Wurst

Wurstspeicher (Beispielfoto)

Der Trend zum Veganismus ist ungebrochen, auch wenn die Leserbriefseiten der Lokalpresse langsam den Schlammsuhlen des sogenannten Internets Konkurrenz machen, wo sich die konservative Elite am bösen „liberalen“ Zeitgeist, der das Volk „diktatorisch“ unterjocht, abarbeitet. Zur Beruhigung: Man kann noch Wurst kaufen, einschlägige Speicher scheinen zu existieren. Ob in „Wurst“ allerdings noch Fleisch enthalten ist (oder jemals war), entzieht sich der Kenntnis der Redaktion.

Die Pflanzschalen

Die Bier vom Grantl und mir

Ich saß mit dem Grantl bei der Huberin. Da schenkt sie uns zwei so Pflanzschalen. Was soll ich mit Pflanzschalen? Außerdem viel zu klein! Passt nicht mal eine Kartoffel rein. Da sehe ich, es sind Kekse drin. Na, wenigstens was, aber sie sind festgeschraubt. Wieso schraubt sie die Kekse fest? Mache ich sie lose, die Schrauben fallen alle runter, weil so klein. Ein Geschrei und Nachsuche, aber sinnlos. Die Kekse sind gar nicht knusprig, außerdem sehr fad, geschmacklich. Sagt sie, die Huberin, warum ich die Dichtungen esse, und der Grantl, warum ich seinen Keks esse. Da werde ich zornig und frage, ob sie wenigstens ein Bier hat zum Runterspülen von dem faden Gebäck oder ob das auch im Kühlschrank festgeschraubt ist, und der Grantl muss nun doch lachen. Die Huberin ist dann auch wieder gut zu uns, weil wir die Bier schön trinken und die Pflanzschalen loben, auch ohne Dichtungen. Auf dem Heimweg fahren wir mit dem Grantl seinem BMW beinahe den Maibaum um, und dann werfen wir die Pflanzschalen in voller Fahrt auf das Auto vom Bürgermeister, der Sau, und treffen auch gut, sie taugen also doch, die hat die Huberin gut ausgesucht.

Erstauntes Langgedicht

Ich bin ein mecklenburger Kind.
Ich bin sehr gern alleine.
Bin nicht gern, wo die andern sind,
die klaun mir nur Bernsteine.

Sie überweisen mir ihr Geld,
doch können sie gern bleiben
auf ihrem fernen Pfefferfeld
und dort ihr Wesen treiben.

Sie führen Viren in sich mit,
sie fressen unsre Fische,
sie tanken unsern prima Sprit
und kacken in die Büsche.

Es wär so schön in unserm Land,
mit Ostsee, Dünen, Pommern,
kämen sie nur nicht angerannt
in all den schönen Sommern.

Wir machen unsre Straßen dicht,
wir lassen sie gern leiden
in Masken und mit Schnelltestpflicht,
doch auch wenn wir sie schneiden:

Sie kommen immer wieder gern
in unser schönes Ländchen
aus Sachsen, Anhalt, ganz von fern.
Wir haben wohl ein Händchen.

Neu bei Nitzsche

Nachdem es in der letzten Zeit wiederholt zu Scherbenbildungen in verschiedenen Bereichen Meines Getränkemarktes A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) gekommen ist, werde ich in Absprache mit dem sogenannten Betriebsrat (Hofarbeiter), der wieder einmal nicht schuld ist bzw. nicht weiß, wer das gewesen sein könnte, mit dem Knicker auf der Lauer (Chefbureau) liegen und, sofern erforderlich, Waffengewalt anwenden. Das ist auch mal eine schöne Abwechslung und sollte den Protagonisten eine Lehre sein. Scherbenbildungen aufgrund Diaboloeinschlags gelten als von der Belegschaft verursacht und werden von den überaus großzügigen Gehältern abgezogen. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef.

Notwendige Richtigstellung

Während bei modernen Sonnenschutzmitteln durchaus auf das Haltbarkeitsdatum zu achten ist, weil die Schutzwirkung nach wissenschaftlichen Studien (amerikanische Experten usw.) stark nachlässt bzw. gar nicht mehr vorhanden ist, kann die Anwendung klassischer Produkte bedenkenlos noch nach Jahrzehnten mit besten Resultaten vorgenommen werden.

