Schlagwort-Archiv: Karl Gong

Verpasste Chance

lochblech

Eines Tages bemerkte Karl Gong, der in permanenter Überforderung durch die Unübersichtlichkeit der Welt langsam die Orientierung zu verlieren begann, im sinnlos flirrenden Spiel der Gedanken, der Laute und der Lichter plötzlich ein System, eine Ordnung, ein Muster, und beglückt atmete er schneller, japste gar, und raunte: “Das ist es! Da ist es!” in der Annahme, dass ihm nun der Halt wieder zuteil würde, den er dringend benötigte, um mit sich, dem Universum und der Lebensgefährtin einigermaßen auskommen zu können, da wurde es dunkel und der Lärm von der Bühne hob an.

Karl Gong im Strudel des Seins

karton

Eine seltsame Gelenktheit und Ungelenkigkeit ergriff Besitz von Karl Gong, dem eigentlichen Stoiker, der nichts fürchtete außer der Verpflichtung, Pakete mit Waren zu retourieren, die man ihm zugeschickt hatte und die er aufgrund von fertigungstechnischer Schlamperei sogleich zu zerbrechen trachtete, dann aber nur wutschnaubend im Zimmer hin und her und im Kreise schob, augenrollend und vor sich hin muffelnd, klagend und greinend; diese Pakete also wieder zurückschicken zu müssen, erfüllte ihn mit Gram und Panik, denn persönliches Erscheinen in der Zentralen Rücksendestelle war geboten, die er nicht nur ihrer schieren Existenz, sondern auch der darin beschäftigten Spezialisten wegen verabscheute.

“Ich war einmal Fertigungstechnologe, und ich weiß, wie Produkte korrekt herzustellen sind, ihr tauben Brote, jawohl!” schrie er die tauben Mauern seines Gehäuses an, die fade zurückschwiegen, obwohl sie nicht aus Brot waren.

Wie ein Tiger im Käfig schlich er an der Schrankwand entlang, machte am Plattenspieler kehrt, dann an der Minibar, immer auf und ab, er suchte nach Lösungen, verschenken an ungeliebte Verwandtschaft war keine Option, Freunde besaß er seines Wissens nicht, und das Produkt im Garten zu vergraben verbot ihm der Gedanke, wie die Holde es beim Roden der allgegenwärtigen Silberdistelableger fragenden Blickes hervorziehen würde.

Die Holde, für die das Produkt eigentlich gedacht war, würde zu ihm stürmen, die zum jetzigen Zeitpunkt offensichtlichen Mängel aufgrund des Verrottungszustandes nicht mehr erkennen können und ihm jauchzend mitteilen, was für ein schönes Stück sie soeben im Garten fand, etwas, das sie sich schon immer gewünscht habe, zwar durchaus angegriffen, aber anscheinend funktionstüchtig, und sie würde ihn, Gong fragen, warum er noch nie auf die Idee gekommen wäre, ihr genau so etwas zu schenken, er kenne sie eben nicht, interessiere sich nicht für sie, höre nie zu, etc. pp.

Karl Gong vergrub das Produkt im Garten.

Vom Renegatentum

Karl Gong, sonst kein Kind von Traurigkeit, ward befallen von einem taglangen Trübsinn, ausgerechnet als alle andern ihre frohe Ausgelassenheit ausstellten mit knirschenden Gesichtern, singenden, schlingenden und letztlich aufspringend schwallenden Mündern, ihre Herrschaft über alles in der Welt bekräftigten und die über sich verloren, noch besudelt im Straßengraben krakeelend, bis sie in stabiler Seitenlage zum Verstummen gebracht wurden.

Als das Geschrei und die Tumulte verebbten, verließ Gong die Schauplätze des Geschehens, schwankte, langsam sich aufhellend und fast schon froh, heim in seine fensterlose Kammer zu seinem kleinen Kühlschrank und verprobte diverse Kostbarkeiten, bis er selbst, für andere unhörbar hinter dicken Mauern, unflätige Lieder plärrte, in die Hände klatschte und schließlich gegen das Regal mit den Amiga-Schallplatten fiel, das, soviel sei zum Abschluss verraten, zum Glück keinen Schaden nahm.

