Harmonie

gaffee

Heute macht der Bär die Küche,
davon zeugen Wohlgerüche:
Kaffee, Rotwein, Braten, Kuchen.
“Willste oma Met versuchen?
Ja? Derweile wasch ich ab.”
Ouh, das Bärchen ist auf Trab!
Hat wou scheints was ausgefressen?
Ach, vergeben und vergessen.

Roman-Ende

ziegenschafberg

[…]

Ihr kleines böses Gesicht hinter der Frontscheibe. Carlo auf dem Fahrersitz. Der Wagen schleudert um die Kneipenkurve, Gebharts Schafe blöken.

Fisch steht vor dem geschlossenen Konsum, fingert eine Zigarette aus der flachen Blechschachtel. Als er sie anzündet, kreischen die Reifen in der Kurve am Ortsausgang.

Er ist sie los, für immer, hoffentlich.

Ein tiefer Zug, er hustet, hustet, kann nicht aufhören, was ist das, Herrgott, was? Er sinkt zusammen.

Als ihn die Meiersche nachts findet, mit dem Boxer unterwegs, ist er längst kalt.

So schade, sagt sie, was für ein schöner Mann.

Ende.

Roman-Anfang

schiessleiter

Atemraubender Gestank lag auf dem Land. Ödnis regierte zwischen den Anwesen.

Das Wasser kam im Tankwagen, der Bäcker seit zwei Wochen nicht mehr, Trinkerheim, den Krämer hatten sie mit ihrem Geiz schon vor Jahren in die Totenhalle gebracht, weit vor seiner Zeit. Der Bauer, der sich mehr um seine Pferde als die Äcker kümmerte, nahm die Witwe in den Stall.

Abends hörte man von den Höfen billige Musik und brüllende Rede, das Schlagen der Bierflaschen aneinander; man roch das Fleisch, Fleisch, Fleisch, angebrannt auf dem Rost: Wollen wir auf Rollrasen leben oder Kies, darunter Folie, nichts kommt durch nach oben, oder die Platten, Naturstein auf Beton?

Ja.

Wenn nur der Gestank.

Daran gewöhnst du dich.

usw usf

 

Ende der Saison

strandkoerbe

Voller Wehmut lass ich rieseln
in die kleine Plastedose
Ostseesand, vermischt mit Kieseln
aus der ollen Badehose.
Hab sie heute erst gefunden
hinten links im Kofferraum.
Nur als Reimwort: Was mit “Hunden”?
Strandkorb? Sonne? Aus der Traum.
Jetzt such ich die Pelerine.
Montag wieder in die Mine.

Finale Bärchensichtung

baerchen-blaetter

Der für die fotografische Begleitung der Bärchensichtungen in den Bärchenerwartungsgebieten (wir berichteten) gedungene Fotograf ist seit gestern verschollen, berichtet die Untere Bärchenerfassungsbehörde. Das oben abgebildete Lichtbild ist das letzte mit seiner hochwertigen (aber nun kaputten, weil auf den Boden geprallten und mit Bissspuren versehenen) Kamera gefertigte. Nach Einschätzung von Experten zeigt es ein gesichtetes Bärchen von hinten inmitten Herbstlaubs. Es ist nicht auszuschließen, dass das Bärchen sich durch die Aufnahme gestört fühlte und sich dem Fotografen in welcher Absicht auch immer zuwandte.

Für die Bevölkerung hat diese Situation keine Auswirkungen, solange die Fenster geschlossen bleiben und Nutztiere so schnell wie möglich selbst verzehrt werden.

Ende der Klagen

rauch

Nachdem die Autoindustrie über Jahre ungerechtfertigte, hämische, bösartige, zukunftsfeindliche, wirtschaftsschädliche, umweltgefährdende, unzutreffende, stinkende, sabbernde, neidische, zersetzende, krankheitsbegünstigende, vegane und sexistische Anfeindungen über sich ergehen lassen musste, wird es nun endlich Zeit, zur Tagesordnung überzugehen und auf der Autobahn mal bei Vollgas den Katalysator freizubrennen.

Schöner Ausflug

weg

Karl Gong benutzte eines Tages den Radweg auf dem Deich, um ins Naherholungsgebiet zu gelangen, wo er eine Bockwurst, ein Fischbrötchen und zwei Liter Gose einzunehmen gedachte. In träumerischer Vorfreude, nur getrübt durch den miserablen Zustand des Radweges, der offensichtlich von Menschen erbaut worden war, die Radfahrer abgrundtief hassten, sprang er von einer eingebauten Schottersteinspitze zur nächsten, wiederum lose Schottersteine nach links und rechts katapultierend.

