Kategorie-Archiv: Sie und Er und 1000 Fragen

Sie und Er und 1000 Fragen

Mintgrün und dunkellila

wasserball
Wasserball kann man überall spielen, wo es Wasser gibt

Karl Gong, der die emotionale Zugehörigkeit zu seinem Wasserballclub des Herzens auch außerhalb der Spieltage mit einem von der Holden gehäkelten Schal in den seltsamen Vereinsfarben mintgrün und dunkellila dokumentierte, geriet in eine Lebenskrise, als genau diese Farben für eine Saison von der Modeindustrie als unbedingtes Muss ausgerufen worden waren und er somit unfreiwillig als Hipster und bemitleidenswertes Opfer des indoktrinierten schlechten Geschmacks angesehen wurde, denn außer ihm trug niemand in der Stadt den Vereinsschal, weil niemand außer Gong und den Spielern und Funktionären selbst den Verein überhaupt kannte, wodurch auch die Legitimation des Outfits durch erzwungene Gruppenzugehörigkeit entfiel.

Jedoch, jede Krise hat ihren Höhepunkt, bevor sie dem Ende entgegen siecht, und also konnte auch Gong, nachdem alle Modestücke der schlimmen Phase verramscht und von weniger vermögenden Gesellschaftsschichten aufgetragen oder in den hinteren Bereichen der Damenkleiderschränke zu Löchern zerfallen waren, wieder unbehelligt mit seinem Schal durch die Straßen ziehen, lauthals die Hymne des Wasserballclubs grölend (“Wir gehen niemals unter, höchstens kurz!”) und mit einem Wasserball (Größe 5) in die Pfützen titschend.

Die Holde sah es mit Wohlgefallen, wurde doch ihr Geschenk in Ehren gehalten durch alle Fährnisse.

Der Verweis

Karl Gong, von seiner damaligen Lebensgefährtin barsch zum Einkauf befohlen, betrachtete, während er zwischen kurzen, dicken Menschen in der Schlange des Fleisch und Wurst Werkverkaufs wartete, eine Familie, die an einem Tisch vor mehreren Tellern saß und gierig Fleisch und Wurst verzehrte, was ihn so verstörte, dass er, endlich am Tresen befragt, was er denn wolle, “Nur etwas Obst, bitte” stammelte, woraufhin er des Werkverkaufs verwiesen wurde.

Im parkähnlichen Garten

astwerk
Karl Gong war hier (Beispielfoto)

Karl Gong, in seiner Eigenschaft als Hilfsgärtner bzw. Hilfshilfsgärtner, wurde von seiner Lebensgefährtin, die das absolute Kommando über alle Grünarbeiten innehatte, beauftragt, sofort und “jetzt mal zackig” den unerwünschten Auswüchsen an den diversen Gehölzen, die das gemeinsame, jedoch zu ungleichen Teilen besessene Grundstück bewuchsen, zu Leibe zu rücken; stöhnend rollte er vom Sofa und wurde barsch in den Schuppen geschoben, wo bereits die Werkzeuge warteten, vor denen er sich noch mehr fürchtete als vor dem TV-Abendprogramm.

Leise jammernd schleppte er nun mehrere Tage lang Leitern, Sägen, Äxte und Scheren über das parkähnliche Anwesen, das die Holde in ihrer der bäuerlichen Abkunft geschuldeten Gier nach Land zu erwerben befohlen hatte, errichtete übermannshohe Haufen aus Reisig und Astwerk, die mehrmals wieder umfielen, ließ sich von den anwesenden Gartenvögeln auf das Unflätigste verhöhnen, die er allerdings, so die Weisung, auf keinen Fall stören durfte in ihren täglichen Geschäften, und orderte schließlich, zerkratzt und von kleineren Leiterstürzen humpelnd, eine Mulde von etlichen Kubikmetern, um alles hineinzuwerfen, was nicht gelang und darum die Bestellung weiterer Mulden nach sich zog.

