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Welt der Technik

Kleine Bildbeschreibung

Das Arefjewa-Schaubild verlangt dem Betrachter einiges an schöpferischer Intelligenz ab. Im Mittelpunkt steht der Ausschuß, was durch die pointierte Farbgebung unterstrichen wird. Ein Werktätiger, der einen Karren schiebt, welcher nicht von allein stehen kann, ist irritiert, weil der Ausschuß ihn offensichtlich verhöhnt (Zunge, Hand ohne Arm, Kopf ohne Frisur). Soll er ihn in den Karren laden? Mit dem Dreizack aufspießen (wobei der Karren umfallen würde)? Oder besteht die Arefjewa-Methode darin, den Kollegen („Reserve“) im Hintergrund zu rufen, dessen mit offensichtlich großer Zufriedenheit bewegtes Flurfördermittel wesentlich geeigneter wäre, den Ausschuss aus den Augen des soz. Leiters zu räumen? Die Lösung dieser Fragen bleibt unserer Phantasie überlassen, wofür wir dem Zeichner Hut81HOF dankbar sind.

Der unmäßige Reisende

In den Tunnel rollen!
Oben der Kanal.
Unten schweben Pollen,
Oben schwimmt der Aal.

Will sie haltlos preisen,
die verkehrte Welt!
Ihr Gedärm bereisen,
Taschen voller Geld

oder arm an Mitteln,
wär mir ouh egal.
Werde nichts bekritteln,
wenn sie nur nicht schal

zeigt, was ich erwarte,
stumpf, was ich schon weiß.
Wenn ich einmal starte,
will ich heißen Scheiß!

Die Einmischung der Vergangenheit

Multifunktionsgerät (Beispielfoto)

In einer der langweiligen Videokonferenzen, die der Chef ausrichtete, um seine „geliebten Mitarbeiter, diese Hohlköpfe und Nichtsnutze“ auf gnadenlose Profitmaximierung einzuschwören, las der kleine Herr Schönleben nebenbei einen Bericht über die Gewohnheiten der Angestellten im letzten Jahrtausend. So schien man damals insgesamt viel aufsässiger gewesen zu sein, und auch lustiger Schabernack war wohl viel mehr fester Bestandteil des betrieblichen Lebens als heute. So galt es als Höhepunkt des Tages, sich mit dem nackten Arsch auf den Kopierer zu setzen und die Ausdrucke per Fax überall hin zu versenden. 

Als leicht zu begeisternde Kreativkraft sprang der kleine Herr Schönleben sofort auf das neben dem Laptop befindliche Multifunktionsgerät, setzte sich ohne Zwickel auf die Glasplatte, genoss das Gefühl, als der gleißende Lichtstrahl seinen Körper von unten illuminierte, und druckte das Abbild sofort aus. Begeisterung! 

Der Art Director, über das kurzzeitige Fehlen des Schönleben auf dem Bildschirm verärgert, forderte Aufklärung, die er in Form der Behauptung des S. erhielt, jener arbeite eben nebenbei an der Kampagne für Sanitär-Rottemöller, wobei er das surreal verfremdete Abbild seines Hinterns triumphierend über dem Kopf schwenkte.

Einen so schönen Arbeitstag für alle außer die Großkopferten hatte es in der Agentur schon lange nicht mehr gegeben. 

Von der Schweinwerdung

Karl Gong hatte seinen Wagen auf den Rücken gelegt, nicht ohne vorher den guten, in Istanbul erworbenen und tatsächlich problemlos verschickten Teppich untergeschoben zu haben, wühlte sich mit seinen kurzsichtigen Augen und langen Armen durch die Aggregate, zog hie und da ein Schräubchen fest, verteilte gelegentlich ein Tröpfchen Öl, sparsam, wegen der Umwelt und des Geldbeutels, kurbelte an der Lichtmaschine, prüfte den Reifendruck und leckte an der Batterie, fand alles in Ordnung und bestem Zustande, drehte den Wagen liebevoll auf die Räder, hieß die holde Unangetraute einzusteigen, indem er unter Bücklingen die Tür offen hielt, klemmte sich hinters Steuer, startete, legte den ersten Gang ein und rammelte fortan zwei Stunden wie ein komplett Irrsinniger durch die Landschaften, denn im Auto wird einfach jeder zum Schwein.

