Archiv für den Monat: Januar 2021

Im Banne des Unaussprechlichen

Der kleine Herr Schönleben irrlichterte immer noch im Weihnachtsmannkostüm, das er am ersten Feiertag beim Getränkehändler „ausgeliehen“ hatte, durch seine Wohnräume. Er inspizierte die Geschenke, die wie von Zauberhand über ihn gekommen waren, und wunderte sich jeden Tag, dass keines der schönen Stücke durch die Mitbewohner entwendet wurde. Am besten gefiel ihm ein großes buntes Bild, das ihm irgendwie aus dem Fernsehen bekannt vorkam. Er konnte sich gar nicht daran sattsehen, vergaß dann oft zu schlucken und bekam einen fürchterlichen Hustenanfall, der ihn für die Dauer des haltlosen Röchelns sehr erschreckte. Schließlich aber wandte er sich wieder freudig den vielfältigen Farben und Formen der unbekannten Lebensform zu, die hier abgebildet zu sein schien.

Im genehmigten Umkreis

Prost mit heißem Apfelsaft.
Bürger latschen umeinander.
Sonne sammelt wieder Kraft.
Auf Moränen folgen Sander.

Urstromtäler gut gefüllt
mit gebrauchten Wassermassen.
Heeme ist das Haus vermüllt,
also draußen Tassen fassen.

Apfelsaft? Ist nicht genug.
Wie soll der mich denn erheitern?
Viertel Calvados ist klug,
das Erlebnis zu erweitern.

Wie der Trunk uns Freude bringt!
Köpfe reichen zu den Sternen!
Schade, dass es nicht gelingt,
alle Wolken zu entfernen.

Kein Laich?

Karl Gong, dem von seiner Unangetrauten permanentes Versagen in biologischen Fragen vorgeworfen wurde, wagte es nicht, seine Angebetete auf die beim Spaziergang um den Dorfteich gesichteten Fischeier, die sich unter dem Eis in erstaunlich linearen Formationen darboten, hinzuweisen, aus Angst, er würde sich wieder einmal blamieren und die Strafe für seine Ahnungslosigkeit auf bzw. mit dem Fuß empfangen, also spann er im Stillen weiter, worum es sich handeln könnte, zum Beispiel um kybernetische Manifestationen einer durch Reptiloide befeuerten künstlichen Intelligenz, bis er von einer angedeuteten Backpfeife der Holden erwachte und die Frage vernahm, ob denn eigentlich der Kaviar im Kühlschrank schon vergammelt wäre, denn weder zu Weihnachten noch zu Neujahr und schon gar nicht während der bedauerlichen Exzesse zu Silvester sei dieser zum Einsatz gekommen, usw. usf.

Karl Gong straffte sich schmunzelnd und nahm die Frage als Kompliment für seine leider nicht geäußerten Kenntnisse der Teichfauna, insbesondere die Fischeier betreffend, entgegen.

Schilfgefieder

„Ach, ich kehr so gerne wieder
zu des Teiches Schilfgefieder.“

„Weiter nichts? Nichts mehr zu sagen?“
„Nun, ich könnt noch etwas klagen,
aber nicht hier heut am Teich.
Sieh doch nur: der Frösche Laich!“
„Das ist doch kein Laich. Niemals!
Nicht des Frosches, nicht des Aals.
Bläschen Luft, im Eis gefangen!“
„Ja ja ja!“

Wir sind gegangen.

Gongs Mondfahrt

Lockender Mond!

Karl Gong, der nach Bekunden seiner Unangetrauten Eine und Einzige, hatte bei einem Preisausschreiben seines Autohändlers, an dem er nicht teilgenommen hatte, aber das ist eine andere Geschichte, eine kostenlose Reise zum Mond gewonnen, nur für die Rückfahrt wäre ein gewisser Betrag zu entrichten gewesen, der sich an den zurückgelegten Kilometern orientieren würde, die allerdings, bei notwendigen Ausweichmanövern bzw. Warteschleifen, eine durchaus erhebliche Größenordnung erreichen könnten, so dass er für einen kurzen Moment in Betracht zog, den Preis auszuschlagen, aber schließlich siegten doch die Gier des glücklichen Gewinners und die Begeisterung der Holden, deren Möglichkeit der Teilnahme an dem Abenteuer auf Nachfrage leicht zähneknirschend durch den Autohändler bestätigt wurde, denn dieser hatte die Mondraketen selbst entworfen, gebaut und testweise geflogen und besaß also die absolute Befehlsgewalt, außerdem fühlte er mit den unsterblich Liebenden.

Leider, als der Termin des Abflugs schweißtreibend herangerückt war, musste das Unternehmen abgesagt werden, da unbekannte Aktivisten, die die vom Händler vertriebenen Automobile nicht mochten bzw. negative Assoziationen mit ihnen verbanden, mittels Kohlenanzünder die Gummidichtungen der Startrampe in Brand gesetzt hatten, wodurch mehrere Hektar umgebende Kiefernwälder ein Raub der Flammen und das gesamte Mondprojekt ein Opfer der Unteren Umweltbehörde wurden.

Der Kreislauf

Standhaft harrt die gelbe Tonne.
Strahlend scheint die gelbe Sonne
über fernen Wolkenfeldern.
Vollbetankt mit Notfallgeldern
fliegt uns der Paketpilot
schnaufend unser täglich Brot
aus der weiten Welt heran.
Wir entsorgen es sodann.

Weihnachten im Getränkemarkt

Nitzsche, Hofknecht, Schönleben, von links (Beweisfoto)

Der kleine Herr Schönleben hatte von seinem Getränkehändler eine Einladung zur gemeinsamen Feier des Weihnachtsfestes erhalten. Bereits am Tag danach konnte er sich nicht mehr an den Grund der Einladung erinnern, und schon gar nicht an die Feier selbst.

Wie groß war sein Erstaunen, als ihm ein Brief mit einem Foto zugestellt wurde, auf dem er mit dem Inhaber, Herrn A. Nitzsche, und dem Hofknecht des Getränkemarktes zu sehen war. Alle drei trugen Weihnachtsmannkostüme und schienen sich prima zu amüsieren. Im Brief befand sich außerdem eine Rechnung über die angeblich verzehrten Getränke, inklusive Pfand, denn „der Pfandautomat ist kaputt“.

Der kleine Herr Schönleben erstarrte, als er des geforderten Betrages gewahr wurde, beschloss nach kurzer Überlegung, nichts zu unternehmen, sich so wenig wie möglich zu bewegen und auch das Kostüm weiter zu tragen, denn es gefiel ihm, besonders die Kapuze.