Kategorie-Archiv: Durch Fauna und Flora

Durch Fauna und Flora

Ende einer Wanderung

Drei Spatzen bratzen auf den Zweigen.
Zwei Raben tanzen ihren Reigen
um einen Bussard. Armes Tier.
Ich schreite. Dabei graut es mir,
wenn ich der Autobahn gedenke,
auf die ich meinen Wagen lenke
mit stillem Bangen allzu bald.
Ade euch Wiesen, Auen, Wald —

ach könnt ich still den Körper betten
hier zwischen Kiefern und Zypretten
auf weicher Nadeln süßem Flaum.
Nur liegen unterm Wolkenschaum!
Doch leider ist das streng verboten.
So roll ich unter Vollidioten
nach Haus zu Deinem roten Mund.
Na schön, das ist ein guter Grund.

Momentaufnahme

Vor wenig Monden buntes Laub.
Jetzt singt mich schon die Amsel taub,
und Blüten drängen aus den Zweigen. 
Die Zwerge tanzen einen Reigen.

Das Silber schmurgelt in der Pfanne.
Verwegen kreist die Branntweinkanne
und wirft die wackren Trinker nieder.
Blau senkt die Nacht sich auf den Flieder.

Von Aachen herrscht der Lenz bis Zerbst.
Nun preise ihn. Denn bald ist Herbst.

Party?

Wer dir einen Vogel raubt,
ist zur Feier nicht erlaubt,
ist gewiss nicht zugelassen,
kuckt verstimmt, wie andre prassen.

Selber schuld, doch kurze Frage
zu den Regeln dieser Tage:
Wieviel dürfen abends hocken,
Bier und Gummitiere schlocken?

Wer wieviel plus Hausstand eins
(eine, drei, sechs oder keins)?
Täglich wandelt sich die Regel.
Ich setz trotzdem schon das Segel.

Im genehmigten Umkreis

Prost mit heißem Apfelsaft.
Bürger latschen umeinander.
Sonne sammelt wieder Kraft.
Auf Moränen folgen Sander.

Urstromtäler gut gefüllt
mit gebrauchten Wassermassen.
Heeme ist das Haus vermüllt,
also draußen Tassen fassen.

Apfelsaft? Ist nicht genug.
Wie soll der mich denn erheitern?
Viertel Calvados ist klug,
das Erlebnis zu erweitern.

Wie der Trunk uns Freude bringt!
Köpfe reichen zu den Sternen!
Schade, dass es nicht gelingt,
alle Wolken zu entfernen.

Kein Laich?

Karl Gong, dem von seiner Unangetrauten permanentes Versagen in biologischen Fragen vorgeworfen wurde, wagte es nicht, seine Angebetete auf die beim Spaziergang um den Dorfteich gesichteten Fischeier, die sich unter dem Eis in erstaunlich linearen Formationen darboten, hinzuweisen, aus Angst, er würde sich wieder einmal blamieren und die Strafe für seine Ahnungslosigkeit auf bzw. mit dem Fuß empfangen, also spann er im Stillen weiter, worum es sich handeln könnte, zum Beispiel um kybernetische Manifestationen einer durch Reptiloide befeuerten künstlichen Intelligenz, bis er von einer angedeuteten Backpfeife der Holden erwachte und die Frage vernahm, ob denn eigentlich der Kaviar im Kühlschrank schon vergammelt wäre, denn weder zu Weihnachten noch zu Neujahr und schon gar nicht während der bedauerlichen Exzesse zu Silvester sei dieser zum Einsatz gekommen, usw. usf.

Karl Gong straffte sich schmunzelnd und nahm die Frage als Kompliment für seine leider nicht geäußerten Kenntnisse der Teichfauna, insbesondere die Fischeier betreffend, entgegen.

Schilfgefieder

„Ach, ich kehr so gerne wieder
zu des Teiches Schilfgefieder.“

„Weiter nichts? Nichts mehr zu sagen?“
„Nun, ich könnt noch etwas klagen,
aber nicht hier heut am Teich.
Sieh doch nur: der Frösche Laich!“
„Das ist doch kein Laich. Niemals!
Nicht des Frosches, nicht des Aals.
Bläschen Luft, im Eis gefangen!“
„Ja ja ja!“

Wir sind gegangen.