Kategorie-Archiv: Lipsigorod is my town

Lipsigorod is my town

Das dunkle Turmhaus

Dunkles Haus mit Faltungszonen
ließ den Klempner sich nicht schonen:
Biegen, Kanten, Schneiden, Falzen,
vom Gerüst nach unten balzen,

wo die Mädchen lässig wandeln;
noch einmal den Preis verhandeln?
Lustig ist es auf dem Bau.
Aber morgen mach ich blau.

Zur Feier des Tages

Ach mir ist so feierlich.
Alles leuchtet, alles gleißt.
Und vergiß die Eier nicht
mit dem Kaviar, du weißt?

Schinken, Käse, frisches Brot,
Knusperflocke, Gummitier,
niemand leidet heute Not,
spült er nach mit gutem Bier.

Blaue Stunde, blauer Sinn,
Glas um Glas befüllt uns stur.
Wann wir solln zum Bette hin,
zeigt uns spät die blaue Uhr.

Wankend geht es übern Platz,
wo dereinst ein Denkmal grüßt
protzend mich und dich, mein Schatz.
Kopfschmerz später. Jeder büßt.

Klarstellung

Wie überall im Land proben auch in der Metropole Lipsigrad die sogenannten „Radfahrer“ (verkappte Linksradikale) den Aufstand, begehren die Überlassung von Fahrstreifen auf den Schnellstraßen des historischen Zentrums, riskieren damit Chaos und abruptes Ende jeder Wirtschaftstätigkeit, indem sich die LKW-Karawane hinter dem Lastenrad des Hipsters drängelt und der Rentner nicht vor Ladenschluss zum Supermarkt gelangt. Sodom Ortsteil Gomorrha! Dabei existieren schon heute attraktive, gut ausgebaute Radverbindungen, die leider nur deshalb nicht angenommen werden, weil es hier keine motorisierten Verkehrsteilnehmer gibt, die vom Rüpelradler aggressiv angegangen werden könnten.

Volksparteien endlich volksnah

„Wer hier nicht klarkommt, muss auch nicht Fahrrad fahren“

Neuerdings betreiben Vertreter der Parteien, die mit C und A beginnen und noch lange nicht aufhören, aus Gründen, die ihnen von den motorisierten Volksmassen eingeschrieben sind, endlich das Ausmerzen des den zügigen Kraftverkehr störenden Radfahrwesens in der Metropole. Scheinbar paradox mutet es dabei an, dass sie zu diesem Zweck sogenannte Fahrradstraßen einzurichten begehren. Der Ortskundige hört natürlich erfreut die Nachtigall in die Pedale trapsen, handelt es sich doch bei den beabsichtigten Trassen um uralte, rumpelig gepflasterte Scheusale aus Rutschbasalt mit Zahnfleischschwund, die man selbst mit seinem Geländewagen (Pluginhybrid) äußerst ungern befährt. Sie führen als „schwieriges Geläuf“, zumal mit Zusatzausstattung „gleichrangige, zugeparkte Kreuzung“, gern in die Notaufnahme der Chirurgie; das Bestattungswesen wird leider aufgrund der gefahrenen Geschwindigkeiten beim „Übersehen“ der Rüpelradler eher weniger profitieren.

Im übrigen eine Technik, die der Waidmann als „Vergrämung“ praktiziert, und mitnichten ein Akt falsch verstandener Menschenfreundlichkeit, wie auf den ersten Blick zu befürchten stand.

MS Leselust im Heimathafen

Ein Haus voll mit Büchern (deshalb Leselust), das wie ein Schiff aussieht (deshalb Heimathafen), außerdem Drähte, die nicht ins Bild gehören, sowie eine Lampe (für Licht) und sinnlose Zweige eines Baumes

Ein Beitrag der Lipsigrad Jugendredaktion im Bemühen um würzige Kürze und Barrierearmut.

Glück

Mach ne Rolle
auf der Scholle:
Alles meine!
Ja. Auch deine.

Kochste Tee?
Kopf tut weh.

Danke dir.
Hark mal hier.
Grab mal dort.
Feiner Ort.

Längst noch nicht
Ende Schicht.

Grund verpflichtet,
und vernichtet
eben Zeit.
Suchst du Streit?

Alles fein
Lieschen klein,

Küsschen hier,
kleines Bier,
großer Schnaps.
Bloß kein Raps!

Busch und Liebe
treiben Triebe.