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Problembär

Von den Panzerartigen

Inspiriert von der Betrachtung mehrerer Weltkriegsfilme, zu der ihn seine Mitbewohnerinnen genötigt hatten, versuchte der Problembär wie einst Die vier Panzersoldaten (und ein Hund) verschiedene panzerartige Haushaltgegenstände zu besteigen, wobei sich jedoch stets die Luke als zu wenig umfangreich erwies.

Das Anzetteln eines Krieges um die zur Neige gehenden Vorräte in den Kühlschränken und im Keller musste also vorerst unterbleiben.

Der Liebestrank

Dies ist der Liebsten Tag!
Ich gäb das letzte Hemd
und was sie sonst noch mag,
wenn sie die Arme stemmt

und mich von oben schwer
mit diesem Blick bedenkt.
Kuck, was dein lieber Bär
dir zum Gebrauche schenkt:

Ich fand in meinem Spind
Likörchen, trüb und gold.
Ach bitte, liebes Kind,
sei mir für immer hold!

Ach bitte, liebste Frau,
sei meines Glückes Pfand
mit Feile und Radau,
mit Schmieche und Verstand

allhier in meiner Kammer.
Wenn nicht: Es wär ein Jammer!

Nebengebiete des Wirtschaftslebens

winkekatze

Der Problembär, der sich als zweites Standbein (neben der Gabelstaplerei im Getränkemarkt Adolf Nitzsche in Machern – man muß nur machern) eine Raubtierdressur aufbauen wollte, scheiterte letztendlich am gnadenlosen Desinteresse der Protagonisten. Selbst das versuchsweise Wechseln der Oberbekleidung führte weder zur Beachtung der überdeutlich dargebotenen Übungskommandos noch zu einer auch nur ansatzweise erkennbaren Reaktion.

Schweren Herzens beschloss er, sein Streben nach Dominanz weiterhin im Rahmen seiner Betriebsratstätigkeit auszuleben.

Kehrseiten der Völlerei

abwasch

Noch nie hatte der Problembär den Abwasch mehr gehasst als zu Zeiten der gastronomiebereinigten Isolation der Wohngemeinschaft. Es wurde gebraten, gesotten und gekocht, dass die sprichwörtliche Schwarte krachte, und da er keinerlei Talent und Willen verspürte, Herde, Hackebeile und japanische Messer zu bedienen, fiel ihm die finale Bereinigung des Tatortes zu. Spät in der Nacht, mit berstenden Gedärmen und schlingernden Bewegungen, radaute er stundenlang in der Gemeinschaftsküche, voller Hoffnung, die Mitbewohnerinnen würden aus ihrem komatösen Schlaf erwachen und ihn ebenfalls ins Bett verweisen, oder die Gaststätten öffneten endlich wieder.

Zeitenwenden

fuenfnachzwoelf

Der Problembär, der in letzter Zeit zuviel Zeitung gelesen und ferngesehen hatte, verbrachte ganze Nachmittage an der Uhr, um sie wahlweise auf fünf vor zwölf, eins vor zwölf oder fünf nach zwölf zu stellen, je nach Aussichtslosigkeit der Situation. Irgendwann aber drang das fordernde Rattern des Kühlschranks in sein Bewusstsein, er ließ die Apokalypse Apokalypse sein und begab sich an den Küchentisch, den gut gekühlten Getränken Gesellschaft zu leisten.

Von den Gründen

Schaltung

Der Problembär, dem im Haushalt nicht nur die Beschaffung und Vertilgung der Getränke oblag, sondern auch die Wartung sämtlicher technischen Geräte, versuchte seit Stunden, mithilfe großmäulig dargebotener Internetvideos die Schaltung des einzig verbliebenen, dreckstrotzenden Haushaltsrades einzustellen, was wie alle Versuche in den Jahren zuvor natürlich nicht gelang, ihm aber die nötige moralische Grundierung verschaffte, den Weissweinkühlschrank in einem langen, zufriedenen Zug zu leeren.

So geht es nicht weiter

insekten

Wegen der viral influencten Einschränkung der Reisetätigkeit hat der Problembär als Inhaber eines sowieso nicht florierenden Hotelfachbetriebs die Politik aufgefordert, unverzüglich für Kompensation (zum Beispiel Honig oder Honigprodukte) zu sorgen, ansonsten werde man (er) den Aufstand proben und (zutreffendes hier eintragen).

Analog ist besser

platte
Mal wieder eine Platte auflegen!