Von der Knusprigkeit

protein

Karl Gong, der bekannte Feinschmecker, zeigte sich entschlossen, die fetttriefenden Köstlichkeiten, die er allabendlich zum Bier zu verzehren pflegte, durch proteinreiche, doch kohlenhydratarme Alternativen zu ersetzen, die, wie er überrascht feststellte, in Sachen Knusprigkeit keine Wünsche offen ließen.

Der starke Mann

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Muskeln (Ausschnitt)

Als Karl Gong, der heimliche Bodybuilder, wieder einmal in eine Diskussion geriet, in deren Verlauf ein starker Mann herbeigewünscht wurde, um dies und jenes zu richten, und man sich nur noch nicht einigen konnte, was denn nun genau, ob zum Beispiel alle Autos abzuschaffen wären oder alle Fahrräder oder das Gesträuch oder das Gefleuch, Butter oder Margarine, Alkohol oder Abstinenz, Steuern oder Flucht, Gix oder Gax, spannte Karl Gong einfach kurz seine Muskeln an und haute dem lautesten Schreihals eine trockene Gerade zwischen die Augen, dann dem zweitlautesten, dem drittlautesten und so weiter und so fort, und als dann nur noch ein Diskutant nicht mit nach innen gedrehten Pupillen auf dem Boden lag, denn jener war der einzige, der leise Einwände gegen den starken Mann als solchen geäußert hatte, sagte er zu diesem, mit freundlichem Schulterklopfen: “Siehste, so ist das mit dem starken Mann”, ließ die hochgekrempelten Ärmel wieder nach unten, knöpfte die Manschetten zu und ging fröhlich pfeifend seines Weges.

Trendthema Elektroimmobilität

lampe

Karl Gong, der bekennende Skeptiker, dem jeglicher Hype gegen den Strich ging und der sich deshalb gern von der Masse absonderte oder, wenn das nicht möglich war, scharfe verbale Trennlinien “gegen die Idiotie” zu ziehen pflegte, die die wohlmeinenden, harmoniesüchtigen Mitbürger regelmäßig stark verstörten, war sich über seine Position zur Elektromobilität nicht ganz im Klaren, fristete diese doch einerseits eine bemitleidenswert marginale Existenz im feuchten Kellergeschoss der Realität, lag andererseits aber in aller Munde, jeder und jede verfügte über eine Meinung, ein Argument oder ein zumindest teilweise elektrisch betriebenes Gerät, das herumfahren, herumlaufen oder herumgetragen werden konnte.

Um nicht gänzlich ohne Haltung wie ein verstockter Depp abseits zu stehen, ging Karl Gong  dazu über, alle Elektromobilitäts-Diskussionen unauffällig zum Thema der Elektroimmobilität hinüberzuschieben, das er eloquent und kenntnisreich zu erörtern in der Lage war, bis seine Zuhörer dahindämmerten oder sich aus dem Staube machten, nachdem Gong ihre Einwürfe und Widersprüche genüsslich zerrissen hatte.

Vom Pop

tourbus

Karl Gong, der bekannte Guitarrist, saß seinem Manager Sven-Niels P. gegenüber, von dem er gerade gehört hatte, dass seine Demobänder zu nichts taugten, als sich möglicherweise die Knöchel damit zu bandagieren, und überlegte, welche der hochwertigen Guitarrensaiten, die er stets für Notfälle mit sich führte, am besten zum Erwürgen des P. geeignet wäre, wahrscheinlich E, denn P. hatte einen dicken Hals.

“Karl”, sagte P., der fälschlicherweise vom Fortbestehen einer harmonischen Beziehung zwischen ihnen beiden ausging, “Karl, bei deinen neuen Stücken kriege ich einen dicken Hals. Schreib doch mal was flottes, lebensbejahendes, nicht immer dieses deprimierte Gegreine, das hält ja kein Mensch aus, da möchte man sich ja an der E-Saite aufhängen.”

