Was der Markt verlangt

Augenscheinlich wird hier auf ein Stelzbockauto angespielt, nach dem „der Markt“ möglicherweise „verlangt“. Höchstwahrscheinlich handelt es sich zu allem Unglück auch noch um einen sogenannten Pluginhybriden, der als Ballast verschiedene ungenutzte elektrische Aggregate spazierenfährt, bei deren Produktion die Umwelt (woanders) ruiniert wird.

Das Bild wurde von Gofthe nach Anweisungen des „Autopapstes“ hingeschmiert; er schämte sich allerdings, es zu signieren.

Das neue Dienstrad

So stelle ich mir einen Einsatz der Dienstgruppe vor!

Als ich die Dienststelle betrat, lag eine Art erwartungsvolle Stille über den Schreibtischen. Alle starrten mich an, die Mundwinkel zuckten. Aus KHKLPG Müller platzte es schließlich heraus: „Neues Dienstrad!“ röchelte er und fiel in Ohnmacht.

Das neue Dienstrad hatten sie hinter dem Kaffeeautomaten versteckt, um mich zu überraschen. KWDHFK Schultz fasste sich überwältigt an den Busen, als ich es hervorzog, sie musste sich schwer atmend setzen. Ich fummelte an den Komponenten des Gerätes herum und hatte sofort schwarze Finger. So ein Drecksrad! Außerdem verfügte es über einen Hilfsmotor aus Elektrik! Dabei war der Dienstbereich flach wie KMPGH Lehmanns Brust, bevor er regelmäßig das billige Fitnessstudio besuchte!

Enttäuscht nahm ich die besudelten Hände vom Rad, und KSKSK Schrott sprang hinzu, damit es nicht umkippte. Das hatten sie fein angestellt. In der Asservatenkammer genau das Mistfahrrad herausgesucht, auf dem ich niemals durch die Gassen eilen würde! Eingeschnappt schritt ich zu meinem Spind, löste das einbruchssichere Schloss und zog mein vier Kilogramm leichtes Rennrad von 1963 hervor, küsste das blinkende Ritzel, stürzte mich auf dem Hinterrad die Treppe der Dienststelle hinunter und fuhr eine Runde Streife, auf der ich sechzehn Fußgänger verwarnte und drei Autorückspiegel abtrat.

Momentaufnahme

Vor wenig Monden buntes Laub.
Jetzt singt mich schon die Amsel taub,
und Blüten drängen aus den Zweigen. 
Die Zwerge tanzen einen Reigen.

Das Silber schmurgelt in der Pfanne.
Verwegen kreist die Branntweinkanne
und wirft die wackren Trinker nieder.
Blau senkt die Nacht sich auf den Flieder.

Von Aachen herrscht der Lenz bis Zerbst.
Nun preise ihn. Denn bald ist Herbst.

Amerikabericht

Stabile Boote sind geeignet, große Wasserflächen zu überqueren.

Ich kam nach Amerika auf der Great Eastern, dem Unglücksschiff. Außer mir waren nur neunundzwanzig Passagiere an Bord, weil die Reederei nicht erwartete, dass der unförmige Kahn jemals ankommen würde. Die achtzig Mann Besatzung waren der Reederei offensichtlich noch egaler als die Passagiere, sie hausten neben den Kesselöfen, die sie pausenlos mit Koks füllten. Es war ein Alptraum, zwei Wochen anhaltend, notdürftig gedämpft mit Unmengen von Absinth.

Schon der Stapellauf des Schiffes war ein ungeheures Desaster gewesen, man hatte es mit Wasser statt Champagner irrtümlich auf den Namen eines blutsaugenden Meeresmonsters getauft, eine zerspringende Kette zerteilte folgerichtig den für sie verantwortlichen Arbeiter, der mächtige Rumpf des Schiffes rutschte genau einen Meter Richtung Hafenbecken, sackte auf die überforderten Schienen und konnte erst nach drei Wochen unter Zuhilfenahme erheblicher Geldbeträge freigekämpf werden, zwei Tage später erlitt der Konstrukteur einen Gehirnschlag und verstarb.

Ich war überzeugt, dass Amerika nicht existierte, dass es eine Erfindung der Werftindustrie war und wir alle in Litauen landen würden, oder gar in Albanien, um in den Krautkochtöpfen oder auf den Souflakigrills der Einheimischen zu enden. Es machte tatsächlich keinen Unterschied, Amerika existierte zwar offensichtlich, war aber das lausigste Land, in dem ich mich jemals befunden hatte. Ich verdingte mich mangels Alternativen als Tellerwäscher, brachte es mit allerlei Ränkespielen, „harter Arbeit“, Mord und Totschlag zum Millionär und heiratete eine Schnalle, die es auf mein Geld abgesehen hatte.

Nicht nur in Wanzleben

Karl Gong, der Beschützer der Holden und Rächer der vom bösen Nachbarn niedergerissenen hinteren Brombeerhecke, staunte nicht wenig, als er im Bezirkspresseorgan das Geschmier eines Autors erblickte, der sich erfrechte, die angebliche Verunkrautung und Verqueckung der Rübenschläge anzuprangern, für die auch er, Gong, zu einer freiwilligen Patenschaft gepresst worden war, die ihm sowohl die manuelle Unkrautbeseitigung als auch das nicht minder verhasste Verziehen der penetrant stinkenden Rüben auferlegte, eine Tätigkeit, über die die Unangetraute, hoch zu Ross mit langen, wehenden, wallenden Haaren die Feldraine abreitend, nur Spott und Verachtung übrig hatte, wenngleich auch ihr an einem unbelasteten Verhältnis zum LPG-Vorsitzenden gelegen war, nicht zuletzt aufgrund der Unmengen an Heu, die ihre Gäule tagein, tagaus verzehrten, und die sich nur mit Hilfe des Vorsitzenden beschaffen ließen, der, außerdem, ein vortrefflicher Tänzer war, anders als ihr Unangetrauter, dem beim Rheinländer stets übel wurde, selbst ohne vorher dem Braunkohlebergmannsfusel zugesprochen zu haben, den man bei den Dorffesten, deren unbedingter Besuch auch gegen den strikten Willen des Gong, Karl, gnadenlos vorausgesetzt und durchgeführt wurde, reichte.

