Karl Gong im Strudel des Seins

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Eine seltsame Gelenktheit und Ungelenkigkeit ergriff Besitz von Karl Gong, dem eigentlichen Stoiker, der nichts fürchtete außer der Verpflichtung, Pakete mit Waren zu retourieren, die man ihm zugeschickt hatte und die er aufgrund von fertigungstechnischer Schlamperei sogleich zu zerbrechen trachtete, dann aber nur wutschnaubend im Zimmer hin und her und im Kreise schob, augenrollend und vor sich hin muffelnd, klagend und greinend; diese Pakete also wieder zurückschicken zu müssen, erfüllte ihn mit Gram und Panik, denn persönliches Erscheinen in der Zentralen Rücksendestelle war geboten, die er nicht nur ihrer schieren Existenz, sondern auch der darin beschäftigten Spezialisten wegen verabscheute.

“Ich war einmal Fertigungstechnologe, und ich weiß, wie Produkte korrekt herzustellen sind, ihr tauben Brote, jawohl!” schrie er die tauben Mauern seines Gehäuses an, die fade zurückschwiegen, obwohl sie nicht aus Brot waren.

Wie ein Tiger im Käfig schlich er an der Schrankwand entlang, machte am Plattenspieler kehrt, dann an der Minibar, immer auf und ab, er suchte nach Lösungen, verschenken an ungeliebte Verwandtschaft war keine Option, Freunde besaß er seines Wissens nicht, und das Produkt im Garten zu vergraben verbot ihm der Gedanke, wie die Holde es beim Roden der allgegenwärtigen Silberdistelableger fragenden Blickes hervorziehen würde.

Die Holde, für die das Produkt eigentlich gedacht war, würde zu ihm stürmen, die zum jetzigen Zeitpunkt offensichtlichen Mängel aufgrund des Verrottungszustandes nicht mehr erkennen können und ihm jauchzend mitteilen, was für ein schönes Stück sie soeben im Garten fand, etwas, das sie sich schon immer gewünscht habe, zwar durchaus angegriffen, aber anscheinend funktionstüchtig, und sie würde ihn, Gong fragen, warum er noch nie auf die Idee gekommen wäre, ihr genau so etwas zu schenken, er kenne sie eben nicht, interessiere sich nicht für sie, höre nie zu, etc. pp.

Karl Gong vergrub das Produkt im Garten.

Das Dreieck

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Letztens befuhr ich, was selten genug vokommt, mit meinem Automobil eine der glatten Straßen des ansonsten bemitleidenswerten Ortes, in dem ich meine Arbeit zu verrichten habe. Plötzlich verschwand etwa fünfzig Meter vor mir ein Dreieck in einem Gully. Für eine Ratte passte die Geometrie nicht, ein Hai wäre unlogisch gewesen, denn so viel hatte es nicht geregnet. Neugierig drosselte ich das Tempo, und tatsächlich tauchte schließlich kurz vor der Haube, als wäre es das natürlichste von der Welt, ein Vogel aus dem Gully auf, sah mich kurz aus seinen schwarzen Knopfaugen an und flatterte seines Weges.

Zu lernen gibt es aus dieser Begebenheit zweierlei: Erstens, Augenkontakt im Straßenverkehr ist wichtig, und zweitens, der Ort ist doch nicht so bemitleidenswert, wie ich dachte.

Nachts über dem Hafen

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Seit die Kinder nur noch daddeln,
nicht mehr wild im Becken paddeln
oder von der Mole huppen
in gefährlich großen Gruppen,
hat der liebe Rettungsschwimmer
im beheizten Ausguckzimmer
auch einmal ein Bierchen offen
(alkoholfrei, bleibt zu hoffen).
“Prost”, ruft es vom Hafen forsch.
Draußen fangen Fischer Dorsch.