Karl Gong seufzte, sah von seinem Vorhaben ab, denn es wäre ihm nun wie ein Plagiat der Idee des P. vorgekommen, und nichts verabscheute er so wie Plagiate; er schlich zum klapprigen Tourbus, in dem er mittlerweile zu wohnen gezwungen war, und schrieb einen deprimierten Song, den er die halbe Nacht lang greinend einübte.

Die Kreuzfahrt

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Die Häfen der Welt sind verstopft von Kreuzfahrtschiffen (Beispielfoto)

Karl Gong, ein bekannter Reisender, der das Kreuzfahrtwesen zutiefst verabscheute und bei jeder sich bietenden Gelegenheit dagegen polemisierte, ohne je selbst auf einem Schiff größer als die “Wilhelm Pieck” gefahren zu sein, wurde von seiner Lebensgefährtin unter Androhung des Beziehungsendes dazu genötigt, eine solche Kreuzfahrt “entweder zum Nordpol oder Südpol, Hauptsache nicht nach Osten” zu vollziehen, wobei er auf seine bange Frage, ob “das Boot wirklich nicht auf der Leninwerft zusammengenietet” worden wäre, im Reisebüro keine befriedigende Antwort erhielt.

Nachdem Gong schließlich Monate später die zwei Koffer über die Gangway ins Innere des Schiffes gerollt und man ihm und der Holden das überraschend enge Zimmer zugewiesen hatte, das ständigen körperlichen Kontakt unumgänglich machte, was ihn freute und die Holde zu einer Beschwerde beim Bootsmann veranlasste, beschloss er, sich widerstandslos den angebotenen Vergnügungen des Ortes hinzugeben; er fraß zuviel und sprach ebenso unmäßig dem Alkohol zu, lungerte bei den Damen am Pool herum, brachte den Kapitän mit nautischen Fragen sowie seinen Vermutungen über die Navigation nach dem Sternenhimmel zur Verzweiflung und freute sich am herrlich binären Kontrast vom umgebenden Schnee auf den Eisschollen einerseits und dem das Schiff entquellenden Ruß andererseits.

Das ständige sanfte Schlingern des Kahns erzeugte dabei im Gong ein wattiges Taubheitsgefühl, eine willenlose Eingesponnenheit, ein glückliches Delirium, das selbst bei den ungeliebten Landgängen nicht verschwand und ihn, der diesen Zustand durchaus als angenehm betörend empfand, sollte er über längere Zeit fortdauern, positiv gestimmt in die Zukunft blicken ließ.

Mintgrün und dunkellila

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Wasserball kann man überall spielen, wo es Wasser gibt

Karl Gong, der die emotionale Zugehörigkeit zu seinem Wasserballclub des Herzens auch außerhalb der Spieltage mit einem von der Holden gehäkelten Schal in den seltsamen Vereinsfarben mintgrün und dunkellila dokumentierte, geriet in eine Lebenskrise, als genau diese Farben für eine Saison von der Modeindustrie als unbedingtes Muss ausgerufen worden waren und er somit unfreiwillig als Hipster und bemitleidenswertes Opfer des indoktrinierten schlechten Geschmacks angesehen wurde, denn außer ihm trug niemand in der Stadt den Vereinsschal, weil niemand außer Gong und den Spielern und Funktionären selbst den Verein überhaupt kannte, wodurch auch die Legitimation des Outfits durch erzwungene Gruppenzugehörigkeit entfiel.

Jedoch, jede Krise hat ihren Höhepunkt, bevor sie dem Ende entgegen siecht, und also konnte auch Gong, nachdem alle Modestücke der schlimmen Phase verramscht und von weniger vermögenden Gesellschaftsschichten aufgetragen oder in den hinteren Bereichen der Damenkleiderschränke zu Löchern zerfallen waren, wieder unbehelligt mit seinem Schal durch die Straßen ziehen, lauthals die Hymne des Wasserballclubs grölend (“Wir gehen niemals unter, höchstens kurz!”) und mit einem Wasserball (Größe 5) in die Pfützen titschend.