Die Oberste Gärtnerin stand derweil am offenen Fenster, dirigierte ihn zu übersehenen Zweigen, telefonierte mit ihren Freundinnen und diversen Landschaftsarchitekten und warf dem Gong, wenn sie gute Laune hatte, huldvolle Blicke und das eine oder andere Gummibärchen zu.

Die erwachten Igel lachten.

Stoßseufzer des Feminismus

goldhelm

Wie lang warte ich schon hier?
Mindestens auf einem Stier
oder einem hohen Pferd
soll er reiten. Nicht verkehrt
Wäre auch ein Goldner Hut.
So ein Mann, ja der wär gut.
Jedoch, wie ich immer sag,
nicht einmal am Frauentag
ist ein solcher Mann in Sicht.
Nein. Stattdessen naht ein Wicht,
in der Hand ein schales Bier.
“Jemand Durst?” “Oh Gott. Doch. Hier.”

Dieser Beitrag könnte “Damengambit” heißen

schach

Sehnsüchtig stand Karl Gong vor dem Schaufenster des Schachclubs, dem er einst angehörte, aus dem er aber entfernt worden war, weil er gegen den Vorsitzenden eine Rochade auf dem Damenflügel vollzogen hatte, die, ordnungsgemäß protokolliert vom Schriftführer, zu erotischen Verwerfungen irritierender Art führte und also das stille und konzentrierte Nachsinnen über Indisch-Nimzowitsch oder Petrosjan gegen Botwinnik im Vereinsheim unmöglich machte.

Der Schachclub hatte sich daraufhin in zwei Fraktionen geteilt: Einerseits diejenigen Mitglieder, die das Verhalten des Gong moralisch verwerflich fanden, aber an seiner Stelle genauso gehandelt hätten, andererseits jene, die dem Vorsitzenden von jeher die Pest an den Hals wünschten, da er sie mit immer neuen, bösartigen Varianten von Abzugsschach quälte und sich aussichtslosen Situationen in der Regel mit hinterhältigem Patt zu entziehen vermochte. Trotzdem konnte der Vorsitzende sich die Unterstützung der grübelnden Mehrheit sichern und sein despotisches Regime fortführen, denn schwerer noch als das Berühren der besagten Dame durch Gong wog die Tatsache, dass er sie dann doch nicht führte, wohin auch immer. Und das ist unter Schachfreunden nun tatsächlich ein No-Go (Wortspiel).

Verstörung und Abschied

terrassen

Karl Gong, der die verstörendsten Knospungen seines Liebeslebens nach eigener Aussage dem deutschen Weinbau verdankte, erwarb für eine Weile nur noch Sechserträger mit verschiedenen “Kraftbieren” (Gong) zum Zwecke der Beziehungsanbahnung, jedoch fanden diese vor allem wegen der von ihm bevorzugten “sexistischen Etiketten”, wie eine Zielperson beim Aufhebeln der Flaschen am Küchentisch reklamierte, weniger Anklang als, zum Beispiel, ein gepflegter Roter aus Jessen/Elster, und das Scheitern einer Beziehung, so Gong, ist ja zumindest schöner als das komplette Ausbleiben einer solchen, weshalb auch in diesem Jahr wieder ein Ausflug an den Kaiserstuhl auf dem Einkaufszettel steht.

