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Tödliche Gefahren der Sommerzeit

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Während das Greinen der an sich selbst empfindsamen Bevölkerung über die Mühsal und Zumutung der Sommerzeit für den neutralen Beobachter kaum nachzuvollziehen ist, birgt der Umstellungsvorgang zum Beispiel für den kleinen Herrn Schönleben erhebliche, sogar tödlich zu nennende Gefahren aufgrund der in großer Höhe angebrachten Uhren in seinem Umstellungsverantwortungsbereich. Hoffen wir, dass auch diesmal wieder alles gut geht.

Ansichtskarte aus Ägypten

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Dem kleinen Herrn Schönleben geht es gut.

Das überreichliche Essen schmeckt wie zu Hause, die Getränke sind gekühlt und, entgegen den Gepflogenheiten der Region, sehr alkoholreich, die Sonne scheint „wie die Sau“, das Zimmer ist ausreichend geräumig (für kleine Gäste), nur die Mitreisenden sind unattraktiv, zudringlich und laut, laufen mit Schnorcheln und Taucherbrillen behängt halbnackt durch die Lobby des Hotels, riechen nach Fisch und werfen aus dem Bus heraus Gegenstände auf die Straße, „für die Armen“.

Das Foto zeigt den kleinen Herrn Schönleben vor der Neunheit von Heliopolis, die freundlicherweise direkt am Pool aufgebaut und mit einem Lichtbildautomaten versehen ist.

Bald kommt das kaputte Flugzeug und holt alle wieder ab.

Probleme des Guitarrenwesens

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Der kleine Herr Schönleben, der das Geklimper auf dem Klavier wegen der Störgeräusche aus den benachbarten Wohnungen satt hatte, betrieb die Anschaffung eines alternativen Gerätes zur Lauterzeugung. Stundenlang lungerte er im örtlichen Pfandhaus herum und zupfte an den Guitarren, die erfolglose Musiker, genervte Ehefrauen und drogensüchtige Guitarristenkinder gegen geringes Entgelt zur Aufbewahrung abgegeben hatten.

Allein, der kleine Herr Schönleben konnte sich nicht entschießen, eines der Stücke zu erwerben. Zum einen schien seine körperliche Beschaffenheit nicht stabil genug, das Zupfen der scharfen Saiten zu überstehen. Zum anderen war er einfach zu klein, um gleichzeitig einen Akkord zu greifen und ihn über den Tonabnehmern anzuschlagen. Auf dem Klavier konnte er notfalls von einer Seite zur anderen laufen, wenn sich hohe Töne mit niedrigen abwechselten. Würde er versuchen, sich die Guitarre umzuhängen, könnte er nicht einmal über ihren sinnlos hohen Korpus hinwegsehen.

Folgerichtig verließ der kleine Herr Schönleben nach langer Überlegung das Pfandhaus und hatte eine aufkommende kleine Melancholie, nun doch nicht als der neue Chuck Berry in die Annalen der Musikgeschichte einzugehen, in der gleißenden Frühlingssonne des Februars bereits vergessen, bevor die Tür ins Schloss fiel.

Der Pianist

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Der kleine Herr Schönleben fand in einer Wohnung, von der er annahm, dass es die seine war, ein Piano vor. Er besetzte frohgemut den dazugehörigen Hocker und klimperte, ohne sich um die aufgeschlagenen Notenwerke zu kümmern, fröhlich drauflos. Kontrapunktische Musik umströmte seine perfekt angebrachten Ohren, benebelte seine Sinne und weckte nie erlebte Emotionen. Nach kurzer Zeit erfreute hinzukommendes, freejazziges Schlagwerk seine Sinne, von oben, von unten, von den Wänden klapperte es in freier Rhythmik, schließlich gellten Zimbeln von der Tür her, und der kleine Herr Schönleben hieb wie rasend in vollendetem Glücksrausch auf die Tastatur ein, bis er sich erschöpft nach hinten lehnte, den Zimbeln und quadrophonischen Klopf- und Hammerinstrumenten ihr wohlverdienstes, langsam ausklingendes Solo gewährte und die Session schließlich mit einem bewusst schief gesetzten, lang auslaufenden Akkord beendete. Dann hüpfte der kleine Herr Schönleben von seinem Hocker, eilte zum Kühlschrank und öffnete eine Fruchtmilch, von der er annahm, dass sie ihm gehörte.

