Kategorie-Archiv: Welt der Technik

Welt der Technik

Vision, Tatkraft, Hoffnung

aggregat

Heute wird ein Bier gebraut,
das mich auf die Bretter haut.
Vollmundig, im Abgang zart,
Hopfennoten krass am Start,
Malz geröstet und geklopft,
dass mir schon der Speichel tropft,
wenn ich nur dran denke.
Ist es fertig, schenke
ich es freudig aus.
Freunde, kommt ins Haus,
Alubecher hochgehoben,
Laut sollt ihr den Brauer loben!
Singen soll der Meistersänger,
knallen soll der Steinbruchsprenger,
flattern soll die Maurerhose,
saufen soll der Vollmatrose!
Prosit auf dem Kanapee:
La paloma und oweh!

Kunst am Bau

gelaender

Der unbeholfene Versuch, das misslungene Gebäude mittels eines künstlerisch handgefertigten Geländers zu retten, endete in einem ästhetischen Desaster, das allerdings dem Bauherren gegenüber wegargumentiert werden konnte.

Lied des Mechatronikers

reparatur

Nie darf ich das Rad benutzen!
Trotzdem muss ichs ega putzen,
Kette ölen, reparieren
und die Kugellager schmieren!

Kann mir bitte einer reichen
rasch die Säge für die Speichen,
und im Werkzeugkasten greifen
nach dem Messer für die Reifen?

Danke. Fertig. Noch ein Bier?
Gute Fahrt! Ich bleibe hier.

Trendthema Elektroimmobilität

lampe

Karl Gong, der bekennende Skeptiker, dem jeglicher Hype gegen den Strich ging und der sich deshalb gern von der Masse absonderte oder, wenn das nicht möglich war, scharfe verbale Trennlinien “gegen die Idiotie” zu ziehen pflegte, die die wohlmeinenden, harmoniesüchtigen Mitbürger regelmäßig stark verstörten, war sich über seine Position zur Elektromobilität nicht ganz im Klaren, fristete diese doch einerseits eine bemitleidenswert marginale Existenz im feuchten Kellergeschoss der Realität, lag andererseits aber in aller Munde, jeder und jede verfügte über eine Meinung, ein Argument oder ein zumindest teilweise elektrisch betriebenes Gerät, das herumfahren, herumlaufen oder herumgetragen werden konnte.

Um nicht gänzlich ohne Haltung wie ein verstockter Depp abseits zu stehen, ging Karl Gong  dazu über, alle Elektromobilitäts-Diskussionen unauffällig zum Thema der Elektroimmobilität hinüberzuschieben, das er eloquent und kenntnisreich zu erörtern in der Lage war, bis seine Zuhörer dahindämmerten oder sich aus dem Staube machten, nachdem Gong ihre Einwürfe und Widersprüche genüsslich zerrissen hatte.

Begegnung

kesselwagen

„So ein schöner Kesselwagen!“
hört man die Berliner sagen.
„So authentisch, flugroststrotzend!“
„Schrott“, erklärt der Landmann motzend,
„alles Schrott, und siehst du auch
diesen sehr porösen Schlauch?
Lieber wär mir neues Zeuch.
Teuer. Tja. Gefällt es euch?
Foto macht drei Euro glatt.“
Und sie zahlen, denn die Stadt
hat so etwas nicht zu bieten.
Inkludiert in ihre Mieten
sind nur güldne Wassertraufen,
Rost muss man sich teuer kaufen.
„Danke, Landmann, und bis bald!“
„Fort mit euch jetzt. Odersknallt.“

Endlich

sand

Nach den wiederholten ungerechtfertigten Anwürfen gegen die Braunkohleindustrie versucht diese sich nun endlich ein helleres, lichteres Antlitz zuzulegen. Ob der Sand auch brennt, ist uninteressant, solange der Steiger kommt bzw. bleibt.

Rüpelradler

klingel

Ich besitze eine reelle
vergoldete Klingelschelle.
An die ist mein Fahrrad geschraubt.
Wer sie hören muss, ertaubt.
Ich hüte sie wie einen Schatz.
Platz!
Ohrgestöpselter  Wicht!
Hörtest du Subjekt meine güldene Klingel nicht?

Wie das eben so geht

grossblock

Pitti baut ein Haus.
Großblock muss es sein.
Es fehlt ihm die Zeit
für den Einzelstein.

Steht es nicht famos
mittendrin im Park?
Klappt mit Mörtel nicht
(angerührt aus Quark,

Kuhmist, Kalk und Stroh)!
Heute wird gesteckt!
Und ist es dann alt
oder leicht verdreckt,

wird’s mit Rotweißband
säuberlich verhängt
und mit TNT
in die Luft gesprengt.

Zuluft

zuluft

Ich stand mit meinem Einkaufswagen
still neben der Tür,
da hörte ich sagen:
“Verschwinden Sie hier!
Sonst gips nicht genug
Zuluftfläche für Rauchabzug!”

“A wa”, sagte ich, “na sowas, dann wende
ich mich von hinnen, sonst gibt es zum Ende
Vielleicht noch eine Katastrophe.”
“Nu, wird ouh Zeit!” sagte der Doofe.

“Dann Dank für den Hinweis, Sie oller Wicht.”
Der Wicht entgegnete: “Dafür doch nicht.”
So schieden wir weitgehend einvernehmlich.
Der Zulufthüter kam dem Nächsten dämlich.

Das Papierschutzblech

schutzblech

Lange Jahre hatte mir das Papierschutzblech gute Dienste geleistet. Glücklich, zufrieden und in der Leidenschaft für Dreck vereint glitten wir durch die Landschaften. Dann jedoch fand ich den Quengelbrief von “der Wirtschaft” im Postkasten, die, mit Angabe meiner persönlichen Konsumwerte untermauert, beklagte, ich würde nicht genug “investieren”, sei somit ein Lump und Vaterlandsverräter, der die ganzen schönen Fabriken (in China?) nicht wert wäre.

“Kaufe endlich mal was, du Schurke”, las ich zwischen den Zeilen.

Leider habe ich aber schon alles, außer eben “richtige” Schutzbleche. Also werde ich wohl oder übel demnächst ins Stadion fahren, mir wie immer das Papierschutzblech auf den Kopf legen, damit die Bierduschen nicht meine Frisur in Unordnung bringen, und es dann einfach auf Platz 37 liegen lassen.

Wer schon genug andere Sachen gekauft hat und noch kein Papierschutzblech besitzt, kann es dort abholen.