Schlagwort-Archiv: Problembär

Problembär

Wiederkehrendes Vorkommnis

Auf der Flucht (Beispielfoto)

Da war wieder dieses Geräusch! A. Nitzsche sprang behende zur Tür hinaus auf den Hof und konnte gerade noch sehen, wie der Problembär den eben abgebrochenen Stern von Professor Schnerzels Automobil im Overall verschwinden ließ, johlend zur Zugmaschine rannte, die mit laufendem Motor wartete, aufsprang und mit quietschenden Hartgummireifen verkehrtherum in der Einbahnstraße verschwand, um im Saunaparadies die bestellten Kraftbierfässer auszuliefern. Seufzend wandte sich A. Nitzsche um, stapfte an die Kasse, nahm vom Professor unter Vollzug mehrerer unterwürfiger Bücklinge („Darf ich Ihnen heute zehn Prozent Rabatt anbieten, Verehrtester?“) die erkleckliche Summe von 240,99 „Taler, hahaha“ entgegen (für die Gattin nur der beste Roséwein) und betete inständig, dass die hereinbrechende Dunkelheit das Fehlen des Sterns unbemerkt bleiben ließe. Schließlich, das wusste A. Nitzsche, parkte der Wagen derzeit auf der Straße, weil die Garage des Professors frisch tapeziert wurde. Und da kann man als Besitzer eines Mercedes „froh sein, dass niemand ein Stück Kohlenanzünder auf den Reifen legt, ein abgebrochener Stern ist dagegen eine Lappalie, der soll sich nicht so haben“ (Problembär).

Weihnachten im Getränkemarkt

Nitzsche, Hofknecht, Schönleben, von links (Beweisfoto)

Der kleine Herr Schönleben hatte von seinem Getränkehändler eine Einladung zur gemeinsamen Feier des Weihnachtsfestes erhalten. Bereits am Tag danach konnte er sich nicht mehr an den Grund der Einladung erinnern, und schon gar nicht an die Feier selbst.

Wie groß war sein Erstaunen, als ihm ein Brief mit einem Foto zugestellt wurde, auf dem er mit dem Inhaber, Herrn A. Nitzsche, und dem Hofknecht des Getränkemarktes zu sehen war. Alle drei trugen Weihnachtsmannkostüme und schienen sich prima zu amüsieren. Im Brief befand sich außerdem eine Rechnung über die angeblich verzehrten Getränke, inklusive Pfand, denn „der Pfandautomat ist kaputt“.

Der kleine Herr Schönleben erstarrte, als er des geforderten Betrages gewahr wurde, beschloss nach kurzer Überlegung, nichts zu unternehmen, sich so wenig wie möglich zu bewegen und auch das Kostüm weiter zu tragen, denn es gefiel ihm, besonders die Kapuze.

Von den Panzerartigen

Inspiriert von der Betrachtung mehrerer Weltkriegsfilme, zu der ihn seine Mitbewohnerinnen genötigt hatten, versuchte der Problembär wie einst Die vier Panzersoldaten (und ein Hund) verschiedene panzerartige Haushaltgegenstände zu besteigen, wobei sich jedoch stets die Luke als zu wenig umfangreich erwies.

Das Anzetteln eines Krieges um die zur Neige gehenden Vorräte in den Kühlschränken und im Keller musste also vorerst unterbleiben.

Der Liebestrank

Dies ist der Liebsten Tag!
Ich gäb das letzte Hemd
und was sie sonst noch mag,
wenn sie die Arme stemmt

und mich von oben schwer
mit diesem Blick bedenkt.
Kuck, was dein lieber Bär
dir zum Gebrauche schenkt:

Ich fand in meinem Spind
Likörchen, trüb und gold.
Ach bitte, liebes Kind,
sei mir für immer hold!

Ach bitte, liebste Frau,
sei meines Glückes Pfand
mit Feile und Radau,
mit Schmieche und Verstand

allhier in meiner Kammer.
Wenn nicht: Es wär ein Jammer!

Nebengebiete des Wirtschaftslebens

winkekatze

Der Problembär, der sich als zweites Standbein (neben der Gabelstaplerei im Getränkemarkt Adolf Nitzsche in Machern – man muß nur machern) eine Raubtierdressur aufbauen wollte, scheiterte letztendlich am gnadenlosen Desinteresse der Protagonisten. Selbst das versuchsweise Wechseln der Oberbekleidung führte weder zur Beachtung der überdeutlich dargebotenen Übungskommandos noch zu einer auch nur ansatzweise erkennbaren Reaktion.

Schweren Herzens beschloss er, sein Streben nach Dominanz weiterhin im Rahmen seiner Betriebsratstätigkeit auszuleben.

Kehrseiten der Völlerei

abwasch

Noch nie hatte der Problembär den Abwasch mehr gehasst als zu Zeiten der gastronomiebereinigten Isolation der Wohngemeinschaft. Es wurde gebraten, gesotten und gekocht, dass die sprichwörtliche Schwarte krachte, und da er keinerlei Talent und Willen verspürte, Herde, Hackebeile und japanische Messer zu bedienen, fiel ihm die finale Bereinigung des Tatortes zu. Spät in der Nacht, mit berstenden Gedärmen und schlingernden Bewegungen, radaute er stundenlang in der Gemeinschaftsküche, voller Hoffnung, die Mitbewohnerinnen würden aus ihrem komatösen Schlaf erwachen und ihn ebenfalls ins Bett verweisen, oder die Gaststätten öffneten endlich wieder.

