Kategorie-Archiv: Durch Fauna und Flora

Durch Fauna und Flora

Dreck

Ich stehe hier und schmeiß mit Dreck.
Wenn es dich stört, dann schau halt weg.
Mit Dreck zu baden ist nicht „arks“,
das wusste schon der alte Marx:
Der Dialektik hoher Thron —
die Negation der Negation.
So putze dich mit Kohlenstaub
und wälze dich im Moderlaub
und schmier dich an der Kette.
Dann ab ins weiße Bette.

Das Sonett vom Wildkraut

Ich möchte wie Wildkraut sein,
klug lauernd und zäh
unter dem Frühlingsschnee,
kaum sichtbar im Sonnenschein.

Ich mach mich beim Jäten klein.
Kein Gift tut mir weh,
wackel nur mit dem Zeh
und pass einen Kieselstein.

Ich kriech der Gärtnerin,
wenn sie im Grase liegt
zart an das Bein.

Leis seufzend sinkt sie hin.
Wie sie sich an mich schmiegt,
ihr Wildkräutlein.

Ende einer Wanderung

Drei Spatzen bratzen auf den Zweigen.
Zwei Raben tanzen ihren Reigen
um einen Bussard. Armes Tier.
Ich schreite. Dabei graut es mir,
wenn ich der Autobahn gedenke,
auf die ich meinen Wagen lenke
mit stillem Bangen allzu bald.
Ade euch Wiesen, Auen, Wald —

ach könnt ich still den Körper betten
hier zwischen Kiefern und Zypretten
auf weicher Nadeln süßem Flaum.
Nur liegen unterm Wolkenschaum!
Doch leider ist das streng verboten.
So roll ich unter Vollidioten
nach Haus zu Deinem roten Mund.
Na schön, das ist ein guter Grund.

Momentaufnahme

Vor wenig Monden buntes Laub.
Jetzt singt mich schon die Amsel taub,
und Blüten drängen aus den Zweigen. 
Die Zwerge tanzen einen Reigen.

Das Silber schmurgelt in der Pfanne.
Verwegen kreist die Branntweinkanne
und wirft die wackren Trinker nieder.
Blau senkt die Nacht sich auf den Flieder.

Von Aachen herrscht der Lenz bis Zerbst.
Nun preise ihn. Denn bald ist Herbst.