Seufzend knüllte Gong die Zeitung in den Kachelofen, zog die Gummistiefel über, griff sich die Hacke und den Flachmann, stieg aufs Diamantrad und begab sich zu seinen drei Hektar Patenschaftsquecken.

Sachsendreier, untauglicher Versuch

Sachsendreier, zusammengeschmiert von Gofthe

Die Landesspirale der politischen Bildung hatte einen künstlerischen Wettbewerb ausgeschrieben, der das Ziel verfolgte, den mittlerweile etwas problematischen Ruf, den der Rest der Bevölkerung draußen hinter der Landesgrenze von den inneren Landeskindern gewonnen hatte, mit einer gewissen selbstkritischen, augenzwinkernden Milde sympathisch darzustellen (lustiger Humor), um ihn „ironisch“ „zu brechen“. Wie mit etwas Nachdenken zu vermuten gewesen wäre, traute sich natürlich kein Künstler bzw. Werbefuzzi aus Angst vor den Reaktionen in den „sozialen“ Medien, irgendetwas einzusenden. Mit Ausnahme von Maler Gofthe, der wie immer unter chronischem Geldmangel litt, keine Vernissagen hatte, bei denen er sich auf Kosten der Galeristen durchfressen konnte, und dem aufgrund seiner Unsterblichkeit eine gewisse Unerschrockenheit eignete.

Als die Juroren die einzige Arbeit des Wettbewerbs (Sachsendreier, Gofthe, Filzstift, 21cm x 15cm) erblickten, sagten sie ihn ab, schickten das Bild an diese Redaktion, die jeden Mist veröffentlicht, und gingen ihrer Wege.

Vom Steinzeug

Plantreu sind die Steinzeugwerker
schon seit 16 Jahren.
Hansi Koch grüßt hoch vom Erker,
kam heut hergefahren

in der schwarzen Limousine,
um sich vorzustellen.
Später geht’s in die Kantine
zu den Frikadellen.

Alle werden profitieren:
Steinzeug, Kunst und Werker.
Hansi trinkt Bier für die Nieren,
Werker trinken stärker:

lieber Schnaps!
Happs!
Gäb es nie
in der Akakademie.

Die Glocke

Dräuend hebt sich der höchste Turm des Bistums hinan (Beispielfoto)

In einem früheren Leben war ich Baumeister. Als solcher befehligte ich nicht nur ein Heer von stets betrunkenen, aber exzellenten Maurern, Zimmerleuten und Hilfsarbeitern, sondern verantwortete auch Architektur, Statik und den gewöhnlich hoffnungslos überbordenden Zierat der Gebäude.

Eines verdorbenen Tages nahm ich eine Einladung des Probstes der Gemeinde vom Heiligen Dingsbums an, der mir eröffnete, die größte, schönste, höchste Kirche des gesamten Bistums mit meiner Hilfe errichten zu wollen. Unter dem Einfluss von Rauschmitteln und Alkohol besiegelten wir das Geschäft per Handschlag zum Festpreis, und erst am nächsten Morgen wurde mir klar, dass ich schon vor dem Aufsetzen des Daches bankrott sein würde, wenn ich nicht sämtliche Materialien billig aus Siebenbürgen und die Steinmetze aus Indien heranschaffen ließe, was dann auch geschah und mir den Hals rettete.

Beim prunkhaften Eröffnungsgottesdienst, dem ich intellektuell nicht zu folgen in der Lage war, fiel mir eine Glocke auf den Kopf, die der Subsub nicht ordnungsgemäß angebracht hatte, und ich kam in den Himmel.

Keine gute Frage

Ich war erschöpft von den allgemeinen Zuständen, wie alle um mich herum, jedenfalls kam niemand ohne einen genervten Verweis auf dieselben aus, sofern man sich denn überhaupt austauschte. Jeder tappte missmutig herum und ließ „den Frühling“ machen, in der irren Hoffnung, durch die wild ausschleudernden Allergene würde irgend etwas an der Situation besser werden. Es war keine Zeit für Antworten, die waren alle gegeben, und sie schienen falsch, wenigstens zweifelhaft zu sein. Also brauchte man auch keine Fragen zu stellen, am wenigsten an sich selbst.

Leider funktioniert Einsicht prinzipiell nicht als Vorgabe für die Realität. Ich stellte mir eine Frage. Ich konnte es nicht verhindern: Wie, um alles in der Welt, kann ich in der Packung die eine Scheibe Käse ohne Gentechnik identifizieren?

Wenn „das Ersatzeis seinem Zweck genügt“

Sensationelle Abwechslung zum Frauentag: vom Badestrand einen Abstecher zur Eisbahn — kein vollendeter Sport, aber „heißes Eis“ gibt es auch in der Pinguin-Eisbar am Markt, wo Karl Gong mit seiner Unangetrauten unter Plastikpalmen und der strahlenden Sonne der Kreisstadt zur Untätigkeit verurteilt ist, ein Problem, an dem sich bereits viele Erfinder und Techniker ohne restlose Lösung versucht haben.