An der Silbentrennungsmaschine

Nach dem laut Agentur-Chef „unglaublichen und böswilligen Versagen“ des kleinen Herrn Schönleben beim letzten Auftrag wurde dieser unter lautstarkem Protest aus dem geschützten Bereich des Heimarbeitsplatzes in die kalte Welt des geleerten Großraumbüros zitiert. Nach einer furiosen Ansprache der kompletten Führungsriege (vor Ort), bei der sich die Redner in allerlei logischen Protuberanzen verhakelten, was der kleine Herr Schönleben nicht ohne Häme vermerkte und später, im Tagesordnungspunkt „Selbstkritik“, lautstark monierte, wurde er für den Rest der Woche an die Silbentrennungsmaschine gekettet, eine Strafmaßnahme, die von allen Mitarbeitern der Agentur gehasst und gefürchtet wurde, weshalb es fast nie zu nennenswerten Aufsässigkeiten kam.

Der kleine Herr Schönleben indes, sich keinerlei Vergehens bewusst, trennte fröhlich pfeifend Silbe von Silbe, auf dass die „Internetpräsentationen“ der zu bewerbenden Produkte nicht zu breit würden.

Das Sonett von der Erkältung

Alles fließt (Beispielfoto)

Nasenlöcher fluten Tücher
wie mit Reitern einst der Blücher
rotes Feld geflutet hat.
Reglos liege ich und matt.

Könnte ich die Löcher stopfen?
Helfen eingesetzte Pfropfen?
Aus der Tüte tropft der Kleber.
Oder nehm ich Nasenheber?

Ja! Ich heb die Nase an,
Dass sie nicht mehr laufen kann.
Kopf nach hinten überstreckt,

an der Decke läuft die Holde,
die, wenn ich verdämmern sollte,
mich mit harten Griffen weckt.

Tsunami der Kreativität

Die Wunderlampe (Beispielfoto)

Der Chef der Agentur hatte durchs Telefon gebrüllt, dass er jetzt endlich die Vorschläge des kleinen Herrn Schönleben („Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag?“ — „Äh, Homeoffice?“) benötigte, den innovativen Namen des Elektrofahrzeuges betreffend, für den er unter größten Anstrengungen den Auftrag an Land gezogen hatte. Nun müsste nur noch das bisschen Arbeit gemacht werden, aber das sei ja in dieser Firma alles andere als selbstverständlich geworden. Also dallidalli, irgendeinen blöden Namen mit e drin, dran, drunter, drüber, kann ja nicht so schwer sein. Die Bindestriche oder sonstigen Verzierungen würde der Art Director, dieser Depp, dann schon noch ranbasteln. Deadline 1436, Uhrenvergleich.

Es war 1327 MESZ. Der kleine Herr Schönleben schleppte sich zur Wunderlampe, die er neben dem Bett aufgestellt hatte, knipste sie an und tippte in sein E-Mail-Programm:

Betreffend e-Gefehrt:

Edelebereschenbeerentresterbecherscherbeneselfellkehrbesenfeststellbremsenbestellzettelheftentwertergesellenwestregenpellenfetzenrestentwendeverbrecherzellendeckenweberknechtentsetzen

Beste Greeße
Scheenleeben

Dann hüpfte er frohgemut, sich seiner Heldentat vollends bewusst, aufs Tagesschlummersofa und fiel in ein tiefes Koma.

Dreck

Ich stehe hier und schmeiß mit Dreck.
Wenn es dich stört, dann schau halt weg.
Mit Dreck zu baden ist nicht „arks“,
das wusste schon der alte Marx:
Der Dialektik hoher Thron —
die Negation der Negation.
So putze dich mit Kohlenstaub
und wälze dich im Moderlaub
und schmier dich an der Kette.
Dann ab ins weiße Bette.

Von der gesunden Ernährung

Beispielfoto: Tee (noch ohne Honig)

Wir sitzen hier und kauen Blätter
und werden dabei garni fetter.
Denn grüne Blätter sind vegan
und setzen niemals Fett ni an.
Danach gips Tee mit Honig.
Fett wermer davon ouh nich.
Jedoch die Pilsnerrunden
verhelfen zu den Pfunden
an Hüften, Bauch und Po.
Soso. Soso. Soso.

Bericht

Ich trage einen neuen Zopf.
Ich häng an meinem Tropfetropf.
Der speist sich aus dem vollen Topf
mit Gift. Wo bleibt der Schröpfekopf?

Ich nehme das, was man mir gibt,
bin bei den Schwesterchen beliebt,
halt mich an Wasser, Malz und Hopf.
Der Specht der Zeit macht klopfklopfklopf.

Das Sonett vom unschlüssigen Trinker

Wenn die Winde keck umspülen
den geschorenen,
spätgeborenen
Leib und langsam ab ihn kühlen,

der sich zwischen allen Stühlen
mit vergorenen,
tief verschworenen
Trunksequenzen dreht in Mühlen,

kann auch wieder Klarheit kommen,
eine Ordnung, Nüchternheit
und Gefühl für edle Pflicht

über den vielleicht nun frommen
Sünder im zu kurzen Kleid.
Wetten würd ich darauf nicht.