Kategorie-Archiv: Geerdet & kurzgeschlossen

Geerdet & kurzgeschlossen

Die Zähne und der Müll

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Am Waschbecken kann man prima Zähne putzen

Der kleine Herr Schönleben erinnerte sich eines Tages staunend, dass sein Zahnarzt ihn angewiesen hatte, zweimal täglich die Zähne zu putzen. Er strebte dem Waschbecken zu, suchte Zahnbürste und Zahncreme aus verschiedenen Kommoden zusammen und betrachtete sich lange und aufmerksam im Spiegel, ohne seinem Blick ausweichen zu müssen. Dann wurde seine Aufmerksamkeit plötzlich vom unten auf der Straße rumorenden Müllwagen in Anspruch genommen, er vergaß seine Zähne und lief aufgeregt durch die Wohnung, um die verschiedenen Mülleimer einzusammeln und nach unten zur Tonne zu bringen. Zu spät natürlich, leer und stinkend nahm die Tonne die vergammelten Produkte in Empfang, aber ein schlechter Plan ist immer noch besser als gar kein Plan, wie es so schön unter Schachweltmeistern heißt.

Irgendwann brach überraschend die Nacht herein, die Stadt legte sich schlafen, und der kleine Herr Schönleben stand ihr in nichts nach.

Ineffizienter Lebensweg

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Beispielfoto: Lebensweg

Mein Weg führt nicht von A
gerad nach Omega.
Ich wandele verschlungen,
die Planung ungelungen.

Ich kenn mich gar nicht aus.
So wie die Fledermaus
schieß ich nach unten, oben,
die Brauen stets gehoben,

nach links und wieder links.
Ich glaube fast, ich brings
auf mindest! doppelte Distanz,
und wenn du lachst, ist mir das ganz

schnuppe,
Puppe.

Das kleine Lied von den Alternativen

windradabend

Das Braunkohleloch unsichtbar hinter Dämmen.
Das Endlager hinter dem fernen Ural.
Das ölige Meer unter schwarzen Schlämmen.
Fein-fein. Nur das Windrad erzeugt in mir Qual.

Wo der Strom herkommt, will ich nicht sehen.
Ich will auch nichts hören. Ich bin ein Ästhet.
Das muss doch geräuschlos und unsichtbar gehen.
Zum mindesten da, wo mein Reihenhaus steht.

Der Kaffee zum Tagesbeginn

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Am Kühlschranks mit Löffel

Als der kleine Herr Schönleben morgens die Küche betrat, stieg ihm der unwiderstehliche Duft frisch aufgebrühten Kaffees in die Nase. Hastig trank er, obwohl heiß, die Tasse in einem Schluck aus und fühlte sich sehr männlich und unbesiegbar. Nur schwer konnte er der Versuchung widerstehen, sich auch noch einen Zigarillo anzuzünden, um dem verlockenden Exzess weitere Nahrung zu geben. So schob er nur einen Stuhl an den Kühlschrank heran, den er, mit einem Löffel bewaffnet, erklomm, um eine große Schale Marmelade rückstandsfrei auszulöffeln. Dann warf er die Kühlschranktür zu, zerrte den Stuhl wieder scharrend an den Tisch und widmete sich seiner Tätigkeit im schöpferischen Marketing, um die Sippe zu ernähren und die Welt schlimmer zu machen.

Die Cloud ist aus deinem Leben nicht mehr wegzudenken, und sie ist real

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Cloud (Beispielfoto)

Das erläuterte uns ein Experte in Sachen Cloudsachen (gibt es!), und noch viel mehr. Er ist der Meinung, man kann auch alles Mögliche in die Cloud hochladen, und auch runter.

Das solltest du einmal probieren. Lade einfach Sachen in die Cloud, die du nicht mehr haben willst, die dich nerven, oder die sinnlos rumstehen, wie zum Beispiel deine Kumpels am Freitagabend (Scherz). Du kannst sie später alle wieder runterladen, aber du kannst das auch lassen.

Das ist das Geile an der Cloud, wenn wir den Experten richtig verstanden haben, was schwer war.

Jedenfalls gibt es einen Knopf „Cloud“ an deinem Smartphone (geil), da drückst du drauf, dann stimmst du allem zu, was dein Smartphone dich fragt, und schon kann es losgehen.

So einfach hatten es deine Eltern nicht, aber denen geschieht das auch ganz recht.

Hi five! Check the cloud, folks.

Ein Beitrag der feschen Lipsigrad-Jugendredaktion

21 Uhr

rot

Heute brauch ich Trost.
Ekel war der Tag.
Geht hier gleich die Post
mit dem Stundenschlag

ab jetzt oder was?
Lärm sei der Altar.
Springen soll das Glas,
das grad voll noch war.

Springen will ich auch,
hoch und vor, zurück.
Fremdes Knie im Bauch.
Danke. Endlich Glück.

Waffenlose Gefahrenabwehr (geht doch)

griesgram

Bist du traurig, kommt kein Schwein,
um mit dir zu feiern.
Doch es bricht auch keiner ein,
greift frech nach den Eiern,

die du selber essen willst.
Stell hinter die Gruben*,
zu ersparen, dass du killst
einen bösen Buben,

einfach eine Plastik hin,
Traurigkeit zu zeigen.
Keinem kommt es in den Sinn,
bei dir einzusteigen.

*) Klär- oder Jauchegruben, was sich eben so findet

Aus der religiösen Praxis

dachaufbauten

Als der Herr Pfarrer nach langer Zeit wieder einmal schnaufend auf den Turm geklettert war, um nach den Glocken zu sehen, wunderte er sich über die seltsamen Aufbauten auf dem Dach seiner Kirche, die ihm so gar nicht bekannt vorkamen, meinte aber, es würde schon seine Richtigkeit haben mit der Kreativität des Architekten oder des Dachdeckers, oder wer auch immer den Einfall hatte, diese Gewächse zwischen die Schindeln zu pflanzen, der HErr würde sie, wenn sie Ihm nicht gefielen, ja einfach mit zornig gesendeten Blitzen auf den sowieso ramponierten Rasen neben dem Haupteingang schleudern können, und sonst sah sie keiner, nicht einmal der Denkmalschutz.

Indes, der HErr hatte eigentlich besseres zu tun, und würde Er seine Energie auf die Pulverisierung der albernen Türmchen verwenden, würde der Herr Pfarrer ausnahmsweise ganz schön böse auf den HErrn sein, Ihm allerdings nicht die Gefolgschaft kündigen.

So waren seine Gedanken, als er die Treppe hinuntereilte, denn es war kurz vor zwölf Uhr, und gleich würden die Glocken einen Höllenlärm veranstalten.