Aus der Nachbarschaft

drums

Karl Gong, der bekannte Höragnostiker, wanderte im Treppenhaus auf und nieder (weiter südwestlich: Stiegenhaus), um der Quelle eines Geräusches nachzuspüren, das in rhythmischen Schüben die Lautäußerungen seines Neue-Musik-Plattendrehers (er besitzt für jede von ihm geschätzte Musikrichtung einen eigenen Dreher) übertönte, überdröhnte, unmäßig, aber nicht reizlos, und ganz tief im Unterbewussten hoffte er, dass es sich um etwas Schweinisch-Anregendes handeln könnte, das da rumpelte und malmte und zischte und radängderte. Als er schließlich im Hochparterre durch den Türspalt der Wohnung einer vor kurzem eingezogenen Dame ein schrilles rotes Licht schimmern sah, kannte seine Erregung keine Grenzen mehr, er wagte das Äußerste und klingelte zitternd. Die Dame öffnete, sie war behangen mit glänzend schwarzem Leder und trug Schweißperlen auf den unbedeckten Körperflächen, Gong grunzte, erblickte im Hintergrund die Quelle des Lärms, schrie panisch auf und wandte sich schaudernd dem Treppenhaus (Stiegenhaus) zu, hechtete die Absätze zu seiner Behausung hinauf und drehte weinend den Dreher lauter.

Teegedicht ohne wirkliches Ende

tee

Noch einen Tee zum Ende
an diesem Arbeitstag.
Es meldet sich die Lende,
die nicht mehr hocken mag.

Noch eine Stunde Schreibens,
dann geht es frisch hinaus.
Genug des Ämtertreibens,
raus aus dem Irrenhaus!

Gong schwebt durch nasse Lüfte,
durch dunkles, fieses Grau.
Er riecht schon Frühlingsdüfte,
von weitem seine Frau.

Da ist sie schon, die Gute,
in ihrem Wickelrock!
Doch sie zieht eine Schnute,
und hat noch keinen Bock.

“Lass uns zur Schenke schleichen,
und wenn dein Zaster reicht,
könntest du mich erweichen,
mein lieber Karl, vielleicht.”

Champagner lässt sie schmusen
verliebt im Separee.
Gong trinkt an ihrem Busen
aus Kostengründen Tee.

Wellness

wellness

Karl Gong wollte Wellness machen,
fröhlich in der Wanne liegen,
nackich, also ohne Sachen,
und davon Gesundheit kriegen.

Aber es ist nicht gelungen,
diesen Plan auch auszuführen,
jede sprach in fremden Zungen.
Ihm blieb nur, davon zu schnüren,

wie der Fuchs vorm Maschenzaun.
Drinnen gurrten all die Fraun.

Die Konzertguitarren-Affäre

guitarre

Karl Gong, wenig begeisterter Hobby-Tubist (Feuerwehr und Jagdgenossenschaft), der aus verschiedenen Gründen das alltägliche Mitführen seines Instrumentes strikt ablehnte, traf auf dem Anger der übergeordneten Gemeinde (wo er wegen unerfreulicher Steuersachen einbestellt war) eine attraktive Dame an, die sich durch das laszive Abstützen auf eine Konzertguitarre auszeichnete. Schaudernd beschloss Karl Gong, mit ihr in kommunikative Auseinandersetzung zu treten, denn so eine Dame mit Konzertguitarre hatte es bis dato weder in der übergeordneten Gemeinde noch in sämtlichen untergeordneten gegeben. In der Kreisstadt vielleicht, jahaa, aber doch wohl eher in der Metropole, wo es feste Häuser gibt, die verhindern, dass den Musikern der Regen in die Schalltrichter läuft.

Hilflos also plapperte Gong dies und das, jedoch die Dame bedeutete ihm, still zu sein und endlich seine Tuba heranzuschaffen, des gemeinsamen Musizierens wegen. Karl Gong rannte sofort los, zündete das Motorfahrrad, rollte in seinen Weiler, klaubte die Tuba aus dem Waffenschrank, rollte retour, und als er endlich schwitzend und keuchend auf dem Anger eintraf, war die Dame natürlich nicht mehr anwesend, sondern, wie ihm später mitgeteilt wurde, mit Mundharmonika-Karlheinz über alle Berge! Die Vertreter der Dorfgemeinschaft, die die Vorgänge aus den zum Anger geöffneten Fenstern verfolgt hatten, bliesen hämisch in ihre Instrumente, und Karl Gong musste wohl oder übel mit der Tuba den Rhythmus markieren, wo er doch schon mal da war.

