Kategorie-Archiv: Lipsigorod is my town

Lipsigorod is my town

Lob der Nachbarschaft

Nur eine kleine Strecke
zur schönsten runden Ecke
der Stadt.

Du nimmst ne Zigarette,
wir husten um die Wette.
Es hat

so lang nun schon gedauert,
wir sind im Haus versauert
beinah.

Ich ende meine Schritte.
Du bist, so ist die Sitte,
gleich da.

Schnell eine Runde Schmusen,
dann küssen uns die Musen
aufs Haupt.

Und weils heut grad so scheen is,
is jedem noch ein Kleenis
erlaupt.

Wohlsein!

Nacht

nachtbrunnen

Hohe Häuser, tiefe Bronnen.
Zeit ist still zu Stein geronnen.
Wasser schwappert aus den Eimern.
Tag getaktet von den Timern
meines klugen Telefons,
das nichts weiß von dem Aktions-
und Kontaktkomplettverbot.
Ich steh vor der Ampel rot.

Gut gesagt, gern gesagt

Solange in den Führerständen von Straßenbahnen rücksichtslose Arschlöcher sitzen, die heraneilenden Fahrgästen die Tür vor der Nase zuknallen und kackfrech davonfahren, sollte dem Öffentlichen Personennahverkehr nicht allzuviel Bedeutung beigemessen werden.

Freie Stadt mit Herz und Nerz

freie-stadt

Die freie Stadt zu Füßen,
so laut und hell und pur.
Ich hebe, dich zu grüßen
die Stimme hoch nach Dur.

Ich hebe an zu preisen,
dann werfe ich ein Herz.
Es landet zwischen Gleisen
vor einer Frau im Nerz.

Die Straßenbahne bimmelt,
die Dame hüpft, oh Schreck,
dem, der sie angehimmelt,
an das Geheimratseck.

„Nu gugge, endlich hupptse
mir an den Sonntagsstaat“,
denkt sich der Kerl und wupptse
auf sein Elektrorad.

So tu ich stes das Gute,
für andre, nie für mich.
Nu zieh mal keine Schnute.
Gleich tu ich was für dich.

Den Überdruss zu befeuern

silhouette

Um den Überdruss des unschuldigen Betrachters an den überaus nervigen grafischen Stadtsilhouetten zu befeuern, wird heute auch in diesem Block eine prima Stadtsilhouette dargeboten, so wie an jedem Klempnerauto, Fahrplanaufsteller, Stadtmarketingposter, Friseurfahrradständer, Klobürstenhalter, Hilfsschulfenster, Hostessenanstecker, Taxifahrerschnauzbart, Chinaimbissholzgäbelchen und Arschgeweih. (Bitte nach Belieben fortsetzen. Gilt für alle bedeutenden Metropolen.)

Großkotziges Metropolgedicht

ubahn

Mit der U-Bahn fahren wir
jeden Tag von dort nach hier.
Manchmal fahrn wir auch zurück.
Meine Herren, was ein Glück,
dass wir eine U-Bahn haben,
an der wir uns täglich laben.
„U-Bahn“, sag ich unverhohlen,
„gibt es nur in Metropolen,
gibt es nicht im Hinterwald,
weder heute, morgen, bald,
noch in fünfundzwanzig Jahren.
Kann man nur bei uns hier fahren.“
Lustig roll ich auf der Treppe.
Hinterwäldler ziehen Fleppe.

Jammermondgedicht

jammermond

Der Mond steigt aus dem Dunst.
Der Schlaf ist eine Kunst,
Dem Schaf geht’s an den Kragen:
Der Wolf füllt seinen Magen.

Der Wolf kommt bald zu uns.
Erst frisst er Hinz, dann Kunz.
Zuletzt frisst er die Meyern.
Dann schleicht er fort nach Bayern.