Kategorie-Archiv: Geerdet & kurzgeschlossen

Geerdet & kurzgeschlossen

Aus der religiösen Praxis

dachaufbauten

Als der Herr Pfarrer nach langer Zeit wieder einmal schnaufend auf den Turm geklettert war, um nach den Glocken zu sehen, wunderte er sich über die seltsamen Aufbauten auf dem Dach seiner Kirche, die ihm so gar nicht bekannt vorkamen, meinte aber, es würde schon seine Richtigkeit haben mit der Kreativität des Architekten oder des Dachdeckers, oder wer auch immer den Einfall hatte, diese Gewächse zwischen die Schindeln zu pflanzen, der HErr würde sie, wenn sie Ihm nicht gefielen, ja einfach mit zornig gesendeten Blitzen auf den sowieso ramponierten Rasen neben dem Haupteingang schleudern können, und sonst sah sie keiner, nicht einmal der Denkmalschutz.

Indes, der HErr hatte eigentlich besseres zu tun, und würde Er seine Energie auf die Pulverisierung der albernen Türmchen verwenden, würde der Herr Pfarrer ausnahmsweise ganz schön böse auf den HErrn sein, Ihm allerdings nicht die Gefolgschaft kündigen.

So waren seine Gedanken, als er die Treppe hinuntereilte, denn es war kurz vor zwölf Uhr, und gleich würden die Glocken einen Höllenlärm veranstalten.

Verpasste Chance

lochblech

Eines Tages bemerkte Karl Gong, der in permanenter Überforderung durch die Unübersichtlichkeit der Welt langsam die Orientierung zu verlieren begann, im sinnlos flirrenden Spiel der Gedanken, der Laute und der Lichter plötzlich ein System, eine Ordnung, ein Muster, und beglückt atmete er schneller, japste gar, und raunte: “Das ist es! Da ist es!” in der Annahme, dass ihm nun der Halt wieder zuteil würde, den er dringend benötigte, um mit sich, dem Universum und der Lebensgefährtin einigermaßen auskommen zu können, da wurde es dunkel und der Lärm von der Bühne hob an.

Karl Gong im Strudel des Seins

karton

Eine seltsame Gelenktheit und Ungelenkigkeit ergriff Besitz von Karl Gong, dem eigentlichen Stoiker, der nichts fürchtete außer der Verpflichtung, Pakete mit Waren zu retourieren, die man ihm zugeschickt hatte und die er aufgrund von fertigungstechnischer Schlamperei sogleich zu zerbrechen trachtete, dann aber nur wutschnaubend im Zimmer hin und her und im Kreise schob, augenrollend und vor sich hin muffelnd, klagend und greinend; diese Pakete also wieder zurückschicken zu müssen, erfüllte ihn mit Gram und Panik, denn persönliches Erscheinen in der Zentralen Rücksendestelle war geboten, die er nicht nur ihrer schieren Existenz, sondern auch der darin beschäftigten Spezialisten wegen verabscheute.

“Ich war einmal Fertigungstechnologe, und ich weiß, wie Produkte korrekt herzustellen sind, ihr tauben Brote, jawohl!” schrie er die tauben Mauern seines Gehäuses an, die fade zurückschwiegen, obwohl sie nicht aus Brot waren.

Wie ein Tiger im Käfig schlich er an der Schrankwand entlang, machte am Plattenspieler kehrt, dann an der Minibar, immer auf und ab, er suchte nach Lösungen, Verschenken an ungeliebte Verwandtschaft war keine Option, Freunde besaß er seines Wissens nicht, und das Produkt im Garten zu vergraben verbot ihm der Gedanke, wie die Holde es beim Roden der allgegenwärtigen Silberdistelableger fragenden Blickes hervorziehen würde.

Die Holde, für die das Produkt eigentlich gedacht war, würde zu ihm stürmen, die zum jetzigen Zeitpunkt offensichtlichen Mängel aufgrund des Verrottungszustandes nicht mehr erkennen können und ihm jauchzend mitteilen, was für ein schönes Stück sie soeben im Garten fand, etwas, das sie sich schon immer gewünscht habe, zwar durchaus angegriffen, aber anscheinend funktionstüchtig, und sie würde ihn, Gong, fragen, warum er noch nie auf die Idee gekommen wäre, ihr genau so etwas zu schenken, er kenne sie eben nicht, interessiere sich nicht für sie, höre nie zu, etc. pp.

Karl Gong vergrub das Produkt im Garten.

Nachts über dem Hafen

hafen2

Seit die Kinder nur noch daddeln,
nicht mehr wild im Becken paddeln
oder von der Mole huppen
in gefährlich großen Gruppen,
hat der liebe Rettungsschwimmer
im beheizten Ausguckzimmer
auch einmal ein Bierchen offen
(alkoholfrei, bleibt zu hoffen).
“Prost”, ruft es vom Hafen forsch.
Draußen fangen Fischer Dorsch.

Der Kloß

hafen1
Beispielfoto: Hafen als Standort

Weil ich Sie grade treff,
Herr Chef,
Reiseleiter,
unser Begleiter,
von Ihnen ein Grußwort
hier am Hafen als Standort,
also,
hoho,
war der Rhodos-Kloß
nur einfach groß
oder gar gigantisch-riesig,
– vor Aufregung nies ich –
quasi im ganzen kloßal,
phänomenal
und somit äußerst beachtlich?
Dies fracht dich
der Tourist,
der nun mal hier ist,
ausgehungert
rumlungert
und sich versucht vorzustellen
den gänzlich virtuellen,
weil leider verschwundenen,
nie wieder gefundenen
Kloß
von Rhodos.

Vom Renegatentum

Karl Gong, sonst kein Kind von Traurigkeit, ward befallen von einem taglangen Trübsinn, ausgerechnet als alle andern ihre frohe Ausgelassenheit ausstellten mit knirschenden Gesichtern, singenden, schlingenden und letztlich aufspringend schwallenden Mündern, ihre Herrschaft über alles in der Welt bekräftigten und die über sich verloren, noch besudelt im Straßengraben krakeelend, bis sie in stabiler Seitenlage zum Verstummen gebracht wurden.

Als das Geschrei und die Tumulte verebbten, verließ Gong die Schauplätze des Geschehens, schwankte, langsam sich aufhellend und fast schon froh, heim in seine fensterlose Kammer zu seinem kleinen Kühlschrank und verprobte diverse Kostbarkeiten, bis er selbst, für andere unhörbar hinter dicken Mauern, unflätige Lieder plärrte, in die Hände klatschte und schließlich gegen das Regal mit den Amiga-Schallplatten fiel, das, soviel sei zum Abschluss verraten, zum Glück keinen Schaden nahm.

Sinnbild

mahlzeit

Zwiebel, Knoblauch, Brot und Wein –
so soll unser Leben sein.
Nur die scharfen Klingen stören
das Befinden. Doch gehören
zu der guten Zeit, der wahren,
auch die lauernden Gefahren,
schlitzen dir, tust du nicht gucken,
deinen Pelz beim Rotweinschlucken.
Paare also den Genuss
stets mit Wachheit. Prost und Schluss.