Kategorie-Archiv: Sie und Er und 1000 Fragen

Sie und Er und 1000 Fragen

Das schlampige Sonett vom Feier-Abend

Ich steh hier und wart auf dich.
Komm nur schnell, dann drückst du mich,
bis die Nase knistert.
Denn wir sind nicht nur verschwistert,

wir sind quasi ganz ein Herz,
eine Seele. Himmelwärts
flattern wir mit Blinken.
Darum lass uns schnell was trinken,

die Blume ist noch ohne Tadel,
der Sänger aus der Box gefällt,
der Fleischklops in der Pfanne schmatzt.

Der Tag heut ist von gutem Adel.
Wir küssen uns durch alle Welt
und schlemmen, bis das Bäuchlein platzt.

Neu bei Nitzsche

Um freundliche Beachtung der neu geschaffenen Beachvolleyball-Arena vor allem durch Mein junges und hippes Publikum (Kraftbier) bitte Ich Getränkemogul A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) ab sofort innerhalb der Öffnungszeiten auf eigene Gefahr. Springen Sie herum lassen Sie sich fallen klatschen Sie an den Ball Sie werden schon sehen was Sie davon haben. Der Hofarbeiter scheute weder (externe) Kraft noch Mühe die devastierte Halle 29 in einen feingemahlenen Sand zu verwandeln der Ihren Ansprüchen genügt sonst knallts. Die Vögel werden noch entfernt sie suchen nur nach Fisch und stellen keine Gefahr da. Getränke werden im Laden gekauft nicht mitgebracht. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Das schlampige Sonett vom lieben Besuch

Komm mal wieder um die Ecke.
Nicht im Herbst, nein, heute schon.
Dass ich dir das Tischlein decke.
Setz dich auf den Königsthron.

Unter steilen weißen Wolken
hier am See mit Fisch und Wurst
wollen wir nicht zage polken:
Schlingen, schmatzen, und der Durst

wird gelöscht mit kühler Gose.
Da gibt es schwerere Lose,
sag ich mal, und wohl bekomm es!

Später in den See gesprungen,
dann nach Haus mit frischen Lungen.
Was? Noch Hunger? Hier sind Pommes.

Das schlampige Sonett vom Kindertag

Am Kindertag liegt Mutti froh
neben dem Knaben still im Stroh.
Der Knabe würd viel lieber springen
und mit den andern Knaben ringen,

aus Wäscheklammern Becher bauen
und sich um bunte Kreide hauen.
Doch Mutti muss derlei nicht haben.
Die Augen fallen zu dem Knaben.

Er träumt sich in die Spatzenwolke,
auf dass er sich nen Vogel polke
gleich aus der Luft mit scharfen Krallen.

Dann träumt er von der Kokosmatte,
mit der er eine Fehde hatte.
Leicht zucken seine Zehenballen.

Vom angehenden Badevergnügen

Karl Gong, der auf seinen teils ganztägigen Wanderungen über die Ländereien, die die Unangetraute anzuschaffen ihn gezwungen hatte, immer wieder an Orte gelangte, die er noch nie betreten hatte, blieb staunend vor dem hübschen Teichgewässer stehen, das sich plötzlich in der Liegenschaft 768-02/A vor ihm auftat, nahm die stets mitgeführte Machete aus der Hosentasche, schlug einen Zugang zum Wasser ins Schilf und eilte über Stunden zurück zum Hauptgebäude, wo er die Holde unverzüglich in die neuerdings mit einem Sessel auf der Ladefläche ausgerüstete Dieselameise einzuladen gedachte, nicht ohne vorher eine kuschlige Decke und einen Korb voll der feinsten Spezereien und Getränke im Gepäckfach zu verstauen.

Neu bei Nitzsche

Der sehr verehrten Kundschaft zur Kenntnis hiermit die Information dass der Getränkemarkt A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) gegenwärtig in einem Zustand des Frühlingsputzes befindlich ist. Fortgesetzte Disziplinlosigkeiten beim Führen des Gabelstaplers durch den Hofterroristenarbeiter (Problembär) haben an einigen der Leerguthallen irreparable Schäden hinterlassen die einen Subbotnik notwendig erscheinen lassen (Samstag 05:00-23:15 Uhr). Jeder darf mitmachen 1 Getränk pro Stunde frei (keine Liköre). Bauschuttmitnahme gestattet (Gartenverschönerung). Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Aus dem Leben eines Elektrobastlers

Welch ein Glücksgefühl breitete sich in Karl Gong aus, als er drei in den entfernten Ecken seiner Liegenschaft vergessene, kaputte Lampen zu einer neuen, funktionierenden vereint hatte, eine kreative, nachhaltige Pioniertat, für die sicher bereits ein modernes, ausländisches Wort existierte, irgendwas mit „-grading“, krummgrading vielleicht, hohoho,  jedoch das Glücksgefühl erlosch, bevor die Lampe entzündet wurde, denn die holde Unangetraute verwies ihn des Wohnzimmers mit der Bemerkung, dass, wenn er auf dem Plazieren des Ungetüms bestehen sollte, er sich gleich noch eine neue Frau basteln könne (aus dreien, die er in irgendwelchen dunklen Ecken des großzügigen Grundstücks sicher auftreiben würde).

Das schlampige Sonett von der Gartenfrau

Da steht die Frau im Garten
in blauer Arbeitskluft.
Ich muss wohl länger warten
auf ihrer Nähe Duft.

Sie schwingt den Presslufthammer.
Der Boden wie Beton.
Geflohen ist die Ammer
vorm lauten Plong Plong Plong.