Unwahrscheinliche Begebenheit

Die Brücke dreht sich weg von mir,
sie will mich nicht beachten.
Sie dreht sich überm Aalrevier,
dem Bodden und den Grachten.

Sie dreht nach links, sie dreht nach rechts,
wird schließlich immer schneller.
Sie dreht die Kennung des Geschlechts,
sieht schon aus wie ein Teller,

erhebt sich aus dem Lagertopf,
rotiert über den Binsen,
sie schwebt davon, ich dreh den Kopf
und mach mir ein paar Plinsen.

Klugschnack

Geferlič: Schnelles Rad!

Dass du sterben musst:
Mach den Haken dran,
weil dir der Verlust
stets passieren kann:

Auf dem schnellen Rad.
Unter tiefem Schnee.
Gräte im Salat.
Sturm auf hoher See.

Lebe froh und spar
keine Stunde aus.
Vorher aber fahr
zum Bestattungshaus.

Vom Hass

Keine Bundeswehr (Beispielfoto)

Von einer kompakten weiblichen Person mit bösen Augen vernahm ich im Dabeisitzen, dass das verrotete Deutschland komplett am Ende sei, weil die Bundeswehr sich nicht in der Lage sehen würde, „für die Flutopfer“ genügend Mobilfunkmasten aufzurichten. Ich sah sicherheitshalber von der Belehrung ab, dass die Kernkompetenz der Bundeswehr nicht das Aufrichten von Masten darstellt, sondern das Niederbrechen derselben.

Die virtuellen Plätzchen

Klapp klapp klapp, gleich ist der Bildschirm ab!

Der kleine Herr Schönleben war gezwungen worden, für den Chef einen Vortrag über „Bitcöhn“ zu halten. Der Chef wollte unbedingt reich werden, aber „mit dieser Firma voller Versager“ würde das definitiv nichts werden.

Also hatte Schönleben in den Minuten zwischen seinen Tiefschlafphasen ein paar knackige Informationen über „Bitcöhn“ aus dem Internet in die hässliche Powerpoint-Vorlage der Firma kopiert und schickte sich nun an, diese per Videokonferenz vorzutragen. Wie üblich hampelten Chef und Art Director wie blöde vor ihren Kameras herum und versuchten, sich gegenseitig die virtuellen Plätzchen auf dem virtuellen Konferenztisch wegzuschnappen, eine Disziplin, in der sie sonst von Schönleben geschlagen wurden, aber der war ja leider mit den „Bitcöhn“ beschäftigt.

Nun, der Vortrag endete, die Großkopferten beschwerten sich, rein gar nichts verstanden zu haben, aber das wäre ja bei dieser Lusche von Mitarbeiter („Wie heißt der eigentlich?“) zu erwarten gewesen, und der kleine Herr Schönleben schnappte sich das letzte virtuelle Plätzchen aus der virtuellen Kekspackung, mit Kokos bestreut, was er überhaupt nicht leiden konnte, egal, klappte den Laptop zu und fiel augenblicklich in einen bleiernen Schlaf, der erst zur Tagesschau-Spätausgabe endete.

Mein Autokauf

Vor dem Kauf kann ein wenig Information, zum Beispiel zum Thema Sicherheit, nicht schaden.

Ich hatte keine Lust mehr, mich im Gelenkbus herumschleudern zu lassen und beschloss, ein Auto zu erwerben. Ich sagte zum Verkäufer, ich möchte damit von A nach B fahren. Er sagte, er habe da genau das richtige Modell. 

Das Auto war so hässlich, dass ich es aus Mitleid kaufen und sofort verschrotten wollte. Überall Kanten, Dellen, Furchen und Wülste, ein grässlicher Kühlergrill und statt Fenstern Sehschlitze. Es sah aus, als wäre es gerade aus Afghanistan zurückgeführt worden. 

