Atlantis

wasserlicht

Das Tourismusbüdchen an der Hauptstraße hatte ins Internet geschrieben, dass der Stein, den der alte Knüresen vor vierundneunzig Jahren in die See geworfen hatte, um damit den sehr großen Fisch zu verjagen, der das Dorf seit Monaten terrorisierte, ein Überbleibsel von Atlantis wäre, der sagenumwobenen Stadt, wo die Fischernetze aus Gold waren und die Mädchen Flossen trugen, um schneller schwimmen zu können. Die beiden Verantwortlichen im Büdchen legten sich dermaßen ins Zeug, dass sie bald begannen, alles, was sie sich ausgedacht hatten, auch zu glauben. Sie benutzten die Telefone, die ihnen von den Enkelinnen geschenkt worden waren, um bemitleidenswerte Fotos anzufertigen, die sie prompt automatisch verfremden ließen, praktischerweise mit dem Effektfilter “Atlantis”, einfacher geht es nun wirklich nicht. Eine Weile berauschten sie sich am Ergebnis ihres Tuns, der famosen Webseite Es-ist-gewiss-Knueshagen-war-Atlantis.de, dann aber tauchte wie aus dem Nichts ein Bulldozer auf, schob das Büdchen zur Seite, und binnen Jahresfrist strahlte ein weiß angepinseltes Appartementhaus mit verschnörkelten Holzbalkonen die zombiehaft vorbeitrottenden Urlauber an.