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Problembär

Problembär-Camouflage

bunt

Bis vor kurzem war der Problembär für die rauhen Lebensbedingungen im Freien optimal  gerüstet, die farbenfrohe Kleidung fügte sich perfekt in die verschwenderische Pracht des verglühenden Herbstes ein, die wenigen Fressfeinde, die ihm nach der Wäsche trachteten, übersahen ihn, und die Trinkfeinde verscheuchte er, wenn er überraschend aus einem intelligent ausgesuchten Hinterhalt brach.

Doch nun würde es langsam Zeit werden für den steingrauen Pullover des kahlen letzten Siebentel des Jahres, und der einzige Schmuck (neben dem dezenten Kragen in Tümpelgrün) würde eine zerbrechliche Brosche aus trockenem Hagebuttenästchen inklusive verschrumpelter roter Frucht sein, von stabilen Spinnenweben in Form gebracht.

Seine Hoheit Spricht

hoheit

Es war einmal ein Land,
von dem war ich der Kaiser.
Da kam das Volk gerannt
und meinte, es sei weiser.

Ich hab zwar meinen Stolz
und liebe das Regieren.
Doch hack ich lieber Holz
und widme mich den Bieren,

die abends vor mir stehn,
als jemanden zu knechten.
Die Macht soll von mir gehn
und krönen die Gerechten.

Doch weil ein jeder fehlt,
mal wenig und mal schlimmer,
sei ständig neu gewählt,
sei keine Macht für immer.

Und reißt wer auf das Maul,
er wär der neue Führer,
dann sind wir gar nicht faul
und schneiden ihm den Rührer

ab.

Bitte bewerten Sie Ihr Hotelzimmer

bettbaer

Als der Problembär nach dem Urlaub sein Postfach aufräumte, fand er auch die dringliche Forderung seines Reisebüros, doch bitte das gebuchte Zimmer, in dem er einige Nächte zugebracht hatte, zu bewerten, damit weitere Reisende aus seinem Probewohnen Nutzen zu ziehen in der Lage wären.

Der Problembär versuchte sich zu erinnern. Da war die straff eingestellte Klimaanlage und die schier unendliche, weiße Bettfläche, auf der er sich vorkam, als würde er seine freien Tage nördlich des Polarkreises verbringen, was ihm nicht im Traum eingefallen wäre, der gefährlichen Eisbären wegen. Immerhin strahlte die Abendsonne so lange ins Gemach, dass er in der Lage war, die Nachttischlampe zu erreichen, bevor die Dunkelheit hereinbrach. Erschöpft war der Problembär schließlich eingeschlafen, während der Kühlschrank in unerreichbarer Ferne vor sich hin ratterte, den Bauch voller mitgebrachter Getränke.

Um das Hotel nicht in Schwierigkeiten zu bringen, sah der Problembär von einer Bewertung ab.

Weiß-Rot

weisswein

Ach, des Sommers Ende nun
ist gekommen, ist gekommen.
Gibt es letzthin eins zu tun:
Schlückchen Weißwein eingenommen.

Heiß war Sommers Atem oft,
kühl die Flaschen, kühl die Flaschen.
Kleine Änderung im Loft:
Rotwein kommt jetzt in die Taschen,

die man zur Terrasse trägt.
Mehr Rioja! Mehr Chianti!
Stiller Garten, Straße bläkt.
Korken zieh, hopp-hopp, avanti!

Auf Geheiß des Therapeuten

kletterbaer

Der Problembär, dem vom Therapeuten geraten worden war, kontemplativ und in freudvoller Anstrengung auf einen Berg zu steigen, um sich dabei quasi im Vorübergehen seiner mentalen Probleme zu entledigen, wählte natürlich die anspruchsvollste Route (7c), verstieg sich, rutschte in einen Kamin, wo er sich hoffnungslos verkeilte, und hatte nun also noch ein Problem mehr, das nicht vom Therapeuten, sondern von der von aufmerksamen Wanderfreunden alarmierten Bergrettung gelöst werden musste.

Vom Einkauf zurück

baerbier

Der Problembär war einkaufen gewesen, und wir fragten ihn, wo denn die Wurst, der Käse, das Brot, das Klopapier, die Zahnpasta und das Katzenfutter abgeblieben seien, er aber zuckte nur die Schultern, wenn man überhaupt von Schultern oder Zucken sprechen konnte, und machte sich stillvergnügt an die Dosenlasche heran.

Aspekte einer Gebirgswanderung

problembaerentasse

Der Problembär musste sich den Rucksack unter anderem mit der Thermosflasche, den Teebeuteln, der Milch und dem Zucker sowie seiner Problembärentasse teilen. Bei der wohlverdienten Gipfelrast hob ein Palaver darüber an, wie sich eine Umverteilung des Tees in den Körper des Problembären auf die Trageeigenschaften des Rucksacks auswirken würde, zumal auch noch mehrere Kekse, Cracker, Salamischeiben und Energieriegel ins Spiel kamen. Einigkeit bestand darin, die Problembärentasse komplett auszutrinken, sorgfältig zu reinigen und zu trocknen, um die Integrität des Problembären nicht zu gefährden.

