Kategorie-Archiv: Durch Fauna und Flora

Durch Fauna und Flora

Dichter und Kater

woelkchen

Ich lieg mehr schlecht als recht
im Garten. Stell mich lesend.
Das Wölkchen von dem Brecht
ist immer noch anwesend.
Es war wohl niemals fort.
Es hängt an seinem Ort
so ungeheuer oben
und dreht, wenn Stürme toben,
ganz sacht nach Süden weg.
Nun wieder hier am Fleck.

So wollte es der Dichter Brecht.
Im Vorderkopf klopft arg der Specht.

Troll-Protokoll

abgang

Weitere Unschärfen ergaben sich im Laufe des Abends, wobei die Katze einen doppelt indizierten Spitzschatten produzierte und sich trollte. Apropos: Der Roller im Schuppen ist ein Wiesel oder ein Berlin, aber kein Troll.

Gezeichnet
Unterschrift
Ort, Datum

Hilfreiche Belehrungen

gaense

Gänse auf dem Stoppelacker:
Kann ich durch sie schreiten wacker,
oder sollte ich stattdessen
Abstand halten, nicht vergessen,
was mich einst die Kindheit lehrte,
als ein Schnabel harsch verheerte
meine Wade? — Das tat weh!
Ich bin feige und ich geh
um die Vögel einen Bogen.
Schließlich bin ich gut erzogen.

Falls du also Gänse triffst
abends auf dem Boulevard:
Achte, dass du sie umschiffst,
denn gefährlich ist die Schar.

Mehr Johannisbeer-Wächtertiere!

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“Würde es, um den Faden wieder aufzunehmen”,  sprach der Biologe zu Karl Gong, “in diesem Land mehr Johannisbeer-Wächtertiere geben, wäre allen geholfen.”

“Welcher Faden?” fragte Karl Gong, der in seinem großen Gehirn gerade gänzlich andere Probleme bearbeitete.

“Johannisbeer-Wächtertiere sind sehr hübsch”, führte der Biologe weiter aus, “und sie bewachen die Johannisbeeren.”

“Was denn für Johannisbeeren?” fragte Karl Gong, sich mit äußerster Kraftanstrengung auf dieses abwegige Thema konzentrierend. “Zur Zeit sind überhaupt keine Johannisbeeren existent, außer in Konserven, Marmeladen oder Tiefkühlkombinationen.”

“Genau das ist das Problem in diesem Land!” sprach der Biologe blöd auftrumpfend, wie alle, die gern blöd auftrumpfen.

Karl Gong stöhnte geräuschvoll, überlegte eine Replik, unterließ es aber, diese zu äußern, und begab sich wieder in seine Problemwelten, die ihn mehr interessierten als irgendwelche übriggebliebenen Urzeitpferdchen, die wie aufgezogen im Kreis auf Eimerrändern herumrannten.

Vielleicht ein Fehler.

Das Pudelverbotsschild

pudelverbot

Immer, wenn Karl Gong wieder einmal zufällig das Pudelverbotsschild in seiner Bildersammlung hervorkramte, erschien dieses gefährliche Leuchten in seinen Augen, und er musste jemanden anrufen, dem er von dem Pudelverbotsschild berichten konnte, es war ein Hang, ein Drang, ein Zwang. Das wiederum erfolgte schließlich, in Ermangelung anderer Hobbies des Gong und aufgrund der allgemeinen Verwahrlosung seiner Person — besonders im Bureau, das er des Geldes wegen besuchte — recht häufig, fast wöchentlich, so dass eigentlich jeder in seinem Bekanntenkreis bereits Kenntnis vom Pudelverbotsschild erhalten hatte, und diejenigen, die über elektronische Empfangseinrichtungen verfügten, hatten es tatsächlich schon (teils mehrmals) vom Gong zugesandt bekommen, angesehen und seufzend in überquellende Download-Ordner fallen lassen, wo es den Gang alles Digitalen antrat: Vergessen, Auflösung, Inexistenz. Immerhin, Karl Gong war glücklich, er hatte korrespondiert, die Bekannten waren erleichtert, dass sie ihn nicht “liken” mussten, darauf legte er keinen Wert, er hatte auch nicht die notwendigen Vorkehrungen getroffen, um “Likes” empfangen zu können. Man wünschte sich ein schönes Wochenende, der Adressat dachte nicht weiter über den Pudel nach, bis dieser sich irgendwann in finstere Träume einnisten würde, nach Jahren, Jahrzehnten, aber vielleicht hatte man Glück und war dann bereits tot.

Gibt es eigentlich noch Pudel?

Möwe total

moeve-total

Möwenwoche endet hier.
Lieblich gockt das Federtier.
Nutzlos latscht es auf der Mole,
dass der Fischer endlich hole
ein die Netze. Dann umflattern
mit nervös gepresstem Schnattern
Alle Emmsen Fischers Haupt.
Der lacht am Messer.
Na, wer’s glaubt.

Für angehende Autoren von Horrorgeschichten

spinnennetz

Vielleicht will ja jemand Autor von Horrorgeschichten werden. Hier mal ein Tip: Irgendwie URST große Spinnen erfinden, in deren Netze sich Möwen verfangen. Also nicht bloß die üblichen Vögel, auf die es die Vogelspinnen abgesehen haben, das ist ja sozusagen dem breiteren Publikum bekannt, dieses Phänomen, dito langweilig. Aber Möwen stelle ich mir echt viel ekliger vor, uah, in so einem Netz gefangen, das ist echt gruselig. Das muss dann natürlich ausgewalzt bzw. breitgetreten werden, dass auch möglichst viele Menschen irgendwie Schaden nehmen, muss ja nicht gleich tot, kann ja auch mit Augen aushacken oder schleichender Irrsinn oder so, es gibt da Möglichkeiten.

Gern mal ausprobieren als angehender Autor, mir ist das zuviel Arbeit. Außerdem zu gruselig.

Die neuen Möwenklos

moevenklo

Die neuen Möwenklos im Seebad erfreuen sich großer Beliebtheit. Trotzdem wird eine angemeldete Demonstration am Mittwoch (warum am Mittwoch?) darauf hinzuweisen versuchen, dass es sich bei der Installation der Anlagen wahrscheinlich um gewissenlose Geldverschwendung durch die Altparteien oder wen auch immer handelt (Recherche im Internet läuft der Sache auf Grund). Außerdem soll die Frage gestellt werden, ob nur ansässige Möwen die Klos nutzen dürfen, oder ob dem Missbrauch durch zugeflogene Exemplare der Riegel geöffnet ist. Dies wäre in den Augen einer größeren Anzahl der Seebadler und ihrer Gäste durchaus problematisch, wie anzunehmen ist, aber vielleicht immer noch besser, als wenn der Möwenschiss in denselben landet.