Schnorchelnde Amazonen!

schnorchel

Karl Gong, Theatermaler an der Bühne des Lebens, erwachte vom leichten Schlag auf den Hinterkopf, den ihm seine Holde verpasst hatte. So schön hatte er geträumt, von schnorchelnden Amazonen! Nun aber war die Nase auf den Tresen geprallt, zwar ganz leicht nur, aber trotzdem, das gehört sich nicht, Frau, er sah wilde Tapetenmuster vor sich, Ton in Ton, aber durchaus schrecklich.

“Deine Frau bin ich erst, wenn du mich geheiratet hast, HERR Gong!”

“Ja-ja.”

Schnaubend drehte er den Hals, rieb sich den Nacken, erkannte die Lampenschirme in seinem Rücken als hart erkämpfte Ausstattung seiner ehemaligen Dienststelle wieder, schmeckte beinahe das eloxierte Aluminium, roch die staubige NARVA-Birne, die in ihren letzten Zügen vor sich hin dampfte, fixierte das seltsame Aquarium an der Wand, konnte keinen Sinn darin erkennen und folgte der Holden auf dem Weg nach Hause.

Nachts versuchte er, von schnorchelnden Amazonen zu träumen, aber immer wieder kam ihm die Dienststelle dazwischen, mit einem nörgelnden Oberleutnant Bock und einer Parteisekretärin Radszciuleit, die es aber beide nie gegeben hatte.

Die rätselhafte Kolbenmaschine

kolbenmaschine

“Frau”, rief Karl Gong, der, mit dem Aufräumen des Kellers beschäftigt, soeben die rätselhafte Kolbenmaschine ans Licht gewuchtet hatte, “sarema, wozu haben wir denn damals diese rätselhafte Kolbenmaschine angeschafft! Das Mistvieh is vlei schwer!”

“Erstens, Gong”, erwiderte die Holde, “bin ich nicht deine Frau, zweitens hast du das Ding ganz alleine angeschafft, statt die hübsche Industrienähmaschine im Internet zu ersteigern, die ich mir so gewünscht hatte, und für die darum kein Platz mehr war.”

“Und drittens?”

“Und drittens heb dir keinen Bruch. Wir wollen heute abend dinieren gehen ins englische Gasthaus.”

“Onor!” rief Karl Gong entmutigt, denn eigentlich wollte er die rätselhafte Kolbenmaschine am Abend fachgerecht filetieren, um sie beim Schrotthöker zu Geld zu machen, schon morgen. Stattdessen musste er nun einen Sockel aus alten Steinen aufschichten und die Maschine auf diesem fest verschrauben, um den Sicherheitsvorschriften im Haus der Frau genüge zu tun.

“Wenn ich die Nähmaschine bekomme, kann ich einen hübschen, gepolsterten Schoner für das Kolbending fertigen”, sprach die Holde versöhnlich auf dem Weg zu Fisch und Fritten. “Dann stößt du dir nicht wieder das Schienbein so arg.”

Gong schnaubte humpelnd.

Vom kulinarischen Zusammenleben

allesfresser

Der bekannte Hedonistiker Karl Gong, mit seiner augenblicklichen Lebensgefährtin eine Doppelwohnküche mit angeschlossenen Schlafzimmern bewohnend, beschwerte sich des öfteren über die Unübersichtlichkeit des die Wohnstatt umgebenden Kleingartens, in dem “niemals irgendwas zu fressen zu finden ist, weil keinerlei Beschriftungen über die Verzehrbarkeit der Gewächse Auskunft geben”.

Die Lebensgefährtin wurde daraufhin aktiv, ließ beim örtlichen Schildermaler (mit angeschlossener InfluencerInnen-Agentur, aber dies nur nebenbei) eine gut sichtbare Tafel anfertigen und plazierte sie dort, wo Gong sich bitteschön in Zukunft die Zutaten für seine gefürchteten Suppen, Currys und Matschpampen ausgraben darf.

Gong war es von nun an zufrieden.