Kategorie-Archiv: Sie und Er und 1000 Fragen

Sie und Er und 1000 Fragen

Vom missverständlichen Hass

“Ich habe das ganze Haus gesaugt”, sprach Karl Gong, den heißgelaufenen Staubsauger in der Hand, aufgebracht zu seiner Gattin, und es klang, so gepresst hervorgestoßen, wie “Hass gesaugt”.

Die Gattin musterte ihn kühl von oben nach unten und retour, drehte dann ihre Augen in Richtung Decke und zog dabei elegant die hohen Schuhe an, die Karl Gong EXTRA jeden Tag putzen musste, auch wenn sie gar nicht in Gebrauch waren, wegen des Glanzes.

“Wer Hass saugt, wird Liebe ernten”, versetzte sie schließlich nach einiger Überlegung, während sie schon federnd davoneilte in Richtung Pediküranstalt, in halber Drehung apart eine Kusshand nach Karl Gong werfend, die dieser jedoch nicht mehr sehen konnte, wegen des Türrahmens, hinter dem sie verschwunden war.

“Jetzt nehme ich mir endlich den Hegel vor”, sprach Karl Gong, der Geisteswissenschaftler, leise zu sich, meinte aber eigentlich den angefangenen Whisky von der Fähre (steuerfrei).

Schnecken

schnecke

“Findet die Kunst an meiner Haustür statt, muss ich nur früh zum Bäcker gehen, nicht ins Musäum”, sagte Karl Gong, der Kunstfreund, zu seiner Frau. “Das ist praktisch.”

“Aber nur, wenn die Kunst schön ist”, sagte seine Frau. “Hässliche Kunst sollen sie mal schön im Musäum lassen, die Hunde!”

“Jaja,” sagte Karl Gong, “ist ja richtig”, und er war sich nicht sicher, ob er sich nun seiner Frau oder seinen Gedanken an die Kunst zuwenden sollte, woraufhin seine Frau, die das Zögern mit Hilfe ihrer extrem sensiblen weiblichen Fühler bemerkte, die Gelegenheit nutzte, in die Küche zu flüchten.

“Wir könnten doch mal wieder Schnecken backen, Frau, oder?” rief ihr Karl Gong nach, aber seine Frau antwortete nicht.

Die damalige Freundin

Um seine nächtlichen Ausflüge zum Kühlschrank, die vornehmlich der dringenden Beschaffung geistiger Getränke dienten, dokumentieren, bestrafen und letztlich unterbinden zu können, hatte Karl Gongs damalige Freundin auf allen Zugangswegen zum Kühlschrank Grützwurstfallen aufgestellt. Geriet er in eine dieser Fallen, was regelmäßig geschah, musste er am folgenden Morgen unter lärmendem Gezeter daraus befreit werden. Dies tat der Beziehung nicht besonders gut und führte schließlich zum Abbruch derselben.

Gemeinplätze

Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken, sagt Ilse Tschie.

Das Leben ist zu kurz, um genug guten Wein zu trinken, sagt Karl Gong.

Und der Wein ist zu gut, um ein kurzes bzw. langes Leben zu haben, sagen der Arzt und der Apotheker.