Kategorie-Archiv: Geerdet & kurzgeschlossen

Geerdet & kurzgeschlossen

Von Träumen und Vorhaben

rippchen

Karl Gong kam morgens nicht so ganz flüssig aus dem Bett, er hatte einen seltsamen Traum genossen, dessen Bilder ihn noch verfolgten, als er das Handtuch über den Heizkörper im Keller legte (der einzige, der noch warm wurde), und er beschloss, abends mal wieder zum Akkordeonklub zu marschieren. Aber vorher würde er einen Teller Rippchen essen und sich dabei sein neues Saurierbuch ansehen.

Klar und wahr

vodka

Wenn es einen Anlass gibt:
Hoch die Tassen! Tassen hoch!
Wenn es keinen Anlass gibt:
Höher geht es immer noch!
Denn die Wahrheit, Freunde, Prawda,
ist: Das Lehm ist kurz.
Darauf noch ein neues Glas, klar,
und auch einen frohen
Schniefer, dass bis jetzt eigentlich alles so ziemlich gutgegangen ist,
hätt ma jar nich jedacht, wa.

Über die Kunstbetrachtung

kunst

Neulich gab es wieder Kunst.
Leider war sie sehr verhunzt.
Einem Bild war aus der Mitten
einfach was herausgeschnitten.
Auf dem andern hatten Knaben,
die etwas DAGEGEN haben
(oder waren es gar Damen,
die gerad des Weges kamen),
Einen Kübel Teer entleert.
Das schien mir durchaus verkehrt.
Denn die Kunst, soll ich sie schauen,
Soll mich — bitte sehr — erbauen.
Schön und glatt und ohne Makel,
Kein Gekriekel und Gekrakel,
Weiß und zart als wie ein Arsch
oder ein Fillet vom Barsch.

alles Gute für heute

allesgute

Karl Gong hatte sich Urlaub genommen, denn am Freitag dem Dreizehnten wünschte er nicht seinen verantwortungsvollen Dienst an der Menschheit abzuleisten — Unglück, Chaos, Katastrophe galt es zu verhindern, still in die Schankwirtschaft wurde geschlichen, still mit erhobenem Zeigefinger ein Helles geordert und mit weiteren Hellen abgelöscht, bis der bedrohliche Tag an Kontur verlor, alles angenehm schwammig und schummerig und unscharf sich anfühlte, wie in Watte und verlorene Brille gepackt, und Karl Gong ließ sich nach erfolgter Sedierung von seinem Rollator halbwegs sicher nach Hause bringen, nicht allerdings ohne sich auf diesen falschherum draufgesetzt zu haben und umgekippt zu sein, jedoch gottlob ohne schwerwiegende Folgen, was dann natürlich wieder eigentlich enttäuschend war an einem solchen gefährlichen Tag.

Aber die Steuerberaterin, dachte Karl Gong, als er sich im bläulichen Nebel seines Bettes dem Hellkoma hingab, die hat mir immerhin alles Gute gewünscht, dabei kann ich mich nicht erinnern, jemals Steuern gezahlt zu haben.

Anbahnung

erwartet

“Da wartet wohl ein Herr
per Aufkleber
auf mich.
Warum?”
“Na du, vlei liebt der dich?!”
“Orr nee!”
“Nu-nu.”
“Orr geh!”
“Nee du, nu sträube dich dor nich!
Wenn der so artig fragt.”
“Orr nee. Was der so sagt!
Ich mach mir darauf keinen Reim.”
“Na Alter, lässtes eben bleim.”

Eine Zukunft als “Hölleninsasse” wird abgelehnt

engel

Etwas unwohl war mir durchaus, als ich die Engel-Apotheke betrat, aber ich dachte, während mir die Nase und ein leises Zittern den Rücken hinunter lief, das wird schon gut gehen. Und wenn nicht, ist eine Weiterexistenz als Engel immer noch besser als in die andere Richtung verfrachtet zu werden.

Apropos: Eine Anfrage an das allwissende Internet erbrachte genau 394 Treffer für “Hölleninsasse”. Viel ist das nicht für eine der Grundsäulen einschlägiger Glaubenssysteme.

Vollidiotisierung

Beim Durchblättern des Altpapiers fiel mir in der Dorfzeitung die folgende Überschrift ins Auge:

Tausende Leipziger sind 2018 von der Vollidiotisierung der Fernsehprogramme betroffen.

Es ging dann aber doch nur um eine sogenannte Volldigitalisierung. Kommt bei den Privaten sicher auf’s selbe raus.

Ende einer Jahreszeit

Hier im späten Winter-Garten
Wandere ich über harten
Grauen und bereiften Boden,
Trage filzig dicke Loden,
Und ich denke in der Schwere
Dieses Elends, wie es wäre,
Heu zu wenden auf den Almen,
Bis die Riementriebe qualmen,
Auf dem Trecker fröhlich sitzend,
In der Abendsonne schwitzend:
Warmes, duftig-weiches Heu!
Dass ich’s könnte, wär mir neu.