“Diese Sauhunde!” brüllte Gong, denn bevor der Radweg durch die Sauhunde erneuert wurde, hatte er sich in tadellosem Zustand befunden, ohne jedoch hochwassertauglich zu sein.

“Scheiß auf das Hochwasser!” keilte Gong nach, da gab es schon ein Geräusch!

Bäng! machte das Rad. Bäng-Bäng! Wie bei Cher.

Wutheulend warf Karl Gong das dreckige, frisch geölte Fahrrad auf die Wiese, ergab sich der Not des Faktischen, demontierte die dreckstrotzende Technik und fand nach langer Suche die versteckte Schadstelle, klebte einen Flicken drauf, montierte “den Misthund” fluchend, die Luft jedoch entwich weiterhin; alles wieder auseinander geruppt, zweites Loch suchen und flicken, fluchen, schreien, montieren. Die Sonne, inzwischen nicht mehr der Rede wert, hing unentschlossen blass zwischen den höheren Bäumen.

Gong hetzte zum See, schlang sein Kontingent hinter, ihm war schlecht von dem unrund schlackernden Hinterrad, aber was muss, das muss. Erschöpft, seekrank und deprimiert schließlich traf er des Nachts die Lebensgefährtin an, die sich jedes Trostes enthielt und nur seine “völlig verdreckte” Erscheinung in gewählten Worten geißelte. Da er “so” nicht ins Bett gelassen wurde, übernachtete er in der Fahrradfaltgarage.

Der letzte Ausflug

fuesse

Ratlos sitz ich auf dem Felsen
oben und ich komm nicht runter.
Neben mir die beiden Elsen
und der dicke Onkel Gunther.
Keiner kennt den Weg zurück.
Wie wir stiegen: Unbekannt.
So beschert uns auch kein Glück
atemloser Blick aufs Land.
Panik spült durch die Gedärme.
Ich betrachte meine Füße.
Neide euch die Ofenwärme.
Sende trotzdem frohe Grüße.

Vom kulinarischen Zusammenleben

allesfresser

Der bekannte Hedonistiker Karl Gong, mit seiner augenblicklichen Lebensgefährtin eine Doppelwohnküche mit angeschlossenen Schlafzimmern bewohnend, beschwerte sich des öfteren über die Unübersichtlichkeit des die Wohnstatt umgebenden Kleingartens, in dem “niemals irgendwas zu fressen zu finden ist, weil keinerlei Beschriftungen über die Verzehrbarkeit der Gewächse Auskunft geben”.

Die Lebensgefährtin wurde daraufhin aktiv, ließ beim örtlichen Schildermaler (mit angeschlossener InfluencerInnen-Agentur, aber dies nur nebenbei) eine gut sichtbare Tafel anfertigen und plazierte sie dort, wo Gong sich bitteschön in Zukunft die Zutaten für seine gefürchteten Suppen, Currys und Matschpampen ausgraben darf.

Gong war es von nun an zufrieden.

Schlammgast (Wortspiel)

schlammrad

Das diesjährige Wüten der Wetterunbilden ließ die Menschen beinahe das schöne deutsche Wort “Schlamm” vergessen, bröselte und staubte doch die Landschaft unter sengendem Himmel einfach so dahin. Um so wichtiger, dass in relevanten Internetz-Informationsdiensten Erinnerungen an solche längst vergessenen Phänomene erfolgen.

Das Bild oben (Schlamm) wurde der kürzlich renovierten Enzyklopädie über Blasegast entnommen, deren Besuch nun auch mit Telefonen möglich ist und wärmstens anempfohlen wird.

Federweiser

federweiser

Als wir neulich den Flecken Gordemitz durchrollten, konnten wir aus den Augenwinkeln erkennen, dass in großen Lettern ein FEDERWEISER annonciert wurde. Leider war es bei der rasenden Fahrt nicht möglich, ein Lichtbild desselben zu fertigen, weshalb auf die Dienste des bekannten Kunstmalers Gofthe zurückzugreifen war, der in kürzester Zeit und bekannter “Qualität” seine Interpretation hinschmierte (siehe oben).