Der unbasische Kaffee

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Der kleine Herr Schönleben, vertretungsweise für die Zubereitung des Morgenkaffees eingeteilt, erstarrte mitten in der Dosierung des Pulvers, weil ihm bewusst wurde, dass es sich bei Kaffee um ein säurebildendes Genussmittel handelte, von dessen Verzehr ihm durch diverse Ratgeber dringend abgeraten worden war. Irgendwann aber löste sich die Verkrampfung, er schaufelte Unmengen von Tomaten, Weintrauben, Rettichen und sonstigen Basenbildnern aufs Tablett, legte, des perfekten Gleichgewichts wegen, noch einen gezuckerten (und deshalb schlimm sauren) Pfannkuchen obenauf, brachte alles in sein Bett zum Verfrühstücken und harrte der Antwort seiner Gedärme auf dem Abort.

Das Moped

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Der kleine Herr Schönleben hatte sich zu Weihnachten ein ebenfalls kleines, leise summendes, elektrisch betriebenes Moped gewünscht, um dem Klima seine Referenz zu erweisen und Passanten auf dem Bürgersteig fast lautlos dahingleitend gehörig zu erschrecken.

Leider war der mit der Schenkung Beauftragte jahreszeitlich bedingt arg zerstreut und stellte ein dem Gewünschten nur entfernt ähnliches Modell auf den Hof.

Der kleine Herr Schönleben machte das Beste aus der Situation und beschloss, zwischen den Jahren im geräumigen Seitenwagen zu wohnen, bevor er das Produkt im Originalkarton an den VE Kraftfahrzeughandel zurücksenden würde.

Vom Finanzamt

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Der Briefkasten – Last und Lust seines Besitzers

Der kleine Herr Schönleben wurde anlässlich eines Besuches bei seiner Freundin auf das Kanapee gebeten, um fernzusehen. Still und aufmerksam ließ er den unglaublichen Murks, den sie euphorisch konsumierte, über sich ergehen und vergaß sofort, was er eben geschaut hatte. Nur eine beim fortwährenden Umschalten aufgeschnappte Warnung vor dem harten Durchgreifen des Finanzamtes gegen Steuerbetrüger, die die Freundin mit einem verächtlichen Ausstoßen von Luft kommentierte, blieb schließlich in seiner Erinnerung.

Von da an hegte der kleine Herr Schönleben eine beträchtliche Furcht vor dem Wirken des Finanzamtes. Täglich mehrmals lief er zum Briefkasten, um zu sehen, ob die Behörde es mittlerweile auch auf ihn abgesehen hätte. Erst nach mehreren Wochen wurden die Befürchtungen eines staatlichen Zugriffs auf seine Ersparnisse, von denen er nicht mehr wusste, wie er an sie gelangt war, überdeckt von den sonstigen Zumutungen seines Alltags. Schließlich vergaß er auch noch, solange dieser nicht überquoll, wo sich sein Briefkasten befand, und das waren einige der schönsten Tage seines Lebens.

Die Zähne und der Müll

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Am Waschbecken kann man prima Zähne putzen

Der kleine Herr Schönleben erinnerte sich eines Tages staunend, dass sein Zahnarzt ihn angewiesen hatte, zweimal täglich die Zähne zu putzen. Er strebte dem Waschbecken zu, suchte Zahnbürste und Zahncreme aus verschiedenen Kommoden zusammen und betrachtete sich lange und aufmerksam im Spiegel, ohne seinem Blick ausweichen zu müssen. Dann wurde seine Aufmerksamkeit plötzlich vom unten auf der Straße rumorenden Müllwagen in Anspruch genommen, er vergaß seine Zähne und lief aufgeregt durch die Wohnung, um die verschiedenen Mülleimer einzusammeln und nach unten zur Tonne zu bringen. Zu spät natürlich, leer und stinkend nahm die Tonne die vergammelten Produkte in Empfang, aber ein schlechter Plan ist immer noch besser als gar kein Plan, wie es so schön unter Schachweltmeistern heißt.

