Kategorie-Archiv: Sie und Er und 1000 Fragen

Sie und Er und 1000 Fragen

Das Sonett von der Erkältung

Alles fließt (Beispielfoto)

Nasenlöcher fluten Tücher
wie mit Reitern einst der Blücher
rotes Feld geflutet hat.
Reglos liege ich und matt.

Könnte ich die Löcher stopfen?
Helfen eingesetzte Pfropfen?
Aus der Tüte tropft der Kleber.
Oder nehm ich Nasenheber?

Ja! Ich heb die Nase an,
Dass sie nicht mehr laufen kann.
Kopf nach hinten überstreckt,

an der Decke läuft die Holde,
die, wenn ich verdämmern sollte,
mich mit harten Griffen weckt.

Neu bei Nitzsche

Die Ordnung im Unternehmen A. Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muss nur machern), ist wiederhergestellt. Die revolutionären Zellen haben aufgehört zu existieren. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

P. S.: Ich bin doch nicht der Weihnachtsmann.

Neu bei Nitzsche

Hiermit zur Information für alle Kunden und Lieferanten: Der Getränkehändler A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern), wurde heute durch die revolutionären Zellen des Unternehmens abgesetzt. Er wird sich zeitnah wegen der fortgesetzten Ausbeutung der MitarbeiterInnen zu verantworten haben. Expropriiert die Expropriatoren! Getränkeverkauf und Imbissangebot bleiben bestehen, solange die Kundschaft nicht frech wird. Ihr habt es selber in der Hand. Pfand wird aus Gründen nicht mehr ausbezahlt. Kraftbier Krasni Oktjabr 20 Flaschen im Geschenkkarton 16,99 Euro zzgl. Pfand 20,00 Euro. Ende der Durchsage. Problembär (Vorsitzender des Rates der Revolutionäre e. V.).

Das Sonett vom Wildkraut

Ich möchte wie Wildkraut sein,
klug lauernd und zäh
unter dem Frühlingsschnee,
kaum sichtbar im Sonnenschein.

Ich mach mich beim Jäten klein.
Kein Gift tut mir weh,
wackel nur mit dem Zeh
und pass einen Kieselstein.

Ich kriech der Gärtnerin,
wenn sie im Grase liegt
zart an das Bein.

Leis seufzend sinkt sie hin.
Wie sie sich an mich schmiegt,
ihr Wildkräutlein.

Neu bei Nitzsche

Aufgrund der bevorstehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen mit missgünstigen Nachbarn, aufsässigen Kunden und gierigen Lieferanten sieht sich A. Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muss nur machern), gezwungen, Teilen der Belegschaft eine Weiterbildungsoffensive angedeihen zu lassen, notfalls auch gegen deren Willen. Immerhin scheint sich der Problembär (Hofarbeiter) bei seinem Jurastudium sehr wohlzufühlen. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Einladung

Lass uns unter Wolkensuppe
in die Wasser springen, Puppe.
Dann sind unter Wolkenbrei
beieinander ganz wir zwei.

Lass uns unter Wolkenhaufen
miteinander prustend raufen.
Hinterher muss Sonne sein.
Geh zur Seite, Wolkenschwein!

Neu bei Nitzsche

Hiermit wird von Uns, A. Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muss nur machern), ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die „Erstürmung“ der Verteidigungsanlagen des verfeindeten „Premium-Getränkehändlers“ M. nicht durch Unsere heldenhaften Beschäftigten vorgenommen wurde, es wurden fürderhin keine seiner „Premium-Produkte“ „am hellerlichten Tag“ (während der bekannt ausgedehnten Mittagspause des M. im „Goldenen Korken“) von Uns entwendet. Es ist Uns nicht bekannt, dass Unser Problembär (Hofarbeiter) in seiner Jugend in Bukarest eine Lehre als Eisenbieger absolviert hätte. Entsprechende „Beweisfotos“ illegal angebrachter Überwachungskameras während des „Vorfalls“ sind offensichtlich durch die Werbetorte des M. am Bildcomputer manipuliert worden wie heute üblich. Die „Premium-Produkte“ des M. wurden qualifiziert verkostet und als ungeeignet für Unser Handelshaus erachtet (Eigenverbrauch). Unsere Belegschaft hält zusammen und lässt sich nicht auseinanderdividieren bzw. subtrahieren, je nachdem. Alle für einen. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Von den Erweiterungen

