Kategorie-Archiv: Durch Fauna und Flora

Durch Fauna und Flora

Ernüchternd

kuehe

Selbst an jenem Tag mit diesem ungewöhnlich hellblauen Lichtstrahl, der plötzlich alles verzauberte und eine kleine Ahnung von Aufbruch und Freiheit erwirkte, standen sie einfach nur dumm rum und wühlten mit ihren Nasen im Dreck.

Vormai

springbrunnen

Sieh, mit allergrößter Kraft
sprudelnd ward es Lenz.
Und sind dreißig Grad geschafft,
hebt sich’s Dach vom Benz.

Brünnlein spuckt mit feinem Strahl,
zierlich eingehaust.
Ich hau dir auf den Karpal,
wenn du mein Bier maust.

Wellblechhütte als Büro,
stockend rinnt die Zeit.
Erstmal setz ich mich aufs Klo,
bis es endlich mait.

Heimatliebe

grasbach

Überall im Speicher liegen sinnlose Bilder mit Schnee, die keiner mehr sehen will, die aber aufgebraucht werden müssen. Wenn die Betrachter sich bitte alle mal fröhlich auf den Daumen klopfen könnten (“Like”)? Dann wird vielleicht das Heimatministerium aufmerksam und kauft mir den Quatsch ab. Immerhin ist auch eine Kirche mit drauf, nicht nur Bambus.

Schlamm

schlamm

Abends blas ich auf dem Kamm
und marschiere durch den Schlamm.
Bis zum Knöchel tief im Schlick,
klatsch die Mücken im Genick.

Ach, ich liebe den Morast,
denn er hindert meine Hast.
Saugt mich fest ans tiefe Feld.
An mir klebt die ganze Welt.

Bodenständig bin ich, schwer!
Und ich wink euch zu mir her,
stecke fest bis zu den Ohren.
Gummistiefel? Längst verloren!

Zieht mich aus der weichen Scholle!
Spannt mich wieder auf die Rolle!
Lasst mich spüren Asphalt, süßen,
unter meinen nackschen Füßen.

Erstmal nun genug mit Schlamm.
Ich spiel Lieder auf dem Kamm.
Nehme, was mein Leben ist,
vorerst an, ich Zivilist.

Ach wie war der Winter schön

schnei

Ach wie war der Winter fein.
Nun ergrünen Wald und Hain.
Weggetaut der schöne Schnee,
und mir tut das Herze weh.

Denn es ist zwar nicht mehr kalt,
aber dafür bin ich alt,
also älter noch als früher.
Da hilft auch kein Frühlingsblüher.

Doofes Sprießen überall,
während in mir gärt Verfall.
Ich erwerbe Gartenscheren,
Um in letztem Aufbegehren

grünen Terror abzuwehren,
Strauch- und Buschwerk zu verheeren,
jauchzend von der süßen Qual.
Ist es schon das letzte Mal?

Ach wie war der Winter schön.
Stöhn.

Frühjahrsbestellung

LPG

Herbizide: Was man nimmt,
Fungizide: Abgestimmt.
Pestizide: Was man braucht,
Damit nichts mehr kriecht und kraucht.

Gene ein- und ausgeschaltet,
Dünger nach Gebot verwaltet.
Straße, Graben, Monofeld:
Jeder q-m pures Geld.

Was die Industrie verschreibt,
Wird dem Boden einverleibt.
Leben soll, was Kohle bringt.
Stilles Land. Kein Vogel singt.

Wildwuchs endlich abgekratzt,
Hör, wie schön das Fleischtier schmatzt.
Halt die Klappe, friss den Braten,
Schieß die Gänse von den Saaten,

Nimm die Subvention aus Brüssel,
Hau dem Wildschwein vor den Rüssel.
Ordnung sei auf deutscher Flur:
Mensch und seine Nahrung nur.

Abendland

abendland

Bei geringem Sonnenstand
Überm kleinen Abendland
Digischnappe in der Hand:
Märkisch unfruchtbarer Sand,

Auf der Nase Sonnenbrand,
Große Geste unbekannt,
Große Liebe unentbrannt,
Große Zimmer stets vakant.

Als die Sonne dann verschwand,
Kaufte ich beim Schnellversand
Einen schönen Fotoband.
Riss ein Bild raus für die Wand.

Foto: Dunkler Waldesrand,
Wo sich, wie ich weiß, befand
Rebhuhn, Wildschwein, Elefant.
Langsam leidet mein Verstand.