Kategorie-Archiv: Lipsigorod is my town

Lipsigorod is my town

Volksparteien endlich volksnah

„Wer hier nicht klarkommt, muss auch nicht Fahrrad fahren“

Neuerdings betreiben Vertreter der Parteien, die mit C und A beginnen und noch lange nicht aufhören, aus Gründen, die ihnen von den motorisierten Volksmassen eingeschrieben sind, endlich das Ausmerzen des den zügigen Kraftverkehr störenden Radfahrwesens in der Metropole. Scheinbar paradox mutet es dabei an, dass sie zu diesem Zweck sogenannte Fahrradstraßen einzurichten begehren. Der Ortskundige hört natürlich erfreut die Nachtigall in die Pedale trapsen, handelt es sich doch bei den beabsichtigten Trassen um uralte, rumpelig gepflasterte Scheusale aus Rutschbasalt mit Zahnfleischschwund, die man selbst mit seinem Geländewagen (Pluginhybrid) äußerst ungern befährt. Sie führen als „schwieriges Geläuf“, zumal mit Zusatzausstattung „gleichrangige, zugeparkte Kreuzung“, gern in die Notaufnahme der Chirurgie; das Bestattungswesen wird leider aufgrund der gefahrenen Geschwindigkeiten beim „Übersehen“ der Rüpelradler eher weniger profitieren.

Im übrigen eine Technik, die der Waidmann als „Vergrämung“ praktiziert, und mitnichten ein Akt falsch verstandener Menschenfreundlichkeit, wie auf den ersten Blick zu befürchten stand.

MS Leselust im Heimathafen

Ein Haus voll mit Büchern (deshalb Leselust), das wie ein Schiff aussieht (deshalb Heimathafen), außerdem Drähte, die nicht ins Bild gehören, sowie eine Lampe (für Licht) und sinnlose Zweige eines Baumes

Ein Beitrag der Lipsigrad Jugendredaktion im Bemühen um würzige Kürze und Barrierearmut.

Glück

Mach ne Rolle
auf der Scholle:
Alles meine!
Ja. Auch deine.

Kochste Tee?
Kopf tut weh.

Danke dir.
Hark mal hier.
Grab mal dort.
Feiner Ort.

Längst noch nicht
Ende Schicht.

Grund verpflichtet,
und vernichtet
eben Zeit.
Suchst du Streit?

Alles fein
Lieschen klein,

Küsschen hier,
kleines Bier,
großer Schnaps.
Bloß kein Raps!

Busch und Liebe
treiben Triebe.

Die Glocke

Dräuend hebt sich der höchste Turm des Bistums hinan (Beispielfoto)

In einem früheren Leben war ich Baumeister. Als solcher befehligte ich nicht nur ein Heer von stets betrunkenen, aber exzellenten Maurern, Zimmerleuten und Hilfsarbeitern, sondern verantwortete auch Architektur, Statik und den gewöhnlich hoffnungslos überbordenden Zierat der Gebäude.

Eines verdorbenen Tages nahm ich eine Einladung des Probstes der Gemeinde vom Heiligen Dingsbums an, der mir eröffnete, die größte, schönste, höchste Kirche des gesamten Bistums mit meiner Hilfe errichten zu wollen. Unter dem Einfluss von Rauschmitteln und Alkohol besiegelten wir das Geschäft per Handschlag zum Festpreis, und erst am nächsten Morgen wurde mir klar, dass ich schon vor dem Aufsetzen des Daches bankrott sein würde, wenn ich nicht sämtliche Materialien billig aus Siebenbürgen und die Steinmetze aus Indien heranschaffen ließe, was dann auch geschah und mir den Hals rettete.

Beim prunkhaften Eröffnungsgottesdienst, dem ich intellektuell nicht zu folgen in der Lage war, fiel mir eine Glocke auf den Kopf, die der Subsub nicht ordnungsgemäß angebracht hatte, und ich kam in den Himmel.

Beinahe unkorrekt

Was wär heute ein Gebäude
ohne Lampen, die hübsch glimmen?
Stuck und Glanz und Rost und Räude,
je nachdem wie wir es trimmen.

Also solltest du die Birne
immer schön lang brennen lassen
und im Licht die holde Dirne
zärtlich um die Schultern fassen.

Dirne meint hier: deine Gute,
nicht wie manche übel denken.
Zieht sie bei dem Wort ne Schnute,
lass dir einen Duden schenken.

Lob der Nachbarschaft

Nur eine kleine Strecke
zur schönsten runden Ecke
der Stadt.

Du nimmst ne Zigarette,
wir husten um die Wette.
Es hat

so lang nun schon gedauert,
wir sind im Haus versauert
beinah.

Ich ende meine Schritte.
Du bist, so ist die Sitte,
gleich da.

Schnell eine Runde Schmusen,
dann küssen uns die Musen
aufs Haupt.

Und weils heut grad so scheen is,
is jedem noch ein Kleenis
erlaupt.

Wohlsein!