Karl Gong, dem der Erwerb der neuen „Erweiterungsflächen für den Pferdefutteranbau“ durch die Unangetraute beinahe etwas zu weit ging, nicht nur aufgrund der „schändlichen“ (Gong) Verschuldung beim Kreditinstitut der Kreisstadt, sondern auch, weil nun wieder alles an ihm hängenbleiben würde (Säen, Mähen, Anwerben und Ausbringen von Gülle, Ärger wegen der Nitratwerte mit dem Minister), betrat an einem güldenen Tage zur Zeit des Beginns des Vorabendprogramms, das er seit Jahren aus Überlastungsgründen nicht hatte konsumieren können, den erworbenen Acker, auf dem sich tatsächlich trotz der häufigen Dürren eine Art Bewuchs vom Vorbesitzer erhalten hatte, nahm den letzten Schluck aus der Hinbierflasche, betrachtete die nicht sehr helle (dunkle) Katze, die sich ihm angeschlossen hatte und ratlos in die angeschaffte Unendlichkeit starrte, und fühlte nun doch so etwas wie den Stolz des Besitzenden, einem König gleich, mit fast unbegrenzten Ländereien, erst an den Gestaden des fernen Meeres zu Ende, bei den hohen Klippen, traumhaften Sandstränden, hüpfenden Delphinen und angeschwemmten Containern, gefüllt mit indischen Motorrädern, japanischem Whisky und australischem Uran.

Nach dem Leeren der dritten Verweilflasche drehte er sich vorsichtig auf dem Hacken um und begab sich wieder in Rufweite der Holden, die ihm Neuigkeiten aus der industriellen Schweinemastanlage, die Gülle betreffend, zu überbringen hatte.

Neu bei Nitzsche

Nach jahrelanger Missachtung der Erfordernisse Unseres Imbissangebotes (Bockwurst mit und ohne Brötchen; Fischbüchse, auch geöffnet) durch das Personal (Hinräumen, Spülen, Wegräumen) konnte durch A. Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muss nur machern), ein Paradigmenwechsel registriert werden insofern, als nach spontanem Vortrag des Kunden N. (Unternehmensberater und Risikoinvestor) angesichts der Leistungen des anwesenden Problembären (Hofarbeiter) sich bei demselben überraschenderweise die wiederholt vorgebrachte, abgestandene und verlogene Floskel „vom Tellerwäscher zum Millionär“ im brüchigen Pelz verfing. Seitdem liegt erfreulicherweise die Betriebsratsarbeit brach, und die Geruchsbelästigung in der Nähe des Spülbeckens hat ein Ende gefunden, was der Unterzeichnende für eine positive Entwicklung zu halten gewillt ist. Jedoch Wachsamkeit ist weiterhin geboten! Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Traditionen

Karl Gong, der sich einerseits der Modernität verpflichtet fühlte, aus Gründen, die er nicht ohne, aber auch nicht mit übermäßigem Konsum geistiger Getränke darzulegen vermochte, konnte andererseits auch dem Althergebrachten, und sei es noch so fragwürdig, gute Seiten abgewinnen, ob es sich nun um vergilbte Zeitungen, rostige Kreissägenblätter, abgegriffene Stofftiere, Kompott von 1965, Helleraumöbel mit abgeplatztem Furnier, bekleckerte Uflekubierdeckel, Pionierausweise oder Verwarnzettel über 3 Mark wegen Parkens in der Nähe einer Ausfahrt handelte, alles Uraltversehrte fand Gefallen vor seinem gütigen Auge, während sich auf dem Plattenteller die Musik der Zukunft drehte, jedoch konnte er keinerlei Toleranz aufbringen für die Propagandisten sogenannter Traditionen, die ihm deutlich nahelegten, nur genau jene Mannschaft erlaube Bewunderung für ihr erbärmliches Geholze, nur genau solche Speisen dürften an just diesem Tage genossen werden, Glühwein müsse man saufen, bis der Notarzt kommt, last but not least verzichte man zwischen den Jahren auf das Umstülpen von Sektgläsern, — und dann war da noch etwas mit der Missionarsstellung, worüber er sich gerade keine Gedanken machen wollte, denn die Unangetraute weilte längere Zeit wegen Pferdediebstahls in Ungarn, nicht ohne ihm vorher aufgetragen zu haben, den Mist zu lüften und die Bettwäsche zu rollen, beides aus Gründen der Tradition.

