Kategorie-Archiv: Aus der Gechichte

Aus der Gechichte

Destination Schweinebauch

schweinebauch

Hieronymus B. Schnock , Inhaber des Fleisch-, Wurst- und Fleischwurstvertriebs Schnock und Sohn Koselinzien/Mittelsachsen (Name und Adresse geändert), hatte vier Söhne, von denen sich allerdings keiner darum riss, der “Sohn” im Firmennamen zu sein. Die Preise für Schweinebauch, den Hauptumsatzbringer des Unternehmens, standen seit Jahren unter Druck, und das Image der Schweinebauchbranche hatte unter diversen Skandalen gelitten (Knorpel im Essen, Vernachlässigung veganer Kundenkreise). Der erste Sohn war Bäcker geworden, der zweite im Westen, der dritte Beamte und der vierte im Internet. Nur die einzige Tochter zeigte ehrliches Interesse am Geschäft, liebte den Kontakt zu den Gastwirten, den Hoteliers und den wenigen Privatkunden, die extra über Land mit ihren Anhängern anreisten, um den soliden Schnockschen Schweinebauch für den Tag der NVA, für Weihnachten und die Zeit dazwischen anzuschaffen. Bezahlt wurde bar, und ein Küsschen der Juniorchefin gab es obendrein. Trotzdem weigerte sich Schnock, konservativ wie er war, die “Tochter” in den Firmennamen aufzunehmen.

Wie es weiterging, könnte man in einem Fortsetzungsroman (Destination Schweinebauch) erfahren.

Unerbittliche Profanität im Anmarsch

bruecke

Jedoch, als es dann schon wieder fast vorbei war mit dem Glanz und der allumfassenden Heiterkeit, wurde Karl Gong von einer eigenartigen Wehmut befallen, vergleichbar jener beim Anblick eines leeren Kühlschranks oder eines Silberfischchens, das allein und überfordert im halogenen Licht über die Badfliesen irrt, und er freute sich an jeder bunten Lampe, die er im Stadtbild ausmachen konnte, solange sie nicht ausgemacht war.

Bald würde ihm nur der farbenfrohe Morgen über den Gleisen bleiben, und jener auch nur mit schlechtem Wetter im Anmarsch (Bauernregel), und deswegen neuerdings selten.

Die Jünger

“Sagt, wer hat das Licht gesehen?”

“Ich! Ich! Ich!”

“Wen saht ihr im Lichte stehen?”

“Dich! Dich! Dich!”

“Wen soll ich mit Glanz versehen?”

“Mich! Mich! Mich!”

“Worum soll sich alles drehen?”

“Dich! Dich! Dich!”

“Fein. Dann folgt mir, wo ich geh.”

“Nee.”

Ermunterung

goethe
Goethe vor seinem Gartenhaus (Beispielfoto)

“Na, das Werther wohl schaffen, lieber Schiller”, sagte Goethe. “Ich wüßte nicht, wie man wegen eines Handschuhs solches Aufheben treiben sollte. Meine Korrespondenz mit dem Sattler, mein Lieber, die hat die Grete beim Kartoffelschälen nebenbei verfasst.”

Von der Meinung

botschaften
Angeblich braucht jeder eine Meinung. (Beispielfoto)

“Ich brauche keine Meinung”, sagte Karl Gong.

“Doch-doch, brauchste-brauchste”, erwiderte Herr Utz in nervtötend hohem Singsang. “Jeder braucht eine Meinung. Sofort und immer zu allem. Kann ja sein, es passiert mal was, dann braucht man doch eine Meinung dazu.”

“Aber man weiß doch noch gar nicht, was passiert ist”, knurrte Gong.

“Ist doch egal! Wenn du eine Meinung hast, ergibt es sich von selbst, was passiert ist.”

Historische Besserwisserei

bebel

Eigentlich so:

“Am 24. März 1904″, sprach der SPD-Reichstagsabgeordnete August Bebel, “vor Arbeitern in Olbernhau.”
“Aha, dann notiere ich mir das im Kalender”, sprach seine Sekretärin, gesagt-getan; sie zog den Hut über den Kopf und den Mantel über die Schultern, lief zum Bahnhof, um die Fahrkarten für die Genossen zu kaufen, betrachtete auf dem Rückweg diese unverschämt hübschen Tücher in der Auslage von Trikotagen-Müller, ballte die Fäuste und genehmigte sich noch einen Absinth auf Parteikosten im Roten Löwen.

Verrükt wird ohne C geschrieben

doris

Wie immer parkte die verrükte Doris ihr Boot im Springbrunnen vor dem Amt, nachdem sie den morgendlichen Stau elegant auf den Fließen und Gräben umfahren hatte, die im Laufe der Großen Deindustrialisierung in der Stadt freigelegt worden waren, da die Menschen nun nicht mehr Gefahr liefen, von den in die Flüsse eingeleiteten Chemikalien zerfressen zu werden, bevor sie ertranken. Frau Doris, Inhaberin einer mittleren Beamtenlaufbahn an der Unterwasserbehörde, verfügte über die nötigen Verbindungen und Nachweise, um einen knatternden Außenboootmotor auch mitten in der City betreiben zu dürfen. Ihr Chef sah und hörte es mit Wohlwollen, denn praktische Verrichtungen seines Personals, die dem Dunstkreis des Dienstgegenstandes zuzurechnen waren, zeugten von Interesse am Fachgebiet über das tägliche unerfreuliche Gezanke mit den Bürgern hinaus. Dafür nahm er auch die Frösche und Libellen in Kauf, die Kollegin Doris in ihrem wallenden Haar ins Amt einschleppte. Er selbst war mit einem ausrangierten U-Boot der Schwarzmeerflotte unterwegs, ein Lustkauf, den er mittlerweile bereute, denn durch die bevorstehende Abschaltung der Atomkraftwerke in der Umgebung würde es schwer werden, genug Brennstoff für die hungrigen Triebwerke zu besorgen, und immer nach Frankreich zu fahren, wo dieser noch in ausreichenden Mengen zu erwerben war, hatte ihm sein Arzt verboten, der Leber wegen.

(wird nicht fortgesetzt)

Nicht mit uns!

fdj

Drei Fragen: Nicht mit uns!

Wenn man sowas im tiefsten Bayern an einer Laterne liest, fühlt man sich doch durchaus angesprochen. Die Frage ist, ob man da mittun muss, also gegen das Tun bzw. Mittun Anderer mittun muss, dieses eben unterbinden muss, wenn man noch so ein Hemd aus Dederon mit dem Symbol am Ärmel tief unten im Schrank hat, das Marschieren unterbinden, denn Annektieren und Diktieren ist bereits durch und abgehakt; also ob man noch dazugehört zu dem Laden mit der aufgehenden Sonne, noch Mitglied ist, weil man vergessen hat, sich abzumelden, als plötzlich keiner mehr beim Mittun mittun wollte, damals, man selber eh nicht.

Oh Gott, wenn da mal jemand kommt, die fehlenden Beiträge zu kassieren! In Westgeld!