Aus der Nachbarschaft

drums

Karl Gong, der bekannte Höragnostiker, wanderte im Treppenhaus auf und nieder (weiter südwestlich: Stiegenhaus), um der Quelle eines Geräusches nachzuspüren, das in rhythmischen Schüben die Lautäußerungen seines Neue-Musik-Plattendrehers (er besitzt für jede von ihm geschätzte Musikrichtung einen eigenen Dreher) übertönte, überdröhnte, unmäßig, aber nicht reizlos, und ganz tief im Unterbewussten hoffte er, dass es sich um etwas Schweinisch-Anregendes handeln könnte, das da rumpelte und malmte und zischte und radängderte. Als er schließlich im Hochparterre durch den Türspalt der Wohnung einer vor kurzem eingezogenen Dame ein schrilles rotes Licht schimmern sah, kannte seine Erregung keine Grenzen mehr, er wagte das Äußerste und klingelte zitternd. Die Dame öffnete, sie war behangen mit glänzend schwarzem Leder und trug Schweißperlen auf den unbedeckten Körperflächen, Gong grunzte, erblickte im Hintergrund die Quelle des Lärms, schrie panisch auf und wandte sich schaudernd dem Treppenhaus (Stiegenhaus) zu, hechtete die Absätze zu seiner Behausung hinauf und drehte weinend den Dreher lauter.

Teegedicht ohne wirkliches Ende

tee

Noch einen Tee zum Ende
an diesem Arbeitstag.
Es meldet sich die Lende,
die nicht mehr hocken mag.

Noch eine Stunde Schreibens,
dann geht es frisch hinaus.
Genug des Ämtertreibens,
raus aus dem Irrenhaus!

Gong schwebt durch nasse Lüfte,
durch dunkles, fieses Grau.
Er riecht schon Frühlingsdüfte,
von weitem seine Frau.

Da ist sie schon, die Gute,
in ihrem Wickelrock!
Doch sie zieht eine Schnute,
und hat noch keinen Bock.

“Lass uns zur Schenke schleichen,
und wenn dein Zaster reicht,
könntest du mich erweichen,
mein lieber Karl, vielleicht.”

Champagner lässt sie schmusen
verliebt im Separee.
Gong trinkt an ihrem Busen
aus Kostengründen Tee.

Wellness

wellness

Karl Gong wollte Wellness machen,
fröhlich in der Wanne liegen,
nackich, also ohne Sachen,
und davon Gesundheit kriegen.

Aber es ist nicht gelungen,
diesen Plan auch auszuführen,
jede sprach in fremden Zungen.
Ihm blieb nur, davon zu schnüren,

wie der Fuchs vorm Maschenzaun.
Drinnen gurrten all die Fraun.

Zuluft

zuluft

Ich stand mit meinem Einkaufswagen
still neben der Tür,
da hörte ich sagen:
“Verschwinden Sie hier!
Sonst gips nicht genug
Zuluftfläche für Rauchabzug!”

“A wa”, sagte ich, “na sowas, dann wende
ich mich von hinnen, sonst gibt es zum Ende
Vielleicht noch eine Katastrophe.”
“Nu, wird ouh Zeit!” sagte der Doofe.

“Dann Dank für den Hinweis, Sie oller Wicht.”
Der Wicht entgegnete: “Dafür doch nicht.”
So schieden wir weitgehend einvernehmlich.
Der Zulufthüter kam dem Nächsten dämlich.