Kategorie-Archiv: Welt der Technik

Welt der Technik

Dem Diplomingenieur

Ich war erneut zu einem Diplomingenieur gebeten worden, um wiederholt meine Dokumente prüfen und sicher deponieren zu lassen. Bevor ich mich wie üblich in dieser Angelegenheit vom Diplomingenieur aufgrund der miserablen typographischen Qualität der Schriftstücke, der schlampig zusammengehauenen Diagramme und lückenhaft dargelegten Argumentationen aufs widerlichste beschimpfen lassen musste, atmete ich tief durch, hob die Augen zur Flurdecke und nahm zum ersten Mal die Sicherheitseinrichtungen wahr, die der Diplomingenieur extra für die zu hortenden Dokumente hatte installieren lassen. Ein Seufzer der Erleichterung entfuhr mir: So schlimm können sie also doch nicht sein, meine Dokumente, wenn ein derartiger Aufwand zu ihrem Schutz betrieben wurde.

Beschwingt klopfte ich an, trat hüpfend ein, warf den Ordner auf den Tisch und gab ein fröhliches „Mahlzeit“ zum Besten, bevor die Brüllerei losging.

Von den Gründen

Schaltung

Der Problembär, dem im Haushalt nicht nur die Beschaffung und Vertilgung der Getränke oblag, sondern auch die Wartung sämtlicher technischen Geräte, versuchte seit Stunden, mithilfe großmäulig dargebotener Internetvideos die Schaltung des einzig verbliebenen, dreckstrotzenden Haushaltsrades einzustellen, was wie alle Versuche in den Jahren zuvor natürlich nicht gelang, ihm aber die nötige moralische Grundierung verschaffte, den Weissweinkühlschrank in einem langen, zufriedenen Zug zu leeren.

Die verrottete Einhegung

grenze

Karl Gong, dem nach Monaten erschöpfenden Wirkens auf den Pferdebewegungsanlagen seiner Unangetrauten der Sinn nach einem Zipfelchen Erholung stand, begab sich also in die hinterste Ecke des Anwesens, zwei Flaschen Helles in den Tiefen der Hosentaschen vergraben, in den Händen zur Tarnung wegen der scharfsichtigen Augen der Holden eine Schraubzwinge (links) und eine Axt (rechts), die er allerdings nicht zum Aufrichten neuer Gelasse, sondern nur zum Öffnen der beiden bayerischen Trostspender benutzen wollte; Karl Gong also erstarrte im Anblick seiner frühen Werke, die gnadenlos dem Dahinströmen der Zeit ausgesetzt und weitgehend verrottet und unbenutzbar geworden waren, warf sich winselnd auf den Boden, hackte den beiden Bierflaschen die Hälse ab, ließ das schäumende Helle gleichzeitig in den nach oben aufgesperrten Schlund laufen und begann unvermittelt, wuchernde Bäume umzuhauen und mit der Schraubzwinge aneinander zu pressen, bevor er mit den Vierzollnägeln, die ihm hinter den Ohren schon beinahe festgerostet waren, eine neue Einhegung errichtete, von der die Holde mit einem spöttisch verzogenen Mundwinkel und der hingeworfenen Bemerkung „Und das soll halten?“ Notiz nehmen würde.

Das schlampige Sonett von der Liebe über Entfernungen

nachtherz

Mehr muss ich wohl nicht schreiben,
wenn du dies Herz hier siehst.
Es kann nichts offen bleiben,
wenn aus den Lämpchen schießt

der helle Schein der Liebe
auch auf die Langdistanz.
Ich hoffe fest, es bliebe
das Sträuchlein blattlos ganz

das ganze Jahr hinweg
nur zu dem einen Zweck,
uns täglich fernzuglühen

aus stillem Garteneck
bei Elster, Spatz und Schneck:
Elektrisches Bemühen.