Der Problembär dachte bei sich, er könne endlich wieder einmal eine Platte auflegen. Gesagt, getan, er mühte sich nicht wenig, und die besorgte Nachfrage der vom immensen, disharmonischen Lärm aufgeschreckten Mitbewohner war ihm beinahe Belohnung genug. Der folgende gründliche Belastungstest mit Hilfe aller im Haushalt verfügbaren Getränke verschaffte den Anwesenden ein feines Gefühl der Zusammengehörigkeit und rettete ihnen den ansonsten wohl mit Digitalquatsch verplemperten Abend.

Es lebe der Sommer

januar

Beendet wird der Januar
in etwa zwanzig Stunden
in meiner schönen Kellerbar
nach mindest sieben Runden.

Drum geht es schon um viere los,
dann muss ich nicht so stürzen
und kann die Zeit auf deinem Schoß
mit schlimmen Witzen würzen.

Wir heben Gläser in die Höh
und freun uns auf den Sommer.
Was? Erst noch Februar? Orr nö!
Das macht mir wirklich Kommer!

Na gut. Dann ist es eben so.
Ich will nicht zu sehr klagen.
Wir sehen uns wie heute: froh
in neunundzwanzig Tagen.

Abgründe des Immobilienmarktes

neumarkt

Der Problembär hatte eine größere Menge Geldes zurücklegen können, indem er seinen Honig nicht mehr vom Bioimker abholte, sondern beim chinesischen Internethöker bestellte. Um die Millionen nicht sinnlos auf dem Konto vergammeln zu lassen, erwarb er unter Vermittlung eines Hinterwalder Kemenatenmaklers ein geräumiges Appartement für sich und seine Kühlschränke. Tagein, tagaus verbrachte er von nun an seine Zeit am Fenster, um den phantastischen Ausblick abzuwohnen, aber schon nach wenigen Wochen war er die Ansicht der umgebenden Gebäude leid. Sie erinnerten ihn doch ein wenig zu sehr an den Genossen G. A. Potjomkin und schienen einzig zu dem Zwecke aufgestellt, als Kulisse für abendlich röhrende Nachtwächter mit gackernden Touristenhorden im Schlepptau zu dienen, die ihm das Schlafen am offenen Fenster verunmöglichten. Der Problembär ließ abermals die Spedition kommen, zog in den Frauenruheraum seines Betriebes um und verkaufte das Appartement mit beträchtlichem Gewinn.

Zwischen den Flaschen

katjuscha

Zwischen den Flaschen Jahren gerät das allgemein menschliche Spannungsfeld von Werden und Vergehen, Schaffen und Entsorgen, Ankunft und Abschied ins Blickfeld des verdient urlaubenden Angestellten. Wenn dann noch die beliebten Kriegsfilme ins Haus geliefert werden und die ersten Katjuscha-Batterien abgefeuert worden sind, spricht nichts dagegen, sich inspiriert in den Keller zurückzuziehen und die eine oder andere philosophische Erkenntnis Revue passieren zu lassen.

Die offene Bananenflanke

banane

Der Problembär hatte im Provinzrevolver gelesen, dass es demnächst keine Bananen mehr geben würde. Nicht wegen der Einführung des Sozialismus, nein, ein Pilz würde unweigerlich sämtliche Bananenpflanzen der Welt in Kürze hinwegraffen. Die einzige Chance, jemals wieder eine Banane essen zu können, wäre der Besuch von Bewohnern ferner Galaxien, auf denen der Pilz noch nicht wütet, und die in ihren klimatisierten Raumschiffen Bananen zur Stärkung mitführen, die sie noch nicht aufgegessen oder vergammeln lassen haben.

Entsetzt rannte der Problembär zum nächsten Gemüseladen, kaufte, obwohl er sich sein Lebtag überhaupt gar nichts aus Bananen gemacht hatte, ein leuchtend gelbes Exemplar, unterdrückte eine Träne und fragte sich, wie er fürderhin ohne Bananen existieren solle.

Zu Hause angekommen fertigte er unter Zuhilfenahme einer größeren Menge Eierlikörs sowie anderer Getränkeneigen und eines Mixers einen Cocktail an, dessen Verdauung ihn mehrere Tage lang beschäftigte.

Klaus!

fetzen
Der Stiefelersatzbehälter enttäuscht!

Problembär hinter Fetzen,
geschüttelt von Entsetzen:
Hier ist ja alles leer!
Kein Honig-Zimt-Likeer!
Kein Obladi-Gebäck!
Kein Tannengrüngesteck
und keine Branntweinmandeln!
Jetzt heißt es zügig handeln:
Versagt hat Onkel Nikolaus!
Der Stapler rollt zu Rotwein-Klaus.

