Schlagwort-Archiv: Schönleben

Vom Finanzamt

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Der Briefkasten – Last und Lust seines Besitzers

Der kleine Herr Schönleben wurde anlässlich eines Besuches bei seiner Freundin auf das Kanapee gebeten, um fernzusehen. Still und aufmerksam ließ er den unglaublichen Murks, den sie euphorisch konsumierte, über sich ergehen und vergaß sofort, was er eben geschaut hatte. Nur eine beim fortwährenden Umschalten aufgeschnappte Warnung vor dem harten Durchgreifen des Finanzamtes gegen Steuerbetrüger, die die Freundin mit einem verächtlichen Ausstoßen von Luft kommentierte, blieb schließlich in seiner Erinnerung.

Von da an hegte der kleine Herr Schönleben eine beträchtliche Furcht vor dem Wirken des Finanzamtes. Täglich mehrmals lief er zum Briefkasten, um zu sehen, ob die Behörde es mittlerweile auch auf ihn abgesehen hätte. Erst nach mehreren Wochen wurden die Befürchtungen eines staatlichen Zugriffs auf seine Ersparnisse, von denen er nicht mehr wusste, wie er an sie gelangt war, überdeckt von den sonstigen Zumutungen seines Alltags. Schließlich vergaß er auch noch, solange dieser nicht überquoll, wo sich sein Briefkasten befand, und das waren einige der schönsten Tage seines Lebens.

Die Zähne und der Müll

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Am Waschbecken kann man prima Zähne putzen

Der kleine Herr Schönleben erinnerte sich eines Tages staunend, dass sein Zahnarzt ihn angewiesen hatte, zweimal täglich die Zähne zu putzen. Er strebte dem Waschbecken zu, suchte Zahnbürste und Zahncreme aus verschiedenen Kommoden zusammen und betrachtete sich lange und aufmerksam im Spiegel, ohne seinem Blick ausweichen zu müssen. Dann wurde seine Aufmerksamkeit plötzlich vom unten auf der Straße rumorenden Müllwagen in Anspruch genommen, er vergaß seine Zähne und lief aufgeregt durch die Wohnung, um die verschiedenen Mülleimer einzusammeln und nach unten zur Tonne zu bringen. Zu spät natürlich, leer und stinkend nahm die Tonne die vergammelten Produkte in Empfang, aber ein schlechter Plan ist immer noch besser als gar kein Plan, wie es so schön unter Schachweltmeistern heißt.

Irgendwann brach überraschend die Nacht herein, die Stadt legte sich schlafen, und der kleine Herr Schönleben stand ihr in nichts nach.

Der Zweck der Kreissäge

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Der kleine Herr Schönleben, dem von einem windigen Vertreter eine gebrauchte Kreissäge aufgeschwatzt worden war, überlegte angestrengt, was er mit diesem Gerät eigentlich hatte zersägen wollen. Träumerisch strich er mit seinen kleinen Händen über die dicken Zähne des Sägeblattes, und wohlige Schauder durchfuhren seine Gedärme. Vielleicht Holz? Nun musste er also nur noch auf den Vertreter für ungesägtes Holz warten, und seine Nasenlöcher bebten in Erwartung des gewiss recht harzigen Deodorants, das dieser Vertreter in seinen Flur tragen würde. In großer Vorfreude eilte der kleine Herr Schönleben aus der Scheune zurück ins Haus, setzte sich in den Lesesessel am Ende des Flures und wartete auf das Schellen der Türglocke.

Der Sturm

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Vom Sturm hinweggefegt!

Als der kleine Herr Schönleben anlässlich eines besonders heimtückischen Sturmes von starken Winden durch die Straßen getragen wurde, landete er in einer kleinen Stichstraße auf einem Sofa, denn es war Sperrmülltag. Reichlich benommen fiel er in einen tiefen Schlummer, aus dem er erst erwachte, als nach dem Passieren einer der östlichen Grenzen des Kontinents die Schlaglöcher noch tiefer geworden waren als zu Hause in seiner Stadt. Ouh, dachte der kleine Herr Schönleben in dem rostigen, brüllenden und klappernden Transporter, das wird dann wohl meine erste Auslandsreise! Er erinnerte sich an die Erzählungen seiner Wanderfreunde über herzliche Einladungen zu Hochzeitsfeiern einheimischer Dorfbewohner, Gelage und Volkstänze. Allerdings wurde er schon am selben Abend vor dem Gebäude der Botschaft seines Landes ausgesetzt, denn die Sperrmüllverwerter wollten durchaus keine internationalen Verwicklungen provozieren.

Der Kaffee zum Tagesbeginn

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Am Kühlschranks mit Löffel

Als der kleine Herr Schönleben morgens die Küche betrat, stieg ihm der unwiderstehliche Duft frisch aufgebrühten Kaffees in die Nase. Hastig trank er, obwohl heiß, die Tasse in einem Schluck aus und fühlte sich sehr männlich und unbesiegbar. Nur schwer konnte er der Versuchung widerstehen, sich auch noch einen Zigarillo anzuzünden, um dem verlockenden Exzess weitere Nahrung zu geben. So schob er nur einen Stuhl an den Kühlschrank heran, den er, mit einem Löffel bewaffnet, erklomm, um eine große Schale Marmelade rückstandsfrei auszulöffeln. Dann warf er die Kühlschranktür zu, zerrte den Stuhl wieder scharrend an den Tisch und widmete sich seiner Tätigkeit im schöpferischen Marketing, um die Sippe zu ernähren und die Welt schlimmer zu machen.

Die Sippe bleibt verschwunden

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In der City am Fenster

Das Gedächtnis des kleinen Herrn Schönleben ließ seit einiger Zeit zu wünschen übrig. Nicht genug damit, dass er ständig Dinge verlegte, wie zum Beispiel den Flaschenöffner, und stundenlang missmutig das verschlossene Feierabendbier anstarrte. Neuerdings wurde er auch von der Vermutung geplagt, dass er irgendwann ein größeres Grundstück erworben und darauf ein ansehnliches Haus für sich und seine Sippe errichtet haben müsse. Allerdings konnte er sich überhaupt nicht an die Adresse dieses Anwesens erinnern, und die Sippe konnte er nicht befragen, denn sie war seit Wochen verschwunden. Immerhin kam ihm die Wohnung, aus der er durch das Fenster auf die Straße blickte, bekannt vor, und er winkte den Menschen, die unten vorbeiliefen, freundlich zu.