Die Holde sah es mit Wohlgefallen, wurde doch ihr Geschenk in Ehren gehalten durch alle Fährnisse.

Die Materialisierung des Willens und ihre Negation

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“Dies hier, Sohn”, deklamierte Karl Gong stolz, die Arme ausbreitend, “habe ich geschaffen. Mit meiner Hände Arbeit, mit meinem Hirn und mit unvorstellbarer Willenskraft, gegen alle Widerstände. Ist es nicht großartig, etwas geleistet zu haben, das sich materialisiert hat, ein Plan, der Wirklichkeit geworden ist zu unser aller Wohl und Frommen?”

“Nein”, sagte der Sohn und fing sich eine Backpfeife ein.

Der Verweis

Karl Gong, von seiner damaligen Lebensgefährtin barsch zum Einkauf befohlen, betrachtete, während er zwischen kurzen, dicken Menschen in der Schlange des Fleisch und Wurst Werkverkaufs wartete, eine Familie, die an einem Tisch vor mehreren Tellern saß und gierig Fleisch und Wurst verzehrte, was ihn so verstörte, dass er, endlich am Tresen befragt, was er denn wolle, “Nur etwas Obst, bitte” stammelte, woraufhin er des Werkverkaufs verwiesen wurde.

Im parkähnlichen Garten

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Karl Gong war hier (Beispielfoto)

Karl Gong, in seiner Eigenschaft als Hilfsgärtner bzw. Hilfshilfsgärtner, wurde von seiner Lebensgefährtin, die das absolute Kommando über alle Grünarbeiten innehatte, beauftragt, sofort und “jetzt mal zackig” den unerwünschten Auswüchsen an den diversen Gehölzen, die das gemeinsame, jedoch zu ungleichen Teilen besessene Grundstück bewuchsen, zu Leibe zu rücken; stöhnend rollte er vom Sofa und wurde barsch in den Schuppen geschoben, wo bereits die Werkzeuge warteten, vor denen er sich noch mehr fürchtete als vor dem TV-Abendprogramm.

Leise jammernd schleppte er nun mehrere Tage lang Leitern, Sägen, Äxte und Scheren über das parkähnliche Anwesen, das die Holde in ihrer der bäuerlichen Abkunft geschuldeten Gier nach Land zu erwerben befohlen hatte, errichtete übermannshohe Haufen aus Reisig und Astwerk, die mehrmals wieder umfielen, ließ sich von den anwesenden Gartenvögeln auf das Unflätigste verhöhnen, die er allerdings, so die Weisung, auf keinen Fall stören durfte in ihren täglichen Geschäften, und orderte schließlich, zerkratzt und von kleineren Leiterstürzen humpelnd, eine Mulde von etlichen Kubikmetern, um alles hineinzuwerfen, was nicht gelang und darum die Bestellung weiterer Mulden nach sich zog.

Die Oberste Gärtnerin stand derweil am offenen Fenster, dirigierte ihn zu übersehenen Zweigen, telefonierte mit ihren Freundinnen und diversen Landschaftsarchitekten und warf dem Gong, wenn sie gute Laune hatte, huldvolle Blicke und das eine oder andere Gummibärchen zu.

Die erwachten Igel lachten.

Konflikt

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Fahrräder (Beispielfoto)

Karl Gong, der exzellente Radfahrer, musste an einer Ampel, die gerade auf grün gesprungen war, einen Rennradfahrer umkurven, der nicht vom Fleck kam, nahm also trotz seines in die Jahre gekommenen viel zu schwer knirschenden Velos Tempo auf, rollte freudig dahin mit wehendem Schopf und permanent die Umgebung nach Gefährdungen absuchenden Augen, als sich endlich von hinten der Mensch auf seinem Rennrad herangekämpft hatte und ihm zuröhrte: „Da hast du aber Glück gehabt, dass meine Schaltung kaputt ist.“

Gong, den tatsächlich das Gefühl beschlich, sich für irgend etwas entschuldigen zu müssen, zum Beispiel, schneller als ein per se schnelleres Rennrad unterwegs zu sein, also quasi mit einem Trabanten einen Porsche überholt zu haben, murmelte etwas in der Art von: „Ich fahre doch nur so vor mich hin“, was natürlich nicht stimmte, denn es war ihm sehr wohl bewusst, dass das kapitalistische System der Wettbewerbsmaximierung auch auf Radwegen nicht außer Kraft gesetzt war.