„Der Wagen ruft selbsttätig andere Autos an und kommuniziert mit ihnen. Ist das nicht phantastisch?“

„Nein“, sagte ich, „ich will von A nach B“. 

„Außerdem können Sie vier verschiedene Filme auf die Frontscheibe projizieren, von acht verschiedenen Streamingdiensten. Gegen Gebühr können Sie weitere sechzehn Streamingdienste freischalten.“

„Was sind Streamingdienste?“ fragte ich.

„Der Wagen merkt sich alle Einstellungen, die Sie vornehmen. Wenn Sie sich in ein anderes Auto setzen, werden die Einstellungen genau so übernommen.“

„Auch im Gelenkbus?“

„Selbstverständlich! Und der Wagen fährt Sternchen, hohoho, in besonderer Ausstattung, hohoho, völlig autonom! Sie können Bratwurst essen, Ihre Börsengeschäfte erledigen, es gibt ja sogar Menschen, die noch lesen, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ab jetzt im Wagen! Und wenn ein Opa auf die Straße rennt, erschallt die Hupe automatisch, und wenn der taube Alte nicht reagiert, mehrmals, und jeweils zehn Dezibel lauter.“

„Was ist mit den Bremsen?“ fragte ich. „Sind die Bremsen Achse-Achse getrennt?“

„Bei einem Unfall fragt Sie der Wagen, ob Sie ein neues Fahrzeug wünschen, gern auch mit Upgrade, oder ob Sie ab jetzt zu Fuß gehen möchten. Sie können aber auch eine größere Höchstgeschwindigkeit abonnieren. Weitere Optionen zuschaltbar.“

„Und die Lichtmaschine?“ fragte ich matt. „Wieviel Volt hat die Lichtmaschine?“

Der Verkäufer starrte mich mit offenem Maul an und begann zu weinen. Ich setzte mich in den nächsten Gelenkbus und ließ mich herumschleudern.

Tsunami der Kreativität

Die Wunderlampe (Beispielfoto)

Der Chef der Agentur hatte durchs Telefon gebrüllt, dass er jetzt endlich die Vorschläge des kleinen Herrn Schönleben („Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag?“ — „Äh, Homeoffice?“) benötigte, den innovativen Namen des Elektrofahrzeuges betreffend, für den er unter größten Anstrengungen den Auftrag an Land gezogen hatte. Nun müsste nur noch das bisschen Arbeit gemacht werden, aber das sei ja in dieser Firma alles andere als selbstverständlich geworden. Also dallidalli, irgendeinen blöden Namen mit e drin, dran, drunter, drüber, kann ja nicht so schwer sein. Die Bindestriche oder sonstigen Verzierungen würde der Art Director, dieser Depp, dann schon noch ranbasteln. Deadline 1436, Uhrenvergleich.

Es war 1327 MESZ. Der kleine Herr Schönleben schleppte sich zur Wunderlampe, die er neben dem Bett aufgestellt hatte, knipste sie an und tippte in sein E-Mail-Programm:

Betreffend e-Gefehrt:

Edelebereschenbeerentresterbecherscherbeneselfellkehrbesenfeststellbremsenbestellzettelheftentwertergesellenwestregenpellenfetzenrestentwendeverbrecherzellendeckenweberknechtentsetzen

Beste Greeße
Scheenleeben

Dann hüpfte er frohgemut, sich seiner Heldentat vollends bewusst, aufs Tagesschlummersofa und fiel in ein tiefes Koma.

Fernsehkoffer

Pack den Fernsehkoffer ein,
heute wolln wir fröhlich sein!
Tennisplätze, Wälder, Auen,
wo wir trinken und verdauen,

überall und auch zu Haus:
Hol den Fernsehkoffer raus!
Schalt schnell ein, es tut mich jucken,
auf den kleinen Schirm zu gucken,

Fußball, Merkel, Telegramm —
lieg ich dabei auch im Schlamm:
Fernsehkoffer sind das Leben,
und es wird sie immer geben!