Zeitenwenden

fuenfnachzwoelf

Der Problembär, der in letzter Zeit zuviel Zeitung gelesen und ferngesehen hatte, verbrachte ganze Nachmittage an der Uhr, um sie wahlweise auf fünf vor zwölf, eins vor zwölf oder fünf nach zwölf zu stellen, je nach Aussichtslosigkeit der Situation. Irgendwann aber drang das fordernde Rattern des Kühlschranks in sein Bewusstsein, er ließ die Apokalypse Apokalypse sein und begab sich an den Küchentisch, den gut gekühlten Getränken Gesellschaft zu leisten.

Von den Gründen

Schaltung

Der Problembär, dem im Haushalt nicht nur die Beschaffung und Vertilgung der Getränke oblag, sondern auch die Wartung sämtlicher technischen Geräte, versuchte seit Stunden, mithilfe großmäulig dargebotener Internetvideos die Schaltung des einzig verbliebenen, dreckstrotzenden Haushaltsrades einzustellen, was wie alle Versuche in den Jahren zuvor natürlich nicht gelang, ihm aber die nötige moralische Grundierung verschaffte, den Weissweinkühlschrank in einem langen, zufriedenen Zug zu leeren.

So geht es nicht weiter

insekten

Wegen der viral influencten Einschränkung der Reisetätigkeit hat der Problembär als Inhaber eines sowieso nicht florierenden Hotelfachbetriebs die Politik aufgefordert, unverzüglich für Kompensation (zum Beispiel Honig oder Honigprodukte) zu sorgen, ansonsten werde man (er) den Aufstand proben und (zutreffendes hier eintragen).

Analog ist besser

platte
Mal wieder eine Platte auflegen!

Der Problembär dachte bei sich, er könne endlich wieder einmal eine Platte auflegen. Gesagt, getan, er mühte sich nicht wenig, und die besorgte Nachfrage der vom immensen, disharmonischen Lärm aufgeschreckten Mitbewohner war ihm beinahe Belohnung genug. Der folgende gründliche Belastungstest mit Hilfe aller im Haushalt verfügbaren Getränke verschaffte den Anwesenden ein feines Gefühl der Zusammengehörigkeit und rettete ihnen den ansonsten wohl mit Digitalquatsch verplemperten Abend.

Es lebe der Sommer

januar

Beendet wird der Januar
in etwa zwanzig Stunden
in meiner schönen Kellerbar
nach mindest sieben Runden.

Drum geht es schon um viere los,
dann muss ich nicht so stürzen
und kann die Zeit auf deinem Schoß
mit schlimmen Witzen würzen.

Wir heben Gläser in die Höh
und freun uns auf den Sommer.
Was? Erst noch Februar? Orr nö!
Das macht mir wirklich Kommer!

Na gut. Dann ist es eben so.
Ich will nicht zu sehr klagen.
Wir sehen uns wie heute: froh
in neunundzwanzig Tagen.

Abgründe des Immobilienmarktes

neumarkt

Der Problembär hatte eine größere Menge Geldes zurücklegen können, indem er seinen Honig nicht mehr vom Bioimker abholte, sondern beim chinesischen Internethöker bestellte. Um die Millionen nicht sinnlos auf dem Konto vergammeln zu lassen, erwarb er unter Vermittlung eines Hinterwalder Kemenatenmaklers ein geräumiges Appartement für sich und seine Kühlschränke. Tagein, tagaus verbrachte er von nun an seine Zeit am Fenster, um den phantastischen Ausblick abzuwohnen, aber schon nach wenigen Wochen war er die Ansicht der umgebenden Gebäude leid. Sie erinnerten ihn doch ein wenig zu sehr an den Genossen G. A. Potjomkin und schienen einzig zu dem Zwecke aufgestellt, als Kulisse für abendlich röhrende Nachtwächter mit gackernden Touristenhorden im Schlepptau zu dienen, die ihm das Schlafen am offenen Fenster verunmöglichten. Der Problembär ließ abermals die Spedition kommen, zog in den Frauenruheraum seines Betriebes um und verkaufte das Appartement mit beträchtlichem Gewinn.

Zwischen den Flaschen

katjuscha

Zwischen den Flaschen Jahren gerät das allgemein menschliche Spannungsfeld von Werden und Vergehen, Schaffen und Entsorgen, Ankunft und Abschied ins Blickfeld des verdient urlaubenden Angestellten. Wenn dann noch die beliebten Kriegsfilme ins Haus geliefert werden und die ersten Katjuscha-Batterien abgefeuert worden sind, spricht nichts dagegen, sich inspiriert in den Keller zurückzuziehen und die eine oder andere philosophische Erkenntnis Revue passieren zu lassen.