Probleme des Guitarrenwesens

guitarre

Der kleine Herr Schönleben, der das Geklimper auf dem Klavier wegen der Störgeräusche aus den benachbarten Wohnungen satt hatte, betrieb die Anschaffung eines alternativen Gerätes zur Lauterzeugung. Stundenlang lungerte er im örtlichen Pfandhaus herum und zupfte an den Guitarren, die erfolglose Musiker, genervte Ehefrauen und drogensüchtige Guitarristenkinder gegen geringes Entgelt zur Aufbewahrung abgegeben hatten.

Allein, der kleine Herr Schönleben konnte sich nicht entschießen, eines der Stücke zu erwerben. Zum einen schien seine körperliche Beschaffenheit nicht stabil genug, das Zupfen der scharfen Saiten zu überstehen. Zum anderen war er einfach zu klein, um gleichzeitig einen Akkord zu greifen und ihn über den Tonabnehmern anzuschlagen. Auf dem Klavier konnte er notfalls von einer Seite zur anderen laufen, wenn sich hohe Töne mit niedrigen abwechselten. Würde er versuchen, sich die Guitarre umzuhängen, könnte er nicht einmal über ihren sinnlos hohen Korpus hinwegsehen.

Folgerichtig verließ der kleine Herr Schönleben nach langer Überlegung das Pfandhaus und hatte eine aufkommende kleine Melancholie, nun doch nicht als der neue Chuck Berry in die Annalen der Musikgeschichte einzugehen, in der gleißenden Frühlingssonne des Februars bereits vergessen, bevor die Tür ins Schloss fiel.

Neulich nachts

mond
Der Mond auf dem Balkon

Als mir letztens der Mond auf den Balkon gefallen war, dachte ich: „Ohje, dann kommen wohl bald die Chinesen mit ihrem Raumschiff ‚Langer Schöner Marsch‘!“

Nicht auszudenken, was das städtische Gesundheitsamt mir für Vorhaltungen machen würde, wegen dieses schlimmen kleinen Coronadingens!

Also holte ich die lange Leiter aus dem Keller, eckte überall im Treppenhaus an, wischte einen sorgfältig bearbeiteten Speckstein vom Flurregal (dieses Wort wollte ich schon immer einmal schreiben), erledigte die letzte, mit Funkenregen platzende NARVA-Glühlampe des Hauses und hängte aber zu guter Letzt den Mond wieder dahin, wo er hingehört.

Wird es mir jemand danken?

Tempolimit in die Schranken gewiesen

bremse
Bremsen: Bald nur noch Sonderaustattung

Wie erst heute nach Lipsigrad durchsickerte, ist im Bundesrad wie erwartet die kommunistische Forderung nach einem generellen Tempolimit auf deutschen FührerAutobahnen zurückgewiesen worden. Die Gründe liegen auf der Hand und wurden wie folgt zusammengefasst.

Erstens erhöhen sich weder Unfallgefahr noch Unfallschwere bei höherem Tempo, das ist erwiesen. Im Gegenteil, die Kraftfahrer sehen und hören im Dahinrasen viel mehr und viel schneller. Außerdem beginnen die Bremsen moderner Automobile erst ab 180 km/h efffektiv zu arbeiten.

Zweitens wird bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr Kraftstoff verbraucht, sondern viel weniger, das ist naturwissenschaftlich belegt. Dadurch wird auch viel weniger Cejozwei produziert, als wenn man langsam fahren muss, denn das dauert ja viel länger. Auch der Abrieb von Asbest, Gummi und dem anderen Zeug, das nur in den Köpfen der grünen Moralapostel existiert, geht gegen null, je schneller man fährt.

Drittens muss der deutsche Mann schnell fahren. Er kann das ja auch (schnelles Auto), denn er ist in jeder Situation aufmerksam, rücksichtsvoll und diszipliniert. Deutsche Kraftfahrer sind die liebenswürdigsten, zuvorkommendsten, nettesten Menschen, die man sich überhaupt vorstellen kann.