Trotzdem war er der Meinung, dass sich das Thema damit erledigt hatte, jedoch, mitnichten, als der selbsternannte Konkurrent an der nächsten Ampel schnaufend aufgeholt hatte, begann er den Gong inmitten der beachtlichen Menschenmenge der Zentralhaltestelle aufs übelste und wüsteste und unflätigste zu beschimpfen, wobei die mehrmals vorgebrachte Hauptanklage darin bestand, dass Gong „immer das letzte Wort haben müsse, und er kenne solche *** genau“, und er ließ auch keine Entschuldigung des Gong (für was auch immer) gelten, denn das war ja wieder das letzte Wort dieses ***.

Karl Gong, in seinem permanenten Zustand des Peinlich-Berührt-Seins noch tiefer vergraben, stellte für sich fest, dass der Idiotentest nicht nur bei Autopiloten angewendet werden sollte, bevor sie einen Führerschein erlangten, sondern auch bei Radfahrern, aber er behielt diese Erkenntnis zunächst für sich.

Endlich wurde grün.

Fazit eines Arbeitslebens

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Künstliche Intelligenz (Beispielfoto)

Karl Gong, der bekannte Büroarbeiter, brachte seine Tage mit Tätigkeiten herum, von denen er wusste, dass sie in wenigen Jahren von einer künstlichen Intelligenz erledigt werden würden, die nicht einmal halb so intelligent zu sein bräuchte wie er selbst. Genau genommen würde nicht einmal eine künstliche Intelligenz vonnöten sein; eine künstliche Trottellumme, ein künstliches Huhn oder ein künstlicher Hamster wären völlig ausreichend.

Mit diesem Wissen und der Ahnung, dass das Füllhorn seiner beruflichen Verheißungen mittlerweile ausgespien war, beschloss Karl Gong, sich in sein Schicksal zu begeben, und hoffte nur noch, dass der Tag der Übernahme durch die Trottellumme in etwa dem seines Renteneintritts entsprechen möge.

Im Lichte betrachtet

schatten

Obwohl Karl Gong, dem Dialektiker, nichts ferner lag als Schwarzweißdenken, fragte er sich manchmal, wenn die Sonne auf besonders unverschämte Weise in die Kemenaten bretterte, so dass sie sägende Schatten auf den Fußboden warf, ob er sich nicht auch gelegentlich klarer positionieren sollte, schärfer sein in seinen Urteilen, unversöhnlicher den Feinden und enthusiastischer den Freunden gegenüber, nicht so lau und zögerlich und aufs Gramm abwiegend und vorsichtig mit Zwischentönen hantierend, sondern im harten Licht der eingebildeten Wahrheit das Dunkle, das Böse benennen und geißeln usw. usf. –lange und unangestrengt guckte er in solchen Momenten auf seine Füße, dachte nochmals erschöpfend nach und entschied endlich: Nö.

Effiziente Motorisierung

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Als Karl Gong, der bekannte Weltreisende, in einer der beliebtesten Städte der Welt weilte, öffnete sich für ihn in einem der beschaulichen und beliebten Siedlungsgebiete dieser Stadt ein Zeitstrahl in seine ostzonale Vergangenheit, der von einem Bus mit angehängtem Anhänger (was für ein grauenhafter Ausdruck, aber es lässt sich nicht anders beschreiben) befahren wurde. Denn angehängte Busanhänger hat er nicht mehr gesehen, seit er in den Siebzigern in solchen über baumbestandene Landstraßen geschleudert wurde, gemeinsam mit dichtgedrängt vor sich hin dampfenden Werktätigen aus der Glasseide, der Schuhfabrik, dem Elektrobau, der Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises, der Zuckerbude, dem Landbaukombinat und so weiter. Diese Reisen erschienen irgendwann sogar den Verantwortlichen als so gefährlich und verantwortungslos, dass die Busse samt Anhängern irgendwann spurlos verschwanden und durch Ziehharmonikakästen aus ungarischer Produktion sowie zaghafte Individualmotorisierung ersetzt wurden. In der beliebten, übervölkerten Stadt jedoch karriolten sie wie selbstverständlich herum, zwar eckig anstatt harmonisch abgerundet, aber doch selbstbewusst und fast so lang wie einige der Straßen im betreffenden Siedlungsgebiet.