Aktivitäten im Spiegel der Vorfreude

nikolaus

Der Problembär, von der eigenen Bedeutung berauscht und hochgradig kreativ veranlagt, gab sich nicht mit der Nikolaus-Konvention zufrieden, seine Stiefel vor die Tür zu stellen, zumal er gar nicht über solche verfügte (aus Mangel an Füßen). Selbst Jesuslatschen befanden sich nicht in seinem Besitz, von Trampern mit Ledersohle ganz abgesehen.

Also fasste er sich am Vorabend des Nikolaustages ein Herz sowie ein (um seine eigene Integrität nicht zu gefährden) stumpfes Messer, setzte sich auf den aus dem VEB Getränkekombinat „ausgeliehenen“ Gabelstapler, kippte das Sofa seiner Wirtsleute um, schlaaatzte ein paar Löcher hinein und freute sich über das noch unausgefüllte Volumen, das dem freundlich gesinnten nächtlichen Gast zur Verfügung stehen würde, um Pfefferkuchen, Spekulatius, Piccoloflaschen oder Rekord-Briketts darin zu versenken.

In eigener Sache

Heute vor 15 Jahren erschien der erste Beitrag der Gazeta Lipsigoroda. Mittlerweile sind es um die 3200. Professionelle Industriepoeten würden diese Kennzahlen in der heutigen kurzlebigen Medienwelt mit ihren hoffnungsvoll aufschießenden und verglühenden Blocks zu einer Erfolgsgeschichte hochjubeln, wenn es denn Leser der Gazeta gäbe. Einer meldet sich immer wieder einmal, ihm gebührt herzlicher Dank für Treue und Zuspruch.

Es ging dem Autor allerdings immer nur darum, etwas loszuwerden, Ideen zu kitzeln, selbst Spaß zu haben und den Leserinnen Freude mit „lustigem Humor“ (Zitat Herr Willy) zu machen. Gäbe es Lipsigrad nicht, gäbe es keinen Grund, in Bildern zu kramen und sich dazu Geschichten auszudenken. Der Autor würde es verlernen und muss es also darum üben und ausüben. Im Grunde ein egoistischer Anspruch, weshalb Interaktion in Form von Comments, Likes, Dislikes, schlichtweg Community-Gebaren, abgelehnt wird.

Zwei Mitstreiter, denen Ehre und Wertschätzung für ihre Beiträge gebührt, strichen wegen mangelnder Resonanz auf die Mühen des Frohsinns die Segel; ihre Beiträge bleiben bestehen, solange der Server läuft. Herr Willy als einer der beiden Initiatoren ist auf dem Wege, wohin? Herr Jürgen pflegt mit dem Autor die Kunst des Minderheiten-Kinogangs mit Getränken.

Größter und herzlichster Dank gilt den uneigennützigen Technischen Ermöglichern des Ganzen: Peter N. & JU & Zucker. Vor ihnen beugt der Autor das Haupt und geht auf die Knie — Danke! Danke! Danke! Zunächst installiert wurde in Lipsigorod ein handgemachtes Autorensystem, später, in Lipsigrad, eine fette ausländische Blockmaschine. Auch wenn der Autor selber „was mit Computern“ macht, bleibt die Ehrfurcht vor den wirklich Wissenden immens.

Wird es weitergehen? Ja. Ohne Geld und ohne Werbung und ohne Kommentar. Mindestens noch fünf Jahre. Tag für Tag. Täglich neu. Wenn nichts dazwischen kommt bis zum Zwanzigsten.

Weiterhin viel Spaß beim Kucken.

Herr Nu

dazu der Problembär, Adolf Nitzsche (Getränkehändler in Machern, man muß nur machern), Karl Gong nebst Unangetrauter, Oma Steckwurst, Gisella Quarterbeck, der blinde Herr Schrudel, Gofthe (Maler), Klempner Patzschke aus der Rhön und der kleine Herr Schönleben.

Problembär-Camouflage

bunt

Bis vor kurzem war der Problembär für die rauhen Lebensbedingungen im Freien optimal  gerüstet, die farbenfrohe Kleidung fügte sich perfekt in die verschwenderische Pracht des verglühenden Herbstes ein, die wenigen Fressfeinde, die ihm nach der Wäsche trachteten, übersahen ihn, und die Trinkfeinde verscheuchte er, wenn er überraschend aus einem intelligent ausgesuchten Hinterhalt brach.

Doch nun würde es langsam Zeit werden für den steingrauen Pullover des kahlen letzten Siebentel des Jahres, und der einzige Schmuck (neben dem dezenten Kragen in Tümpelgrün) würde eine zerbrechliche Brosche aus trockenem Hagebuttenästchen inklusive verschrumpelter roter Frucht sein, von stabilen Spinnenweben in Form gebracht.