Viertens würden bei Inkrafttreten eines Tempolimits alle deutschen Länder, in denen Kraftfahrzeuge montiert werden, zahlungsunfähig, vulgo: Sie gehen Pleite. Das gefällt niemandem. Und durch die anderen, zurückgebliebenen Länder ohne Autoindustrie will man ohnehin nur ganz schnell durch- oder aus ihnen herausfahren. Wie soll das gehen mit Tempolimit? Stundenlang durch Sachsen-Anhalt zuckeln? Brandenburg? Vorpommern? Geht’s noch?

Mobilisierung aller Reserven

waggon
Eröffnung der Fernbahnstrecke Zürich-Petrograd um 19:17 mit historischem Material

Als der Herr Automobilminister plötzlich sein Herz für die Eisenbahn entdeckte, wurde ihm von seinen Ministerialbeamten zugetragen, dass die Situation des Schienenwesens nicht nur im Allgemeinen von Verschleiß, Not, Unterlassung und Havarie geprägt sei, nein, insbesondere das rollende Material war entweder gar nicht vorhanden oder befand sich in einem erbärmlichen Zustand und somit gar nicht in der Lage, des Ministers Forderungen nach unverzüglicher Vollversorgung des Volkes mit komfortablem Bahnverkehr auch nur annähernd Folge zu leisten.

Nachdem der Minister seinen unvermeidlichen Schreianfall beendet und die üblichen Betteleien der Untergebenen nach mehr Budget, Personal und Druckerpapier harsch zurückgewiesen hatte, befahl er, in allen Depots, Museen und auf vergessenen Abstellgleisen nach Wagen und Zugmaschinen zu fahnden, diese von Staub, Rattennestern und pubertären Schmierereien zu befreien, Koks und Wasserkrane für die Dampfmaschinen anzuschaffen (Wasserdampf ist klimaneutral) sowie mehrere Millionen Fahrkarten drucken zu lassen, um sie auf seinen Reisen an das erwartungsfrohe Volk verschenken zu können.

Alsdann verschwand er in seinem Büro und spielte mit seiner Modellautosammlung im Maßstab 1:43, für die er extra eine Gleichstromladesäule auf dem Schreibtisch hatte installieren lassen (wegen Umweltschutz).

Endlich!

wasserkraft

In Anbetracht der desaströsen Brände in Australien unternimmt auch die hiesige Regierung übermenschliche Anstrengungen, um den Ausbau regenerativer Energien massiv zu beschleunigen.

„Der Planet ist uns Verpflichtung, und Australien ist zum Glück ziemlich weit weg“, ließen sich die Minister in seltener Einmütigkeit zitieren.

Hin und weg

moonrocket

Wo es knallt, da lasse dich
auch mal richtig gehen.
Schieß Raketen wie ein Strich.
Sollen alle sehen,

was du für ein Racker bist.
Jedenfalls kein Zwerg.
Gute Reise, Kosmonist,
beim Selfie-Feuerwerk.

Das Moped

ural

Der kleine Herr Schönleben hatte sich zu Weihnachten ein ebenfalls kleines, leise summendes, elektrisch betriebenes Moped gewünscht, um dem Klima seine Referenz zu erweisen und Passanten auf dem Bürgersteig fast lautlos dahingleitend gehörig zu erschrecken.

Leider war der mit der Schenkung Beauftragte jahreszeitlich bedingt arg zerstreut und stellte ein dem Gewünschten nur entfernt ähnliches Modell auf den Hof.

Der kleine Herr Schönleben machte das Beste aus der Situation und beschloss, zwischen den Jahren im geräumigen Seitenwagen zu wohnen, bevor er das Produkt im Originalkarton an den VE Kraftfahrzeughandel zurücksenden würde.

Aus der Wirtschaft

rohre

Während dem stationären Einzelhandel die satte jahresendliche Zufriedenheit langsam abhanden zu kommen droht, legen die Rohrpostleitungsverleger nach dem einen und anderen Großauftrag aus den Kreisen des elektrischen Bestellwesens einen vorsichtigen Optimismus an den Tag.