Kategorie-Archiv: Vom Reisen

Vom Reisen

Neues aus Ihrem Reisebureau

osterinsel

Die Osterinsel als Destination kristallisiert sich besonders zur Weihnachtszeit als unschlagbarer Hit heraus. Überlebensgroße Köpfe, die wie Steine aussehen, säumen die Wege. Wird dem Wanderer davon mulmig (sehr große Köpfe), kann er sich der Stille des gleichnamigen Ozeans hingeben, von dem die Osterinsel komplett umschlossen ist (sehr großer Ozean). Zu Ostern empfiehlt Ihr freundliches (sehr großes) Reisebureau einen Wechsel auf die Weihnachtsinsel (bitte Angebote erfragen).

Landadel-Stoßseufzer

schlitten
Schlitten (Beispielfoto)

Wenn die ersten Flocken
stieben durch den Garten:
In den Schlitten hocken!
Auf die Gäule warten.

Doch die Gäule huppen
solo durch die Hecken.
Also nichts mit Puppen
unter warmen Decken,

schlürfend Rum mit Tee,
rasend übern Schnee.

Das ist schlecht.
Pferdeknecht!

Wandernder Mann mit provozierendem T-Shirt-Aufdruck

Wanderer

Irgendwann im Mai, die Kamera war nicht dabei, liefen wir durch einen inländischen Wald, und wie wir es aus bestimmten Teilen des Auslandes gewöhnt waren, grüßten wir die seltenen Mitwanderer mit einem Nicken, “Hallouh” oder “Ahoi”, und das Wandervolk grüßte retour. Nur einer nicht, aber das war auch nicht schade, denn als er uns, Blick starr nach vorn gerichtet, passierte, konnten wir seinen provozierenden T-Shirt-Aufdruck lesen, der uns unangenehm berührte, in etwa so, als hätte der Wanderer die Hose runtergelassen bzw. gar nicht angezogen. Der Aufdruck wird natürlich hier nicht wiedergegeben, aus Harmoniegründen, aber für einen gültigen Gesamteindruck verpflichteten wir Herrn Maler Gofthe, der uns wie immer schnell etwas dem Beschriebenen ähnliches hinschmierte.

Ende der Saison

strandkoerbe

Voller Wehmut lass ich rieseln
in die kleine Plastedose
Ostseesand, vermischt mit Kieseln
aus der ollen Badehose.
Hab sie heute erst gefunden
hinten links im Kofferraum.
Nur als Reimwort: Was mit “Hunden”?
Strandkorb? Sonne? Aus der Traum.
Jetzt such ich die Pelerine.
Montag wieder in die Mine.

Schöner Ausflug

weg

Karl Gong benutzte eines Tages den Radweg auf dem Deich, um ins Naherholungsgebiet zu gelangen, wo er eine Bockwurst, ein Fischbrötchen und zwei Liter Gose einzunehmen gedachte. In träumerischer Vorfreude, nur getrübt durch den miserablen Zustand des Radweges, der offensichtlich von Menschen erbaut worden war, die Radfahrer abgrundtief hassten, sprang er von einer eingebauten Schottersteinspitze zur nächsten, wiederum lose Schottersteine nach links und rechts katapultierend.

“Diese Sauhunde!” brüllte Gong, denn bevor der Radweg durch die Sauhunde erneuert wurde, hatte er sich in tadellosem Zustand befunden, ohne jedoch hochwassertauglich zu sein.

“Scheiß auf das Hochwasser!” keilte Gong nach, da gab es schon ein Geräusch!

Bäng! machte das Rad. Bäng-Bäng! Wie bei Cher.

Wutheulend warf Karl Gong das dreckige, frisch geölte Fahrrad auf die Wiese, ergab sich der Not des Faktischen, demontierte die dreckstrotzende Technik und fand nach langer Suche die versteckte Schadstelle, klebte einen Flicken drauf, montierte “den Misthund” fluchend, die Luft jedoch entwich weiterhin; alles wieder auseinander geruppt, zweites Loch suchen und flicken, fluchen, schreien, montieren. Die Sonne, inzwischen nicht mehr der Rede wert, hing unentschlossen blass zwischen den höheren Bäumen.

Gong hetzte zum See, schlang sein Kontingent hinter, ihm war schlecht von dem unrund schlackernden Hinterrad, aber was muss, das muss. Erschöpft, seekrank und deprimiert schließlich traf er des Nachts die Lebensgefährtin an, die sich jedes Trostes enthielt und nur seine “völlig verdreckte” Erscheinung in gewählten Worten geißelte. Da er “so” nicht ins Bett gelassen wurde, übernachtete er in der Fahrradfaltgarage.

Der letzte Ausflug

fuesse

Ratlos sitz ich auf dem Felsen
oben und ich komm nicht runter.
Neben mir die beiden Elsen
und der dicke Onkel Gunther.
Keiner kennt den Weg zurück.
Wie wir stiegen: Unbekannt.
So beschert uns auch kein Glück
atemloser Blick aufs Land.
Panik spült durch die Gedärme.
Ich betrachte meine Füße.
Neide euch die Ofenwärme.
Sende trotzdem frohe Grüße.

Über Gofthe

innenfoto
Eines der etwa 400 Jackentaschenfotos

Als der unsterbliche Maler Gofthe am Vorvortag des Feiertages eine kleine Wanderung zu Ehren des letzteren unternahm, langweilte sich das Telefon in seiner Jackentasche dermaßen, dass es, neben weiteren egoistisch-sinnlosen Handlungen, die zu übermäßigem Stromverbrauch mit einhergehender Überhitzung führten, auch eine größere Serie von Lichtbildern des Jackentascheninnenlebens anfertigte.

Gofthe, von der ungewohnten Temperatur in seiner Bekleidung alarmiert, betrachtete das Ergebnis dieses Schaffensdrangs in der Galerie des dampfenden Telefons, brach ob der Schönheit der Aufnahmen weinend zusammen und hat nie mehr in seinem Leben irgendetwas gemalt.

Zum Exzess u. z. d. Damen

dampfer

Lass uns zur Promenade dampfern
und endlich frische Austern mampfern!
Dazu ein Eimer kalter Sekt,
Schon sind wir wohlig hingestreckt
gleich hinterm Strand, vor den Pensionen.
Im Urlaub soll man sich nicht schonen!
Und wenn die Damen Nasen rümpfen,
bewerfen wir sie mit den Strümpfen.

Aus dem Reisetagebuch

fernseh

Abends in der Pension stellten wir uns auf den Tisch und sahen uns den koreanischen Spätfilm an (mit Untertiteln). Obwohl wir von dem fremdländischen Geschnatter natürlich kein Wort verstanden, ließen wir den Ton laut mitlaufen (wegen der Atmosphäre), bis die Monteure aus dem Nachbarzimmer vor der Tür standen und uns Prügel androhten.

Fata Montana

kamele

Wenn beim Radeln durchs Gebirge solche Tiere wie im Bild sichtbar werden, sollte man es etwas ruhiger angehen lassen, etwas weniger fest in die Pedale treten und langsam der Dehydrierung vorbeugen. Korrekte Sichtungen: Nussknacker, Raachermanneln, Schwibbbögen, schlackebeladene Loren.