Kategorie-Archiv: Aus der Gechichte

Aus der Gechichte

Erkältung

altesglas

Mein altes Glas, das liebe
aus muffschem Kellerschrank.
So dünnes Glas. Es bliebe
verborgen, würd nicht krank

ich ruhlos durchs Gehäuse
mit Hustenstößen schleichen.
Vor meinen Füßen Mäuse
und in den Ecken Leichen.

Ich seh mich greishaft tattern,
den Kelch in klammen Fingern,
den Kühlschrank hör ich rattern,
die schwachen Beinchen schlingern.

Schnell! Labsal eingefüllt!
Der Lebensgeist hebt kurz sein Lid.
Vom Duft des Trunkes eingehüllt
fühlt ich mich rasch als Glückes Schmied,

könnt ich den Hammer heben
nur einmal noch im Leben.

Das (schlampige) Sonett vom Oktober

schneise

Da zieht er hin, der faule Mond Oktober.
Man hat ihm eine Schneise eingeschlagen.
Ein Tag noch morgen, dann ist er hinober.
Wir werden uns mit dem November plagen.

Da zieht er hin, durch straffe Kupferdrähte.
Es knistert, und die matten Funken glimmen.
Gehüllt in Schal und Mütze ist die Käthe,
und in die dicken Hosen, ach, die schlimmen.

Der Tee steht auf dem Ofen und verdampft.
Die letzten Äpfel liegen noch im Gras.
Man hört den letzten Igel, wie er mampft.

Ich reiche Käthe fürsorglich das heiße Glas.
Sie aber in den schweren Stiefeln stampft:
Nur Tee? Wo bleibt der Spritzer Calvadas?

Der Sturm

schoenleben-sofa
Vom Sturm hinweggefegt!

Als der kleine Herr Schönleben anlässlich eines besonders heimtückischen Sturmes von starken Winden durch die Straßen getragen wurde, landete er in einer kleinen Stichstraße auf einem Sofa, denn es war Sperrmülltag. Reichlich benommen fiel er in einen tiefen Schlummer, aus dem er erst erwachte, als nach dem Passieren einer der östlichen Grenzen des Kontinents die Schlaglöcher noch tiefer geworden waren als zu Hause in seiner Stadt. Ouh, dachte der kleine Herr Schönleben in dem rostigen, brüllenden und klappernden Transporter, das wird dann wohl meine erste Auslandsreise! Er erinnerte sich an die Erzählungen seiner Wanderfreunde über herzliche Einladungen zu Hochzeitsfeiern einheimischer Dorfbewohner, Gelage und Volkstänze. Allerdings wurde er schon am selben Abend vor dem Gebäude der Botschaft seines Landes ausgesetzt, denn die Sperrmüllverwerter wollten durchaus keine internationalen Verwicklungen provozieren.

Seine Hoheit Spricht

hoheit

Es war einmal ein Land,
von dem war ich der Kaiser.
Da kam das Volk gerannt
und meinte, es sei weiser.

Ich hab zwar meinen Stolz
und liebe das Regieren.
Doch hack ich lieber Holz
und widme mich den Bieren,

die abends vor mir stehn,
als jemanden zu knechten.
Die Macht soll von mir gehn
und krönen die Gerechten.

Doch weil ein jeder fehlt,
mal wenig und mal schlimmer,
sei ständig neu gewählt,
sei keine Macht für immer.

Und reißt wer auf das Maul,
er wär der neue Führer,
dann sind wir gar nicht faul
und schneiden ihm den Rührer

ab.

Verworfener Romananfang

Ihre Stimme klang wie das Nebelhorn von Lizard Point. Durchdringend. Distanz einfordernd. Jeden Donnerstag schwamm sie über den See, hin und zurück, mit einer Pause am anderen Ufer. Sie erinnerte ihn an die Riesenhaie, die zwischen den Scilly Islands ihr Maul aufrissen. Dabei hatte sie gar keine Rückenflosse.

usw. usf.

Bitte ersetzen

wilhelm

Anleitung:

1. Lesen Sie den Text auf dem Portal.

2. Ersetzen Sie “WILHELM” durch eine Person, die Sie mögen (vorzugsweise sich selbst). Beachten Sie das Versmaß: “GÜNTHER” passt, “HEIN” sollte in “HEINRICH” geändert werden.

3. Empfinden Sie Freude.

Die Ketten

ketten

Ich werfe meine Ketten ab.
Jetzt bin ich endlich frei und schnapp
nach Luft und jedem voller Wut,
der nach den Ketten greifen tut,
denn das sind alles meine!
Genauso wie die Steine!

Bevor die Ketten andere packen,
häng ich sie wieder um den Nacken!

Vom Volk

Als Herr Günter (ohne h, Name geändert) seine aufkeimende Meinung schließlich mit Hilfe der im sozialen Netz gefangenen Meinungen so weit verfeinert und gefestigt hatte, dass er sie als die des Volkes ansehen und schlussfolgern musste, dass also auch sein Maul das des Volkes und sein Magen, sein Herz, seine Faust und sein Arsch die des Volkes seien, lief er schnell auf die Straße, aber sein Maul war hässlich verzerrt, die Zähne unvollständig, der Atem stank besorgniserregend, und das Volk sah ihn an und dachte: Ouh Ouh Ouh.