Aus der Nachbarschaft

drums

Karl Gong, der bekannte Höragnostiker, wanderte im Treppenhaus auf und nieder (weiter südwestlich: Stiegenhaus), um der Quelle eines Geräusches nachzuspüren, das in rhythmischen Schüben die Lautäußerungen seines Neue-Musik-Plattendrehers (er besitzt für jede von ihm geschätzte Musikrichtung einen eigenen Dreher) übertönte, überdröhnte, unmäßig, aber nicht reizlos, und ganz tief im Unterbewussten hoffte er, dass es sich um etwas Schweinisch-Anregendes handeln könnte, das da rumpelte und malmte und zischte und radängderte. Als er schließlich im Hochparterre durch den Türspalt der Wohnung einer vor kurzem eingezogenen Dame ein schrilles rotes Licht schimmern sah, kannte seine Erregung keine Grenzen mehr, er wagte das Äußerste und klingelte zitternd. Die Dame öffnete, sie war behangen mit glänzend schwarzem Leder und trug Schweißperlen auf den unbedeckten Körperflächen, Gong grunzte, erblickte im Hintergrund die Quelle des Lärms, schrie panisch auf und wandte sich schaudernd dem Treppenhaus (Stiegenhaus) zu, hechtete die Absätze zu seiner Behausung hinauf und drehte weinend den Dreher lauter.

Teegedicht ohne wirkliches Ende

tee

Noch einen Tee zum Ende
an diesem Arbeitstag.
Es meldet sich die Lende,
die nicht mehr hocken mag.

Noch eine Stunde Schreibens,
dann geht es frisch hinaus.
Genug des Ämtertreibens,
raus aus dem Irrenhaus!

Gong schwebt durch nasse Lüfte,
durch dunkles, fieses Grau.
Er riecht schon Frühlingsdüfte,
von weitem seine Frau.

Da ist sie schon, die Gute,
in ihrem Wickelrock!
Doch sie zieht eine Schnute,
und hat noch keinen Bock.

“Lass uns zur Schenke schleichen,
und wenn dein Zaster reicht,
könntest du mich erweichen,
mein lieber Karl, vielleicht.”

Champagner lässt sie schmusen
verliebt im Separee.
Gong trinkt an ihrem Busen
aus Kostengründen Tee.

Wanderung durch die Mark Brandenburg

friseur

Als Karl Gong durch die dunklen Grundmoränen und Urstromtäler der Lausitz wanderte, um die weihnachtlich verzehrte Ente abzubauen, gelangte er nach Stunden in ein recht niedliches Walddorf, doch statt die einzigartige Anlage gebührend zu würdigen (Sackgassen-Rundling mit abstrebenden Schluchten), dachte er nur, vom Rotwein leicht benebelt: “Gleich im nächsten Jahr muss ich mal wieder zum Friseur hin.”

Unerbittliche Profanität im Anmarsch

bruecke

Jedoch, als es dann schon wieder fast vorbei war mit dem Glanz und der allumfassenden Heiterkeit, wurde Karl Gong von einer eigenartigen Wehmut befallen, vergleichbar jener beim Anblick eines leeren Kühlschranks oder eines Silberfischchens, das allein und überfordert im halogenen Licht über die Badfliesen irrt, und er freute sich an jeder bunten Lampe, die er im Stadtbild ausmachen konnte, solange sie nicht ausgemacht war.

Bald würde ihm nur der farbenfrohe Morgen über den Gleisen bleiben, und jener auch nur mit schlechtem Wetter im Anmarsch (Bauernregel), und deswegen neuerdings selten.