Neu bei Nitzsche

Mit der während der letztjährigen (freiwilligen!) Subbotniks entstandenen Kundenvoltigieranlage wurde ein großer Schritt in Sachen Arbeitszufriedenheit und Konfliktbewältigung im Getränkemarkt A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) beschritten. Jetzt können jederzeit missliebige Kunden durch die Belegschaft voltigiert werden, zum Beispiel, wenn sie frech geworden sind. Ein schöner Ausgleich zur Arbeit an der Kasse und im Pfandautomaten. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Neu bei Nitzsche

Alle gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter des Getränkemarktes A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) haben ab sofort einen Anspruch darauf, mit dem hauseigenen Limousinenservice ins Geschäft gebracht und abends wohlbehalten zurückgeführt zu werden. In der Mittagspause ist ein Ausflug mit Chef und Kühltasche (voll) obligatorisch. Die Leitung (Chef) verspricht sich davon a) höhere Arbeitsmoral, b) geringere Aufsässigkeit und c) weniger „Schwund“. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Nicht nur in Wanzleben

Karl Gong, der Beschützer der Holden und Rächer der vom bösen Nachbarn niedergerissenen hinteren Brombeerhecke, staunte nicht wenig, als er im Bezirkspresseorgan das Geschmier eines Autors erblickte, der sich erfrechte, die angebliche Verunkrautung und Verqueckung der Rübenschläge anzuprangern, für die auch er, Gong, zu einer freiwilligen Patenschaft gepresst worden war, die ihm sowohl die manuelle Unkrautbeseitigung als auch das nicht minder verhasste Verziehen der penetrant stinkenden Rüben auferlegte, eine Tätigkeit, über die die Unangetraute, hoch zu Ross mit langen, wehenden, wallenden Haaren die Feldraine abreitend, nur Spott und Verachtung übrig hatte, wenngleich auch ihr an einem unbelasteten Verhältnis zum LPG-Vorsitzenden gelegen war, nicht zuletzt aufgrund der Unmengen an Heu, die ihre Gäule tagein, tagaus verzehrten, und die sich nur mit Hilfe des Vorsitzenden beschaffen ließen, der, außerdem, ein vortrefflicher Tänzer war, anders als ihr Unangetrauter, dem beim Rheinländer stets übel wurde, selbst ohne vorher dem Braunkohlebergmannsfusel zugesprochen zu haben, den man bei den Dorffesten, deren unbedingter Besuch auch gegen den strikten Willen des Gong, Karl, gnadenlos vorausgesetzt und durchgeführt wurde, reichte.

Seufzend knüllte Gong die Zeitung in den Kachelofen, zog die Gummistiefel über, griff sich die Hacke und den Flachmann, stieg aufs Diamantrad und begab sich zu seinen drei Hektar Patenschaftsquecken.

Wenn „das Ersatzeis seinem Zweck genügt“

Sensationelle Abwechslung zum Frauentag: vom Badestrand einen Abstecher zur Eisbahn — kein vollendeter Sport, aber „heißes Eis“ gibt es auch in der Pinguin-Eisbar am Markt, wo Karl Gong mit seiner Unangetrauten unter Plastikpalmen und der strahlenden Sonne der Kreisstadt zur Untätigkeit verurteilt ist, ein Problem, an dem sich bereits viele Erfinder und Techniker ohne restlose Lösung versucht haben.

Die orange Orange

Vor einem Obstkorb, in dem sich eine Orange befindet, steht ein Weihnachtsmann (Beispielfoto)

Der kleine Herr Schönleben stand vor dem Obstkorb und dachte nach. Im Obstkorb vor ihm lag eine Orange. Schönleben trug noch das Weihnachtsmannkostüm, das er, soviel musste er in seinem Inneren nun doch einräumen, aus dem Getränkemarkt von Herrn Nitzsche entwendet hatte, als er von diesem am Heiligabend eingeladen worden war. Das Kostüm hielt sehr schön warm, und draußen war es noch kalt. Wieso sollte er es nicht auftragen, bis er irgendwann vom Gesundheitsamt die Anweisung bekommen würde, endlich aus dem Haus zu gehen und Getränke anzuschaffen, um nicht zu dehydrieren? Dann könnte er mit seiner Dieselameise, die Kapuze böse über den Kopf gezogen wie ein Repper, bei Nitzsche aufkreuzen, ihm lässig das Kostüm auf den Tresen legen und durch die kleinen Zähne murmeln: „Drei Kraftbier, aber dalli, Freundchen! Und eins machen wir hier gleich alle, oder, alter Nikolaus?“

Diese Aussicht stimmte den kleinen Herrn Schönleben sehr vergnügt, er begab sich wieder in die Tiefen seines Bettes und hatte ein gutes Gefühl, weil er die hübsche Orange am Leben gelassen hatte.