Kategorie-Archiv: Produkt-Magasin

Produkt-Magasin

Ode an eine Influenzarin

Dieses Bild wurde hingeschmiert von Maler Gofthe.

1
dein Gesicht wirkt sehr
aufgeräumt
fast schon leer
goldhaargesäumt
gestraffte Rippen
und dicke Lippen
unter blauen Augen
die sich ansaugen
unverwandt
an Tand

2
du hast Einfluss
auf Millionen
das ist kein Stuss
denn sagst du Bohnen
müsst ihr essen
sind gesund
ist das der Grund
dass Millionen Follower
Bohnen fressen
ohne Gegenwehr

3
lange Nägel rot
Sponsorsegelboot
Bündel Scheine
lange Beine
langer Hals
falls
du mich suchst
kann ja sein und fluchst
wo ich bin
Influenzarin
ich entziehe mich
deinem Einfluss
deinem Scheinstuss

4
du machst mich alle
Superschnalle
mit deinem bling bling
und deinem String-
Tanga
Gesicht wie ein Manga-
Püppchen
ich spucke dir ins Süppchen
leg deinen Schrott
aufs Schafott
Klinge fällt
heile, Welt!

Ein Blick zurück

Die beiden letzten Vertreter einer Designrevolution (1986)

Wie üblich ignoriert von den Westmedien, hatte sich in den 80er Jahren in der Zone eine Designrevolution ereignet, die das Potential in sich trug, die Welt der Schreibgeräte in ihren Grundfesten zu erschüttern. So drängte das VE Kombinat Filzstifte, Hausschuhe und Mattenprodukte mit einem innovativen Schreibset auf den Markt, das sich durch konsequente Reduktion, äußerste Attraktivität und konkurrenzlos günstige Fertigung auszeichnete. In einem transparenten Schuber (Plaste und Elaste aus Schkopau) wurden 37 (Jahre seit Gründung der DDR) hochwertige, farbenfrohe Filzstifte präsentiert. Im Gegensatz zur bis dato weltweit praktizierten einfallslosen Methode, die Zeichenfarbe mehr oder weniger treffend durch die Farbe des Stiftes zu visualisieren, wurden alle Gehäuse in einem freundlichen Gelbton konzipiert. Die Zeichenfarbe erkannte der Kunde mühelos am dezenten, entsprechend eingefärbten oberen Pfropfen des Stiftes. Auf den Leipziger Frühjahrs- und Herbstmessen der folgenden Jahre erregte die ästhetische Erfindung wahre Begeisterungsstürme, das Farben-Chaos auf den Schreibtischen der Republik, der Sowjetunion und des übrigen Auslandes sollte von nun an ein Ende haben. Als i-Tüpfelchen stellte die Kombinatsleitung in Aussicht, während der nächsten Fünfjahrpläne neben den „Gelben Mäppchen“ auch solche in weiteren Farben zu entwickeln und anzubieten, zunächst natürlich eine rote Edition und später, je nach Verfügbarkeit der entsprechenden Pigmente, Mäppchen ganz in blau, lila oder frühlingsgrün. Leider wurde diese erfreuliche Entwicklung schon kurz nach der Auslieferung der ersten Prototypen im Jahre 1989 durch die sogenannte „Wende“ zunichte gemacht. Die Treuhandanstalt verbrannte die entsprechenden Patentunterlagen, verkaufte das Kombinat für eine Mark an einen „Investor“ aus dem Schwarzwald, der seitdem die Millionen eingelagerter Hausschuhe auf den Wochenmärkten der Region um Stuttgart feilbietet. Die Filzstifte sind in Vergessenheit geraten, nur zwei haben überlebt als stumme Zeugen einer vertanen Chance: der Chance auf ein würdiges Schreibtisch-Ambiente unserer Zeit.

Der Rost

Der Rost heißt Rost
von wegen Rost.
Ich warte auf die Päckchenpost
mit einer neuen Drahtbürste,
denn abends gibt es Bratwürste.
Doch vorher muss ich kratzen.
Sonst ist es für die Katzen.

Neu bei Nitzsche

Hiermit zur aufmerksamen Nachrichten-Konsumtion wird bekanntgegeben von A. Nitzsche, Getränkehändler in Machern (man muss nur machern), dass die Erfolge des durch Guano-Beigabe genährten und von Uns verarbeiteten Kraftbierhopfens (Preis des Doberschützer Feuerwehrballes [Damen]) eine weitere kräftige Fütterung der einheimischen Vogelwelt sinnvoll erscheinen lassen. Meisenknödel können jederzeit im Getränkemarkt gegen Ausreichung eines Verkostungsgutscheins á 20 ml abgegeben werden (nur Großpackungen). Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Neu bei Nitzsche

