Aufregend aufragend

nachthaus
Das neue Hochhaus in der Kreisstadt

Karl Gong, der sich nach Monaten der Fron auf dem Grundstück der Unangetrauten einige Stunden Erholung ausgebeten und schnaubend erhalten hatte (“Wieso Erholung, es war doch eben Weihnachten?”), begab sich in die nahe gelegene Kreisstadt, um endlich einmal etwas anderes zu riechen als Wildschweinatem, Pferdedung und Saporoshez-Abgase, frei schritt er die Gassen entlang, blickte staunend in die Höhe, sah all die Lampen funkeln und blitzen, staunte zu den erleuchteten Fenstern der Bürger hinauf, die in geheizten Wohnungen ihre behaglichen Abende verbrachten, und als er gar auf einen ausladenden Platz einbog, erblickte er hinter den bereits unerklärlich aufragenden Wohngebäuden das neue Hochhaus der Kreisstadt, das eigens für den Bürgermeister errichtet worden war, damit er einen besseren Überblick über die renitente Bevölkerung erlangen konnte, und Karl Gong, dem von all der Moderne schon die Herzklappen schlackerten, holte sich an einer Imbissbude einen Tee ohne Zucker (für mehr reichte das Taschengeld nicht), wärmte sich so lange wie möglich die Hände daran und trank in winzig kleinen Schlucken, bevor er wieder auf seinen unangetriebenen Tretroller stieg, denn das Klapprad hatte er Am Kombinat über den Graben geworfen und in all dem kaputten Unrat nicht wiedergefunden, weil es selbst schon sehr kaputt gewesen war.

Von der Kreisstadt nach Hause ging es bergab, die stolzen Orte im Lande waren auf Hügeln erbaut, während sich die bemitleidenswerten in die Täler duckten, Karl Gong ließ den Roller laufen, achtete auf seine Haltung, schob sich immer wieder elegant und kraftvoll ab, nahm die Kurve bei der alten Schulzen mit Schmackes, verfehlte die Brücke über den Kratzbach, weil er von einem Schlagloch ausgehoben wurde, und flog über den Zaun von Schuldirektor Schnöttke, der ihn mit einem Grog auf das Sofa bettete und zwei Tage lang über die Straßenverkehrsordnung belehrte.