Irgendwann brach überraschend die Nacht herein, die Stadt legte sich schlafen, und der kleine Herr Schönleben stand ihr in nichts nach.

Der Zweck der Kreissäge

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Der kleine Herr Schönleben, dem von einem windigen Vertreter eine gebrauchte Kreissäge aufgeschwatzt worden war, überlegte angestrengt, was er mit diesem Gerät eigentlich hatte zersägen wollen. Träumerisch strich er mit seinen kleinen Händen über die dicken Zähne des Sägeblattes, und wohlige Schauder durchfuhren seine Gedärme. Vielleicht Holz? Nun musste er also nur noch auf den Vertreter für ungesägtes Holz warten, und seine Nasenlöcher bebten in Erwartung des gewiss recht harzigen Deodorants, das dieser Vertreter in seinen Flur tragen würde. In großer Vorfreude eilte der kleine Herr Schönleben aus der Scheune zurück ins Haus, setzte sich in den Lesesessel am Ende des Flures und wartete auf das Schellen der Türglocke.

Der Sturm

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Vom Sturm hinweggefegt!

Als der kleine Herr Schönleben anlässlich eines besonders heimtückischen Sturmes von starken Winden durch die Straßen getragen wurde, landete er in einer kleinen Stichstraße auf einem Sofa, denn es war Sperrmülltag. Reichlich benommen fiel er in einen tiefen Schlummer, aus dem er erst erwachte, als nach dem Passieren einer der östlichen Grenzen des Kontinents die Schlaglöcher noch tiefer geworden waren als zu Hause in seiner Stadt. Ouh, dachte der kleine Herr Schönleben in dem rostigen, brüllenden und klappernden Transporter, das wird dann wohl meine erste Auslandsreise! Er erinnerte sich an die Erzählungen seiner Wanderfreunde über herzliche Einladungen zu Hochzeitsfeiern einheimischer Dorfbewohner, Gelage und Volkstänze. Allerdings wurde er schon am selben Abend vor dem Gebäude der Botschaft seines Landes ausgesetzt, denn die Sperrmüllverwerter wollten durchaus keine internationalen Verwicklungen provozieren.

Der Kaffee zum Tagesbeginn

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Am Kühlschranks mit Löffel

Als der kleine Herr Schönleben morgens die Küche betrat, stieg ihm der unwiderstehliche Duft frisch aufgebrühten Kaffees in die Nase. Hastig trank er, obwohl heiß, die Tasse in einem Schluck aus und fühlte sich sehr männlich und unbesiegbar. Nur schwer konnte er der Versuchung widerstehen, sich auch noch einen Zigarillo anzuzünden, um dem verlockenden Exzess weitere Nahrung zu geben. So schob er nur einen Stuhl an den Kühlschrank heran, den er, mit einem Löffel bewaffnet, erklomm, um eine große Schale Marmelade rückstandsfrei auszulöffeln. Dann warf er die Kühlschranktür zu, zerrte den Stuhl wieder scharrend an den Tisch und widmete sich seiner Tätigkeit im schöpferischen Marketing, um die Sippe zu ernähren und die Welt schlimmer zu machen.

Die Sippe bleibt verschwunden

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In der City am Fenster

Das Gedächtnis des kleinen Herrn Schönleben ließ seit einiger Zeit zu wünschen übrig. Nicht genug damit, dass er ständig Dinge verlegte, wie zum Beispiel den Flaschenöffner, und stundenlang missmutig das verschlossene Feierabendbier anstarrte. Neuerdings wurde er auch von der Vermutung geplagt, dass er irgendwann ein größeres Grundstück erworben und darauf ein ansehnliches Haus für sich und seine Sippe errichtet haben müsse. Allerdings konnte er sich überhaupt nicht an die Adresse dieses Anwesens erinnern, und die Sippe konnte er nicht befragen, denn sie war seit Wochen verschwunden. Immerhin kam ihm die Wohnung, aus der er durch das Fenster auf die Straße blickte, bekannt vor, und er winkte den Menschen, die unten vorbeiliefen, freundlich zu.