Geschätzte Kunden, notwendig geliebte Mitarbeitende, vor einigen Tagen weilte Ich A. Nitzsche Getränkehändler in Machern (man muss nur machern) zu einem historischen Besuch bei der Top-Werbeagentur Kleinherr-Schönleben, um im Rahmen einer Premiumpartnerschaft die Getränkebranche bis auf weiteres zu dominieren. Kleinherr-Schönleben werden sämtliche Unsere Marketingmaterialien zum Nulltarif erarbeiten und lediglich durch unterwürfigste Dankbarkeit, für Uns arbeiten zu dürfen, entlohnt werden. Die bisherige Agentur „Artklops“ taugt nichts, noch eintreffende Rechnungen werden auf das Konto von Kleinherr-Schönleben gebucht. Achtung! Übermorgen Parkverbot am Großen Giebel des Hochspeichers! Ein Bildnis von A. Nitzsche auf Blattgold wird mithilfe zweier Helikopter angebracht. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Neu bei Nitzsche

Der Torfbrand ist unter Kontrolle

Mit dem gestrigen Tage sind die Wochen des verstärkten Arbeitsschutzes im Getränkemarkt A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) erfolgreich zu Ende gegangen. Alle Laufstege wurden farbenfroh gekennzeichnet. Die wichtigsten Zuwegungen sind weitgehend scherbenfrei. Der Torfbrand in Planquadrat B4 ist unter Kontrolle (Whiskyherstellung). Der sehr hohe Gebindestapel vor Halle 11 (Weltrekordversuch Hofarbeiter) ist nicht schief, der sieht nur so aus (und darf gern weiträumig umfahren werden). Zu allem Überfluss fand gestern eine Verlesung der Hausordnung inklusive aktueller Hygieneregeln statt, bei der alle Anwesenden in einen lang anhaltenden, sehr erholsamen Mittagsschlaf fielen. Nie war es sicherer, bei Uns Getränke einzukaufen. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef 

Neue Preise

Aufgrund der weltweiten Lieferkettenstörungen, des Chipmangels und einer Laune der Geschäftsführung haben wir unsere Preise anpassen müssen, wie Sie bitte unserem obenstehenden Inserat entnehmen möchten. Wir wünschen weiterhin viel Freude mit unseren Produkten, die jetzt noch billiger sind, obwohl wir uns das gar nicht leisten können.

Werbeunterbrechung

Wenn Sie tatsächlich mehr als dieses obskure Objekt betrachten möchten, ohne die vorliegende Website zu verlassen, bitten wir Sie, mit Ihrem Zeigegerät auf das obskure Objekt zu klicken und sich ungefragt von der hinterlegten Überraschung begeistern zu lassen.

Neu bei Nitzsche

Der Hofarbeiter rechts ist abgängig um Hinweise wird gebeten

Letzter Aufruf Wir der liebe Herr Getränkehändler A Nitzsche in Machern man muss nur machern fordern den seit vorgestern wiederum abgängigen Hofarbeiter zur sofortigen Rückkehr an den überbezahlten Arbeitsplatz auf Unwillen und Raserei führen Meine Hand die Satzzeichen klemmen und der Leergutbereich quillt über Heimwärts Knecht Ende der Durchsage Nitzsche Chef

Besuch aus Hollywood

Modernste 3D-Technologie ermöglicht atemberaubende „Blockbuster“-Streifen

Der Hollywoodmogul hatte es sich auf dem Heimarbeitssofa des kleinen Herrn Schönleben bequem gemacht. Schönleben wippte nervös in seinem Schwingsessel auf und nieder. Eigentlich forderte ihn sein Laptop zu einer fünfzehnminütigen Ruhezeit auf, aber was sollte er machen, wenn dieser seltsame Gast sein Sofa blockierte? Er hatte sich als Herr Goldwien (oder ähnlich) ausgegeben und war mit der Metro gekommen, um Schönleben bei der Arbeit zuzusehen.

Das Ganze war sicher ein Missverständnis. Der Art Director in seinem krankhaften Egomanenwahn trieb sich permanent auf irgendwelchen Netzwerk-Partys herum, prahlte mit seinem „Staff“, dessen „Skills“ und „Performance“, um irgendwie den Abflug in eine ernstzunehmende Agentur zu schaffen. Dafür klaute er sich aus dem Internet angebliche Arbeitsproben zusammen, die er permanent auf seinem Telefon hin und her wischte. Die bemitleidenswert räudigen Grafiken mit den vor Rechtschreibfehlern strotzenden Texten seiner Untergebenen waren nicht dabei.

Der Mogul aber hatte sich bei einem dieser Events wider Erwarten interessiert gezeigt an den atemberaubenden 3D-Fertigkeiten des kleinen Herrn Schönleben, der in der Agentur für die Schaffung der virtuell begehbaren Tortendiagramme zuständig war. Bisher waren diese lediglich in einer Internet-Präsentation des Herrn Dachdecker Schnürgel aus Albersdorf zur Anwendung gekommen, der damit potentielle Investoren ködern wollte. Aber Schönleben musste für den Art Director „in freien Stunden“ Unmengen ebensolcher Diagramme basteln, in denen dieser im Rahmen seiner nächtlichen Drogeneinnahme stundenlang umherirrte.

