Kategorie-Archiv: Geerdet & kurzgeschlossen

Geerdet & kurzgeschlossen

Von der Gastfreundschaft

Karl Gong, der auf einer seiner Inspektionsreisen über die von der Unangetrauten neuerdings „billig, das glaubst du nicht“ erworbenen Liegenschaften eine feldherrenhügelartige Anhöhe bestieg und bei Fotografenwetter und -bewölkung plötzlich eine Art Binnenmeer unter sich liegen sah, schauderte leicht, suchte sich eine Astgabel für besseren Ausblick, entschärfte das alte Jagdfernglas und erspähte zu allem Überfluss eine Art Seebrücke, ein wenig malade, aber nach schreinermäßiger Überarbeitung, zu der ihn die Holde mit zuckersüßen Worten gewiss bald drängen würde, sicher geeignet, das eine oder andere Kreuzfahrtschiff, vielleicht auch einen Fischkutter oder Panzerkreuzer oder Hubschrauberträger in Not zum Landgang zu animieren, er sah sich schon mit diversen Urlaubsreisenanbieterkonzernen kommunizieren und eine gemütliche Speisung der Tausende anbieten, mit der Holden als strahlender Gastgeberin, Bier vom Fass und Fettbemmen mit saurer Gurke, den örtlichen Traditionen der Gastfreundschaft entsprechend, aber zunächst einmal würde er sich auf einer Karte vergewissern müssen, zu welcher Region sein frisch erworbener Besitz zu zählen sei, um mit den angepriesenen Traditionen keinen Fauxpas zu begehen (Labskaus? Palatschinken? Tiramisu? Köfte?).

Auf dem Sonnendeck

Ich habe hier
ein volles Bier
und noch ein Süßgetränk:
Das ist heut mein Geschenk.

Was du nicht willst,
was du nicht killst,
das schlürf ich gnädig leer.
Fällt mir weiß Gott nicht schwer.

Doch sollte dir
nicht sein nach Bier
und nicht nach Zuckersaft,
wird beides auch geschafft

allein durch mich.
Das glaubstu nich?
Na siehste. Küsschen. Probst.
Und nimm dir gern das Obst.

Das schlampige Sonett vom vorderen Salon

Von dieser Reise das Bonbon
ist klar der vordere Salon.
Den will mit seinen fuffzig Plätzen
ich ganz allein mit dir besetzen.

Denn zählst du im Kalender mit,
so hab ich Grund zu diesem Schritt:
Wir werden hier die Gläser heben
auf alle Tage Überleben

in schwerer, dunkelgrauer See
auf rosarotem Kanapee.
Dann schippern langsam wir ins Koma.

Und sinken wir vor Juliusruh,
spielt die Kapelle schräg dazu
vom Kreuzfahrtdampfer „La Paloma“.

Korrekturwunsch

Gerade Christo-Epigonen
sollten sich nicht zu sehr schonen.
Die Idee kann nur verfangen,
wenn die großen Tücher hangen

nicht nur an den Simsen, Traufen —
Linnen weiß an Gummischlaufen —
sondern auch vor Fensterscheiben.
So, Kollegen, kanns ni bleiben!

Wie schlimm wird die Schafskälte?

Meteorologen warnen: Die auf den 11. Juni (morgen) terminierte Schafskälte könnte bisher ungekannte Ausmaße annehmen! „Da ist eigentlich alles möglich, heutzutage“, fürchtet ein Meteorologe, und ein anderer bestätigt: „Es wird schlimm werden! Ganz schlimm!“

Lassen wir uns überraschen. Bisher wurde es ja meistens immer noch ein kleines bisschen schlimmer! Fest steht jedenfalls, dass es schlimm wird! Aber wie schlimm? Das ist die Frage!

Ich gebe zurück ans Funkhaus.

Das schlampige Sonett vom Wiesengrund

Ach, ich will dir Blümchen schenken
und in deinem Herz versenken.
Alte Blätter und ein Ästchen
dienen dabei als Konträstchen,

denn es leuchtet Blütenglanz
in den Augen erst so ganz,
wenn er strahlt vor fahlen Farben:
Glück ist nur, wenn wir auch darben.

Stete Sonne lässt uns stöhnen,
schwärmen von des Regens schönen,
überflutenden Exzessen.

Also lass uns stets genießen,
nicht an Dreck und Schmott verdrießen
und erstmal was Schönes essen.

Fatalismus light

​Das zeigt, was die Zukunft ist:
Wolken, Nebel (englisch: Mist).
Keiner weiß etwas genaues.
​Ich, im Zentrum des Verhaues

​wilder Lebenslauf-Entwürfe
​(wo ich fleißig Cocktails schlürfe)
sag mir: Es ist eh ganz Wurst.
Hauptsache, es hält der Durst.

Abenteuer des Treppenhauses

Auf zur Pokerrunde mit den Bleichgesichtern!

Der kleine Herr Schönleben, der schon seit einigen Wochen das Treppenhaus seiner Wohnanlage mit Westernkostüm und Zündplättchenrevolver unsicher machte, weil er mittlerweile eine aggressive Form von Laptopphobie entwickelt hatte, suchte auf Anraten seines Therapeuten Zuflucht in einem streng getakteten Tagesablauf. Geweckt wird seitdem 0700 mit Fanfarenstößen, 0900 erscheinen die Rindviecher (Chef, Art Director) auf dem Monitor und werden mit Peitschenschlägen bedacht, Punkt 1000 wird der Postkutsche aufgelauert und 1230 beginnt die gemütliche Pokerrunde im Dürüm Kebab Saloon unten rechts. Alle weiteren Abenteuer des Tages ergeben sich aus der Tauglichkeit der Spielkarten, denn man spielt nicht nur um Geld, sondern auch um Urlaubstage, Freizeitausgleich und die betriebliche Altersvorsorge, was der Brisanz der Angelegenheit durchaus zuträglich ist.