Kategorie-Archiv: UFOs bauen

UFOs bauen

Der glücklich bewältigte Auftrag

Der kleine Herr Schönleben war glücklich, in einer namhaften Agentur seinen Beitrag zum Bruttosozialprodukt leisten zu dürfen, auch wenn der Artdirektor diese Leistung regelmäßig beim Morgenappell (Video) in Zweifel zu ziehen pflegte.

Beim aktuellen Auftrag indes würde ihm das nicht passieren, dachte der kleine Herr Schönleben, auch wenn das Kleidungsstück, das er seit Wochen trug und freudig bejahte, sein Gehirn über das verträgliche Maß hinaus erhitzte. Bei der geforderten Arbeit ging es um das Werbeplakat für ein Kreuzfahrtschiff, die „Vera“, und Schönleben streifte, statt sich mit Filzstiften und Pinseln abzuplagen, von einer glücklichen Ahnung befeuert, durch die WG-Zimmer. Da hing es, an der Wand, fein gerahmt, unglaublich schön und in aktuellem Stil gezeichnet! Selbst den Text konnte man unverändert übernehmen, wenn er das Gebrüll des Chefs am Telefon richtig in Erinnerung hatte, irgendwas mit Vera und Cruzes.

Der kleine Herr Schönleben fummelte das Bild aus dem Rahmen, ließ es, ohne größere Schäden zu verursachen, durch das Faxgerät laufen, seufzte ob der getanen Kreativarbeit, schleppte sich in sein Zimmer, ließ sich rücklings aufs Bett fallen und schlief sofort ein.

Science Fiction

platine

Der Riss in der Golubova (Symbolbild)

Die Überraschung war gering, als Kapitän Knospe unter der Rückenhaut der Ersten Navigationsoffizierin  Golubova die grüne Platine vorfand. Er hatte vergessen, seine Fingernägel zu feilen, und das scharfe Horn zog einen zwei Zoll langen Schnitt, der gleich auseinanderklaffte, denn die Haut der Golubova war sehr straff. Es war doch wirklich zum Haareraufen, dass selbst im dreiundzwanzigsten Jahrhundert auf einem Raumschiff der Muldentalflotte das Öffnen eines Büstenhalters immer noch so schwierig war wie zwanzig Dekaden vorher.

Die Welt, in der er lebte, entsprach also der ausgedachten sogenannten Science Fiction seiner tumben Vorfahren, dargelegt und überliefert in vergilbten Folianten und auf klackernden Videoplatten, die er im verdreckten Heckspeicher des Schiffes gefunden und sich heimlich erlesen und angesehen hatte. Roboter in perfekten Frauenkörpern, die ihm schmeichelten, weil er der Kapitän war, die ihn hörig machten, ihn zu Handlungen verleiteten, die das Schiff und die Mannschaft und vielleicht sogar das gesamte Muldental gefährdeten.

Wer aber war die Mannschaft? Er? Noch jemand? Sollte er versuchen, den Büstenhalter jedes Besatzungsmitgliedes zu öffnen, mit ungefeiltem Nagel? Das würde Ärger geben, man würde die Kommision einberufen und die Alkoholrationen kürzen.

Die kleinen Lämpchen auf der Golubova-Platine blinkten. Er würde sich nichts anmerken lassen, genauso, wie sie sich den Schnitt nicht hatte anmerken lassen. Er benetzte seinen Finger mit Heilspeichel, strich über den Riss, der sich sofort in einem Zug schloss, sehr schön anzusehen. Wie in „Rausch des Quadranten“, „Die Freiheit des Dritten Wurmlochs“ und „Patrouille Zwölf antwortet nicht“.

Kapitän Knospe griff zur Dominikanischen, die auf der Zuckerdose aus dem achtzehnten Jahrhundert, einem Geschenk von Kapitänin Fritzke, vor sich hin glühte. Er nahm einen tiefen Zug, der ihn fast ohnmächtig werden ließ, und leerte die vier genehmigten Centiliter Auchentoshn in einem Zug. Seine Platine puckerte, und er dachte, ohje, das Herz.

Bedenklich

ufo

Entspannt unter den Gaststättenschirmen auf dem Rohrstuhl ausgestreckt, blickte ich zufrieden nach links und rechts, unten und oben, und versuchte plötzlich panisch zu rekapitulieren, was mir je an Wissen über außerirdische Bedrohungen im Fernsehen angeboten worden war.

Die neuen Möwenklos

moevenklo

Die neuen Möwenklos im Seebad erfreuen sich großer Beliebtheit. Trotzdem wird eine angemeldete Demonstration am Mittwoch (warum am Mittwoch?) darauf hinzuweisen versuchen, dass es sich bei der Installation der Anlagen wahrscheinlich um gewissenlose Geldverschwendung durch die Altparteien oder wen auch immer handelt (Recherche im Internet läuft der Sache auf Grund). Außerdem soll die Frage gestellt werden, ob nur ansässige Möwen die Klos nutzen dürfen, oder ob dem Missbrauch durch zugeflogene Exemplare der Riegel geöffnet ist. Dies wäre in den Augen einer größeren Anzahl der Seebadler und ihrer Gäste durchaus problematisch, wie anzunehmen ist, aber vielleicht immer noch besser, als wenn der Möwenschiss in denselben landet.

Neues aus dem Finanzministerium

geist

Das Finanzministerium gibt bekannt, dass auf allen Gastronomie-„Rechnungen“, die an der Steuer vorbei direkt in die Tasche des Wirtes gezahlt werden, ein Aufdruck mit „einer Art missgelauntem kleinen Teufelchen, das Ähnlichkeit mit unserem verehrten Herrn Finanzminister hat“ anzubringen sei, um den Kellner oder den Kunden ein bisschen zu erschrecken bzw. zum Nachdenken anzuregen.

Damit die Maßnahme nicht gleich zu sozialen Verwerfungen bei den Belegschaften führt (liebgewordene Gewohnheiten), darf jeder gastronomische Betrieb sein eigenes Teufelchen kreieren („Corporate Identity“). Die traditionellen albernen Aufdrucke auf den Fake-Bills wie „Zwischenrechnung“, „Lehrling 08-16“ (hohoho), „Fahrzeugschein“, „Keine Rechnung“, „Einfach nur ein Wisch“ usw. dürfen natürlich wie gehabt stehen bleiben.

Frage

Umbaupause

Ist dies das Licht, das uns leiten wird in schweren Tagen?

Nee, sagte Frau Mond, das bedeutet nur, dass Naaahmo aufsteigt.

Gloobsch ni, sagte ich.

Schlampige Kunst

Kunst schlampig

Genauso schlampig, wie auf dieser Internetseite die Beiträge zusammengehauen werden, wird auch die Kunst produziert, die sich selbst in einigermaßen teuren Hotelzimmern aufreizend herumfläzt, Bedeutung simulierend. Man muss die Objekte nur mal von hinten betrachten, und schon ist das Universum auf zwei unegale Holzschrauben und unpassend zugesägte Bretter reduziert.