Kategorie-Archiv: Geerdet & kurzgeschlossen

Geerdet & kurzgeschlossen

Sinnbild

mahlzeit

Zwiebel, Knoblauch, Brot und Wein –
so soll unser Leben sein.
Nur die scharfen Klingen stören
das Befinden. Doch gehören
zu der guten Zeit, der wahren,
auch die lauernden Gefahren,
schlitzen dir, tust du nicht gucken,
deinen Pelz beim Rotweinschlucken.
Paare also den Genuss
stets mit Wachheit. Prost und Schluss.

Vom Pop

tourbus

Karl Gong, der bekannte Guitarrist, saß seinem Manager Sven-Niels P. gegenüber, von dem er gerade gehört hatte, dass seine Demobänder zu nichts taugten, als sich möglicherweise die Knöchel damit zu bandagieren, und überlegte, welche der hochwertigen Guitarrensaiten, die er stets für Notfälle mit sich führte, am besten zum Erwürgen des P. geeignet wäre, wahrscheinlich E, denn P. hatte einen dicken Hals.

“Karl”, sagte P., der fälschlicherweise vom Fortbestehen einer harmonischen Beziehung zwischen ihnen beiden ausging, “Karl, bei deinen neuen Stücken kriege ich einen dicken Hals. Schreib doch mal was flottes, lebensbejahendes, nicht immer dieses deprimierte Gegreine, das hält ja kein Mensch aus, da möchte man sich ja an der E-Saite aufhängen.”

Karl Gong seufzte, sah von seinem Vorhaben ab, denn es wäre ihm nun wie ein Plagiat der Idee des P. vorgekommen, und nichts verabscheute er so wie Plagiate; er schlich zum klapprigen Tourbus, in dem er mittlerweile zu wohnen gezwungen war, und schrieb einen deprimierten Song, den er die halbe Nacht lang greinend einübte.

Aus der Welt der Chirurgie

Heute nacht hatte ich zwei Operationen an offenen Herzen auszuführen. Irgend etwas war mit den Herzklappen, ich wusste zwar nicht genau, was zu tun war, aber das Vertrauen in meine Fähigkeiten war ungebrochen, also nahm ich den Föhn, der mir für den Eingriff das geeignetste Werkzeug zu sein schien, und föhnte so lange in das Herz hinein, wie mir angeraten erschien. Alles verlief zufriedenstellend, das Herz schlug ohne die geringste Beanstandung, ich nahm diverse Glückwünsche entgegen; den Patienten oder die Patientin allerdings bekam ich nicht zu Gesicht, da ich dringend fort musste. Später wurde mir noch ein zweites Herz mit einem ähnlichen Schaden hingestellt, den ich beheben sollte, allerdings fand ich den Föhn nicht mehr und musste mit einer Art Bunsenbrenner vorliebnehmen. Viel zu spät wurde mir bewusst, dass die erzeugten Temperaturen etwas zu hoch sein könnten, denn normalerweise arbeitete ich ja mit einem Föhn, schon begann es, angebrannt zu riechen; das schlechte Gewissen, Schamgefühle und die Angst vor Konsequenzen trieben mich dazu, so schnell wie möglich den Operationssaal zu verlassen und mich anderen Beschäftigungen zu widmen.

Von Gedichten

grabstein
Kein Gedicht (Beispielfoto)

Wehe, Pangasius,
geflügeltes Pferd
Was ist die Dichtkunst
denn heute noch wert?

Das Volk kauft Schwarten
von hunderten Seiten.
Über Geschmack lässt sich
wahrlich nicht streiten.

Die Welt um uns voll
von endlosem Schwafeln.
Gereimt? Wird noch brav
an Geburtstagstafeln,

Pegasus kommt als
gebratener Fisch
zu einer Ballade
frisch auf den Tisch,

Hochroten Kopfes
wird vorgelesen
Reim dich oder ich
fress einen Besen.

Fass dich und lese
kurz und prägnant.
Das hat man früher
Lyrik genannt.

Fazit eines Arbeitslebens

grille
Künstliche Intelligenz (Beispielfoto)

Karl Gong, der bekannte Büroarbeiter, brachte seine Tage mit Tätigkeiten herum, von denen er wusste, dass sie in wenigen Jahren von einer künstlichen Intelligenz erledigt werden würden, die nicht einmal halb so intelligent zu sein bräuchte wie er selbst. Genau genommen würde nicht einmal eine künstliche Intelligenz vonnöten sein; eine künstliche Trottellumme, ein künstliches Huhn oder ein künstlicher Hamster wären völlig ausreichend.

Mit diesem Wissen und der Ahnung, dass das Füllhorn seiner beruflichen Verheißungen mittlerweile ausgespien war, beschloss Karl Gong, sich in sein Schicksal zu begeben, und hoffte nur noch, dass der Tag der Übernahme durch die Trottellumme in etwa dem seines Renteneintritts entsprechen möge.

Im Überschwang

vodka

Wohlsein! Prost! Das Wässerchen im Glas
perlt nur schüchtern, doch verheißt es Spaß.
Und die goldnen Sternlein am Pullunder
blinken hell und wild wie frischer Zunder.
Wär grad Frühling, rollten wir durchs Gras
oder flögen durch das Wasser wie die Flunder.
Auf der Welt bin ich, es ist ein Wunder!
Darauf lass uns trinken ohne Maß!