Kategorie-Archiv: Vom Reisen

Vom Reisen

Konflikt

fahrraeder
Fahrräder (Beispielfoto)

Karl Gong, der exzellente Radfahrer, musste an einer Ampel, die gerade auf grün gesprungen war, einen Rennradfahrer umkurven, der nicht vom Fleck kam, nahm also trotz seines in die Jahre gekommenen viel zu schwer knirschenden Velos Tempo auf, rollte freudig dahin mit wehendem Schopf und permanent die Umgebung nach Gefährdungen absuchenden Augen, als sich endlich von hinten der Mensch auf seinem Rennrad herangekämpft hatte und ihm zuröhrte: „Da hast du aber Glück gehabt, dass meine Schaltung kaputt ist.“

Gong, den tatsächlich das Gefühl beschlich, sich für irgend etwas entschuldigen zu müssen, zum Beispiel, schneller als ein per se schnelleres Rennrad unterwegs zu sein, also quasi mit einem Trabanten einen Porsche überholt zu haben, murmelte etwas in der Art von: „Ich fahre doch nur so vor mich hin“, was natürlich nicht stimmte, denn es war ihm sehr wohl bewusst, dass das kapitalistische System der Wettbewerbsmaximierung auch auf Radwegen nicht außer Kraft gesetzt war.

Trotzdem war er der Meinung, dass sich das Thema damit erledigt hatte, jedoch, mitnichten, als der selbsternannte Konkurrent an der nächsten Ampel schnaufend aufgeholt hatte, begann er den Gong inmitten der beachtlichen Menschenmenge der Zentralhaltestelle aufs übelste und wüsteste und unflätigste zu beschimpfen, wobei die mehrmals vorgebrachte Hauptanklage darin bestand, dass Gong „immer das letzte Wort haben müsse, und er kenne solche *** genau“, und er ließ auch keine Entschuldigung des Gong (für was auch immer) gelten, denn das war ja wieder das letzte Wort dieses ***.

Karl Gong, in seinem permanenten Zustand des Peinlich-Berührt-Seins noch tiefer vergraben, stellte für sich fest, dass der Idiotentest nicht nur bei Autopiloten angewendet werden sollte, bevor sie einen Führerschein erlangten, sondern auch bei Radfahrern, aber er behielt diese Erkenntnis zunächst für sich.

Endlich wurde grün.

Konfliktthema Frisur

Frisur
Höhepunkte eines Landgangs (Beispielfoto)

Oma Steckwurst, die gerade auf einer Kreuzfahrt zu den Lofoten weilte (oder irgendwoanders hin, denn eigentlich spielt die Destination sowieso keine Rolle, sondern nur, ob man die richtigen Klamotten für das Captain’s Dinner dabei hat), wurde während eines leichtsinnig gebuchten, kostenpflichtigen Landgangs, der mangels Sehenswürdigkeiten nicht weiter führte als bis zu den Liegeplätzen der stinkenden Fischkutter, daran erinnert, dass sie ihren Friseurtermin (Waschen, Färben, Sortieren) vergessen hatte neu zu terminieren, denn die Kreuzfahrt war ein überraschendes Geschenk vom Makler ihres Vertrauens gewesen, das sie diesem nun zu entziehen gezwungen war.

Soll der sich doch eine andere Schrottimmobilie suchen, die er überteuert verhökern kann!

SiKE

sike

Ich lernte einst das Reisen von der Pike:
Zu Fuß, auf Velo, Kutsche, Ross.
Nie hörte ich von einem Fahrzeug “SiKE”.
So wandte ich mich an den Bahnhofsboss.

Der sieht mich an, entfernt bald seine Brille,
und, während er an dieser putzt und wischt:
“Mein Lieber, hörst du nicht die Stille?
Es hat geschneit. Hier fährt heut niemals nischt.”

Effiziente Motorisierung

busanhaenger

Als Karl Gong, der bekannte Weltreisende, in einer der beliebtesten Städte der Welt weilte, öffnete sich für ihn in einem der beschaulichen und beliebten Siedlungsgebiete dieser Stadt ein Zeitstrahl in seine ostzonale Vergangenheit, der von einem Bus mit angehängtem Anhänger (was für ein grauenhafter Ausdruck, aber es lässt sich nicht anders beschreiben) befahren wurde. Denn angehängte Busanhänger hat er nicht mehr gesehen, seit er in den Siebzigern in solchen über baumbestandene Landstraßen geschleudert wurde, gemeinsam mit dichtgedrängt vor sich hin dampfenden Werktätigen aus der Glasseide, der Schuhfabrik, dem Elektrobau, der Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises, der Zuckerbude, dem Landbaukombinat und so weiter. Diese Reisen erschienen irgendwann sogar den Verantwortlichen als so gefährlich und verantwortungslos, dass die Busse samt Anhängern irgendwann spurlos verschwanden und durch Ziehharmonikakästen aus ungarischer Produktion sowie zaghafte Individualmotorisierung ersetzt wurden. In der beliebten, übervölkerten Stadt jedoch karriolten sie wie selbstverständlich herum, zwar eckig anstatt harmonisch abgerundet, aber doch selbstbewusst und fast so lang wie einige der Straßen im betreffenden Siedlungsgebiet.

Neues aus Ihrem Reisebureau

osterinsel

Die Osterinsel als Destination kristallisiert sich besonders zur Weihnachtszeit als unschlagbarer Hit heraus. Überlebensgroße Köpfe, die wie Steine aussehen, säumen die Wege. Wird dem Wanderer davon mulmig (sehr große Köpfe), kann er sich der Stille des gleichnamigen Ozeans hingeben, von dem die Osterinsel komplett umschlossen ist (sehr großer Ozean). Zu Ostern empfiehlt Ihr freundliches (sehr großes) Reisebureau einen Wechsel auf die Weihnachtsinsel (bitte Angebote erfragen).

Landadel-Stoßseufzer

schlitten
Schlitten (Beispielfoto)

Wenn die ersten Flocken
stieben durch den Garten:
In den Schlitten hocken!
Auf die Gäule warten.

Doch die Gäule huppen
solo durch die Hecken.
Also nichts mit Puppen
unter warmen Decken,

schlürfend Rum mit Tee,
rasend übern Schnee.

Das ist schlecht.
Pferdeknecht!