Der Kloß

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Beispielfoto: Hafen als Standort

Weil ich Sie grade treff,
Herr Chef,
Reiseleiter,
unser Begleiter,
von Ihnen ein Grußwort
hier am Hafen als Standort,
also,
hoho,
war der Rhodos-Kloß
nur einfach groß
oder gar gigantisch-riesig,
– vor Aufregung nies ich –
quasi im ganzen kloßal,
phänomenal
und somit äußerst beachtlich?
Dies fracht dich
der Tourist,
der nun mal hier ist,
ausgehungert
rumlungert
und sich versucht vorzustellen
den gänzlich virtuellen,
weil leider verschwundenen,
nie wieder gefundenen
Kloß
von Rhodos.

Vom Renegatentum

Karl Gong, sonst kein Kind von Traurigkeit, ward befallen von einem taglangen Trübsinn, ausgerechnet als alle andern ihre frohe Ausgelassenheit ausstellten mit knirschenden Gesichtern, singenden, schlingenden und letztlich aufspringend schwallenden Mündern, ihre Herrschaft über alles in der Welt bekräftigten und die über sich verloren, noch besudelt im Straßengraben krakeelend, bis sie in stabiler Seitenlage zum Verstummen gebracht wurden.

Als das Geschrei und die Tumulte verebbten, verließ Gong die Schauplätze des Geschehens, schwankte, langsam sich aufhellend und fast schon froh, heim in seine fensterlose Kammer zu seinem kleinen Kühlschrank und verprobte diverse Kostbarkeiten, bis er selbst, für andere unhörbar hinter dicken Mauern, unflätige Lieder plärrte, in die Hände klatschte und schließlich gegen das Regal mit den Amiga-Schallplatten fiel, das, soviel sei zum Abschluss verraten, zum Glück keinen Schaden nahm.

Liebesgedicht

fuesse

Ich möchte dich begrüßen
nicht nur mit meinen Füßen
in eiseskalten Fluten
(auch gern auf Kohlengluten) –

wo du mich eben findest
und zärtlich an dich bindest
mit ausgesuchten Strippen.
Sieh, hier sind meine Lippen!

Zieh mich aus diesen Wellen
zum Himmelblau, dem hellen,
hinauf an meinem Nasenloch.
Sonst kühl ich mir die Blase noch.

Die Reise zu den Sternen (Auszug)

area51

Bei einem Arbeitsbesuch in Area 51 wurde der Problembär in die Welt des beweglichen Geschirrs eingeführt, die ihn jedoch aufgrund der fehlenden Gläser rasch zu überfordern schien. Die anschließende Aufforderung, es doch gleich einmal in der angeschlossenen Kantine vom Untertassenwäscher zum Millionär zu bringen, quittierte der Problembär mit umgehender Flucht zur Greyhound-Haltebucht, die sich jedoch schon nach wenigen Tagen als Attrappe herausstellte.

(Wird eventuell fortgesetzt.)

Von der Knusprigkeit

protein

Karl Gong, der bekannte Feinschmecker, zeigte sich entschlossen, die fetttriefenden Köstlichkeiten, die er allabendlich zum Bier zu verzehren pflegte, durch proteinreiche, doch kohlenhydratarme Alternativen zu ersetzen, die, wie er überrascht feststellte, in Sachen Knusprigkeit keine Wünsche offen ließen.

Ginouh!

ginouh

Bunt ist das Ginouh wie das Leben.
Vorhang zur Seite, aufwärts streben
die Säulen und die Intentionen,
verkündet aus den Megaphonen.

Wir lümmeln in den alten Sesseln,
verzehren Bier aus Kupferkesseln,
verfitzen uns in Handlungsstränge
und zahlen gerne Überlänge.

Es ist noch Zeit zum Happy End.
Hauptsache, dass man’s nicht verpennt.

Gut gesagt – gern gesagt

Es gibt einige Dinge, die als halbwegs bewiesen gelten können, wie zum Beispiel die Existenz bzw. Nichtexistenz von Gott. Über jeden Zweifel erhaben allerdings ist die Tatsache, dass kein Planer von Radwegen jemals auf einem Fahrrad gesessen hat.