Kategorie-Archiv: Geerdet & kurzgeschlossen

Geerdet & kurzgeschlossen

Aus der Welt der Chirurgie

Heute nacht hatte ich zwei Operationen an offenen Herzen auszuführen. Irgend etwas war mit den Herzklappen, ich wusste zwar nicht genau, was zu tun war, aber das Vertrauen in meine Fähigkeiten war ungebrochen, also nahm ich den Föhn, der mir für den Eingriff das geeignetste Werkzeug zu sein schien, und föhnte so lange in das Herz hinein, wie mir angeraten erschien. Alles verlief zufriedenstellend, das Herz schlug ohne die geringste Beanstandung, ich nahm diverse Glückwünsche entgegen; den Patienten oder die Patientin allerdings bekam ich nicht zu Gesicht, da ich dringend fort musste. Später wurde mir noch ein zweites Herz mit einem ähnlichen Schaden hingestellt, den ich beheben sollte, allerdings fand ich den Föhn nicht mehr und musste mit einer Art Bunsenbrenner vorliebnehmen. Viel zu spät wurde mir bewusst, dass die erzeugten Temperaturen etwas zu hoch sein könnten, denn normalerweise arbeitete ich ja mit einem Föhn, schon begann es, angebrannt zu riechen; das schlechte Gewissen, Schamgefühle und die Angst vor Konsequenzen trieben mich dazu, so schnell wie möglich den Operationssaal zu verlassen und mich anderen Beschäftigungen zu widmen.

Von Gedichten

grabstein
Kein Gedicht (Beispielfoto)

Wehe, Pangasius,
geflügeltes Pferd
Was ist die Dichtkunst
denn heute noch wert?

Das Volk kauft Schwarten
von hunderten Seiten.
Über Geschmack lässt sich
wahrlich nicht streiten.

Die Welt um uns voll
von endlosem Schwafeln.
Gereimt? Wird noch brav
an Geburtstagstafeln,

Pegasus kommt als
gebratener Fisch
zu einer Ballade
frisch auf den Tisch,

Hochroten Kopfes
wird vorgelesen
Reim dich oder ich
fress einen Besen.

Fass dich und lese
kurz und prägnant.
Das hat man früher
Lyrik genannt.

Fazit eines Arbeitslebens

grille
Künstliche Intelligenz (Beispielfoto)

Karl Gong, der bekannte Büroarbeiter, brachte seine Tage mit Tätigkeiten herum, von denen er wusste, dass sie in wenigen Jahren von einer künstlichen Intelligenz erledigt werden würden, die nicht einmal halb so intelligent zu sein bräuchte wie er selbst. Genau genommen würde nicht einmal eine künstliche Intelligenz vonnöten sein; eine künstliche Trottellumme, ein künstliches Huhn oder ein künstlicher Hamster wären völlig ausreichend.

Mit diesem Wissen und der Ahnung, dass das Füllhorn seiner beruflichen Verheißungen mittlerweile ausgespien war, beschloss Karl Gong, sich in sein Schicksal zu begeben, und hoffte nur noch, dass der Tag der Übernahme durch die Trottellumme in etwa dem seines Renteneintritts entsprechen möge.

Im Überschwang

vodka

Wohlsein! Prost! Das Wässerchen im Glas
perlt nur schüchtern, doch verheißt es Spaß.
Und die goldnen Sternlein am Pullunder
blinken hell und wild wie frischer Zunder.
Wär grad Frühling, rollten wir durchs Gras
oder flögen durch das Wasser wie die Flunder.
Auf der Welt bin ich, es ist ein Wunder!
Darauf lass uns trinken ohne Maß!

Im Lichte betrachtet

schatten

Obwohl Karl Gong, dem Dialektiker, nichts ferner lag als Schwarzweißdenken, fragte er sich manchmal, wenn die Sonne auf besonders unverschämte Weise in die Kemenaten bretterte, so dass sie sägende Schatten auf den Fußboden warf, ob er sich nicht auch gelegentlich klarer positionieren sollte, schärfer sein in seinen Urteilen, unversöhnlicher den Feinden und enthusiastischer den Freunden gegenüber, nicht so lau und zögerlich und aufs Gramm abwiegend und vorsichtig mit Zwischentönen hantierend, sondern im harten Licht der eingebildeten Wahrheit das Dunkle, das Böse benennen und geißeln usw. usf. –lange und unangestrengt guckte er in solchen Momenten auf seine Füße, dachte nochmals erschöpfend nach und entschied endlich: Nö.

Verschlungene Wege der Nächstenliebe

fluegeldach
Obdach (Beispielfoto)

Letztens kaufte Karl Gong auf der Straße mal wieder jene Zeitung, die sich das Wohl der Obdachlosen auf die Druckfahnen geschrieben hat. Er findet die Leute nett, die sie verkaufen, und ich, Gong, tue Gutes, denkt er. Seht her, wie ich sie kaufe!

Zu Hause schlug er das Blättchen auf und blieb sogleich bei den Literaturempfehlungen hängen:

“Denke nach und werde reich”
“Der überlegene Weg zum Erfolg”
“Die 48 Gesetze der Macht”
“So erreichen Sie, was Sie wollen”
“Bigger, Leaner, Stronger (…der natürliche Weg zum idealen Männerkörper)”
“Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen”

Soso, dachte Karl Gong, und: Aha. Soso.

Zusammenfassung

gose

Also noch ein paar
in der flachen Sonne.
Gammlig fliegt das Jahr
in die Altglastonne
oder in den Karpfenteich.
Ist eh gleich,
ist abbaubar,
dieses Jahr.

Danke für die Blumen
und die Kuchenkrumen.
Bitte für die kommenden:
Friede sei den Frommen, denn
das erspart den Heiden
allzu schlimmes Leiden.