Schlagwort-Archiv: Corinna

Nacht

nachtbrunnen

Hohe Häuser, tiefe Bronnen.
Zeit ist still zu Stein geronnen.
Wasser schwappert aus den Eimern.
Tag getaktet von den Timern
meines klugen Telefons,
das nichts weiß von dem Aktions-
und Kontaktkomplettverbot.
Ich steh vor der Ampel rot.

Armageddon

armageddon
Der Blick aus dem Fenster

Nach dem erzwungenen nächtlichen Genuss der frei Haus gelieferten Katastrophenfilme (den Tag hatte ich verschlafen, um nicht von Klopapier schleppenden oder nach Klopapier gierenden Menschen niedergerannt zu werden), traute ich mich kaum, die Vorhänge vom Fenster zu ziehen, schlief also den zweiten Tag durch, erwachte vom Getöse eines weiteren Weltuntergangs im Fernsehgerät, linste, es muss gegen Sonnenuntergang gewesen sein, aus dem Fenster und kroch kurz aufschreiend und schießlich wimmernd unter die Bettdecke, während Bruce Willis sein Bestes gab.

Das schlampige Sonett zur Lage

corinna

Stell dir vor, das Virus wäre
wie ein Luftballon.
Trudelt durch die Atmosphäre
bis aufs Scheselong,

wo wir sitzen, und wir fangen
es uns fröhlich ein.
Hustend röten sich die Wangen!
Virus, dummes Schwein!

Nimm die Nadel,
liebes Madel,
stichel, pfuff, ein Loch!

Dann ins Ladel.
Handwaschbadel!
Danke: Robert Koch.

It’s Fashion

klopapier
Glück, dein Name sei Klopapier!

Karl Gong, der in den milden Wintermonaten ohn Unterlass und Radio, vom Fernsehen ganz zu schweigen, im Auftrag der Unangetrauten an den neuen, lichtdurchfluteten Stallungen für die Leasinggäule gearbeitet hatte, während er im abgedunkelten Kartoffelkeller seine Mahlzeiten zu sich nahm, um nicht auch noch in den Pausen mit Arbeitsaufgaben behelligt zu werden, durfte an einem kühlen Tag im März die Kreisstadt aufsuchen, um einen ihm von der Holden am Valentinstag überreichten Videotheken-Gutschein einzulösen, der auf den Film “Der Pferdeflüsterer” ausgestellt war, Umtausch gegen andere Werke ausgeschlossen; jedoch, als er vor verschlossener Tür stand, an die ein Zettel “Aus den bekannten Gründen geschlossen” mit drei Ausrufezeichen gepinnt war, sah er sich genötigt, seinen Plan zielgerichteter Aktivität zu korrigieren, er musste improvisieren und sah sich im Straßenraum um, der angenehm unbevölkert war, abgesehen von seltsam auseinandergezogenen Menschenketten, die vor Drogerien anstanden, und von Personen mittleren und höheren Alters, die mit beseeltem Gesichtsausdruck Klopapiergroßpackungen mit sich führten, der neue Chic der Kreisstadt offensichtlich: Hatte man früher Kinder oder Hunde oder Telefone mitgeführt und hergezeigt, war es nun Klopapier, eine an sich positive Entwicklung, handelte es sich doch um ein Accessoire, das sich jeder leisten konnte, das die Menschen egalitär verband und offensichtlich außerordentlich beglückte.

Karl Gong, dem mittlerweile aufgegangen war, dass die modisch behängten Menschen der Drogerie entströmten, reihte sich freudig ein, wartete geduldig auf seine Ration, zahlte mit hochgezogenen Augenbrauen und warf schließlich fröhlich in Erwartung einer anerkennenden Kopfnuss der Liebsten die zwei XXXL-Packungen in den Saporoshez, um den aktuellen Fashiontrend hinaus aufs Land zu tragen.

So geht es nicht weiter

insekten

Wegen der viral influencten Einschränkung der Reisetätigkeit hat der Problembär als Inhaber eines sowieso nicht florierenden Hotelfachbetriebs die Politik aufgefordert, unverzüglich für Kompensation (zum Beispiel Honig oder Honigprodukte) zu sorgen, ansonsten werde man (er) den Aufstand proben und (zutreffendes hier eintragen).