Von den Weiterbildungen

stuehle

Der Problembär, dem von der Flurförderzeugführerprüfanstalt ein Abendkurs in technischem Zeichnen anempfohlen worden war, um seine Orientierung im Raum zu verbessern und damit die Unfallhäufigkeit zu senken, die laut Auskunft seines Chefs Herrn Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muß nur machern), bedenklich zugenommen hatte, scheiterte schon am Aufstellen der Objekte, die er zu Übungszwecken abzuzeichnen gedachte, und musste vom Kulturfunktionär aus seiner Verkeilung befreit werden.

Die Reise zu den Sternen (Auszug)

area51

Bei einem Arbeitsbesuch in Area 51 wurde der Problembär in die Welt des beweglichen Geschirrs eingeführt, die ihn jedoch aufgrund der fehlenden Gläser rasch zu überfordern schien. Die anschließende Aufforderung, es doch gleich einmal in der angeschlossenen Kantine vom Untertassenwäscher zum Millionär zu bringen, quittierte der Problembär mit umgehender Flucht zur Greyhound-Haltebucht, die sich jedoch schon nach wenigen Tagen als Attrappe herausstellte.

(Wird eventuell fortgesetzt.)

Vision, Tatkraft, Hoffnung

aggregat

Heute wird ein Bier gebraut,
das mich auf die Bretter haut.
Vollmundig, im Abgang zart,
Hopfennoten krass am Start,
Malz geröstet und geklopft,
dass mir schon der Speichel tropft,
wenn ich nur dran denke.
Ist es fertig, schenke
ich es freudig aus.
Freunde, kommt ins Haus,
Alubecher hochgehoben,
Laut sollt ihr den Brauer loben!
Singen soll der Meistersänger,
knallen soll der Steinbruchsprenger,
flattern soll die Maurerhose,
saufen soll der Vollmatrose!
Prosit auf dem Kanapee:
La paloma und oweh!

Die unbekannte Platte im Abendnebel

plattenspieler

Wieder einmal hatte der Problembär aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums den Entschluss gefasst, eine Schallplatte abzuspielen, mit voller Lautstärke, versteht sich! Zum Glück lag bereits eine auf dem Plattenteller, die dünnen, ungeschickten Ärmchen des Problembären mussten nur noch die Stromzufuhr herstellen, den Deckel des Gerätes anheben (aua, schwer!), den Tonarm in eine Position am äußeren Rand der Platte (man will ja nichts verpassen!) schieben und schließlich den Hebel zum Absenken des Tonabnehmers betätigen.

Diese letzte notwendige Aktion erwies sich jedoch in Anbetracht des fortgeschritten fröhlichen Zustandes des Problembären als undurchführbar, der “lustige Geselle” (Dorfzeitung) geriet vollumfänglich auf die drehende Platte, rotierte prustend, immer wieder den Tonarm mit seinem Leib wegschleudernd, einige Male um seine Achse, bevor er, der Fliehkraft gehorchend, nach Absolvieren einer interessanten Flugbahn in der benachbarten Sammlung schottischer Briefbeschwerer aus dem zwanzigsten Jahrhundert landete, die ihn wirkungsvoll abbremsten, ohne seine Integrität maßgeblich zu beeinträchtigen.

Obwohl es nun nicht zum geplanten Abspielen des unbekannten Tonträgers gekommen war, befriedigte dieses Erlebnis den Drang des Problembären nach Abenteuern vollauf, so dass er sich nach einem kurzen Berappeln schnaufend ins Güldene Bettchen begab.

Der Plattenspieler indes drehte sich weiter ungerührt, bis am nächsten Morgen ein Mitbewohner des Problembären den Tonarm arretierte, die Stromversorgung ordnungsgemäß unterbrach und den Deckel absenkte, nicht ohne ob der unbekannten Schallplatte ein wenig die Nase zu rümpfen.

Der Antrag

tulpen

Lass mich deine Hand ergreifen
und dich frech zum Altar schleifen.
Niemals sollst du mich vermüssen.
Ständig musst du mich nur küssen,
bis mein Mund zuschanden ießt.
Wehe, wenn du mich verdrießt!
Nimm zum Schwure diese Tulpen
und vergiss die andern Nulpen.
Deinen Finger schmück ein Ring
wie auch meinen Arm. Bling-bling.

Lied des Mechatronikers

reparatur

Nie darf ich das Rad benutzen!
Trotzdem muss ichs ega putzen,
Kette ölen, reparieren
und die Kugellager schmieren!

Kann mir bitte einer reichen
rasch die Säge für die Speichen,
und im Werkzeugkasten greifen
nach dem Messer für die Reifen?

Danke. Fertig. Noch ein Bier?
Gute Fahrt! Ich bleibe hier.

Sinnbild

mahlzeit

Zwiebel, Knoblauch, Brot und Wein –
so soll unser Leben sein.
Nur die scharfen Klingen stören
das Befinden. Doch gehören
zu der guten Zeit, der wahren,
auch die lauernden Gefahren,
schlitzen dir, tust du nicht gucken,
deinen Pelz beim Rotweinschlucken.
Paare also den Genuss
stets mit Wachheit. Prost und Schluss.

Übärfahrt

uebaerfahrt

Nach England geht es heute!
Problembär wittert Beute.
Das Pfund ist abgeschmiert.
Die Gläser sind poliert.
Sechs Bier und man wird heiter.
Die Freundschaft lebe weiter
von Inselvolk und Kraut!
Acht Bier und man wird laut.
Zehn Bier, man will ins Bett.
Bis morgen. Heut wars nett.