher „Slobin“ und „Mamai“ scheinen zu brennen, aber das stört niemanden.

Im Pförtnerhäuschen hängt nur noch ein Schlüsselbund. Also sind alle Kollegen anwesend, außer Kollege Schulz, der ein Alkoholproblem hat. Im Hintergrund türmen sich die Halden mit den Abfallprodukten, die bei der Fertigung im VEB ÖKO anfallen. Eine der Halden erinnert an einen Büstenhalter, was vom Zeichner HOF Hut 81 aus sexuellen Gründen beabsichtigt ist.

Die Bücher haben keine Knie, und man fragt sich unwillkürlich, warum sie nicht hinstürzen. Die Arbeiterin hat einen Brief in der Hand, vielleicht mit einer Auszeichnung oder mit einer Liste, welche Methoden zu welchen Erfolgen führen. Vielleicht hat sie aber auch nur das Geld veruntreut, das die Kollegen zum Geburtstag von Kollegin Meyer aus der Wickelei gesammelt haben.

Das Bild ist sehr schön, besonders die Farben, und es regt mich zum Nachdenken an.