Die Frau lässt sich nicht stören.
Sie kann mich wohl nicht hören:
„Komm her, ich schmacht nach dir!“

Die Sonne kocht den Bregen.
Wann kommt denn endlich Regen
und spült die Frau zu mir?

Von den Nitraten

Karl Gong, dem von der Unangetrauten immer wieder die schwierige Qualität der auf dem Grundstück befindlichen Ackergebiete unter die Nase gerieben wurde, entschloss sich eines Tages zu einem Rundumschlag und bestellte bei Müller-Wernfried von der Agrargenossenschaft unter Überreichung eines Gebindes Premium-Pilsner die Behandlung der fraglichen Flächen mit Gülle, eine Bitte, der jener mit Freuden nachkam, hatte er doch bereits Schwierigkeiten, das „Gold des Kuhstalles“ auf seinen eigenen Feldern unterzubringen, die er auch nicht einfach durch Pacht oder Zukauf erweitern konnte, nicht zuletzt des Expansionsdranges der Holden Karl Gongs wegen, welche sich zwar ob der eingesetzten Technik durchaus beeindruckt gab, jedoch noch mehrere Wochen später mit übertrieben schnuppernder Nase ihrem Missfallen über die vermeintliche Geruchsbelästigung Ausdruck zu geben versuchte.

Foto: Pauli Pictures

Neu bei Nitzsche

Den werten Mitarbeitern hiermit zur Kenntnis von Chef A. Nitzsche Getränkehändler in Machern (man muss nur machern) und zur wohlfeilen Mahnung und Abschreckung Wirtschaft ist kein Selbstläufer jeder Bedienstete Meiner Einrichtung hat sein Bestes darzubieten in Aufopferung und Subordination sonst droht düstere geschäftliche Perspektive wie die auf dem Lichtbild dargestellte. Diese Erinnerung insbesondere gerichtet an Problembär Hofarbeiter aus Anlass der wiederholt unaufmerksamen Bedienung des Stapelgerätes mit einhergehendem Einsturz der Gebindepyramide in Halle 42 (links hinten Ich sehe alles) sowie an Marketing die wieder mit gelbem Filzstift auf weißem Papier gemalt hat wer soll das lesen können? Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Lichtbild: Pauli Pictures

Die einfühlsame Ballade vom Herbstherzen

In der Zeit geirrt
hat sich dieses Blatt.
Denn die Biene schwirrt
längst von Nektar satt

durch die Frühlingsluft.
Heb es sachte auf.
Ringsum tobt der Duft.
Trag in schnellem Lauf

es zur Liebsten hin:
„Horch nur, wie es schlägt!“ –
schwindet mir der Sinn,
so bin ich erregt.

Wo ist die Moral?
Nirgends, hoffe ich.
Zwischen Berg und Tal
lieb ich, Holde, dich.

Die Grenzen der Schönheit

Je größer das Grundstück, um so größer die Wahrscheinlichkeit, an seinen Grenzen auf hässliche, das Auge des Ästheten beleidigende Stellagen zu stoßen, dachte Karl Gong seufzend beim Anblick des Garagenhofes – hinter den neu erworbenen Quadranten D37/D38 seiner Liegenschaft – , auf den die Unangetraute ihn völlig aufgelöst und in höchstem Maße empört hingewiesen hatte, nicht ohne die in schneidendem Ton vorgebrachte „Bitte“, unverzüglich entweder a) den Komplex unauffällig niederzureißen, b) die „uns zugewandten Fassaden“ hübsch anzustreichen oder c) die Bruchbuden gleich zu kaufen, „nächstes Jahr sind die sowieso fällig“; nur die von Karl Gong favorisierte Variante, den Frühling einfach machen zu lassen und abzuwarten, bis Blatt- und Heckenwerk den Schmott hinter sich verdecken, fand vor dem strengen Gericht der Holden keine Gnade, denn dabei handele es sich lediglich um durch Naturliebe verbrämte Faulheit, die es mit Stumpf und Stiel auszurotten gelte.

Interkulturelles Missverständnis

Flusskreuzfahrt-Landgang (Beispielfoto)

Mein Freund Klaus-Jürgen, der Milliardär, ist mit Flusskreuzfahrten reich geworden. Ob Jenissej, Angara, Wolga, Oder, Elbe. Kalauer. Die Passagiere stehen mit Cocktails an der Reling und liefern als Zuverdienst beim Landgang Pakete aus. Die Mannschaften bekommen Prämien für das Vergrämen von Bibern. Alles läuft bestens. Letztens saß ich mit Klaus-Jürgen bei einer Flasche Wein, die er für 48.000 Euro ersteigert hatte und die nach Korken schmeckte, was er nicht wahrhaben wollte. Er ist unglücklich. Zwar hat er eine gewisse finanzielle Grundabsicherung erreicht, das war ihm schon als Kind wichtig, jedoch treibt ihn die Frage um, was noch kommen könnte. Als Lebensziel, Lebenssinn. Sich zu bemühen, Billionär zu sein, ist eigentlich Quatsch, sagt Klaus-Jürgen, in Amerika ist er ja als hiesiger Milliardär schon Billionair, und das wird immer schlimmer, je reicher er wird. Würde er es hierzulande durch harte Arbeit zum Trillionär bringen, könnte es passieren, dass er auf einer Stehparty in Manhattan als solcher nur belächelt würde. Wo bliebe da die Würde? Nun, ich konnte ihm auch nicht helfen. Irgendwann ließ ich ihn weinend mit dem Kopf auf dem Tisch liegen, setzte mich aufs Fahrrad und fuhr taumelnd ins Elsterflutbett.