Schönleben jedenfalls schichtete nun mit den von Pralinen klebrigen Fingern Torte auf Torte, Tortenstück auf Tortenstück, jeweils wie aus bunt gefärbtem Glas, durch die er sich schließlich wie ein Äffchen hangelte, magische Welten, die im Mogulen durchaus einen kleinen Rausch zu entfalten schienen, starrte er doch mit weit aufgerissenen Augen auf das schnarrende, pfeifende, rasselnde Billiggerät, an dem Schönleben seine Befehle mit zwei Fingern in kryptischen Zeichenfolgen einklackerte.

Nach vier Stunden erhob sich der Mogul ächzend vom Sofa, rieb sich den Schlaf aus den Augen, presste „Great work, guy!“ und „Absolutely awesome!“ durch die Zähne, schleppte sich zur Tür und ward nie wieder gesehen. Der kleine Herr Schönleben schnellte auf das schön angewärmte Sofa und schlief durch bis zum Spätfilm.

Neu bei Nitzsche

Der Proseccoautomat nach der Sturzentleerung

Wegen einer misslungenen Manipulation des Proseccoautomaten durch den sehr verehrten Hofarbeiter, dessen vierte Abmahnung in diesem Monat bereits in Arbeit ist, werden Prosecco und artverwandte Produkte ab sofort individuell, analog und ohne Vortäuschung künstlicher Intelligenz durch den lieben Getränkehändler A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) persönlich ausgegeben. Kein Aufpreis, kein Pfand, keine Rechnung. Reelle Kalkulation. Abgabe auch in Übergrößen. Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Klappe!

Filmstudios befinden sich oft in coolen, abgeranzten Locations

Der kleine Herr Schönleben war vom Art Director zum Dreh eines Werbespots kommandiert worden, weil „alle anderen in diesem Drecksladen noch dämlicher“ als er seien und jemand den Filmfritzen auf die Finger klopfen müsse, damit der „Spirit of the Campaign“ nicht verlorengehe.

Im Studio stand der kleine Herr Schönleben sinnlos pfeifend in der Ecke, bis sich jemand erbarmte und ihm eine Klappe in die Hand drückte, auf die die aktuelle Szene, „The Take“, mit Kreide geschrieben war. Wie in diesen Hollywoodfilmen über Hollywoodfilme! Der kleine Herr Schönleben plusterte sich auf, fühlte sich plötzlich immens wichtig, rannte wie aufgezogen herum, und sobald irgendjemand etwas sagte, knallte er mit der Klappe und rief, so laut er konnte: „Klappe! Klappe! Klappe!“

Umgehend wurde er in den Frauenruheraum verbracht, mit feuchten Tüchern abgekühlt und in den Schlaf gesungen. Der „Spirit of the Campaign“ mischte sich mit den kreativen Ausdünstungen der Crew zu etwas komplett Ungenießbarem, Chef und Art Director waren bei der Präsentation vor Begeisterung aus dem Häuschen und hefteten dem kleinen Herrn Schönleben ein virtuelles Bienchen an, das erste in seiner Karriere.

Vom Undank

Gratifikationsentsetzen

Der kleine Herr Schönleben hatte einen wichtigen Auftrag für einen wichtigen Kunden glücklich beendet; zwar etwas verspätet, doch zur äußersten Zufriedenheit des Art Directors, der die speziellen Wünsche des Kunden mit aller Macht durchgesetzt hatte. Es war ein Männlein zu zeichnen mit unverkennbar folkloristischem Einschlag, Hut, Bärtchen, landsmannschaftlich gefärbter Mundnasenbedeckung — alles in allem eine extrem aufwendige, diffizile Arbeit, die man nicht so einfach aus dem Internet herunterladen konnte, jedenfalls nicht von den Seiten, auf denen der kleine Herr Schönleben üblicherweise unterwegs war.

Der Kunde war glücklich und schickte eine Palette Pralinen in die Agentur, von der allerdings nur eine leere Kartonage in Schönlebens Homeoffice ankam, den Inhalt hatten offensichtlich Chef und Art Director gemeinsam im Bureau verzehrt, wahrscheinlich unter Absingen hämischer Lieder, denn es handelte sich um die guten Alkoholpralinen, die auch der kleine Herr Schönleben besonders schätzte. So legte er sich frustriert und erschöpft ins Bett und bohrte noch ein wenig mit einem Wattestäbchen in der Nase, bevor er in tiefen Schlummer sank und von Himbeergeist in Schokoladenkruste träumte.